Wahnsinn im Alltag


Ina Coelen, Ulrike Renk: Tödliches Dinner. Niederrheinischer Kriminalroman.
Dezember 28, 2007, 2:13 pm
Filed under: Bücher

Stammgäste und andere Betrüger

Ina Coelen, Ulrike Renk: Tödliches Dinner. Niederrheinischer Kriminalroman. Mit neuen todsicheren Rezepten, Krefeld 2007, LEPORELLO-Verlag, ISBN: 978-3-936783-23-0, Taschenbuch, 214 Seiten, Format: 19 x 11,5 x 1,8 cm, EUR 9,–

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Nach dem Tod ihres Mannes hat Katharina „Katta“ Lintfort ihr Leben notgedrungen gründlich umgekrempelt: Sie hat ihr Haus in Kempen vermietet und ist mit ihrer Tochter nach Krefeld in eine kleinere Wohnung gezogen. Und sie hat sich mit einem Bistro im Großmarkt sowie mit einem Buffett- und Partyservice selbständig gemacht.

Als sie unter den Gästen im Bistro zwei Herren von der Polizei entdeckt, ist Katta alles andere als begeistert. Sicher sind die beiden nicht nur wegen des guten Essens hier oder wegen der köstlichen Kaffeespezialitäten von Barmann Jan. Dienstlich hat Katta die Kommissare noch in denkbar schlechter Erinnerung. Sie waren es, die nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes ermittelt hatten. Und das nicht immer mit dem nötigen Feingefühl.

Als ob Katta nicht schon genug Ärger hätte, auch ohne dass die Polizei noch welchen ins Haus trägt! Die Miete für das Haus in Kempen ist schon mehrere Monate überfällig. Und die Kasse im Bistro stimmt auch nie, weil andauernd Bargeld verschwindet. Dabei arbeiten nur alte Freunde und Familienangehörige im Bistro mit. Und auch die neue Köchin macht einen so vertrauenswürdigen Eindruck, dass Katta ihr einen Diebstahl eigentlich nicht zutraut.

Was die Polizei zu erzählen hat, ist in der Tat wenig erfreulich: In jüngster Zeit ist es wiederholt zu Einbruchdiebstählen gekommen – und zwar in genau den Häusern und Wohnungen, zu denen Katta und ihre Leute den Schlüssel hatten, weil sie dort wegen eines Catering-Auftrags ein- und ausgingen.

Ist also doch ein Dieb im Bistro-Team?

Es hilft alles nichts: Freundin Claudia muss wieder ermitteln. Und dabei hat sie derzeit genügend eigene Probleme: Ihr Ehemann Michael benimmt sich ausgesprochen merkwürdig und abweisend. Und ihr regulärer Arbeitgeber, für den sie in Teilzeit die Buchhaltung erledigt, trägt sich mit dem Gedanken, die Firma altershalber aufzugeben. Damit wäre Claudias „Brot- und Butterjob“ weg. Von ihrer Nebentätigkeit als Privatdetektivin kann sie nicht leben.

Doch private Schwierigkeiten müssen erst einmal warten. Wenn Freunde in Not sind, lässt Claudia sich nicht lange bitten. Wo sie bei ihren Ermittlungen ansetzen wird, ist klar: Zunächst bei der Familie Inderfurth. Herr Inderfurth hat den Einbrecher überrascht, erlitt vor Schreck einen Herzanfall und liegt nun im Krankenhaus. Wenn er wieder bei Bewusstsein ist, ist er möglicherweise ein wertvoller Zeuge. Auch dem Fotografen Leo Lindges fühlt Claudia umgehend auf den Zahn. Er erzählt überall voller Stolz, dass man ein paar seiner Arbeiten gestohlen hat. Claudia hat da so ihre Zweifel. Vielleicht hat ja in seinem Fall das Verschwinden der Kunstgegenstände ganz andere Gründe …?

Und auch der persönliche Hintergrund von Kattas Angestellter, der Köchin Annette, muss durchleuchtet werden. Sie selbst macht einen rechtschaffenen Eindruck, doch hat sie einen Hang zu gewalttätigen und reichlich dubiosen Männern.

Auf einmal geht es um mehr als um ein paar gestohlene Kunstgegenstände: Herr Inderfurth stirbt im Krankenhaus ohne das Bewusstsein noch einmal wiedererlangt zu haben. Und ohne dass er Katta durch seine Zeugenaussage entlasten konnte.

Und um die Katastrophe perfekt zu machen, eskalieren die „Friedensverhandlungen“ zwischen einer unbeliebten Lateinlehrerin und ihrer Schulklasse, die in Kattas Bistro stattgefunden haben, auf ungeahnte Weise. Jemand bleibt dabei, im wahrsten Sinne des Wortes, auf der Strecke.

Was weiß die „Rentnergang“ darüber, drei ältere Stammgäste des Bistros, die offenbar nicht ganz so brav und bieder sind, wie sie auf den ersten Blick zu sein scheinen? Auf wessen Konto gehen die Einbrüche und der Tod des Herrn Inderfurth? Und, last not least, wohin verschwindet immer das Bargeld aus Kattas Bistro?

Wird es Privatdetektivin Claudia gelingen, die wahren Hintergründe der Machenschaften aufzudecken und ihre Freundin zu entlasten?

„Tödliches Dinner“ ist ein ernsthafter Kriminalroman, der seine komischen Momente hat. Wenn zum Beispiel Katta der untalentierten Claudia das Kochen beibringen will … wenn ein sensationslüsterner Bekannter der beiden Heldinnen meint, eine Wasserleiche entdeckt zu haben … oder als das Saubermann-Image der „Rentnergang“ so langsam zu bröckeln beginnt.

Ein paar nette Insider-Gags gibt es auch. Claudia liest den neuesten der Krefeld-Krimis, die im realen Leben Ulrike Renk schreibt und Ina Coelen verlegt. Und es tauchen zwei rüstige ältere Damen im Bistro auf, die man aus den Kurzgeschichten von Ulrike Renk kennt.

