Wahnsinn im Alltag


Bücherwurms Albtraum: Der Regal-Crash
Mai 31, 2009, 10:52 am
Filed under: Wahnsinn im Alltag

Irgendwann musste es ja so kommen! Als Leseratte und langjähriges Verlagswesen horte ich einfach viel zu viele Bücher. Als wir gestern mal wieder Regalbretter versetzten um die Bücher-Neuzugänge nach optimaler Platzausnutzung einräumen zu können, kam’s zum gefürchteten Regal-Zusammenbruch.

Ich stellte gerade ein paar DVDs ins Regal, als mir der ganze Segen entgegenkam. Die Dübel lösten sich aus der Wand alles kippte auf mich herunter. Zentnerweise Hardcover-Bände, Taschenbücher, DVDs und Regalbretter rumpelten in die Tiefe – und rissen den neuen Fernseher mit, der darunter stand.

Wir wissen zwar seit über 20 Jahren, dass die Wände in diesem Haus quasi aus Butter und Käse bestehen und Dübel nicht so rasend gut halten. Aber ein Regal ist uns noch nie von der Wand gefallen. Irgendwie müssen wir’s wohl doch überladen haben. Und nu’ war eben Crash-Premiere. Eine Erfahrung, auf die wir aber liebend gerne verzichtet hätten.

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Ich stand zwar während des Unglücks gerade vor dem Regal , war aber leider nicht geistesgegenwärtig genug, den Fernseher zu halten. Ich hab reflexartig die Arme gehoben und versucht, das Regal aufzuhalten. War natürlich illusorisch. Wie in Zeitlupe habe ich gesehen, wie die Bücher und Regaltrümmer auf mich runtergekippt sind. Mein hysterisches Geschrei dürfte man bis kurz hinter Haifa gehört haben.

Fernseher kaputt, Regal kaputt, Bücher derangiert, und ich hab blaue Flecke und Splitter in den Fingern. Nur der Lautsprecher hat’s unbeschadet überlebt.

Jetzt können wir uns um ein neues, stabileres Regal kümmern und um einen neuen Fernseher. Den „alten“ hatten wir ja erst sein ein paar Monaten. Super.

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Und ich hatte mich so gefreut, dass wir jetzt so langsam mit den Reparatur-, Austausch- und Renovierungsmaßnahmen durch sind. Sch***e war’s, zurück auf Feld 1. Statt Ordnung in der Wohnung zu haben, hause ich jetzt wieder zwischen Kisten und Kasten, die den Krempel beherbergen, der in ein fehlendes Regal gehört. Dieser Zustand dauert nun, mit Unterbrechungen, schon ein halbes Jahr an. Und irgendwann mal hat man vom renovierungsbedingten permanenten Ausnahmezustand genug.
„Ich glaub, wir lassen einfach alles hier liegen und ziehen aus“, hab ich gestern zu meiner besseren Hälfte gesagt.
Er: „Bist verrückt? Ich lass doch meine Anlage nicht hier!“
Ah ja, okay. War ja nur so eine spontane Idee … 😀

Ich hab nicht daran gedacht, das Chaos gleich nach dem Zusammenbruch für die Nachwelt festzuhalten. Aber die „Nachwehen“ kann ich euch zeigen:

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Und wieder steht ein Regal-Inhalt in Kisten und Kasten im Weg herum

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Lydia Albersmann: Gernonimos Pferdegeschichten – für LeserInnen ab 8
Mai 26, 2009, 7:57 am
Filed under: Bücher

Lydia Albersmann: Geronimos Pferdegeschichten – Der kesse Schimmel erzählt, Norderstedt 2009, Books on Demand GmbH, ISBN 978-3-8370-8101-5, 128 Seiten, mit s/w-Illustrationen der Autorin, Softcover, 13,5 x 21,5 x 0,8 cm, für Leserinnen und Leser ab 8, EUR 10,90

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Den mutigen Schimmel-Wallach Geronimo, Bezwinger des gefährlichen Knistermonsters aus der Gattung der Abdeckplanen, kennen viele noch aus dem ersten Band: GERONIMO – MIT DEN AUGEN EINES PFERDES: Die Autorin veröffentlichte damals unter dem Namen Lydia Schweigert.

Band 2 setzt da auf, wo Band 1 aufgehört hat: Nachdem Geronimo, der Schimmel, und sein Freund aus Fohlentagen, der Fuchswallach Fidel, durch viele Menschenhände gegangen sind und sowohl gute als auch schlimme Erfahrungen gemacht haben, treffen sie sich zufällig in einem Reitstall wieder. Geronimos – „Ronnys“– Besitzerin, die klassische Reiterin Jenny und Fidels Besitzerin, die Westernreiterin Anke, sind befreundet.

Nette Menschen, gute Freunde unter den Artgenossen, eine schöne Aufgabe als Reitpferd und eine angenehme Unterkunft – so könnte das Leben eigentlich bleiben. Doch Ronnys bisherige Lebenserfahrung lässt ihn ahnen, dass paradiesische Zustände nicht lange anhalten.

