Wahnsinn im Alltag


ABC, die Katze sitzt im Schnee
Dezember 21, 2009, 4:04
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Jetzt ist er etwas über ein Jahr alt, unser Jungkater Indie, und ich weiß nicht, ob er noch eine Erinnerung an seinen ersten Winter hat. Den ersten Schnee heuer fand er staunenswert – und widerlich. Und jetzt würde er am liebsten alle 5 Minuten hinausrennen und nachsehen, ob nicht vielleicht doch schon wieder Sommer ist …

Das Adventsrätsel der Zeitschrift BRIGITTE ist, wenn schon nicht interessant für ihn, dann wenigstens schön bequem. Warum eigentlich liegen Katzen immer so gern auf Papier?

Spannend isses ja schon, draußen zu sitzen und das Getier zu beobachten, das durch den Garten wuselt.

Aber es ist sooooo kalt!

Da kämpft er doch lieber im warmen Büro mit dem Plüschlöwen.



Agustin Sanchez Vidal: Quipu – Roman
Dezember 21, 2009, 8:54
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Agustin Sanchez Vidal: Quipu, ISBN 978-3-423-24757-3, OT: Nudo de Sangre, aus dem Spanischen von Marianne Gareis, München 2009, Deutscher Taschenbuchverlag dtv, 462 Seiten, 13,5 x 21 x 3,5 cm, EUR 14,90 (D), EUR 15,40 (A)

Drei rätselhafte Mordfälle
Madrid 1780: Nach Jahren in Zaragoza kehrt Militäringenieur Sebastian de Fonseca nach Madrid zurück. Unter anderem, um ein Theaterstück über das koloniale Peru anzusehen, an dessen Überarbeitung sein Vater Juan mitgewirkt hat. Er beschäftigt sich seit Jahren mit der Geschichte der Inka.

Als Sebastian dem Theaterdirektor Canizares in der Pause eine Nachricht seines Vaters bringen will, findet er ihn erhängt in seiner Garderobe auf. Selbstmord war das nicht: Um den Hals des Toten ist eine Schnur mit einer rätselhaften Botschaft geknüpft.

Offenbar wusste Sebastians Vater, dass der Künstler in Gefahr war. Was das zu bedeuten hat, kann Sebastian ihn leider nicht mehr fragen, denn auch Juan de Fonseca ist tot – und offensichtlich den selben Tätern zum Opfer gefallen wie der Theaterdirektor. Wer hat Interesse daran, einen Künstler und einen schwer kranken, verarmten Adeligen zu ermorden?

Unvermittelt taucht Sebastians Onkel Alvaro auf, ein Jesuit, der sich seit der Zerschlagung des Ordens vor 13 Jahren vor den Autoritäten versteckt hält. Alvaros Theorie: Die Morde sollten verhindern, dass Details über einen Inka-Schatz bekannt würden. Wo dieser Schatz sich befindet, das könnte Juan de Fonseca bei seinen Forschungsarbeiten über die Kultur der Inka herausgefunden haben. Und wer weiß, war er dem Theaterdirektor alles erzählt hat?

Alvaro überlässt seinem Neffen eine wertvolle Chronik aus dem 16. Jahrhundert, die dessen Vater als Quelle für dessen Studien gedient hat. Verfasst wurde sie von Diego de Acuna, der 1572 als Schreiber beim Feldzug der Spanier gegen die aufständischen Inka in Vilcabamba dabei war. Acunas Kontakte zu den Indios waren ausgezeichnet und reichten bis in die höchsten Kreise. Wenn jemals ein Spanier etwas über den Indioschatz in Erfahrung bringen konnte, dann er.

Die Inka hatten keine Schrift und haben Informationen mittels Knotenschnüren, den Quipus, aufgezeichnet und übermittelt. Sebastians Vater hatte immer vermutet, dass mit Hilfe von Acunas Chronik die Aufzeichnungen der Inkas zu entschlüsseln wären – und damit auch der Weg zum Schatz.

Als blinder Passagier nach Peru
Nach einem weiteren Todesfall in Sebastians näherem Umfeld rät ihm ein einflussreicher Freund, das Land schleunigst zu verlassen. Doch statt, wie geplant, auf einer der kanarischen Inseln, landet Sebastian als blinder Passagier an Bord der „Africa“ mit Kurs auf Peru. Auf diesem Schiff vermutet er den Mörder seines Vaters. Wer mit Sicherheit an Bord ist und die Finger ganz tief in der Geschichte drin hat, ist sein Nachbar und Erzfeind, der Marques de Montilla.

In seinem Versteck im Laderaum hat Sebastian ausreichend Gelegenheit, in der Chronik zu lesen. Diego de Acuna berichtet darin von der faszinierenden Kultur der Indios, vom Untergang des Inkareichs nach der Eroberung durch die Spanier – und davon, dass er alles getan hat, um Sirax, eine junge Inka-Adelige, vor den Spaniern zu beschützen. Sie und das rote Quipu, das ihr so wichtig war, und das offenbar bedeutende Geheimnisse der Inka bewahrte.