Wie schon im ersten Band der Reihe, KILLER, KÜCHE, KNAST, wechseln sich die Autorinnen auch hier kapitelweise mit dem Schreiben ab: Ina Coelen schildert die Ereignisse aus Sicht der begnadeten Köchin Katta, Ulrike Renk sieht das ganze aus dem Blickwinkel der Detektivin Claudia. Ein Kunstgriff, der jeder Heldin eine eigene Perspektive, eine eigene Sprache und eine eigene Persönlichkeit gibt.

Eine winzige Kleinigkeit macht sich bei diesem gelungenen Kriminalroman störend bemerkbar: Die Namen der Nebenfiguren. Dass aus einer Walburga durch Eheschließung auf einmal eine „Geyer-Walli“ wird, ist möglich und ein netter Witz am Rande. Auch einen „Richard Gier“ kann man noch akzeptieren. Aber dann sollten die Polizisten nicht auch noch „Greifzu“ und „Baldower“ heißen und der Antiquitätenhändler nicht ausgerechnet „Ramschrath“. Das zieht die Geschichte ein bisschen ins Lächerliche, und das muss ja nicht sein, denn die Mischung zwischen Spannung und Humor stimmt. Das Buch braucht keine Namenskalauer.

Wer übrigens so gekonnt wie Katta den Kochlöffel schwingen will: Im Anhang des Buchs gibt es eine Reihe „todsicherer“ Rezepte prominenter Köche vom Niederrhein. Und keine Angst vorm Nachkochen: Vergiftet wird in dem Krimi keiner …

Spannende Unterhaltung – und guten Appetit!

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Lanzarote 2007: Die Insel der schlafenden Vulkane, Teil 1
Dezember 27, 2007, 9:30 am
Filed under: Lanzarote 2007

Lanzarote 22.07 – 31.07.2007
Die Insel der schlafenden Vulkane – Teil 1

„Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie so ein Brocken Basalt das Meer in Aufregung zu versetzen vermag“ – Alexander von Humboldt

Immer, wenn uns kein originelleres Reiseziel einfällt, landen wir auf Lanzarote. So auch dieses Mal. Wir sagten daheim, wir gehen noch mal „Blackys Heimatgebüsch“ besuchen, denn wir fuhren wirklich genau in das Hotel, in dem wir 1994 unseren langhaarigen Lanarzote-Kater Blacky aufgelesen und vor dem sicheren Vergiftungstod gerettet hatten.

Leider konnten wir Blacky nicht mehr davon berichten, wie es heute in seiner alten Heimat ausschaut. Er ist am 1. Juni 2007 an einem Krebsleiden gestorben. Nicht, dass er es tatsächlich verstanden hätte, das mit seiner Heimat. Aber ich bin mir sicher, wir hätten es ihm trotzdem erzählt. So sind sie eben, die Katzenhalter.

Es sollte auch ohne Blacky eine Reise in die Vergangenheit werden. Immerhin war das Hotel RIU Paraiso unser erstes Riu-Hotel überhaupt. Wir waren damals so begeistert, dass es seither für uns nichts anderes mehr gibt. Würde es uns, viele Jahre und viele Hotels später, im RIU Paraiso noch immer so gut gefallen? „All inclusive“ hat das Hotel jetzt. Hmm … das hatten wir noch nie.

Sonntag, 22. Juli 2007: Anreise

Am Sonntag, den 22. Juli heißt es bereits um 2:34 Uhr aufstehen. Sicherheitshalber habe ich mir zwei Wecker gestellt. Wäre aber nicht nötig gewesen, vor lauter Reisefieber schlafe sich sowieso unruhig und werde alle naselang wach. Pünktlich um 3:45 Uhr kommt Taxifahrer Michele, ein Bekannter von Gerhard, der am liebsten nachts fährt. Und, wie immer, ist Gerhard längst mit allem fertig, während mir noch 47 ungeheuer wichtige Kleinigkeiten einfallen, die man jetzt noch schnell wegräumen, wegwerfen oder einpacken muss. Noch schnell von den beiden Katern Cooniebert und Yannick verabschieden, die in der Obhut von Gerhards Eltern zurückbleiben. Und noch rasch aufs Klo … Gerhard geht schon mit seinem Koffer hinaus, ich hechle mit meinem wenige Minuten später hinterher. Immer mit dem Gefühl im Hinterkopf, ganz bestimmt was Wichtiges vergessen zu haben.

Die Straßen sind frei zu dieser frühen Stunde und wir sind zeitig am Flughafen. Der Abflug ist „erst“ um 6:00 Uhr, da ist es auch nicht furchtbar schlimm, dass wir hübsch eine Weile durch die Halle irren, bis wir endlich den Schalter der Gesellschaft Tuifly finden. Aha … da, wo die meisten Leute stehen! Die Schlangen werden lang und länger, weil der Flughafen erst im Erwachen begriffen ist. Die Schalter sind noch gar nicht besetzt. Und einen Kaffee gibt es auch noch nirgends.

Die Schweizer Jugendgruppe vor uns am Schalter hat ein Problem mit ihren Flugticktes. Ein endlos erscheinendes Palaver entspinnt sich. Warum müssen wir immer in der Schlange stehen, in der vor uns jemand „ein Sperrpaket nach Honolulu, unfrei und mit Zollerklärung aufgeben“ muss? Sprich, irgendwelche langwierig zu klärenden Sonderwünsche hat. Irgendwann regelt sich auch das, irgendwie … Und es geht los. Wir starten! Mit nur 10-minütiger Verspätung. Das Flugzeug ist neu, eine 737-800. 4 Stunden und 15 Minuten dauert der Flug. Die Hälfte davon verschlafe ich.

Und natürlich gibt’s am Zielflughafen in Arrecife wieder Gedöns mit dem Gepäck. Es gibt immer Gedöns mit dem Gepäck. Nachdem schon eine Handvoll Gepäckstücke von ihren Besitzern in Empfang genommen wurden, verreckt das Förderband und das Gepäck muss auf ein anderes Band umgeladen werden. Das geht dann doch erstaunlich flott.

