Wahnsinn im Alltag


Cornelia Read: Schneeweißchen und Rosentot – Kriminalroman
April 16, 2008, 7:54 am
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Cornelia Read: Schneeweißchen und Rosentot – Kriminalroman. OT: A Field of Darkness, Deutsch von Sophie Zeitz, München 2008, Deutscher Taschenbuchverlag (dtv), ISBN 978-3-423-24668-2, 427 Seiten, Format: 14,5 x 21 x 3 cm, EUR 14,90 [D], EUR 15,40 [A], sFr 25,80

Madeline Dare hat es durch die Heirat mit dem Farmerssohn Dean Bauer in die US-amerikanische Kleinstadt Syracuse verschlagen. Sie schreibt für die Lokalzeitung und langweilt sich unsäglich in dem Kaff. Nicht zuletzt deshalb, weil ihr Mann oft wochenlang beruflich in Kanada ist – wenn er nicht gerade an seiner Erfindung tüftelt.

Einfach dort hin zurückzukehren, woher sie gekommen ist, wie ihr ein Kumpel im Streit rät, ist auch keine Option. Ein richtiges Zuhause hat Madeline nicht. Zwar stammt sie mütterlicherseits aus dem Ostküsten-Geldadel, doch seit ihre Mutter vom kiffenden Gatten mit den Kindern sitzen gelassen wurde, sind die Dares dort nicht mehr gern gesehen. Mit ihren armen Verwandten wollen die Erben der neunten und zehnten (De-)Generation nichts zu tun haben und nennen sie verächtlich „das Lumpenproletariat“.

Der einzige in diesem dekadenten und versnobten Haufen, der je nett zu Madeline war, ist ihr Cousin zweiten Grades, Lapthorne Townsend. Und ausgerechnet Lapthornes Soldaten-Erkennungsmarke entdeckt Madelines Schwiegervater auf dem Acker, auf dem man 1969 zwei junge Frauen ermordet aufgefunden hat. Der Fall wurde nie geklärt.

In den Augen des alten Farmers ist die Polizei „so nützlich wie ein Euter am Zuchtbullen“. Deshalb gibt er die Marke auch nicht den Behörden sondern ganz arglos seiner Schwiegertochter. Sie als Reporterin wird schon wissen, was damit zu tun ist.

Auch Madeline hat kein Interesse daran, mit der Erkennungsmarke zur Polizei zu gehen. Lieber stellt sie auf eigene Faust Nachforschungen in dem 20 Jahre alten Doppelmord an. Natürlich mit dem Wunsch, die Unschuld ihres Cousins zu beweisen. Er mag zwar einer der beiden Soldaten gewesen sein, mit denen die Mädchen am Vorabend ihres Todes auf einem Jahrmarkt gesehen wurden, aber saß er nicht zur Tatzeit mit seinem Kameraden wegen einer tätlichen Auseinandersetzung im Knast?

Wenn Lapthorne es nicht gewesen sein kann, wer hat dann den beiden Frauen die Kehlen durchgeschnitten und die Toten wie Schneeweißchen und Rosenrot mit Blumen dekoriert und auf dem Acker drapiert?

Was weiß der ehemalige Polizist Jack Schneider? Er war damals der leitende Ermittler im „Rosenmädchen-Fall“ und hat sich bald danach zur Ruhe gesetzt. Seitdem lebt er auf ziemlich großen Fuß. Erpresst er vielleicht jemanden? Doch Mr. Schneider ist ein gefährlicher Mann, er lässt sich nicht einfach von Madeline und ihrer Freundin Ellis an einer Bar aushorchen. Der Versuch endet in einer irrwitzigen Flucht der beiden Frauen.

Auch der Scherenschnitt-Künstler Archie Sembles, der seinerzeit auf dem Jahrmarkt Porträts von den Rosenmädchen geschnitten hat, könnte mehr wissen als er bislang gesagt hat. Madeline muss lange und intensive Überzeugungsarbeit leisten, bis Sembles bereit ist, mit ihr zu sprechen. Als sie zu seinem Haus kommt, findet sie nur noch seine Leiche – in einem bizarren Szenario, das an eine Geschichte aus dem „Struwwelpeter“ erinnert.