Und in der Tat: Als Anke aus gesundheitlichen Gründen das Reiten aufgeben muss, soll Fidel verkauft werden. Mehr noch als die Angst vor dem Verlust des besten Freundes, macht Ronny die Vorstellung zu schaffen., dass Fidel es bei seinen neuen Besitzern kein schönes Leben haben könnte. Die Menschen, die vorbeikommen, um Fidel „auszuprobieren“ lassen nicht viel Gutes ahnen …

Kaum ist für dieses Problem eine zufriedenstellende Lösung gefunden worden, steht das nächste Unheil ins Haus: Bei einem Machtkampf mit Hengst Paolo wird Ronny so schwer verletzt, dass er in die Tierklinik muss. Schmerzhaft und erschreckend für Ronny – dramatisch und teuer für seine Besitzerfamilie.

Ronny lässt sich von seiner Verletzung nicht unterkriegen und freut sich unbändig, als er endlich wieder nach Hause darf zu seinem Kumpel Fidel, zu seinen Menschen und zu seiner neuen Freundin, der russischen Rappstute Maddi.

Kehrt jetzt wieder Ruhe ein in seinen Alltag? Schön wär’s! Kaum ist Ronny genesen, geschieht die nächste Katastrophe: Pferdediebe machen sich im Reitstall zu schaffen und entführen Ronny und seine Kollegen. Den Pferden ist klar, dass sie in Lebensgefahr schweben. Ausgerechnet an Fidel, der gern als „Weichei“ und „Zwerg“ geschmäht wird, beißen sich die Ganoven die Zähne aus. Er lässt sich nicht einfangen und entkommt. Wird es ihm gelingen, Hilfe zu holen?

Ganz ohne Blessuren geht das Abenteuer nicht ab. Wieder werden hohe Tierarztkosten fällig. Doch das ist nicht das einzige Problem der Pferdebesitzer.

Wenn Geronimo in seinem bisherigen Pferdeleben etwas zu fürchten und zu hassen gelernt hat, dann sind es die „Krisensitzungen“ der Menschen. Denn das hieß für ihn bislang immer, dass ein Besitzerwechsel ins Haus stand. Jetzt gibt es in es im Reitstall gleich mehrere Krisensitzungen, und das Ergebnis könnte schlimmer nicht sein: Ronnys und Fidels Besitzer sind in finanziellen Schwierigkeiten und beide Pferde sollen verkauft werden.

Lässt sich das Unglück noch aufhalten? Wird jemand rechtzeitig eine bessere Lösung finden?

Welche Rolle dabei ein Karomonster, eine Schlammpfütze sowie fliegende Pferde spielen und wie die Geschichte für Ronny und Fidel ausgeht, das steht im Buch …

Mit ihren unterhaltsamen und spannenden Geschichten aus der Sicht des Schimmel-Wallachs Geronimo weckt die Autorin bei großen und kleinen Tierfreunden Verständnis für die Bedürfnisse von Pferden. Oder, wie sie Ronny in ihrem Buch sagen lässt: Indem ihr möglichst viel über uns lernt und versucht, uns zu verstehen könnt ihr dazu beitragen, unser Leben besser zu machen. So viele Pferde leiden aus Gedankenlosigkeit ihrer Besitzer oder werden aufgrund von Missverständnissen unfair behandelt. (…) Wir Pferde sind euch Menschen ausgeliefert. Und es liegt in eurer Hand, unsere Welt Stück für Stück ein bisschen besser zu machen.“ (S. 123/124)

Hoffen wir für die Pferde, dass das Vorhaben gelingt und dieses unterhaltsame Buch zur Aufklärung beiträgt.

Die Autorin
Lydia Albersmann wurde 1968 in Köln geboren. Seit frühester Kindheit hat sie jede Minute ihrer Freizeit mit Pferden verbracht. Und weil ihr das noch nicht ausreichte, beschloss sie, ihr Hobby zum Beruf zu machen und arbeitete sieben Jahre lang hauptberuflich als Pferdepflegerin. Nach erfolgreichem Abschluss eines Grafikdesign-Studiums ist sie seit 2004 als freie Illustratorin und Schriftstellerin tätig. Die Pferde sind weiterhin ihre große Leidenschaft.



Der gefällte Kratzbaum
Mai 25, 2009, 1:30 pm
Filed under: Tierisches

Ein Schrei, ein Schlag, Holz donnert auf Metall – und der Kater rast in einem Affenzacken ins Wohnzimmer, als wolle er die Schallmauer durchbrechen.

Huch! Was’n jetzt los? Dass Kater Cooniebert einen Hang zu Hysterie und Drama hat, ist uns bekannt. Aber da muss was passiert sein!