Dafür ist der Bus überbucht, der uns ins Hotel bringen soll. Mehrere Leute müssten stehen, aber das verbieten die hiesigen Sicherheitsvorschriften. Die Reiseleiterin kann nicht glauben, dass ein Fehler passiert ist, und vermutet, dass ein paar Reisende im falschen Bus sitzen und gar nicht Riu Paraiso gebucht haben. Vermutlich hängt sie derselben Theorie an wie mein Vater: „Die meisten Leut’ sind Deppen“.

Als sich auf ihren wiederholten Aufruf hin niemand meldet, der hier falsch ist, macht sie sich seufzend ans Werk: Jeder muss sein Ticket herauskruschteln und sie prüft die Namen der Unterkunft. Das Ergebnis bleibt dasselbe: Die Gäste sind hier alle richtig, die Planung ist falsch. Irgendwer im Büro hat da nicht richtig gezählt. Es bleibt ihr nichts anderes übrig: Sie lässt die überzähligen Gäste aussteigen, deren Gepäck wieder ausladen und fordert in der Zentrale einen weiteren Bus an.

Eine Viertelstunde später, gegen 10:30 Uhr, kommen wir im Hotel an. Da wird es geschwind turbulent. Mehr als 100 Leute wollen einchecken – und die Zimmer sind noch nicht fertig. Was ja um die Uhrzeit zu erwarten ist. Man sagt uns, wir sollen in einer Stunde wiederkommen und dann einchecken. Okay, kein Problem, erkunden wir eben so lange das Hotel. Und wenn hier schon alles inklusive ist, gibt’s vielleicht irgendwo auch einen Kaffee.

Gehen wir einfach mal gucken, was sich hier in den vergangenen 13 Jahren alles getan hat. Ob Blackys Heimatgebüsch noch steht?

Ist inklusiv das Gegenteil von exklusiv?

Wir ziehen los – und sind spontan entsetzt. Unser erster Eindruck: cheap and shabby. Leicht heruntergekommen und Kantinen-Atmosphäre. Das all-inclusive-Konzept empfinden wir als Verrat an der RIU-Philosophie, wie wir sie kennen. Das hier ist die Neckermannisierung der ursprünglichen Geschäftsidee. Inklusiv ist offenbar das Gegenteil von Exklusiv. Wenn das der alte Luis Riu sehen könnte, der Firmengründer! Ich glaube kaum, dass ihm das gefallen würde. Die wirtschaftliche Notwendigkeit für diese Personal-Sparmaßnahmen sähe er sicher ein, aber das Resultat fände er womöglich so traurig wie wir.

Wo man immer so viel Wert auf liebevolle Gestaltung bis ins kleinste Detail gelegt hat, steht jetzt ein wirres ein Sammelsurium kitschiger Anbauten. Es ist laut und rummelig. Nein, das ist nicht mehr RIU, wie wir es kennen!

Blackys Heimatgebüsch gibt es auch nicht mehr, da ist jetzt ein gepflegter Rasen. Okay. Aber den großen schwarzen Felsbrocken am Pool, auf dem Blacky und seine Katzengeschwister gelegen und sich gegenseitig gewärmt hatte, wenn es abends kühler wurde, den gibt es noch. Und das Klima ist, wie wir es kennen und lieben: Es ist windig und hat angeblich 26 Grad.

Beim Einchecken gibt es eine Überraschung: Wir bekommen – wohl wegen unserer RIU-Treuepunkte – ein Zimmer im vormaligen Hotel Riu Palace. Paraiso und Palace gehören mittlerweile zusammen. Das Palace war damals vor 13 Jahren eine Klasse, bzw. einen Stern, besser als das Paraiso und hat und durch seine Vornehmheit beeindruckt, ja geradezu eingeschüchtert. Mit Mühe und Not hatten wir uns getraut, einen Fuß in die Hotelhalle zu setzen. Aber nur einen, aus Angst, dass uns die Security auf Anhieb als Unbefugte erkennt und umgehend an die Luft setzt. Inzwischen haben wir so viel gesehen, dass unser Urteil lautet: „Gut – ganz so schäbbisch wie das RIU Paraiso ist es nicht …“

Die luftige Innenhof-Architektur des Paraiso, die einen ins Freie treten lässt, sobald man sein Zimmer verlässt, ist allerdings nach wie vor unerreicht klasse.

Wir richten uns sein und gehen in den Ort, Puerto del Carmen. Auch da ist entweder das Niveau ein wenig gesunken oder unsere Ansprüche sind höher geworden. Es schaut alles ein wenig billiger und schäbiger aus, als wir es in Erinnerung hatten.

Aber das Essen im Hotel ist gut. Mag es auch in anderen RIU-Hotels raffinierter sein wir sind zufrieden. Auch da sind allerdings gewisse „Kantinisierungs-Tendenzen“ erkennbar: Zum Beispiel Getränkeautomaten (sogar für den Wein) statt einer Bestellung beim Kellner. Wein aus dem Automaten?! Ein bisschen ist es schon so, als würden wir hier durch die Ruinen einer überkommenen Geschäftsidee wandeln.

Montag, 23. Juli 2007: Die Informations-Veranstaltung

Am nächsten Tag ist um 10:15 in der Bar die bei Sekt und Saft die obligatorische TUI-Informations-Veranstaltung. Der ganz große Aufmarsch wird geboten, vom Chef des Hotels über den Vize-Chef, die Hausdame und den Koch bis hin zu den Animateuren. Alle stellen sich und ihre Zuständigkeitsbereiche vor.

Der zweitwichtigste Mann bei den Animateuren ist ein Spanier, der in Villingen-Schwenningen aufgewachsen ist. Man hört’s! Statt „Gymnastik“ sagt er, wie bei uns in der Region üblich: „Gümnaschtig“.