Auch wenn Sebastian an Bord des Schiffes Unterstützung hat, dauert es nicht lange, bis man ihn findet. Kapitän Valdes’ Reaktion auf seine Entdeckung ist erstaunlich. Doch das ist nicht die einzige Überraschung: Abgeschirmt von Passagieren und Mannschaft reist die Inka-Prinzessin Umina mit ihrem Indio-Diener Qaytu zurück nach Peru. Sie war in Madrid und weiß von der Chronik – und dass Sebastian sie hat. Vielleicht helfen Diego de Acunas Aufzeichnungen ihr ja dabei, ihren Erbanspruch auf den Inka-Thron zu belegen.

Sebastian lässt sich schnell davon überzeugen, dass es sinnvoll ist, Umina die Chronik zu überlassen. Durch einen Zufall stellt sich heraus, dass das Buch nicht mit einer gewöhnlichen Schnur gebunden wurde, sondern mit einem Quipu. Ist es die Knotenschnur, die Prinzessin Sirax so wichtig war?

Ein Anschlag auf Sebastian bestärkt ihn in der Annahme, dass der Mörder seines Vaters an Bord ist. Beim Herumschnüffeln im Laderaum findet er tatsächlich Hinweise auf dessen Identität. Als er den beiden Indios erzählt, wer ihn angegriffen und wahrscheinlich auch die drei Morde in Madrid begangen hat, sind sie starr vor Entsetzen. Dieser Mann ist für entsetzliche Greueltaten verantwortlich. Weder als Geschäftsmann noch politisch kann man ihm etwas Gutes nachsagen. Er schürt die Kämpfe um die Inka-Erbfolge und unterstützt abwechselnd die konkurrierenden Anwärter: den Mestizen Jose Gabriel Condorcanqui und Prinzessin Umina. Welche Interessen er damit verfolgt? Schwer zu sagen.

Wettlauf nach Vilcabamba
Der einflussreiche Geschäftsmann Don Luis, ein Freund von Uminas Familie, hilft ihr, eine Expedition nach Cuzco auszurüsten. Sie müssen unbedingt dem Mörder und dem Marques zuvorkommen, die in der Krypta des Klosters Santo Domingo wertvolle Hinweise für ihr Vorhaben vermuten.

Dank Onkel Alvaros internationaler Kontakte bekommt Sebastian Dokumente aus dem Jesuitenarchiv zugespielt, die ihnen noch einen weiteren Grund liefern, schneller in der Krypta zu sein als die Gegner: Denn dort sollen auch die Geheimnisse verborgen sein, die Prinzessin Sirax ihrem Land hatte zurückgeben wollen.

Was sie in der Krypta finden, entpuppt sich als Wegbeschreibung. Führt sie nach Vilcabamba, in die verlorene Stadt und damit zum legendären Schatz? Umina, Sebastian und Diener Qaytu brechen auf, dicht gefolgt von ihren Feinden. Der Wettlauf geht durch unheimliche Höhlen und durch ein Tal feindlich gesonnener Indios, über Berge und Gletscher, durch Eis und durch Schnee. Wird am Ende jeder finden, was er sucht? Wer bekommt, was ihm zusteht? Und wer bekommt, was er verdient?

Schnitzeljagd vor exotisch-historischer Kulisse
Der Autor Augstin Sanchez Vidal, 1948 in Salamanca geboren, ist Professor für Film- und Medienwissenschaften an der Universität Zaragoza. Er hat Drehbücher für Film und Fernsehen verfasst und mehrere Monografien zur Literatur-, Kunst und Filmgeschichte geschrieben. Und diese Drehbucherfahrung merkt man dem Buch an. Die Abenteuer von Sebastian und Umina schreien geradezu: „Verfilme mich!“ Allein die Rückblicke auf die Geschichte des Landes stünden diesem Vorhaben entgegen – oder würden es zumindest erschweren.

QUIPU ist ein spannender, gut recherchierter Abenteuerroman vor einer exotischen historischen Kulisse. Wer bislang noch keine Veranlassung sah, sich mit der Geschichte der Indios, der Inkas und des kolonialen Peru zu befassen, wird viel Interessantes und Faszinierendes erfahren. Nicht nur Diego de Acunas flammende Abrechnung mit der Eroberungs- und Kolonialpolitik der Spanier erfüllt einen mit Respekt vor der untergegangenen Inka-Kultur – und mit Bedauern über deren Verlust.

Was bei dieser komplexen Geschichte ein wenig auf der Strecke bleibt, ist die Motivation der Figuren. Im Grunde ist nur die Inka-Prinzessin Umina unbeirrbar zielstrebig. Sie setzt Himmel und Hölle in Bewegung, um ihren Anspruch auf den Inka-Thron zu belegen und lässt sich davon weder ablenken noch abbringen.

Sebastian ist ursprünglich losgezogen, um den Mörder seines Vaters zur Verantwortung zu ziehen. Doch dieses Ziel tritt in den Hintergrund, sobald er Umina kennen lernt. Als sei es damit getan, den Namen des Mörders zu kennen, geht er jetzt mit der Prinzessin auf Beweisjagd und unterstützt sie mit Informationen, die er aus spanischen Quellen bekommt. Als sich als Nebenprodukt ihrer Recherchen ein Wegweiser zum Inkaschatz ergibt, sucht er auch nach diesem. Fände er ihn, wäre immerhin das Lebenswerk seines Vaters vollendet.