Ein Blick auf den Balkon genügt und der Fall ist klar: Der Kratzbaum ist zusammengebrochen und gegen das Balkongeländer gekracht! Super! Den hatten wir erst vor vier Wochen gekauft. Als Ersatz für das gleiche Modell vom gleichen Hersteller und Lieferanten, das nach vier Jahren auf dem Balkon einfach schon ein bisschen verschossen, verzogen und verratzt war.

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Nach vier Jahren auf dem Balkon hat der alte Kratzbaum etwas gelitten

Vier Jahre lang sind Mensch und Tier mit diesem Kratzbaummodell sehr zufrieden gewesen. Es stand bei uns auf dem überdachten Balkon und wurde dort ab und zu auch mal ein wenig nass. Das hat ihm nicht viel ausgemacht. Schöner ist er halt nicht geworden, weshalb wir ihn ersetzen wollten. Gesagt, getan, bestellt, bezahlt und montiert.

Wir haben den neuen Kratzbaum an die Stelle des alten gestellt – und wo der olle vier Jahre lang durchhielt, lag das neue Exemplar nach nicht einmal vier Wochen mit geknicktem Stamm auf dem Boden. Keine Ahnung, was das Vorgänger-Exemplar für ein Innenleben hat. Sind die Stämme aus Holz oder aus Kunststoff? Man sieht das ja nicht, weil Sisalschnur darumgewickelt ist. Der neue Kratzbaum jedenfalls hat Stämme aus Pappröhren, so Dinger, in denen man normalerweise Poster verschickt die natürlich keine Feuchtigkeit vertragen.

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Kratzbaum 2009: Nach vier Wochen machte er die Grätsche

Natürlich hat der Händler nirgendwo in seinem Angebot geschrieben, dass das Teil fürs Freie geeignet ist. So gesehen trifft ihn keine Schuld. Doch weil der alte Kratzbaum das problemlos verkraftet hat, bin ich stillschweigend davon ausgegangen, dass ein neues Exemplar des Modells das auch packt. Sonst hätte ich das Ding ja nie im Leben gekauft, sondern mir vom Schreiner einen machen lassen!

Was wir getan haben: Wir haben das Modell 2009 und 2005 komplett zerlegt und einen gemischten Kratzbaum daraus gemacht: Die Plattformen vom neuen und die Stämme vom alten. Das ist zwar nicht im Sinne des Erfinders, aber was bleibt uns übrig?

Ich hab den Fall dem Lieferanten unseres Vertrauens geschildert, denn unsere Enttäuschung war schon groß. Und der Schreck des Katers, dem der Kratzbaum unterm Hintern zusammengefallen ist, ebenfalls. Ob sie sich wohl melden?

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Kratzbaum gemischt: Plattformen von 2009, Stämme von 2005. Und drei Coonies, die darauf abhängen



A. G. Leitner, G. Trinckler (Hrsg.): Ein Nilpferd schlummerte im Sand – Gedichte für Tierfreunde
Mai 25, 2009, 7:40 am
Filed under: Bücher

Anton G. Leitner, Gabriele Trinckler (Hrsg.): Ein Nilpferd schlummerte im Sand – Gedichte für Tierfreunde, München 2009, dtv Deutscher Taschenbuch Verlag, ISBN 978-3-423-13754-6, Taschenbuch, 142 Seiten mit Illustrationen von Reinhard Michl, Format: 11,5 x 15 x 1 cm, EUR 4,95 [D], EUR 5,10 [A]

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55 deutschsprachige Lyrikerinnen und Lyriker vom Barock bis zur Gegenwart sind mit insgesamt 81 „tierischen“ Gedichten in diesem unterhaltsamen Bändchen vertreten. Hier gibt es Klassisches und Modernes, Gereimtes und Ungereimtes, Heiteres und Ernstes, Skurriles und Fabelhaftes.

Sie finden Vertrautes und Beliebtes wie z.B. Christian Morgensterns FISCHES NACHTGESANG und das MÖWENLIED, Rainer Maria Rilkes DER PANTHER und Friedrich Daniel Schubarts DIE FORELLE, die Sie sicher als Kunstlied kennen, vertont von Franz Schubert. Der Ohrwurm, den man beim Lesen unweigerlich bekommt, ist eine Gratis-Zugabe. 😀 Es gibt auch viel Neues zu entdecken: rund ein Dutzend Gedichte, die eigens für dieses Buch geschrieben bzw. hier erstmals veröffentlicht wurden.

Von der Mücke bis zum Nashorn, vom Abflug der Stare bis zu Zebras, Ziegen und Zecken wird alles in Reim und Vers gewürdigt, was kreucht, fleucht, hüpft oder schwimmt. Sogar so merkwürdige Kreaturen wie Bücherwurm und Leseratte, Werwölfe, ein Goldfisch im Gurkenglas und ein Kaka-sie. Da ist die Kunst noch kreativer gewesen als die Natur.