Sembles bleibt nicht der einzige Tote aus Madelines Umfeld. Und jetzt wird auch ein unheimliches Muster deutlich: Der Mörder inszeniert seine Opfer wie Illustrationen zu Märchen und Mythen. Kein Zweifel: Madeline ist dem Rosenmädchen-Mörder auf der Spur. Und sie vertraut offensichtlich den falschen Leuten. Längst schwebt sie selbst in tödlicher Gefahr …

Cornelia Reads packender Debut-Roman mit dem nervenzerfetzenden Finale war für mehrere bedeutende Literaturpreise nominiert. Doch das Buch ist mehr als ein intelligenter Kriminalroman: Er ist auch das Psychogramm eines Familienclans.

Es ist überaus vergnüglich zu lesen, wie die zynische Madeline über ihre ebenso vermögenden wie bedeutenden Vorfahren lästert: „Jeder normale Mensch würde die Möglichkeit wahrscheinlich weit von sich weisen, dass es in seiner Familie einen Mörder geben könnte. Bei uns dagegen könnte man bei der Mayflower zu zählen anfangen, und hundert Jahre später hätte man schon keinen Finger mehr frei.“

Ihre Ahnen waren eine unerfreuliche Ansammlung von Indianermördern, Raubrittern, Umweltfrevlern und Kommunistenfressern, findet Madeline. Der rustikale Schwieger-Clan und die noch lebende Ostküsten-Verwandtschaft kommen auch nicht besser weg. Da ist der pingelige Onkel „Die Bügelfalte“ Kit, der sich lieber mit den Poolboys vergnügt als mit seiner dürren, affengesichtigen Gattin Binty. Immer wenn diese den Raum betritt, „sinkt die Zimmertemperatur um zehn Grad“. Nur zu gern hat Madeline den Spitznamen aufgegriffen, den Onkel Hunt für Binty geprägt hat, und den man hier gar nicht in voller Schönheit auszuschreiben wagt: Sie ist „die Eisf***e“. Und, nein Eisfee heißt das nicht …

Lieblos, oberflächlich und dünkelhaft geht es in Madelines Familienclan zu. Und sie als quasi Außenstehende grübelt darüber nach, was hier falsch gelaufen ist.
„(…) wenn du dich umschaust, fragst du ich dann nicht, was da eigentlich passiert ist?“,möchte sie von ihrem Cousin wissen. „Sie hatten alles – die beste Ausbildung, die besten Beziehungen – sie waren schön und gescheit und charmant und Kriegshelden, und alles haben sie verschleudert. (…)“ Doch der Cousin hat auch keine Antwort. Er ist auf seine Weise an der familiären Situation gescheitert.

Madelines Mutter meint, es liege am Geld. Das mache nicht glücklich. „(…) jedenfalls nicht die Leute mit dem großen Geld. Vielleicht, wenn man es sich selbst verdient? Vielleicht sind die Neureichen glücklicher? Wenn das Geld noch frisch ist und glänzt, statt etwas zu sein, gegen das man ankommen muss, was man nur verlieren kann? (…)“

Durch die versnobte mütterliche Verwandtschaft ist Madeline in diese mörderische Geschichte hineingeraten. Dass sie ihr nicht zum Verhängnis wird, verdankt sie ausgerechnet dem Erbe ihres Vaters …

„Jede Seite ist ein Vergnügen in diesem Debütroman um Madeline Dare, die stachelige Tochter aus gutem Hause. Die Handlung geht los wie ein Feuerwerk, aber das Beste sind die Personen“ stand in der Rezension von „Booklist“. Diesem Urteil kann ich mich uneingeschränkt anschließen.

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Tina Zang: Der Karatehamster startet durch, Band 2
April 15, 2008, 8:42 am
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Tina Zang: Der Karathamster startet durch, Band 2; München 2008, Ars Edition; ISBN 978-3-7607-2844-5, 152 Seiten; mit Plüsch auf dem Umschlag. Covergestaltung und schwarz-weiß-Illustrationen im Buch von Claudia Fries; für Leserinnen und Leser ab 8 Jahren; Format: 21,7 x 15,5 x 1,8 cm, EUR 8,95 [D]; EUR 9,20 [A]; CHF 16,90

Das Schicksal machte sie zum Team.
Zu Anfang fanden sie das schlimm.