Vor der Kulisse der peruanischen Bergwelt bleiben die handelnden Personen bedauerlich flach. Was treibt eigentlich die Schurken in dieser Geschichte an, außer vielleicht Habgier? Warum sind die Montillas und Fonsecas bis aufs Blut verfeindet? Dass der Marquese sich von der Aussicht auf einen sagenhaften Schatz dazu verlocken lässt, mit dem skrupellosen Peruaner gemeinsame Sache zu machen, ist noch nachvollziehbar. Aber was sind die Beweggründe dieses peruanischen Fieslings? Wenn er nur hinter dem Schatz her ist, sind einige seiner Aktionen deutlich überdimensioniert bis komplett unnötig. Wollte er eigene Ansprüche auf den Thron anmelden, ergäbe sein Tun mehr Sinn.

Es drängt sich der Verdacht auf, dass die beiden Figuren als durch und durch miese Gestalten angelegt sind, weil die Helden einer solchen Geschichte eben irgendwelche Gegenspieler brauchen. Das ist schade. Denn so bleibt der Roman eine atemlose Schnitzeljagd über Stock und Stein, ein Wettrennen zwischen Gut und Böse, wenngleich auch vor eindrucksvollem Hintergrund. Das Thema ist faszinierend, die Umsetzung partiell vergeigt.

Ein Glossar wäre bei diesem Buch hilfreich gewesen. So ist man öfter mal am Grübeln und Blättern: Wurde schon erklärt, was ein Kazike ist? Habe ich das in der Fülle des Materials überlesen oder wird diese Kenntnis vorausgesetzt? Gewohnheitsmäßige Druckfehlerzähler werden im übrigen auch fündig werden. Die Rezensentin ist da nicht so penibel: je dicker der Roman, umso größer ist eben auch die Gefahr, ein paar Fehler zu machen.



Zuckerfrei – sinnfrei
Dezember 16, 2009, 9:22
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Die „zuckerfrei“-Headline habe ich vor kurzem in unserer Tageszeitung entdeckt. Ich las sie einmal, zweimal, dreimal, las den Artikel und dachte: ‚Komisch … irgendwie stimmt da was nicht mit der Überschrift’. Um sicherzugehen, dass es nicht an mir liegt und ich einfach nur nicht verstehe, was der Verfasser uns sagen will, habe ich noch drei andere Leser der Zeitung befragt. Alle drei fanden die Überschrift seltsam. Also habe ich die Seite herausgerissen und an den SPIEGEL geschickt – für die Rubrik „Hohlspiegel“.

Und da steht sie nun, die zuckerfrei-sinnfreie Überschrift, in der Ausgabe Nr. 51/09.

Ob’s dafür noch „Finderlohn“ gibt? Zu DM-Zeiten hab ich schon mal einen Beitrag eingereicht und durchgekriegt, damals gab es dafür DM 80,–. Na ja, selbst wenn sie den Finderlohn mittlerweile eingespart haben sollten, ist das auch nicht schlimm. Ich habe Unfug in den ehrwürdigen SPIEGEL gebracht, das allein freut mich schon.



Von Beeren, Katzen und unfotogenen Menschen
Dezember 13, 2009, 1:54
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Keine Ahnung, was das für ein Gewächs ist. Ich glaube, der Strauch stand schon im Garten, als ich noch ein Kind war und unsere Wohnung noch meinem Großvater gehörte. Auf jeden Fall sind die sind Beeren wunderschön rot. Und so viele!

Wenn’s klingelt, ziehen sich Cooniebert und Yannick sofort via Kratzbaum auf die oberste Plattform des Wohnzimmerschranks zurück und machen sich hinter den Büchern unsichtbar. Aber gucken, wer da ist, muss man schon. Ätsch, es war der Pizzabote, und der ist schon wieder weg!

Reine Katzenfotos haben als Illustration für einen meiner Texte nicht genügt. Die Redaktion wollte Fotos von Katze mit Mensch. Dass die Katze schön schaut, ist ja nicht das Problem. Das Problem bin ich. Wenn der Text also gar nicht erscheint oder doch nur die Katzen abgebildet sind, wissen wir wenigstens warum … Ende Januar weiß ich mehr und werde berichten.



Heinz Grundel: Der Struwwelköter
Dezember 11, 2009, 12:04
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Heinz Grundel: Der Struwwelköter, Lustige Geschichten und drollige Bilder für Hunde von 1 bis 12 Jahren, Nerdlen/Daun 2008, Kynos-Verlag, ISBN: 978-3938071588, Hardcover, 32 Seiten, Großformat 30 x 21,4 x 1 cm, durchgehend farbig illustriert, EUR 9,90.

Seht einmal, das ist er
Hundehaufen frisst er.
Seine Krallen fast ein Jahr.
Bürsten lässt er nicht sein Haar.
Will nicht brav spazierengehn,
Pinkelt immer nur im Stehen.
Pfui! ruft da ein jeder:
Garst’ger Struwwelköter!

So steht’s auf dem Buchcover. Und natürlich besteht kein Zweifel daran, wovon sich der Autor zu diesem Buch inspirieren ließ: vom Bilderbuchklassiker „Der Struwwelpeter“. So blutig und dramatisch wie in Dr. Heinrich Hoffmanns Werk von 1871 geht es bei Heinz Grundel zum Glück nicht zu. Hier werden keine bösen Friedriche gebissen, keine Paulinen verbrannt und auch keine Daumen abgeschnitten. Es geht auch nicht um unfolgsame Kinder sondern um ganz alltägliche Dinge, die den Hund von heute umtreiben.