Die TUI-Reiseleiterinnen erzählen Wissenswertes über den Ort und die Insel und geben einen Überblick über das angebotene Ausflugsprogramm. Auch ein paar externe Anbieter kommen zu Wort und dürfen ihre Ausflugsangebote präsentieren, so z.B. das Katamaran-Segeln und die U-Boot-Tour mit dem „Yellow Submarine“. Letzteres hört sich zwar ungemein interessant an, aber ich würde es mich nie getrauen, an Bord eines U-Boots zu gehen. Unter Wasser fürchte ich mich. Mehr noch: Ich würde vermutlich in Panik geraten.

So wie hier kennen wir die Info-Veranstaltungen. In den wenigsten Hotels wird das noch so ausführlich und informativ gemacht.

Unsere Fluchtposition an der Tür zahlt sich aus: Nach Ende der Veranstaltung sind wir ruckzuck draußen und als einer der ersten am Desk der Reiseleiterin. Innerhalb von drei Minuten haben wir unser Ausflugsprogramm für diesen Urlaub gebucht:

Dienstag, 24.07.: Kratertour/Süden der Insel, Abholung 8.52 Uhr
Mittwoch, 25.07.: Nordtour, Abholung 8:59 Uhr
Freitag, 27.07.: Biosphäre/Vulkantour, Abholung 8:20 Uhr

Enorme Bau-Aktivitäten
Nach der Informationsveranstaltung wandern wir den Strand entlang bis zum Flughafen – und auf der Strandpromenade wieder zurück. Das ist das Schöne in Puerto del Carmen: man kann ewig den Strand entlang latschen. Und das tun wir gern.

Auch rund ums Hotel hat sich einiges verändert. Gegenüber, auf der anderen Straßenseite, war vor 10+ Jahre noch nichts, nur Wildnis. Jetzt hat’s dort lauter kleine Ferienhäuschen, eine komplette Siedlung. Auch zwischen Hotel und Flughafen war damals noch nicht viel. Heute gibt es den Playa Matagorda – Hotels, Bars, Restaurants und Geschäfte. Und im Osten, also Richtung Flughafen, wird wie wild weiter gebaut. An der Strandpromenade wird gearbeitet und an den Zugängen zum Strand. Da werden die Hotels, die Ferienhäuser, Geschäfte und Restaurants nicht mehr lange auf sich warten lassen. Die haben dort wohl Größeres vor.

Zurück im Hotel reichte die Energie gerade noch zum Abhängen am Pool und am Abend zum Essengehen. Nur kein Stress, sagen wir uns, schließlich haben wir Urlaub.

Katzen mit veilchenblauen Augen
Nach dem Abendessen stellen wir bei einem Streifzug durchs Hotelgelände fest, dass es hier fast noch genau so viele Katzen gibt wie zu Blackys Zeiten. Ob noch Verwandte von ihm dabei sind? Schwarze und Langhaarige hat es hier einige. Außerdem graue, die uns an unseren verstorbenen Kater Smokey erinnern, Standardmodelle mit Streifen, in Beige und in Grau, eine Dreifarbige wie unsere Dusty, die allerdings extrem zickig und bissig ist und sich gern mal Reste von unbeaufsichtigt herumstehenden Servierwagen schnappt. Gerhard nennt sie „Katzicke“.

Schöne Birmakatzen-Mischlinge sind auch darunter. Einer schaut mit seiner Maskenzeichnung im Gesicht aus, als hätte er eine Schweißerbrille auf. Mein letzter Wille, eine Katz mit Brille. Und eine andere hat so hinreißend veilchenblaue Augen wie Liz Taylor, weshalb wir sie auch so nennen.

Leider sind die Blauäugigen anscheinend lichtempfindlich und kamerascheu. Was ein Blitzlicht ist, wissen sie wohl schon. Tagsüber, wenn man unter Umständen ohne Blitz auskäme, lassen sie sich nicht sehen. Da ist es ihnen zu warm und sie verkrümeln sich ins Gebüsch. Erst in der Dämmerung werden sie aktiv und schleichen den Gästen um die Tische, immer in der Hoffnung, dass etwas für sie abfällt. Und wer könnte diesen Augen – ob blau, ob grün, ob bernsteinfarben – schon widerstehen?

Dienstag, 24. Juli 2007: Die Kratertour – der Süden der Insel

Kann es denn wirklich sein, dass ein Ausflugsbus mal früher kommt als angekündigt?! Nein – wir sind gleich mehrfach „fehlgestartet“. Die Busse, die vors Hotel fuhren, hatte alle andere Ausflugsziele. Irgenwie muss heut ausflugstechnisch Großkampftag sein. Zum Glück kontrollieren die Reiseleiter die Tickets, ehe einer einsteigt. So ist gewährleistet, dass keiner beim falschen Ausflug landet.

Um 8:55 ist es dann so weit: Unser Bus ist da. Für 8:52 war er avisiert, also sensationell pünktlich. Wer macht eigentlich immer diese krummen Termine? Jemand im Büro mit Hilfe einer Landkarte oder eines Computerprogramms? Die Reiseleiter amüsieren sich jedenfalls in vielen Ländern darüber.

Unser Bus hat die Nummer 61, gefahren wird er von Luciano. Unser Reiseleiter heißt Juan. Es hört sich aber ein bisschen so an, als habe er einen niederländischen Akzent. Auf dem Weg zum Timanfaya Nationalpark machte er uns mit den „Basics“ der Insel vertraut:

Lanzarote ist die am weitesten nordöstlich gelegene der sieben großen Kanarischen Inseln. Sie liegt ca. 130 km vom afrikanischen Festland entfernt, ist rund 1.000 km von Marokko entfernt und ist rein vulkanischen Ursprungs. Entstanden ist sie vor etwa 16 – 20 Millionen Jahren. Die Insel hat eine Fläche von rund 800 qkm, ist ca. 60 km lang und 34 km breit und ist damit die viertgrößte Insel der Kanaren. Sie hat ca. 130-000 Einwohner.