Sie sind wieder da – die japanisch-deutsche Patchworkfamilie Yusumi-Putz und ihre drei Hamster: der verfressene Chan, der wehleidige Lee und der Ich-Erzähler der Geschichte, der abenteuerlustige Karatehamster Neo.

Wer Teil 1, DER KARATEHAMSTER LEGT LOS, nicht kennt: Sie sind Schicksalsgenossen, die Kinder und die Haustiere der Familie Yusumi-Putz. Durch Heirat ihrer Eltern wurden die karatebegeisterte Kira und der Unglücksrabe Heiko „Zwangsgeschwister“. Und seit der geschäftstüchtige Inhaber einer Tierhandlung den Kindern gleich drei Hamster angedreht hat, bilden auch Neo, Chan und Lee eine Zwangsgemeinschaft. Zu Anfang fanden alle Beteiligten dieses Arrangement ziemlich ätzend, doch nach den ersten gemeinsam bestandenen Abenteuern herrscht Einigkeit darüber, dass man einander recht gut ergänzt und dass die Situation im Großen und Ganzen auszuhalten ist.

Den „Super-Hamster“ suchen sie.
Ein Fall für Neo, Chan und Lee!

Hamster Chan ist zufrieden, wenn es ausreichend zu Fressen gibt, Lee will nichts weiter als ein bisschen jammern und in Ruhe seine eingebildeten Wehwehchen pflegen, nur Neo langweilt sich und ist auf Abenteuer aus. Der Aufruf des Tiernahrungs-Herstellers Nagi kommt ihm da gerade recht: Nagi sucht den Super-Hamster für einen Werbespot und bittet zum Casting. Für Neo steht fest: Da will er hin! Er wird Super-Hamster!

Zum Glück haben die zwölfjährige Kira und ihr Freund Jan den Aufruf ebenfalls im Fernsehen gesehen und können sich für die Idee begeistern. Sie melden kurzerhand alle drei Hamster zum Casting an.

Alle Beteiligten bereiten sich auf ihre Weise auf das Ereignis vor. Chan übt sich im Fressen, Neo trainiert seine Muskeln und Lee denkt sich aus, was alles Schreckliches passieren könnte. Derweil sammeln Kira und Jan Informationen über die Arbeit beim Fernsehen. Als sie sich bei der Inhaberin des Hundesalons, einer Dame mit TV-Erfahrung, nach Einzelheiten erkundigen, werden sie rüde unterbrochen – von einem Mädchen, das in ungehörigem Ton eine Beschwerde vorbringt und Schmerzensgeld fordert.

Beim Casting selbst geht es dann drunter und drüber. Die Kinder sind entsetzt darüber, wie brutal und rücksichtslos einer der Jungs im Studio seinen Hamster Mariechen behandelt. Lee verliebt sich Hals über Kopf in die Hamster-Dame in Not. Und beim Probefuttern kommt es dann zum großen Knall …

Zwei Mädchen geh’n als Kleinganoven,
doch klappt der Trick nur bei den Doofen.

Lee und Chan schwärmen nach ihrer Rückkehr in den höchsten Tönen von Hamster-Dame Mariechen. Neo trainiert wie besessen. Und dann droht der Besuch des zweiten Casting-Termins daran zu scheitern, dass niemand von den Erwachsenen Zeit hat, die Kinder und die Tiere ins Studio zu fahren. Vielleicht kann ja Petra helfen, die Inhaberin des Geschenke-Ladens? Als Kira und Jan ihr das Problem schildern, werden sie rüde unterbrochen – von einem Mädchen, das in hysterischem Ton eine Beschwerde vorbringt und Schmerzensgeld fordert.

Nanu? So eine ähnliche Szene gab es doch vor kurzem schon einmal! Sollte hier jemand mit einer ganz dreisten Masche sein Taschengeld aufbessern wollen? Sind tatsächlich mehrere Mädchen mit ein- und demselben Trick unterwegs? Der detektivische Spürsinn von Kira, Neo & Co. ist geweckt. Sie gehen der Sache nach. Bei Toni an der Frittenbude kommt es dann zum dramatischen Showdown …

Hamster-Casting! Jetzt Teil zwei.
Und wieder tut sich allerlei.

Wie beschreibt man die Endrunde des Castings, ohne zu viel zu verraten? Vielleicht am besten so: Das Chaos tobt, alles, was schief gehen kann, geht schief, und die Filmleute haben jede Menge Gelegenheit, aufgeregt herumzulaufen und „Heiliger Strohsack!“ zu rufen.