Bello, eine Art vierbeiniger Suppenkasper, will kein Dosenfutter fressen. Er bevorzugt Fisch, auch wenn dieser müffelt.
„Ich fress kein Dosenfutter nicht!
Nein, Dosenfutter fress ich nicht!
Nimm ihn weg, den Kübel,
denn davon wird mir übel!“

Die junge Hundedame Trixi soll, wie seinerzeit Struwwelpeters Paulinchen, brav alleine zu Hause bleiben. Macht sie natürlich nicht und geht heimlich aus. Die Folgen sind zwar nicht fatal, aber lehrreich …

Hündin Tara hat nur ein Hobby: Fressen. Was natürlich Auswirkungen hat. Rex und Atze kriegen sich in die Hundehaare. Ed und Luzie überfallen den Osterhasen und geraten in Streit über die Beute. Und wie das so ist: Wenn zwei sich streiten, freut sich der dritte … So ähnlich ergeht es auch Fips und Prinz, nachdem sie der Hündin Wally den Knochen geklaut haben.

Anders als der fliegende Robert mit seinem Regenschirm hebt der fliegende Waldi ab: mit einem Ballon. Und was er auf dem Weg nach oben nicht alles erlebt!

Der Rüde Harro bettet sich auf dem Familiensofa zur Ruhe, was von seinen Menschen gar nicht gerne gesehen wird. Sie verjagen ihn. Doch Harro ist ja nicht blöd …! Schäferhund Bingo ist überfordert: Statt schlafen zu gehen, wollen die Schafe lieber Party machen. Er sucht Rat bei seinem Kumpel Wuffi, der die Sache beherzt in die Hand nimmt.

Hündin Jule wird auf dem Weg zur Hundeschule vom Rüpel-Rüden Louis von der Seite angequatscht, zieht sich aber elegant aus der Affäre. Neros Nachtwache nimmt dank zweier Gespenster vor dem Fenster einen ungewöhnlichen Verlauf. Und Rüde Nepomuk schmachtet seine Bella mit einem wirklich saukomischen Liebesbrief an.

Auch wenn’s hier in Reim und Bild witzig und unblutig zugeht und das Buch wie ein Bilderbuch aufgemacht ist: Für kleine Kinder ist es trotzdem nichts. Es ist nämlich teilweise nicht ganz, äh, stubenrein. Wenn man nicht vor versammelter Mannschaft von seinem Nachwuchs gefragt werden will, was denn bitte ein One-Night-Stand sei oder was Nepomuk mit der „Vermehrungssache“ meinen könnte, sollte man dieses Buch lieber Mitmenschen in die Hand geben, die bereits aufgeklärt sind. Die wissen diesen herrlichen Unfug dann auch richtig zu schätzen. Der längst erwachsene Bekanntenkreis der Rezensentin hat sich auf jeden Fall köstlich über den Struwwelköter und seine tierischen Kumpels amüsiert.



Ich war ego-googeln …
Dezember 9, 2009, 6:13
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Ab und zu muss man ja gucken, was im Internet über einen selbst zu finden ist, wo sich die eigenen Texte rumtreiben und dergleichen Unfug mehr. Also war ich ego-googeln und fand eine halbe Million Ergebnisse zu meinem Namen. Nee, oder? Sooo viel?!

Ich hab dann mal verglichen mit Bekannten, die ähnlich lange und aktiv im Internet sind wie ich. Bei denen bewegt sich das auch in dieser Preisklasse. Also wird’s wohl stimmen. Und jetzt schwanke ich irgendwie zwischen „ach, du lieber Himmel!“ und „juhu, ich bin wichtig!“. ;-)



Katharina Münk: Die Insassen – Roman
November 30, 2009, 10:20
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Katharina Münk: Die Insassen – Roman, München 2009, Deutscher Taschenbuch Verlag dtv, ISBN 978-3-423-24752-8, 215 Seiten, Format: 13,5 x 21 x 2 cm, EUR 13,90 [D], EUR 14,30 [A], SFR 24,20.

Drei Topmanager und eine Chefsekretärin lernen einander in der Psychiatrie kennen und beschließen aus unterschiedlichen Motiven, die Anstalt zu sanieren und an die Börse zu bringen. Wie lange kann es wohl dauern, bis von den Geschäftspartnern da draußen jemand bemerkt, dass er es hier nicht mit dem normalen Wahnsinn des Alltags zu tun hat sondern mit psychisch Erkrankten?

Dr. Wilhelm Löhring ist ein Meister der Verdrängung. Dass er einen Aufhebungsvertrag unterschrieben hat und nicht mehr im Vorstand einer Versicherungsgesellschaft tätig ist, übergeht er und erscheint einfach weiterhin im Büro. Als er auch noch erwähnt, auf Wiedereinstellung klagen zu wollen, erklärt Ex-Vorstandskollege Förster: „Du hast ja eine Vollmeise, Wilhelm! Ich rufe jetzt deine Frau an! (S. 20) Frau Löhring sieht das genauso, und der Gatte landet im exklusiven und diskreten psychiatrischen Privatbereich der St. Ägidius-Klinik.

Das Dumme ist, dass Löhring denkt, seine Frau habe die Klinik gekauft und er sei dort um sie zu sanieren. Schon träumt er einer weltweiten Privatklinik-Kette und dem Börsengang. Auch wenn er im Innersten ahnt, dass irgend etwas mit ihm nicht stimmt.