Angesichts dieser Textvielfalt wird jeder Tierfreund mindestens ein Lieblingsgedicht entdecken, hat er doch die Auswahl unter Werken aus mehreren Jahrhunderten und mit höchst unterschiedlichen Ziel- und Stilrichtungen. Wo Goethe, Rilke und Grillparzer neben Ringelnatz, Morgenstern und Wilhelm Busch stehen und wo man jede Menge Lyriker kennen lernen kann, deren Namen und Werk einem bislang noch unbekannt waren, ist mit Sicherheit für jeden Geschmack etwas dabei. Wenn auch nicht jedes einzelne Werk in den allerallerhöchsten Sphären der Kunst schwebt. Aber das ist auch gar nicht der Anspruch dieser Sammlung. Sie unterhält, sie bringt zum Nachdenken – und vielleicht führt sie den einen oder anderen unterrichtsgeschädigten Gedichtemuffel über das nette Thema und die vorwiegend heitere Art ein bisschen näher an die Lyrik heran.

Wie wäre es z.B. mit DER KLEIBER von Stan Lafleur (*1968)? Ein Gedicht, das einen an den Dadaismus denken lässt und an Zungenbrecher-Sätze – und das man einfach nicht unfallfrei laut lesen kann, zumindest nicht als ungeschulter Laie. Was einen natürlich nicht daran hindert, es immer und immer wieder zu probieren. Wobei man nur hoffen kann, dass einen niemand hört. Vielleicht wird auch eines der meisterhaften Gedichte von Mascha Kaléko Ihr Favorit? Oder etwas Heiteres von Paul Maar oder Wilhelm Busch? DIE SCHNECKEN zum Beispiel sind sehr amüsant. Da treten die Tiere in Nahrungskonkurrenz zum Menschen, was dieser nicht besonders schätzt. Es ist schon interessant, mit welcher Freude man Gedichte über Tiere liest, auf die man im täglichen Leben nicht besonders gut zu sprechen ist.

Am besten, Sie gönnen sich das tierische Vergnügen und suchen sich Ihre ganz persönlichen Lieblingsgedichte selbst aus.

Sollte je ein Folgeband geplant sein: Unbekannte Dichter und deren Werke hätten wir bei http://www.tiergeschichten.de und http://tiergeschichten.wordpress.com jede Menge …

Die Herausgeber:
Anton G. Leitner, geboren 1961 in München, lebt als Verleger, Lyriker und Publizist im Landkreis Starnberg. Als Rezitator präsentiert er Poesie auf internationalen Literaturfestivals, im Rundfunk und auf CDs. 1992 gründete er die Zeitschrift DAS GEDICHT; die er bis heute editiert. Er wurde mit vielen Preisen ausgezeichnet.

Gabriele Trinckler, geboren 1966 in Berlin, lebt seit 1999 als Lyrikerin, Herausgeberin und Verlagsangestellte in München. Sie ist Redakteurin der Zeitschrift DAS GEDICHT.



Sally Koslow: Ich, Molly Marx, kürzlich verstorben – Roman
Mai 15, 2009, 8:01 am
Filed under: Bücher

Sally Koslow: Ich, Molly Marx, kürzlich verstorben – Roman, OT: The Late, Lamented Molly Marx, Deutsch von Britta Mümmler, München 2009, dtv Deutscher Taschenbuchverlag, ISBN 978-3-423-24725-2, Softcover (dtv Premium), 363 Seiten, Format: 13,5 x 21 x 3 cm, Euro 14,90 [D], 15,40 [A], sFr 25,80.

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Keine Ahnung, warum sich Molly Divine Marx ihre eigene Beerdigung immer als ein Event in einer Steinkapelle am Meer vorgestellt hat, irgendwo in Schottland. Das wäre ein ziemlich ungewöhnlicher Abschied für eine New Yorker Jüdin.

Mit dem tatsächlichen Verlauf der Veranstaltung ist sie denn auch denkbar unzufrieden. Zum einen, weil sie bereit mit 35 Jahren abtreten muss und ihre 4-jährige Tochter zurücklässt, zum anderen, weil ihr die stickige Synagoge, der schwadronierende Rabbi, der kitschige Gesang und die wildfremden aufgetakelten Weiber unter den Trauergästen nicht gefallen. Wer sind die überhaupt? Patientinnen und Freundinnen des plastischen Chirurgen Dr. Barry Marx, ihres Ehemanns?

Dass Molly nicht weiß, wer oder was sie so frühzeitig ins Jenseits befördert hat, trägt auch nicht zu ihrem Wohlbefinden bei. Sie erinnert sich nur noch daran, dass sie nach einem Fahrradausflug tot am Ufer des Hudson lag. War es ein Unfall? Oder hat jemand nachgeholfen? Selbstmord, wie Barrys Verwandte annehmen, war es definitiv nicht, dafür gab es keinen Grund. Und ehe Molly das Rätsel ihres Ablebens nicht gelöst hat, kann und will sie nicht endgültig ins Jenseits verschwinden.