Die Hauptstadt der Insel ist Arrecife, die Landessprache Spanisch. Lanzarote gehört zur spanischen Provinz Las Palmas und seit 1996 zur EU. Sie besitzt einen eigenen Inselrat, den cabildo insular, und ist in die sieben Gemeinden Arrecife, Haría, San Bartolomé, Teguise, Tías, Tinajo und Yaiza gegliedert. Als erste vollständige Insel wurde Lanzarote 1993 von der UNESCO zum Biosphärenreservat erklärt.

Südlich von Lanzarote liegt in elf Kilometern Entfernung die Insel Fuerteventura, und im Norden nur einen Kilometer entfernt der Chinijo-Archipel mit den kleinen Inseln La Graciosa, Montaña Clara, Alegranza, Roque del Oeste und Roque del Este.

„In der Geschichte sind die Kanarischen Inseln kaum erwähnt. Während Italien und Griechenland ihre antiken Schriftsteller, gelehrten und Feldherren hatten, haben die Kanaren eigentlich nur ihre Naturkatastrophen.“ http://www.lanzarote-site.de

1730 kam es auf Lanzarote zu schweren Vulkanausbrüchen. Am 1. September bildeten sich auf einer Strecke von 18 Kilometern 32 neue Vulkane. Die Ausbrüche, die von dem Pfarrer von Yaiza, Don Andrés Lorenzo Curbelo, bis 1731 detailliert dokumentiert wurden, dauerten insgesamt 2.053 Tage und endeten im Jahr 1736. Am Ende hatte die Lava rund ein Viertel der Inselfläche unter sich begraben, darunter die fruchtbarsten Böden der Insel und mehrere Dörfer und Gehöfte. Stattdessen entstanden an dieser Stelle hundert neue Vulkane, die den Namen Montañas del Fuego (Feuerberge) erhalten haben

1768 kam es zu einer Dürrekatastrophe, nachdem die Winterniederschläge mehrere Jahre lang nicht fielen. Die Dürre forderte zahlreiche Tote, viele Bewohner wanderten auf die Nachbarinseln oder nach Kuba und Amerika aus. Im Jahre 1824 kam es zu einem erneuten Vulkanausbruch im Bereich von Tiagua, der aber bei weitem nicht so schlimm war wie die Ausbrüche in den Jahren 1730 bis 1736.

1974 wurde der Timanfaya-Nationalpark (span.: Parque Nacional de Timanfaya) gegründet. Er wird auch als Montañas del Fuego (Feuerberge) bezeichnet.

Die 14 Kilometer lange Rundfahrt kann man nur mit dem Bus unternehmen. Privat-PKWs, Wanderer o.ä. haben keinen Zutritt. Von dem 350 Meter hoch gelegenen Montaña Rajada erhält man einen Überblick über den größten Teil des Timanfaya-Nationalparks. Das große Areal, das heute das Lavameer einnimmt, gehörte vor den Ausbrüchen zum fruchtbarsten Teil Lanzarotes. Nach der Katastrophe lag die unglaubliche Menge von acht Millionen Kubikmetern Lava dort, wo zuvor kleine Ortschaften und einzelne Gehöfte existiert hatten; insgesamt wurden etwa 420 Häuser zerstört. Die zerstörten Dörfer waren Timanfaya, Los Rodeos, Mancha Blanca, Santa Catalina, Mazo, Jarretas, Tingafa, Peña Palomas, Testeina, La Geria, Macintafe, Mozaga, Guagaro, Masdache und Iguadén, außerdem die Landgüter von Maretas und Chupaderos.

Der Ritt auf dem Kamel
Bevor es auf die Bustour durch den Nationalpark geht, steht zunächst mal ein Kamelritt auf dem Programm. Ich wollte das schon immer mal machen, aber Gerhard zieht nicht so recht. Er setzt sich nicht auf so ein Viech, meint er. Was das arme Tier zu schleppen hat! Es stimmt schon: Da wir unterschiedlich viel wiegen und auf einem Gestell quasi links und rechts am Kamel hängen, wird beim leichteren Partner das Gewicht mit Sandsäcken ausgeglichen. Da kommt schon was zusammen.

Gut, sag ich, dann reite ich eben allein, mit einem fremden Partner oder einem Sandsack auf der anderen Seite. Ich mach das jetzt. Ich wäre mir so was von blöd vorgekommen, wenn ich jetzt gekniffen hätte, wo Ulrike Renk mir in einem unserer verlagseigenen Bücher eigens eine Kurzgeschichte über einen Kamelritt gewidmet hat! Nee, nee, das muss jetzt sein! Da müssen wir durch. Ich zumindest.

Also gut – er stellt sich doch auf die andere Seite des Kamels und ist dabei. Ein bisschen mulmig ist mir schon – der „Sicherheitsgurt“ ein Kälberstrick. Wir sind die ersten der Karawane und unser Viech schnauft und schwankt mächtig. Andere Tiere haben einen ruhigeren Gang.

Ich hab die ganze Zeit Ulrikes Geschichte im Hinterkopf und schau tatsächlich nach, ob unser Kamel auch so lange Wimpern hat wie das in der Geschichte. Ja, doch – stimmt!

Die ganze Zeit rede ich dem Kamel gut zu: „Ja, bist ein braves Kamel, musst so sehr schleppen. Machst einen guten Job. Wir schaffen das, ich weiß, dass du das kannst …“

Beweisfotos gibt es auch. Ein Fotograf und der marokkanische Kamelführer sorgen dafür. Und ich selber schieße auch die andere Aufnahme mit der kleinen Kamera aus der Hüfte. Wenn ich mich getraue, meinen Klammergriff für einen Moment vom Sitzgestell zu lösen.

Irgendwann steigen wir heil wieder runter von und klettern, nach Kamel duftend, zurück in unseren Bus. Es geht zum Islote de Hilario. Der Berg wurde nach einem Mann namens Hilario benannt, der der Sage nach als Einsiedler 50 Jahre lang hier lebte. Sein einziger Gefährte war ein Kamel. Man erzählt, dass Hilario einen Feigenbaum gepflanzt hatte, der, obwohl er Wurzeln schlug, niemals Früchte trug, weil die Blüte sich nicht von Flammen ernähren konnte.