Löhring kommt in eine „Bezugsgruppe“ mit Keith Winter, dem Star unter den Private-Equity-Managern, dem eines Tages alles zu viel geworden ist. Erst hat er in rasender Wut das Navigationsgerät seines Mietwagens zusammengetreten, weil es ihn in die Irre geführt hat. Dann hat man ihn ohne Schuhe am Fahrbahnrand sitzend aufgefunden, wo er Autos zählte. So ist auch er in St. Ägidius gelandet.

Dass er krank ist und die anderen auch, das ist ihm vollkommen klar. Der kognitive Verstand funktioniert, nur sein Verhalten grenzt ans Autistische. Er kann seinen Mitmenschen nicht mehr in die Augen sehen und seine Kommunikation beschränkt sich auf Stichwörter, die für seine Gesprächspartner nicht unbedingt einen Sinn ergeben. Halt findet er bei Zahlen, ob er nun Kieselsteine zählt oder die Kügelchen in seinen Medikamentenkapseln.

Dritter im Bunde ist Hubert Wienkamp, der ehemalige Personalchef eines großen Beratungsunternehmens. 20 Jahre seines Lebens hat er einfach vergessen, hat die Zeit, in der er ein professionelles Arschloch war, von seiner Festplatte gelöscht und sich neu erfunden. Jetzt ist er auf eine onkelhafte Weise nett und geschwätzig und hält sich für einen Seelsorger. Oder, wie er sagt: für einen Soul Manager.

Eine Chefsekretärin gehört auch zur Gruppe, und die hat noch am meisten Bodenhaftung von allen. Karin Schlick, Ende 30, hat irgendwann keinen Sinn mehr darin gesehen, ihren ebenso unfähigen wie undankbaren Chef zu bemuttern. Als er einen besonders dämlichen Spruch reißt, rastet sie aus und schüttet den Inhalt eines Lochers über ihn aus. „Er stand da wie die Freiheitsstatue in der Schneekugel, regungslos vor Entsetzen, inmitten eines weißen Konfettiregens, und es rieselte bis in die letzte Ecke seines Büros.“ (S. 106). Eine herrliche Vorstellung! Danach lässt sie sich in die Psychiatrie einweisen.

Als Wilhelm Löhring seine Therapiegruppenmitglieder mit der Idee von der Gründung einer St.-Ägidius-Sanatorien-AG konfrontiert, fallen die Reaktionen sehr unterschiedlich aus. „Soul Manager“ Wienkamp, bei dem nicht klar ist, wie viel von der Realität noch zu ihm vordringt, sagt seine Mitwirkung zu, um Löhring einen Gefallen zu tun. Der nahezu autistische Keith Winter hat mehr Interesse an der Arbeit im klinikeigenen Gewächshaus und betrachtet Löhrings Projekt als Testfall: Wenn dieses verrückte Vorhaben funktioniert, dann ist das Geschäftsleben derart meschugge, dass er damit für den Rest seines Lebens nichts mehr zu tun haben will.

Chefsekretärin Karin Schlick hält das „Projekt Bad Homburg“ für komplett irrsinnig. „Wie wollen Sie denn den Börsengang an der Führungsgremien vorbei durchziehen? Das fliegt doch auf. Das wird ja die reinste Wahn-AG!“ (S. 115) Nach einigem Zögern beschließt sie dennoch mitzuspielen und das ganze als Arbeitstherapie zu betrachten. Sie wird den Jungs – und sich selbst – beweisen, wozu sie fähig ist. Und vielleicht besteht ja der einzige Unterschied zu ihren früheren Jobs ohnehin nur darin, dass sie diesmal weiß, dass sie an der Vorspiegelung falscher Tatsachen, Bilanzbetrug, Urkundenfälschung und Lügen beteiligt ist.

Mit einem gefundenen Blackberry, dem Stationslaptop, Karins Insiderwissen aus ihrer stundenweisen „Arbeitsbelastungs-Probe“ im Büro der Klinikleitung und mit Löhrings alten Kontakten machen sich die vier ans Werk und legen dabei eine gehörige Portion Improvisationstalent, Chuzpe und kriminelle Energie an den Tag.

Kann der Coup tatsächlich gelingen? Merkt wirklich niemand da draußen, dass er es hier nicht mit dem normalen Irrsinn der Geschäftswelt zu tun hat sondern mit Windeiern und deren Wahnvorstellungen? Und ist man innerhalb der Klinik tatsächlich so naiv und unorganisiert, dass niemand erkennt, was die Patienten unter dem Deckmantel der „kognitiven Verhaltenstherapie“ treiben? Ein dummer Zufall weckt das Misstrauen des Bankers Christian Steinfeld. Ist jetzt alles aus? Lässt er die Bombe platzen? Das darf nicht sein! Löhring und seine Gruppe laufen noch mal zu ganz großer Form auf …

Es ist immer eine Gratwanderung, komische Geschichten mit psychisch erkrankten Protagonisten zu erzählen. „Hihihi. guck mal, der Bekloppte!“ – das wäre diskriminierend und denkbar unwitzig. So läuft es hier zum Glück nicht. Die Komik entsteht aus dem Zusammenprall von objektiver und subjektiver Realität. Der eine glaubt, er sei der Chef, der andere sieht ihn als Patienten, und konsequent redet man aneinander vorbei. So kommt es zu allerlei für den Leser vergnüglichen Missverständnissen und zu einem Durcheinander, das streckenweise an klassische Verwechslungskomödien erinnert.