Die Existenz in der Ewigkeit hat auch ihre Vorteile, wie Molly schnell herausfindet: Man kann auf der Erde in Sekundenschnelle Ortswechsel vornehmen, man nimmt wahr, was die Menschen tun und denken, ohne von ihnen wahrgenommen zu werden. Und auch der „Bullshit-Detektor“, über den Molly schon zu Lebzeiten verfügte, funktioniert hier prächtig. Niemand kann ihr etwas vormachen.

Sie solle nur gut haushalten mit ihren besondern Kräften sagt Bob, der schon auf eine längere Erfahrung mit dem Totsein zurückblicken kann und ihr als Guide zugeteilt wurde. Denn diese speziellen Fähigkeiten wird sie nicht für immer haben. Also zügelt Molly ihre allgemeine Neugier und will nur zweierlei wissen: wie sie zu Tode gekommen ist und wie ihre Hinterbliebenen den Verlust verkraften.

In einer unterhaltsamen Mischung aus Mollys Erinnerungen und aktuellen Beobachtungen erfahren wir das Wichtigste aus ihrem Leben. Zum Glück muss man im Jenseits nicht mehr politisch korrekt sein, und so nimmt Molly auch kein Blatt vor den Mund. So mancher Mitmensch bekommt ordentlich sein Fett weg: die dominante, eitle und reichlich selbstgerechte Schwiegermutter, zum Beispiel. Oder der Gatte, der nicht nur im Beruf, sondern auch bei der Damenwelt überaus erfolgreich ist, aber stets ein Muttersöhnchen bleibt. Mollys Zwillingsschwester Lucy, die mit ihrer impulsiven, aggressiven und taktlosen Art selbst wohlmeinende Menschen vor den Kopf stößt. Und die etwas vulgäre Stephanie, die schon zu Mollys Lebzeiten hinter Dr. Barry Marx her war und jetzt, da er Witwer ist, erst recht keine Hemmungen mehr kennt.

Mit Zuneigung betrachtet Molly ihre Eltern, deren liebevollen Umgang miteinander sie stets bewundert hat. Wie wird Tochter Annabel den Tod der Mutter verarbeiten? Und wird Freundin Brie, die Rechtsanwältin, mit ihrer Lebensgefährtin glücklich werden?

Wäre alles anders gekommen, wenn Molly den Mut gehabt hätte, den Status der verwöhnten Arztgattin aufzugeben und sich zu ihrem Geliebten, dem Fotografen Luke, zu bekennen? Und was treibt eigentlich Detective Hicks, der Mann mit dem albernen Vornamen? Er soll bitteschön aufklären, wie Molly Marx zu Tode kam. Stattdessen flirtet er mit ihrer Freundin Brie!

Auch mit sich selbst geht Molly gnadenlos ehrlich ins Gericht. Wenn sie ihre eigenen Fehler, Pleiten und Schwächen auflistet, möchte man sie am liebsten als Schwester im Geist ans Herz drücken. Man erkennt sich in so vielem wieder!

Eigentlich hat man es als Leser gar nicht so eilig, den Grund von Mollys Tod herauszufinden. Soll sie ruhig noch eine Weile Detektiv spielen und uns unterdessen an ihren Betrachtungen des Lebens und der Menschen teilhaben lassen. Ob freundlich-humorvoll, kritisch und nachdenklich, berührend-melancholisch oder messerscharf biestig – Spaß macht es immer! Natürlich will man trotzdem wissen, ob auf Erden der Gerechtigkeit Genüge getan wird. Die Antwort muss in diesem Fall wohl lauten: Ja, nu, wie man’s nimmt …

Molly Marx’ flapsige Kommentare aus dem Jenseits könnten eventuell die religiösen Gefühle von Lesern verletzen, die vom Leben nach dem Tod eine andere Vorstellung haben als die Autorin. Nicht jeder kann sich mit Witzeleien über die Ewigkeit anfreunden. Wer diesbezüglich keine Berührungsängste hat, wird sich gut unterhalten und dürfte der Heldin zustimmen: „Mein altes Leben ist die beste Soap der Welt, auch wenn sie nur einen Zuschauer hat.“ (S. 330)

Für Leserinnen und Leser, die mit den Riten des jüdischen Glaubens nicht so vertraut sind, enthält das Buch freundlicherweise ein Glossar. Das erspart umständliche Erklärungen innerhalb der Geschichte und liefert genau die Menge an Informationen, die für das Verständnis der Abläufe notwendig ist. (Über die Etymologie des Wortes „Fagele“ wäre vielleicht noch zu reden, aber das kann auch eine Frage der Transkription sein.)

Die Autorin:
Sally Koslow wurde in North Dakota geboren, studierte Englisch an der University of Wisconsin und hat für verschiedene Zeitschriften und Magazine gearbeitet. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen in Manhattan.