Wir stellen uns im Halbkreis auf. Ein Mitarbeiter der Parkverwaltung nimmt eine Schaufel voll Lapilli vom Boden auf und gibt jedem von uns ein paar Krümel davon in die Hand. Ui, ist das heiß! Jeder schüttet seine Krümel von einer Hand in die andere, um sie abzukühlen. Ja, hier ist noch was zu spüren von den vulkanischen Aktivitäten.

Das zeigt auch ein weiteres Experiment. Der Park-Mitarbeiter stopft dürres, dorniges Gestrüpp … so eine Art Kameldornbusch … in ein Erdloch. Die trockene Pflanze geht sofort in Flammen auf.

Bei einer weiteren beeindruckenden Demonstration wird Wasser in ein senkrecht im Boden eingelassenes Rohr gegossen. Da die Temperatur wenige Meter unter der Erdoberfläche über 400°C beträgt, entsteht eine explosionsartig empor schießende Dampffontäne. Westlich des Hauptkraters des Montaña del Fuego beträgt die Temperatur in 27 Metern Tiefe etwa 700°C.

Durch die Kraterlandschaft mit dem Bus
Im vom Inselkünstler Cesar Manrique entworfenen Restaurant werfen wir einen Blick auf Lavagrill, der wirklich nur mit vulkanischer Hitze betrieben wird. Wir essen hier aber nicht, wir machen nur eine Pinkelpause und dann geht es mit unserem Reisebus auf die Rundfahrt durch den Nationalpark. Der Fahrer legt eine CD ein – die eine wesentlich bessere Tonqualität aufweist als die ausgeleierten Cassetten, die wir von unseren früheren Besuchen kennen – und es geht los. Zu unheimlichen musikalischen Klängen erzählt uns der Sprecher die Geschichte des Vulkanausbruchs. Natürlich darf dabei der Augenzeugenbericht des Pfarrers von Yaiza nicht fehlen. Don Andrés Lorenzo Curbelo hat seine Eindrücke handschriftlich festgehalten.
Etwas verkürzt wiedergegebener Bericht, der handgeschriebenen Aufzeichnungen des damaligen Pfarrers von Yaiza, Don Andrés Lorenzo Curbelo:

„(…). Am 1.September1730, zwischen 9 und 10 Uhr abends, öffnete sich plötzlich die Erde bei Timanfaya, zwei Wegstunden von Yaiza. Ein gewaltiger Berg bildete sich bereits in der ersten Nacht, und Flammen schossen aus seinem Gipfel, die 19 Tage lang weiter brannten. Wenige Tage später brach ein neuer Schlund auf und der Lavastrom ergoss sich über Timanfaya, Rodeo und einen Teil von Mancha Blanca. Die Lava floss nach Norden, anfangs wie sprudelndes Wasser, später zähflüssig wie Honig. Doch am 7. September stieg mit unheilvollem Donnern ein riesiger Fels aus der Tiefe und zwang die Lava dazu, ihren Fluss nach Westen und Nordwesten zu wenden. Dort zerstörte sie die Orte Maretas und Santa Catalina.

Am 11. September erneuerte sich die Gewalt der Lava. Sie bedeckte und verbrannte das Dorf Mazo und stürzte danach acht Tage lang als feuriger Katarakt unter furchtbarem Tosen ins Meer, so dass tote Fische in riesigen Mengen an der Oberfläche schwammen oder ans Ufer geworfen wurden. Danach beruhigte sich alles und die Eruptionen hörten auf.

Jedoch am 18. Oktober brachen direkt über dem verbrannten Santa Catalina drei neue Schlünde auf, aus denen schwere Rauchwolken strömten, die sich über die ganze Insel verbreiteten. Sie trugen Unmengen an Asche und Sand mit sich und überall fielen dicke Wassertropfen nieder. Die dadurch verursachte Finsternis, Asche und Rauch, vertrieben mehrfach die Einwohner von Yaiza und Umgebung. Doch kehrten sie wieder zurück, als auf die Eruptionen keine weiteren Ausbrüche mehr folgten. Am 28. Oktober, als diese Ereignisse zehn Tage angedauert hatten, fiel in der ganzen Region das Vieh tot um, erstickt vom stinkenden Dunst.

Vom 1. bis 20. November brach unaufhörlich Rauch und Asche aus den Kratern hervor und am 27. wälzte sich mit enormer Geschwindigkeit ein Lavastrom die Hänge hinunter. Am 1. Dezember erreichte er das Meer und bildete dort eine erstarrende Insel. Am 16. Dezember änderte die Lava plötzlich ihren Lauf, floss nicht mehr ins Meer, sondern verschüttete das Dorf Chupadero und vernichtete die fruchtbare Ebene von Uga.

Am 7. Januar 1731 kam es zu neuen Ausbrüchen, die die früheren Krater wieder zerstörten. Aus zwei Öffnungen brach Lava heraus, begleitet von dichten Rauchwolken, in denen rote und blaue Blitze tobten. Dazu donnerte es wie bei Gewittern, was für die Bewohner sehr erschreckend war, da sie auf ihrer Insel keine Gewitter kannten.

Am 10. Januar türmte sich ein hoher Berg auf, der noch am selben Tag wieder in sich zusammenstürzte. Steine und Asche regneten auf die Insel und Lavaströme flossen über den Malpaís ins Meer.

Am 7. März entstanden gleich mehrere Vulkane, die sich in einer Reihe von Ost nach West erhoben.

Am 4. Juni öffneten sich in der Timanfaya-Region drei Krater auf einmal. Sie verbanden sich schnell zu einem einzigen Vulkankegel, aus dem ein Lavastrom ins Meer floss. Aus einem Nebenkrater schossen Asche und Blitze heraus, aus einem anderen entwich weißer Dampf, wie man ihn bisher nicht gesehen hatte. Ende Juni waren alle Küsten an der Westseite der Insel mit riesigen Mengen von toten Fischen bedeckt, von denen man viele Arten noch nie gekannt hatte. Nordwestlich von Yaiza stiegen mit heftigen Detonationen Rauch und Flammen aus dem Meer empor.