Das Ergebnis der Super-Hamster-Wahl ist für alle eine riesige Überraschung. Und für manchen auch eine herbe Enttäuschung.

Ob Fresssack, Weichei oder Spinner:
Bei dieser Show gibt’s nur Gewinner.

Am Ende können doch alle sagen „Wir sind Super-Hamster“, denn aus diesem turbulenten Abenteuer geht jeder auf seine Art als Gewinner hervor. Oder, besser gesagt, fast jeder. Wer sich hier zu den Verlierern zählen muss, hat es wirklich nicht besser verdient.

Nur lesen, wenn euch niemand hört
oder wo Lachen keinen stört!

Dieses Buch ist nicht nur für Kinder ab 8 Jahren ein Vergnügen. Man hat schon von Teenagern gehört, die klammheimlich dieses Buch ausgeliehen und sich dabei gänzlich uncool amüsiert haben sollen. Und es wurden Erwachsene gesichtet, die DER KARATEHAMSTER STARTET DURCH hemmungslos kichernd in der Bahn lasen.

Man kann nicht anders: Die Abenteuer von Neo und seinen Freunden sind einfach unbeschreiblich komisch! Das allgegenwärtige Casting-Unwesen wird trefflich durch den Kakao gezogen. Und wenn man die üblichen menschlichen Verhaltensweisen mit den Augen eines Hamsters sieht, wirkt auf einmal alles doppelt so komisch. Dazu kommt der köstliche Sprachwitz. Doch bei allem Humor wird die Geschichte niemals albern. So ganz nebenbei kann man sogar eine Menge lernen: über Freundschaft und Mut und über den richtigen Umgang mit Tieren.

Sollte sich jemand fragen, warum die Zwischenüberschriften in dieser Rezension gereimt sind: So sind auch die Kapitelüberschriften im Buch.



Maren Frank: Das Buch im Nebel – Fantasy
April 15, 2008, 8:17 am
Filed under: Bücher

Maren Frank: Das Buch im Nebel – Fantasy; Wangen 2008; Verlag Pia Bächtold; ISBN: 978-3-940951-01-4; 295 Seiten; Taschenbuch; Format 13 x 19 x 1,6 cm; Preis: EUR 18,-.

Das hat es noch nie gegeben: Das Zauberertreffen, das immer bei Mondwechsel stattfindet, wurde abgesagt! Der Zauberer, Heiler und Gelehrte Arktikus lässt sich jedoch nicht so einfach von grimmigem Wachpersonal nach Hause schicken. Mit seiner Assistentin Sina dringt er bis zum Oberzauberer Antorian vor und verlangt eine Erklärung. Die bekommt er auch: Das große Buch der Zauberer, eine uralte und umfassende Sammlung von Zaubersprüchen, wurde trotz strengster Sicherheitsvorkehrungen gestohlen. Und ein Buch wie dieses möchte man nur ungern in den falschen Händen wissen.

Da Oberzauberer Antorian zu alt und zu krank ist, um sich selbst auf die Suche nach dem Dieb und seiner unschätzbar wertvollen Beute zu machen, beauftragt er Arktikus damit, den er insgeheim schon als seinen Nachfolger sieht.

Arktikus und Sina überlassen die Sorge um Antorians angegriffene Gesundheit der kräuterkundigen Hexe Nuria, auch wenn das dem mürrischen alten Herrn überhaupt nicht passt, und machen sich auf den Weg.

Eine Tatortbegehung unter Verwendung von Zauberpulver zeigt wenigstens ein verschwommenes Bild des Diebes. Und Arktikus ist einmal mehr überrascht von dem großen magischen Potential seiner Assistentin Sina, einer Tochter aus einer kinderreichen Bauernfamilie.

Die Spur des Diebes führt in eine größere Stadt und von dort auf die Burg. Ein Fremder würde in diesem bunten Völkchen dort kaum auffallen. Also versuchen auch Arktikus und Sina, auf der Burg unterzukommen um mehr zu erfahren.

Wo wird am meisten geklatscht und getratscht? In der Küche! Also verdingen sich der Zauberer und seine Assistentin als Küchenhilfen und mieten sich in einer kleinen Kammer ein, die sie mit der geheimnisvollen, tief verschleierten Küchenmagd Tarja teilen.