Charlaine Harris: Falsches Grab – Roman
Mai 12, 2009, 7:57 am
Filed under: Bücher

Charlaine Harris: Falsches Grab – Roman, 2. Band der Reihe, OT: Grave Surprise, Deutsch von Christiane Burkhardt, München 2009, dtv Deutscher Taschenbuch Verlag, ISBN 978-3-423-21121-5, Taschenbuch, 301 Seiten, Format: 12 x 19 x 1,7 cm, EUR 9,95

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Seit Harper Connelly, 24, als Teenager von einem Blitz getroffen wurde, hat sie nicht nur gesundheitliche Probleme wie Migräne, Schwächeanfälle und Angstzustände, sondern auch die ungewöhnliche Fähigkeit, Leichen zu finden und deren Todesursache zu erspüren.

Harper akzeptiert diese unheimliche Gabe quasi als Entschädigung für ihre physischen und psychischen Beeinträchtigungen und hat einen Beruf daraus gemacht: Jedermann kann sie bei Vermisstenfällen engagieren. Ihr Stiefbruder Tolliver Lang, 27, managt das makabere Unternehmen Connelly & Lang, Bergungen und pflegt eine überraschend penible Buchführung. So ziehen die beiden seit Jahren gemeinsam durch die USA, von Leiche zu Leiche, gefürchtet, angefeindet und als Scharlatane beargwöhnt, und träumen dabei von einem geruhsamen Leben in einem kleinen Häuschen. Und davon, eines Tages doch noch das Schicksal ihrer (Stief-)Schwester Cameron zu klären, die als Schülerin spurlos verschwand.

Bei der Suche nach einer Leiche mag Harper gelegentlich versagen, vor allem, wenn der Tote an einen weit entfernten Ort verbracht wurde. Doch bei der Bestimmung der Todesursache hat sie sich noch niemals geirrt. Ohne zu zögern sagen die beiden deshalb zu, als Professor Clyde Nunley von der Anthropologischen Fakultät des Bingham College in Memphis, Tennessee, sie für die Teilnahme an einem Seminar anheuert. Harper soll die Todesursache der Leichen auf einem 200 Jahre alten Friedhof feststellen. Ihre Erkenntnisse will der Professor anschließend mit den erst kürzlich wiederentdeckten und versiegelt aufbewahrten Aufzeichnung eines früheren Gemeindepfarrers vergleichen. Mogeln ausgeschlossen.

Es ist Harper schon klar, dass sie bei dem Experiment als Betrügerin bloßgestellt werden soll, aber die Bezahlung stimmt und, wie gesagt: Sie irrt sich nie. Die Chance ist groß, dass am Ende des Tages der Professor als Depp dasteht.

Wie erwartet löst Harper die Aufgabe mit Bravour. Doch dann kommt es doch noch zum Eklat: Im Grab von Joshua Poundstone, 1839 – 1858, befindet sich nicht nur eine Leiche, sondern zwei. Und diese zweite, ein ermordetes junges Mädchen, liegt dort erst seit kurzem. Es ist Tabitha Morgenstern, ein Vermisstenfall aus Nashville, Tennessee, den Harper und Tolliver vor zwei Jahren nicht haben aufklären können.

Alles nur Zufall? Daran glauben weder Harper und Tolliver noch die Behörden. Und wieder einmal sitzen die beiden exotischen Dienstleister als Mordverdächtige an ihrem Einsatzort fest. Dieses Mal haben sie nicht nur die örtlichen Detectives Young und Lacey an der Backe, sondern auch noch den FBI-Mann Seth Koenig und den Privatdetektiv Rick Goldman. Und auch mit manchen Mitgliedern der weitverzweigten Familie Morgenstern, Tabithas Angehörigen, ist nicht gut Kirschen essen.

Wenn Harper und Tolliver aus dieser Nummer heil herauskommen wollen, müssen sie den wahren Mörder finden. Dabei wäre es ganz hilfreich, wenn sie wüssten, wer sie dem Professor für das Seminar empfohlen hat. Vielleicht war es ja der Mörder, der gewollt hat, dass sein Opfer gefunden wird. Und was weiß Victor Morgenstern, Tabithas Halbbruder?

Dass sich die exaltierte Hellseherin Xylda Bernardo, eine Dame mit bewegter Vergangenheit, und ihr merkwürdiger Enkel in den Fall einmischen, macht die Sache nicht einfacher.

Dann geschieht ein weiterer Mord. Wusste das Opfer zu viel? War es Tabithas Mörder zu dicht auf den Fersen? Die aktuelle Entwicklung lässt auf jeden Fall nichts Gutes ahnen für Harper Connelly und Tolliver Lang …

Die Geschichten um Harper Connelly sind definitiv düsterer als die „Sookie Stackhouse“-Reihe, mit der Charlaine Harris berühmt geworden ist. Das hier ist keine übersinnliche Freak-Show, sondern eine Krimi-Reihe, die in der realen Welt spielt und von der Prämisse ausgeht, dass Harper Connellys unerklärliches Talent wirklich existiert.