Im Oktober und November verstörten neue Eruptionen die Einwohner. Am 25. Dezember fühlte man das stärkste aller Erdbeben, und am 28. Dezember schoss ein Lavastrom aus einem neu entstandenen Kegel, zerstörte ein weiteres Dorf und eine Kapelle bei Yaiza …“

An dieser Stelle brechen die chronologischen Notizen des Priesters ab. Don Andrés Lorenzo Curbelo konnte wahrscheinlich nicht mehr länger im schwer bedrohten Yaiza bleiben, er floh mit vielen anderen Inselbewohnern nach Gran Canaria. Die Eruptionen sollten noch fünf Jahre dauern.

Wir fotografieren wie wild und wissen, dass bei Fotos aus dem Bus raus wegen im Weg sitzender Leute und Spiegeleffekten nur ein Bruchteil der Bilder brauchbar sein wird.

Zum dritten Mal erleben wir nun diese Tour, und es ist immer wieder faszinierend und eindrucksvoll.

Wir erfahren unter anderem, dass innerhalb der ersten 5 Monate der Eruptionen die Hälfte der Bevölkerung Lanzarotes emigirerte. Entweder auf die Nachbarinseln oder nach Venzuela oder Kuba. Wenn sie nach Südamerika gingen, dann ohne Chance auf eine Rückkehr. Noch nicht mal 3% der Einwanderer sind waren so erfolgreich, dass sie zurückkehren konnten. Wer es in der Fremde zu nichts brachte, kam auch nicht heim. Wie auch? Dafür fehlten ihm die Mittel. Es kam natürlich vor, dass nach zwei oder drei Generationen die Nachkommen die Heimat ihrer Eltern besuchten.

Die moderne Emigration verläuft anders: Von Afrika auf die Kanaren.

Auch von der Flora und Fauna im Timanfaya-Nationalpark ist die Rede. Man sollte angesichts der kargen Mondlandschaft ja nicht glauben, dass es so was da überhaupt gibt. Aber hat Vögel und Insekten, Flechten und das oben bereits erwähnte Dornengestrüpp. Das größte Tier, das im Park lebt, ist der Aasgeier.

Und auch vom Klimawandel erzählt man uns. Nicht nur wir in Deutschland merken, dass die Sommer immer heißer werden, der Herbst stürmischer und die Winter unberechenbar. Auch auf Lanzarote tut sich was. Vor zwei und vor drei Jahren gab es mehr Regen als je zuvor. Das hatte ein erhöhtes Pflanzenwachstum zur Folge und eine Rekordernte im Weingebiet La Geria.

Weiter geht’s. Wir kommen durch Yaiza. Die malerische Ortschaft im Süden von Lanzarote wurde mehrfach als schönstes Dorf Spaniens ausgezeichnet. Die Vulkanausbrüche des 18. Jahrhunderts haben auch in Yaiza eine Vielzahl von Gebäuden vernichtet Eine kleine Säule mit Gedenktafel erinnert in Yaiza an die Verwüstungen der Jahre 1730 bis 1736. Sie ist dem damaligen Pfarrer von Yaiza, Don Andres Lorenzo Curbelo, gewidmet. Durch seine Tagebuchaufzeichnungen wurden die Eruptionen des Timanfaya für die Nachwelt dokumentiert. Siehe oben.

Wir fahren durch Uga, der Heimat der Kamele. Uga ist das Zentrum der Kamelzucht auf Lanzarote. Hier also sind die bei den Besuchern des Nationalparks Timanfaya heiß begehrten Dromedare beheimatet. Das recht einträgliche Geschäft mit den kamelreitenden Touristen hat einige Familien im Dorf wohlhabend gemacht.

El Golfo – der grüne Kratersee
Unser nächstes Ziel ist El Golfo. Weniger das Fischerdorf selbst als der grüne Kratersee, der sich südlich davon befindet. Jetzt kenne ich die Insel schon seit 13 Jahren, war mehrfach hier und habe bis eben geglaubt, dass der Kratersee El Golfo hieße. Stimmt nicht. Er heißt Charco de los Clicos. Der Name stammt von einer essbaren Art Meeresfrüchten, den Clicos, die früher gehäuft an diesem Ort vorkamen. Ich habe das jetzt im Nachhinein gelesen – aber noch nie zuvor gehört. Ich schwöre, dass das noch kein Reiseleiter jemals erwähnt hat.

Wie dem auch sei – El Golfo der Charco de los Clicos – es ist ein großer, unter Naturschutz stehender, teilweise im Meer versunkener Vulkankrater, in dem sich eine Lagune gebildet hat, die etwa 30 Meter von der Küste entfernt liegt. Sie müssen einen neuen Zugang gebaut haben, in den Jahren, in denen wir nicht da waren. Früher konnte man von oben einen Blick auf den Kratersee werfen – und wurde beim Hinunterspähen fast vom Felsen geweht. Diesmal näherten wir uns der Sehenswürdigkeit auf See-Ebene.

Dieser Vulkankrater ist ein seltenes Beispiel des Hydrovulkanismus – der Interaktion zwischen Lava und Wasser, die meistens an der Küste vorkommt. Die markante grüne Farbe der Lagune entsteht durch die Alge Ruppia Maritima, die bei dem extrem hohen Salzgehalt des Sees gut gedeiht. Mit etwas Glück findet man in der Umgebung Olivin, ein durch Vulkanismus entstandenes Mineral, aus dem man Schmucksteine herstellen kann.