Tarja ist eine intelligente junge Frau und merkt sehr schnell, dass ihre neuen Kollegen und Mitbewohner noch ganz andere Talente haben als Gemüse zu putzen und Suppe umzurühren. Es bleibt den beiden also nichts anderes übrig, als Tarja bis zu einem gewissen Grad in die wahre Natur ihrer Mission einzuweihen.

In einer Nerven zerreißend spannenden Aktion, in der Tarjas Verschleierung eine entscheidende Rolle spielt, verschaffen sich Sina und Arktikus Einblick in die Buchführung des Quartiermeisters – und haben nun auch einen Namen für den Dieb: Gilbert. Er arbeitet als Schreiber für den Burgherren. Nur: Wie kommen sie ran den Mann? Und vor allem: Wo hat er sein Diebesgut versteckt?

Durch einen Zufall, an dem die Köchin der Burg nicht ganz unbeteiligt ist, macht Arktikus die Bekanntschaft Aileens, der schwer erkrankten Tochter des Burgherren. Er gewinnt ihr Vertrauen und das des obersten Beamten Lestat. Bald gehören Arktikus, Sina und auch die Magd Tarja zum inneren Kreis der Burgherrschaft. Wird es ihnen mit vereinten Kräften gelingen, den Dieb Gilbert in eine Falle zu locken? Werden sie das gestohlene Zauberbuch finden? Und werden sie auch wirklich in ihr Heimatdorf zurückkehren? Für einen fähigen Zauberer und Heiler wie Arktikus bietet das Leben auch noch viele andere Möglichkeiten …

Zauberer sind auch nur Menschen. Das Oberhaupt der Zauberer, Antorian, porträtiert Maren Frank als einen miesepetrigen, dickköpfigen alten Herrn. Arktikus ist eigentlich mehr Wissenschaftler als Magier und wäre vermutlich glücklicher damit, in Ruhe seinen naturwissenschaftlichen Experimenten nachgehen zu können, als von Abenteuer zu Abenteuer zu hetzen. Seine temperamentvolle, wissbegierige und ehrgeizige Assistentin, die für ihn fast wie eine Tochter ist, sorgt in seinem Alltag schon für genügend Aufregung. Wenn sie zum Beispiel meint, sich mit der Dorfjugend prügeln zu müssen und sich dann mit ihrem zerschundenen Gesicht nicht zu ihrer Familie nach Hause traut.

Für ihren Hang zum Dorfklatsch muss sie sich von ihrem Chef und Mentor Arktikus ebenso auf den Arm nehmen lassen wie er sich von ihr für seinen – unerwünschten – Erfolg bei den heiratswütigen Damen. Doch Sinas offene und vorwitzige Art öffnet ihnen auch so manche Herzen und Türen. In Rekordzeit gewinnt sie die Freundschaft Tarjas und entlockt ihr sogar das Geheimnis ihrer Verschleierung. Ein Glück für die ihre Mission, denn Tarja erweist sich als wertvolle Verbündete.

Die Helden wachsen einem so ans Herz, dass man in jeder brenzligen Situation mit ihnen mitfiebert – und sich dabei ertappt, sich beim Lesen gegen die Sessellehne zu pressen und den Atem anzuhalten, wenn Sina bibbernd in einem dunklen Geheimgang steht und sich ängstlich fragt, ob das Zauberpulver sie wirklich für ihren Gegner unsichtbar macht. Aufregende und beklemmende Situationen wie diese gelingen der Autorin immer besonders gut.

DAS BUCH IM NEBEL ist ein spannendes, unterhaltsames Fantasy-Abenteuer für ein erwachsenes Zielpublikum. Jugendliche Fantasy-Freunde werden sich mit der 15-jährigen Zauberer-Assistentin Sina identifizieren und sicher ebenfalls Freude an dem Buch haben. Ein Buch für Kinder, die einen gewissen bebrillten Zauberlehrling in ihr Herz geschlossen haben, ist es nicht.

Eine kleine Anmerkung zum Schluss: Wer großen Wert auf die Gestaltung und das äußere Erscheinungsbild eines Buchs legt, könnte sich an vereinzelten Umbruch-Fehlern im Text stören, die wohl auf eine technische Panne im Satz zurückzuführen sind. Nichts Dramatisches, nur hier und da eine unmotivierte Leerzeile, die dem Lese-Abenteuer an sich aber keinen Abbruch tun.