Hier halten zwei Außenseiter zusammen gegen den Rest der Welt. Harper und Tolliver werden niemals dazugehören zum „normalen“ Leben in den Vororten und Kleinstädten, durch die sie kommen. Dagegen steht ihre makabere und unheimliche Profession und ihre schreckliche Vergangenheit. „Desolate Familienverhältnisse“ beschreiben die Hölle, in der die Stiefgeschwister aufgewachsen sind, nur unzureichend.

Harper und Tolliver führen ein Nomadenleben, ohne nennenswerte familiäre Bindungen, ohne Freunde und ohne wirkliches Zuhause. Von Berufs wegen bekommen sie auch nur Dramen und Tragödien zu Gesicht. Mag sein, dass sie sich deswegen so gerne Filme mit glücklichen Familien und einem guten Ende ansehen. Zwei traumatisierte, tragische Figuren, für die man sich kein Happy End vorstellen kann.

Dass die Reihe beim Leser trotzdem keine Depressionen hervorruft, sondern spannend und unterhaltsam ist, liegt unter anderem an der Beobachtungsgabe der Geschwister und ihrem Talent zu spitzzüngig-treffenden und schlagfertigen Kommentaren. Ohne eine Prise Humor könnten sie dieses Leben wohl auch nicht ertragen.

Auf längere Sicht besteht bei dieser Reihe allerdings die Gefahr der Gleichförmigkeit und damit der Abnutzung der Story. Das Strickmuster ist immer das gleiche: Die Stiefgeschwister finden eine Leiche, werden verdächtigt und müssen, um ihre Unschuld zu beweisen, selbst auf Mörderjagd gehen. Aber, wer weiß? Vielleicht wird uns Charlaine Harris in den kommenden Bänden mit gänzlich unerwarteten Wendungen überraschen.

Die Autorin
Charlaine Harris lebt mit ihrer Familie in Arkansas. Sie hat mehrere Kriminalromane sowie die Kult-Vampirreihe um die gedankenlesende Kellnerin Sookie Stackhouse veröffentlicht und erhielt für ihre Bücher zahlreiche Auszeichnungen.



Dora Heldt: Tante Inge haut ab – Roman
Mai 8, 2009, 7:50 am
Filed under: Bücher

Dora Heldt: Tante Inge haut ab – Roman, München 2009, dtv Deutscher Taschenbuchverlag, ISBN 978-3-423-24723-8, Softcover (dtv Premium), 336 Seiten, Format: 13,5 x 21 x 3,2 cm, EUR 12,90 [D], EUR 13,30 [A]

Die erste Begegnung zwischen Christine Schmidts Lebensgefährten Johann und ihrem Vater Heinz ging gründlich daneben (Dora Heldt: „Urlaub mit Papa“, dtv). Auch als gestandene Frau von Mitte 40 möchte man ja nicht, dass der Partner denkt, man entstamme einem Haufen meschuggener Nervensägen, denen jeglicher Bezug zur Realität fehlt. Also startet Christine einen neuen Versuch: Beim Urlaub auf Sylt, im Haus von Christines Eltern, soll Johann davon überzeugt werden, dass ihre Familie eigentlich ganz nett und normal ist.

Schon am Bahnsteig ahnt Christine, dass das wohl auch diesmal schief gehen wird. Denn mit Sack und Pack und einem knallroten Hut steht auf einmal Papas Schwester da, Inge Müller, die eigentlich bei ihrem Mann Walter in Dortmund sein sollte. Tante Inge, so stellt sich heraus, war zur Kur. Dort muss ihr wohl das eine oder andere Licht aufgegangen sein, denn sie hat beschlossen, ihr Leben grundlegend zu verändern.

Verdenken kann man es ihr nicht. Dortmund ist eigentlich nie richtig ihre Heimat geworden. Und bei ihrem Mann Walter, einem pensionierten Steuerinspektor, dreht sich alles nur noch um Fußball, Sparen und das Einbilden von Krankheiten. Zwischendrin mäht er den Rasen oder macht den Nachbarn die Steuererklärung. Inge fühlt sich wie lebendig begraben und will jetzt, mit 64 Jahren, auf ihrer Heimatinsel Sylt noch einmal von vorne anfangen.

Schön für Inge. Aber was wird ihr „großer Bruder“ Heinz dazu sagen? Er ist schon seit Kindertagen davon überzeugt, für Inges Wohlergehen verantwortlich zu sein und sie vor jeglichem Unheil bewahren zu müssen. Und wer Heinz kennt, weiß: wo er helfend eingreift, da wächst kein Gras mehr. Das weiß auch Inge und hält sich bezüglich ihrer Pläne sehr bedeckt.

Erst nimmt die Familie Inges Veränderungsabsichten nicht ernst. Vielleicht hat ihr nur ihre neue Freundin aus der Kur, die mondäne Renate, einen Floh ins Ohr gesetzt, und das ganze gibt sich wieder. Oder Inge ist ein bisschen durcheinander, weil vor kurzem ihre Freundin Anna verstorben ist.