Stets schwebt auch die Frage im Raum wo eigentlich die Grenze zischen Normalität und Wahn verläuft. Nicht nur Keith Winter gewinnt den Eindruck, dass es in der Geschäftswelt weitaus irrer zugeht als in der Psychiatrie. Wer sich in der freien Wirtschaft herumtreibt und vielleicht schon mal mit dem Private-Equity-Zirkus in Berührung kam, wird für diese Ansicht Verständnis haben – und sich oft genug an Szenen aus dem eigenen Berufsleben erinnert fühlen.

Katharina Münch liefert hier keine tiefgründigen Charakterstudien ab. Aber das war sicher auch nicht ihre Intention. Die Geschichte ist ein Gedankenspiel: Was geschieht, wenn Wahnsinn auf Wirtschaft trifft – und wer gewinnt? Die Umsetzung ist ihr auf amüsante Weise gelungen. Und man wird sich fortan fragen, ob der eine oder andere Mitmensch, mit dem man es beruflich zu tun bekommt, nicht vielleicht aus St. Ägidius kommt …

Die Autorin
Katharina Münk ist Chefsekretärin und Autorin von „Und morgen bringe ich ihn um! Als Chefsekretärin im Top-Management“ (2006), das in kürzester Zeit zum Bestseller wurde.



Mia Bernstein: Erdbeerflecken
November 27, 2009, 1:29
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Mia Bernstein: Erdbeerflecken – Kurzgeschichten mit Illustrationen von Michaela von Aichberger, Düsseldorf 2009, Verlag klare Texte und Bilder, ISBN 978-39809599-5-7, 134 Seiten, Format 12 x 17,8 x 1,2 cm, EUR 12,90.

Formal gesehen sind die „Erdbeerflecken“ eine Sammlung von Kurzgeschichten. Das Ungewöhnliche daran ist die Art, in der sie erzählt werden: in kurzen, knackigen Sätzen, von denen manche schon als Aphorismen durchgehen können. Es wird auch nicht rein linear ein Handlungsablauf wiedergegeben, Mia Bernstein bildet Assoziationsketten, macht Gedankensprünge. Es ist, als würde man der Autorin live beim Denken zuhören.

Gedichte, oft mit versteckten Reimen, sind den Geschichten vorangestellt, rahmen sie ein oder unterbrechen sie optisch. Inhaltlich bringen sie die Gedanken und Gefühle der jeweiligen Protagonistin auf den Punkt.

Manche der Geschichten haben verschiedene Ebenen. Die eine beschreibt den äußeren Ablauf des Geschehens, die andere das, was sich im Kopf der erzählenden Person abspielt. Dadurch bekommen die Texte einen ungeheuer persönlichen Charakter. In manchen der Gedankengänge erkennt man sich wieder und denkt sich: „Endlich sagt’s mal jemand!“

Zu gerne würde man ja wissen, was in dem Buch wirklich autobiographisch ist uns was erfunden. Das ist natürlich die pure Neugier, denn für das Verständnis der Geschichten hat es keine Bedeutung. Vielleicht ist es eine Nebenwirkung derart intim wirkender Texte, dass sie beim Leser eine geradezu ungehörige Wissbegier in Bezug auf den Autor hervorrufen.

Die Geschichten handeln von Beziehungen und Verlusten, vom Leben und vom Sterben, von Träumen und dem Sinn des Lebens. Es empfiehlt sich nicht, das Buch flüchtig „nebenher“ zu konsumieren, ein bisschen Zeit und Konzentration erfordern die Texte schon. Manches erschließt sich erst beim zweiten Lesen. Aber es lohnt sich, sich darauf einzulassen.

Wer sich nach dieser Beschreibung noch kein so rechtes Bild von dem Buch machen kann, dem hilft vielleicht eine Kurzvorstellung der einzelnen Storys:

Rote Wand: Von der Wandfarbe bis zum Sinn des Lebens wandern die Gedanken der Erzählerin. Wird sie sich aufraffen können, die Schlafzimmerwand knallrot zu streichen, ehe sie aus der Wohnung wieder auszieht? Und warum ist man eigentlich zu Fremden netter als zu den Menschen, zu denen man „ich liebe dich“ sagt?

Erdbeerflecken: Beziehungen sterben am Frühstückstisch, da ist sie sich sicher. Früher wollte sie so gewöhnlich sein wie Erdbeermarmelade, denn als sie noch ungewöhnlich war, war sie unglücklich. Aber ist der Umkehrschluss zulässig?

Bootsfahrt: Als sie sich in ihn verliebt, kneift er. Sie verlieren sich aus den Augen. Zehn Jahre später schreibt sie ihm einen Brief. Ist es nun zu spät fürs Glück?

Leitplanken: Er will für drei Tage in die Provence fahren – ohne sie. Sie zählt schon die Tage bis zu seiner Rückkehr, noch ehe er überhaupt abgefahren ist und hinterfragt seine Motive. Aus dem geplanten Kurztrip wird eine Beziehungskrise …

Spiel.Er.Ei: Sie ist 18 und hat eine Affäre mit einer Diskobekanntschaft, bei der sie eigentümlich distanziert bleibt. Ein Spiel der Körper, das die Seele nicht berührt.