Testbild
April 8, 2008, 7:12 am
Filed under: Wahnsinn im Alltag

Nachdem die „Blogleitung“, die Herrschaften von wordpress.com, hinter den Kulissen diverse technische Neuerungen eingeführt haben, die ich – natürrrrlich – nur zu einem Bruchteil verstehe, muss ich doch gleich mal testen, ob ich denn überhaupt noch Bilder einstellen kann.

Yannick-Feb08

Unser Kater Yannick muss mal schnell als Testbild herhalten.



Autoren-Schicksal
April 7, 2008, 3:26 pm
Filed under: Hausfrauen-Poesie

Es kam einst ein Autor vom Lande
Nicht mit der Verlagswelt zurande.
Publizierte bei BOD,
man schlug ihn fast tot:
Books on Demand – welche Schande!



Familien-Bande
April 3, 2008, 7:49 am
Filed under: Wahnsinn im Alltag | Schlagwörter: , , , , , , ,

„Verwandte sind Leute, mit denen man freiwillig keinen Umgang pflegen würde“, heißt es ja so schön. Nein, so ist bei uns eigentlich nicht. Ich mag meine Verwandtschaft.

Gut, den einen oder anderen Angeheirateten kenne ich nicht gut oder lange genug, um mir eine Meinung über ihn bilden zu können. Manch eine/r hat sich auch längst von selbst erledigt, ehe man sich näher mit ihr/ihm beschäftigten konnte.

Ob Blutsverwandte oder erweiterter Zirkel – manchmal kann der enge Kontakt bei aller Sympathie und Wertschätzung auch sehr anstrengend werden. Wenn wieder Familien-Marathon angesagt ist, zum Beispiel.

Dadurch, dass bei uns zwei große, feierwütige Verwandtschaftsclans zusammengekommen sind, könnten wir ungelogen 6 Monate im Jahr so gut wie jedes Wochenende auf einer Familienfeier verbringen. Wenn wir nicht ab und zu beleidigte Gesichter in Kauf nähmen und eine Feier schwänzen würden. Und wenn wir nicht sich extrem häufende oder einander überschneidende Verpflichtungen gelegentlich getrennt wahrnähmen.

Trotzdem bezahlt man die engen Familien-Bande mit einem eklatanten Mangel an Freizeit. Zu allem Übel fällt der alljährliche Verwandtschafts-Marathon auch noch exakt mit den Zeiten zusammen, in denen bei uns in der Firma regelmäßig der Wahnsinn tobt und ich von Früh bis in die Nacht im Büro sitze und dort das Chaos domptiere.

Wann komme ich dann dazu, meinen eigenen Kram zu regeln … so schnöde Dinge wie Hausputz, Einkauf, Wäsche? Theoretisch: am Wochenende. Praktisch: im Tiefflug zwischen den familiären Verpflichtungen. Nachts waschen, auch wenn es die Nachbarn nervt. Die berühmte schwäbische Kehrwoche Samstag morgens um sieben erledigen, auch wenn dich die Hausgemeinschaft dafür erwürgen könnte, wenn du mit Besen, Eimer und Wischmop  zu nachtschlafender Zeit durch das Treppenhaus polterst. Und die Bügelwäsche, die man ja nicht liegen lassen kann, weil man sonst 1. irgendwann vor einem unüberwindlichen Berg steht und 2. eines schönen Tages keine Klamotten mehr im Schrank hat? Die wird Sonntag morgens erledigt. Heißt: Auch am Wochenende klingelt der Wecker in aller Frühe.

Persönliche Freizeit? Ausschlafen, lesen, rumgammeln, spazieren gehen, Hobbys pflegen? Ja, da war doch mal was. Gaaaanz alte Leute können sich erinnern! Zeit zur freien Verfügung habe ich nur, wenn ich sie mir stehle, Vorwürfe, Annölungen und beleidigte Sippschaftsmitglieder eisern ignoriere und einer Verwandtschaftsveranstaltung fern bleibe.

Zu meinem Geburtstag mache deshalb ich meiner Verwandtschaft das kostbarste Geschenk, das ich kenne: Freizeit.

Ich feiere nicht.