Auf Dauer lässt sich jedoch nicht ignorieren, dass Inge Verhandlungen führt, plant und organisiert. Und wo immer es keine konkreten Informationen gibt, da schießen die Vermutungen und Gerüchte wild ins Kraut. Dass auch noch Inges Kur-Freundin Renate auftaucht, die Inge „beistehen“ will und mit ihren eigenen Spekulationen die Gerüchteküche weiter anheizt, macht die Sache nicht einfacher.

Überhaupt … Renate! War sie in der Kur eine wertvolle Inspiration für Inge, entpuppt sie sich jetzt mehr und mehr als egozentrischer, unsensibler Trampel, der stets hinter irgendwelchen Männern her ist und einen peinlichen Auftritt nach dem anderen hinlegt. Inge wäre sie ganz gerne los. Und auch Schwägerin Charlotte – Heinz’ Ehefrau und Christines Mutter – ist alles andere als erbaut davon, dass Renate bei ihnen ein- und ausgeht. Als sich auch noch Heinz’ Kumpel Kalli vorübergehend bei ihnen einnistet und Inges Mann Walter anreist, um nach dem Rechten zu sehen, ist das Chaos komplett.

Heinz, Kalli und Walter starten mit Renates Hilfe ein „Rettungsprogramm“ für Inges Ehe, was Charlotte aus dem Haus und Christine auf die Palme treibt. Die Aktion mündet prompt in ein fürchterliches Tohuwabohu, im dem unter anderem eine Hecke, ein angebrochener Hintern und ein Polizeieinsatz eine Rolle spielen.

Christine ist weiter denn je davon entfernt, ihre Familie als nett und normal präsentieren zu können.

Ein Gutes hat der ganze Zirkus jedoch: Er bringt Christine ins Grübeln. Tante Inge wagt mit Mitte 60 noch einen Neuanfang, Christine dagegen graut es dermaßen vor Veränderungen, dass sie mit Johann immer noch eine Wochenendbeziehung führt, obwohl es die Option gäbe, zu ihm nach Bremen zu ziehen.

Wird auch Christine Mut zur Veränderung fassen? Und was genau hat eigentlich Tante Inge vor? Bisher hat sie sich ja standhaft geweigert, ihre Familie in ihre konkreten Pläne einzuweihen. Nur Anika, die nette Bedienung als dem Lokal „Badezeit“, weiß Bescheid. Aus gutem Grund. Und zum Glück. Denn wer weiß, wie die Geschichte sonst ausgegangen wäre …

Christines Familie ist einfach … unbeschreiblich! Wenn Heinz und sein Schwager am Telefon die Befindlichkeiten der weiblichen Familienmitglieder erörtern, dann bleibt kein Auge trocken. Und Schwager Walter, der sparsame Steuerinspektor im Ruhestand, steht Heinz in nichts nach. Christines Mutter kommentiert eine seiner Glanzleistungen so: „Onkel Walter hat Bahnchef Mehdorn eins ausgewischt und fährt für 54,50 Euro dreizehn Stunden Zug. Mit siebenmal Umsteigen. Jetzt sag nicht, dass er nicht gewieft ist.“ (S. 169.)

So richtig rund geht’s, sobald Heinz seine Rentnergang um sich schart. Mit Kalli und Walter bildet er eine Art temporärer Strohwitwer-WG, in der einer unfähiger im Haushalt ist als der andere. In der Küche schaut es alsbald aus, als sei etwas explodiert, aber für solche Nebensächlichkeiten haben die Herren keinen Kopf. Schließlich müssen sie Inge beschützen, wenn sie auch keine Ahnung haben wovor. Wie sollten sie auch? Von dem, was um sie herum vorgeht, bekommen sie mangels Aufmerksamkeit maximal die Hälfte mit und reimen sich den Rest zusammen. Das ist nicht gerade die optimale Ausgangslage für Aktionen gleich welcher Art. Aber saukomisch für den Leser!

Es müsste Heinz uns seinen Kumpels doch irgendwann mal aufgefallen sein, dass ihre Rettungsmissionen grundsätzlich im Desaster enden. Aber sie können das wohlmeinende Einmischen einfach nicht lassen. Johann schätzt seinen quasi-Schwiegervater diesbezüglich richtig ein: „Solange er das Gefühl hat, dass was nicht stimmt, wird er sich darum kümmern.“ (S. 165). Und solange er das tut, hat Tochter Christine was zum Aufregen, Verzweifeln und Fremdschämen – und der Leser was zu lachen.

Wer über eine ähnlich anstrengende Verwandtschaft verfügt wie Christine, wird vieles wiedererkennen und sich sagen: „Gottseidank geht’s nicht nur bei uns so zu!“ Andere werden erleichtert seufzen: „Ganz so abgedreht ist meine Sippe zum Glück nicht!“ Wer sich bei diesem Roman in keinster Weise an seine eigene Familie erinnert fühlt, hat entweder keine oder er hat enormes Glück gehabt. Das ist fast nicht vorstellbar. Denn sind wir nicht alle ein bisschen Müller und Schmidt?