Flüstern im Wald: Am Flussufer beobachtet sie eine einzelne Ameise. Rennt sie ziellos umher oder ist ihr Ziel nur für einen Außenstehenden nicht zu erkennen? Weiß sie, was sie will? Ist sie absichtlich allein, weil das manchmal besser ist? Und wie sieht es eigentlich mit den Zielen und Wegen der Erzählerin aus? „Ameisen und Menschen, ein komischer Haufen,“ findet sie. (S. 53)

Waschanlage: Ganz ungewollt tauchen in einer Alltagssituation Gedanken an den verstorbenen Vater auf. Die Erzählerin fühlt sich verlassen seit seinem Tod. „Kinder sollten von allein gehen, Eltern bleiben. Zu schön ihre bedingungslose Liebe, die wir so nie wieder erfahren werden.“ (S. 61)

Vorhang zu! Bei der Beerdigung der Mutter denkt sie über deren Leben nach: „Mit sechsundfünfzig Jahren war sie in der Mitte ihre Lebens, das aufregender, trauriger und anstrengender war als viele andere Leben zusammen. Sie war Mensch, Frau, Geliebte, Getriebene, Gejagte, Gefangene. Spinnerin, Malerin, Bäckerin und Gärtnerin und Mutter. Und ich war mir nicht sicher, ob sie sich selbst das Leben nicht am schwersten machte.“ (S. 66)

Lilien. Weiß. Was geht einer Frau durch den Kopf, die gerade vom Lebensgefährten nach Strich und Faden verprügelt wird? Verblüffendes!

Ankommen: Kurz bevor er zu einer Reise aufbricht, träumen beide von seinem Tod. Er lässt ihr seinen Glücksbringer da, und das Unheil nimmt seinen Lauf …

Vertrauen: Zwei Schwestern im Rentenalter fragen sich, ob ihr Leben besser verlaufen wäre, wenn ihre Mutter sie geliebt hätte.

Schuldig! Sofie Heinen verklagt das Leben wegen entgangener Chancen, fehlender Liebe, ausgebliebenem Erfolg und enttäuschter Träume. Und was hat es zu seiner Verteidigung zu vorzubringen? Zehn Minuten unverständliches Genuschel! Das Urteil ist eine Überraschung für alle …

Regenschirm: Es regnet in Strömen … Müll, schlechte Gefühle, blöde Gedanken. Seit ihrer Kindheit hat die Erzählerin keinen Schirm mehr besessen, ist immer schutzlos durch den Regen gelaufen. Jetzt kauft sie sich einen – und führt ihn einer ungewöhnlichen Verwendung zu. Die Mitmenschen staunen, doch der Leser versteht.

Kaffe. Schwarz: Nach zwanzig Jahren findet sie ihr altes Tagebuch wieder und stellt fest: Viel hat sich nicht geändert seit damals. Ist es Zeit für ein neues Leben?

Minimalistisch und manchmal rätselhaft sind die dreifarbigen Illustrationen, die die Grafik-Designerin und Künstlerin Michaela von Aichberger für dieses Buch angefertigt hat. Das passt zu den Geschichten und rundet das Buch zu einem Gesamtkunstwerk ab.

„Erdbeerflecken“ ist sicher keine einfache Kost. Es ist ein außergewöhnliches, emotionales, sehr persönliches und berührendes Buch. Wer sich darauf einlassen kann und mag und wer Freude an einer gleichzeitig pointierten und poetischen Sprache hat, wird sicher Gefallen daran finden.

Die Autorin
Mia Bernstein, Jahrgang 1970, lebt und arbeitet in Hamburg. »Gedankenscrabble« nennt sie selbst ihre Art zu schreiben.

Die Illustratorin
Michaela von Aichberger, Jahrgang 1967, lebt und arbeitet in Erlangen als freie Grafik-Designerin und Künstlerin.



Logos basteln mit supalogo.com
November 25, 2009, 9:07
Gespeichert unter: Wahnsinn im Alltag

Na, das ist doch ein Tool für so eine graphische Wildsau wie mich: http://www.supalogo.com! Da kann man mit Farben und Schriften herumspielen, auch als schimmerlose Person nicht viel falsch machen und sich ein Logo zusammenfummeln.

Ich glaub’, das hier gefällt mir am besten. Die Schrift hat so was leicht Irres:

Weitere ansehnliche Varianten:



Gregor Schürer: Dschingel bellt – Geschichten für die Weihnachtszeit

Gregor Schürer: Dschingel bellt – Geschichten für die Weihnachtszeit, Norderstedt 2009 Herstellung und Verlag: Books on Demand GmbH, ISBN 978-3-8391-3915-8, Softcover, 68 Seiten. Format: 14,8 x 21 x 0,5 cm, EUR 4,90.

Weil der Autor bei seinen Lesungen immer wieder gefragt wird, ob es seine Weihnachtsgeschichten denn auch als Buch gebe, die Stories aber bislang „nur“ in verschiedenen Zeitungen, Zeitschriften und Kurzgeschichtensammlungen verstreut publiziert wurden, hat er sie nun zu einem weihnachtlichen Band zusammengefasst.

14 Geschichten sind es, entstanden in einem Zeitraum von 22 Jahren: Humorvolles, Skurriles, Himmlisches, Tierisches, Geheimnisvolles rund um die besinnliche Jahreszeit. Und manche Beiträge sind einfach zum Weinen schön.

Die Zugfahrt: Wo ist der bärtige alte Herr hingekommen, der eben noch mit dem jungen Vater zusammen im Zugabteil saß? Ist da Übernatürliches im Spiel?

Der Weihnachtsspaziergang: Beim Gassigehen mit dem Hund bleibt ein Mann vor einer Krippe im Schaufenster stehen. Dass das Jesuskind ihn angelächelt hat, das muss er sich eingebildet haben. Oder?

Ein unvergessliches Weihnachtskonzert: „Unmöglich, diese Banausen mit ihren schnurlosen Telefonen!“, regt sich der Erzähler auf, als so ein wichtigtuerischer Jungmanager das Weihnachtskonzert mit dem Klingeln seines Handys stört. Doch es kommt noch schlimmer! – Warum dieses Konzert dem guten Mann unauslöschlich in Erinnerung bleiben wird und weshalb er nichts davon seiner Familie erzählt, verrät uns der Autor in dieser amüsanten Geschichte.

Frohe Weihnachten, Nummer 13.497: Oma Schulte verbringt die Weihnachtsfeiertage notgedrungen allein, die Familie wohnt einfach zu weit weg. Hat wirklich soeben ein durchgefrorenes Weihnachtsengelchen bei ihr ans Fenster geklopft?

Es schneit nicht im August: Die kleine Susanne ist todkrank und freut sich schon so auf Weihnachten. Das kommende Weihnachtsfest wird sie aber aller Voraussicht nach nicht mehr erleben.

Der Gameman: Keinen Gameboy, sondern einen Gameman wünscht sich der neunjährige Cornelius zur Weihnachten. Doch der viel beschäftigte Vater versteht die Botschaft nicht …

Dschingel bellt: Moos für die Weihnachtskrippe wollen Vater und Tochter im Wald holen. Dabei finden sie jedoch etwas ganz anderes. Nachdem man diese Geschichte gelesen hat, wird man beim Weihnachtslied „Jingle Bells“ auf einmal ganz merkwürdige Assoziationen haben …

Gefrorene Sterne: Die kleine Sabine kann nicht einschlafen. Da taucht eine geheimnisvolle Gestalt in ihrem Zimmer auf und bietet an, ihr eine Frage zu beantworten, auf die noch nie jemand Auskunft geben konnte …

Horn-Sivan und das frierende Jesuskind: Sivan heißt der Ochse, der im Stall zu Bethlehem Zeuge von Christi Geburt wird. Gerne würde er das frierende Kind wieder zudecken, aber mit seinen ausladenden Hörnern kann er das heruntergefallene Tuch nicht aufheben. Da naht himmlische Hilfe – und die hat unerwartete Folgen.

Das entlaufene Pferd und der doofe Otto: Was die vierjährige Nora noch nicht versteht, das reimt sie sich zusammen. Dabei kommt’s zu allerlei putzigen Missverständnissen. Ihr Vater staunt, ihr Bruder wundert sich – und der Leser schmunzelt.

Heilig Abend 2106: Was wäre, wenn Jesus in 100 Jahren noch einmal auf die Welt käme? Der Autor entwickelt ein skurriles und durchaus vorstellbares Szenario.

Die geheimnisvolle Dose: Was bewahrt Oma nur in der Porzellandose auf ihrem Nachttisch auf? Den Schlüssel zur Vorratskammer vielleicht? Dort lagern die Weihnachtsplätzchen. Eines Nachts fast sich der kleine Enkel ein Herz, krabbelt aus dem Bett und sieht heimlich nach …

Weihnachten ist Muttertag: Anfang Dezember kommt Oma aus dem Krankenhaus und zieht erst einmal zu ihrem Sohn und dessen Familie. Die Enkel sind begeistert: Weihnachtsschmuck basteln, Plätzchen backen Karten spielen – das macht mit Oma noch mal so viel Spaß. Alle freuen sich aufs Weihnachtsfest. Doch das verläuft ganz anders als geplant …

Heilig Abend in Stalingrad, Weihnachten in Kunduz: Soldat Marcel schreibt aus Afghanistan einen Weihnachtsbrief an seinen Großvater, der ihm seinen Glücksbringer aus Stalingrad überlassen hat. Sehr berührend!

Wer stimmungsvolle Weihnachtsgeschichten sucht, der liegt mit dieser abwechslungsreichen Sammlung richtig. Viele der Kurzgeschichten sind auf Lesungen „vortragserprobt“ und eignen sich durch Umfang und Erzählweise bestens dazu, auf Weihnachtsfeiern oder im Familienkreis vorgelesen zu werden. Ob Sie ein jüngeres, älteres oder gemischtes Publikum zum Lachen oder Nachdenken bringen möchten oder ob Sie es zu Tränen rühren wollen: Hier finden Sie für jeden Zweck die richtige Geschichte. Natürlich spricht auch nichts dagegen, dass Sie es sich gemütlich machen und die abwechslungsreichen Weihnachtsgeschichten in aller Stille alleine genießen.

Der Autor:
Gregor Schürer schreibt seit vielen Jahren als Journalist und Autor. Der gebürtige Schwabe lebt mit Frau und zwei Töchtern in Heimersheim an der Ahr (Rheinland-Pfalz). Er hat zahlreiche Geschichten in Anthologien veröffentlicht und diverse Preise und Auszeichnungen erhalten.