Die inzwischen abgesperrte grüne Lagune verdunstet in den letzten Jahren leider immer mehr und besitzt heute nur noch einen Bruchteil ihrer ursprünglichen Größe. Durch unterirdische Verbindungen zum Meer strömt Meerwasser in die Lagune nach, und sorgt für ständigen Ausgleich. Dieses Gleichgewicht der Natur ist seit einigen Jahren gestört. Wissenschaftler suchen verzweifelt nach Ursachen, damit dieses einmalige Naturwunder nicht für immer verschwindet.

Los Hervideros
„Los Hervideros“, das sind die Klippen zwischen den Salinas de Janubio und dem Golfo-Krater – vom Meer ausgewaschene Löcher im Lavagestein. Auf winkligen Pfaden und über Steintreppen kann man diese natürlichen Höhlen aus der Nähe besichtigen. Viele dieser Treppen und Zugänge müssen auch neueren Datums sein, Ich kann mich nicht erinnern, dem Schauspiel früher einmal so nahe gekommen zu sein. Und wenn ich die Möglichkeit habe, irgendwo rein- oder raufzuklettern, um etwas besser zu sehen, dann nutze ich die.

Der Name bedeutet wohl so was die „Siedekessel“. Laut Reiseführer sollte folgendes passieren:

„Dem Besucher bietet sich hier ein bizarres Schauspiel, in dem die Wellen des Meeres mit Urgewalt gegen die schroffen Felsen knallen. Die Wellen erzeugen eine kochende Gischt, die einen wunderschönen Kontrast zum schwarzen Lavagestein bilden. Teilweise spritzen die Wasserfontänen turmhoch. Das Wasser hat mit seiner Kraft Löcher und Schneisen in die Felsen geschlagen, und die Lava an dieser Küste grottenartig ausgehöhlt. Hier kann man sich stundenlang aufhalten und diesem Naturschauspiel zuschauen.“

Ja … wenn starke Westwinde das Meer aufwühlen! Bei uns war es windstill und es kochte nix. Aber wir kennen das Schauspiel noch von früheren Besuchen. Wir glauben es auch so. Wind und Wetter ordnen sich noch nicht dem Timing der Touristen unter. Und das ist ganz gut so.

Auf die Salinen und den schwarzen Lavasandstrand von Janubio warfen wir nur einen Blick im Vorbeifahren.

La Geria
Der letzte Stopp auf der Nortour ist das Weinbaugebiet La Geria, das uns, neben dem Timanfaya-Nationalpark und El Golfo – dem Krater –bei unseren Besuchen auf der Insel am meisten beeindruckt hat.

La Geria bezeichnet ein 5.255 Hektar großes Gebiet im geographischen Zentrum der Kanareninsel Lanzarote, auf dem sich auf eine spezielle Art bestellte Kulturflächen befinden. Es erstreckt sich etwa zwischen Yaiza und San Bartolomé am Rande des Timanfaya-Nationalparks. Überwiegend für den Weinanbau genutzt, bildet das Naturschutzgebiet La Geria das größte Weinanbaugebiet der Kanarischen Inseln. Es wurde von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt.

Faszinierend ist das Farbspiel von schwarzer Lava, grüner Rebstöcke, weißen Anwesen und rötlich schimmernder Berge. Diese farblichen Kontraste von La Geria sowie die einmalige Anbaumethode veranlasste das Museum of Modern Art in New York in den 1960er Jahren dazu, die grandiose Kulturlandschaft La Geria zum Gesamtkunstwerk zu erklären.

Nach den schweren Vulkanausbrüchen in den Jahren 1730 bis 1736 wurde hier ein Gebiet mit einer dicken Schicht Vulkanasche bedeckt, mit mächtigen Lapillischichten (genannt: picón) von 1 bis 2,5 Metern Dicke. Wohl zunächst aus der Not heraus entwickelte sich hier eine erfolgreiche, besondere Art von Trockenfeldbau.

Um wieder an fruchtbaren Boden zu gelangen, wurden trichterförmige Vertiefungen in die Lapillischicht gegraben und an ihren Grund jeweils eine einzelne Pflanze gesetzt. Die grobporige Schicht lässt die mit 100 bis 200 mm pro Jahr sehr geringen, fast ausschließlich im Winter fallenden Niederschläge schnell in den durchwurzelten Boden versickern. Gleichzeitig verringert sie – neben einem seitlichen Abfließen des Wassers und der damit verbundenen Erosion – durch ihre geringe Kapillarwirkung und Wärmeleitfähigkeit die Verdunstungsverluste. Zusätzlich zu der Vertiefung schützen oft noch halbkreisförmige Mauern aus basaltischen Lavabrocken die einzeln wachsenden Reben vor den teils kräftigen Winden.

Der in dieser reizvollen Umgebung entstehende Wein wird bevorzugt aus den Rebsorten Moscatel und Malvasier hergestellt. Die lanzarotenischen Weinbauern produzieren mit Unterstützung der starken Sonneneinstrahlung auf dieser Kulturlandschaft etwa fünf Millionen Liter Wein pro Jahr

Zwischen den Weinstöcken werden vereinzelt Feigenbäume gepflanzt. Die hier auch mehr Feigensträucher sind.

Natürlich gehört auch eine Weinprobe dazu. Doch bei der Malvasier-Verkostung erwies sich alles als für unseren Geschmack zu süß. So kamen wir nicht ins Geschäft, wohl aber schnell aus der Bodega La Geria wieder hinaus – und zu vielen Fotos.

Gegen 14 Uhr geht es wieder zurück ins Hotel und an Pool. Am Getränkeautomaten beobachten wir einen hoffnungsvollen „Jungchemiker“, einen kleine Steppke, der kaum die Getränkehahnen erreicht. Dennoch schafft er es, von allem, was da angeboten wurde, ein bisschen was in ein Glas zu füllen. Cola, Bier, Sprite, Mineralwasser, Apfelsaft …

Ich hab schon drauf gewartet, dass das Zeug im Glas blau anläuft und zu rauchen anfängt. Stolz trägt er seine kreative Mischung fort. Ob er sie selber trinkt oder einem ahnungslosen Geschwisterchen andreht …? Wie auch immer – da kein Krankenwagen gekommen ist, werden alle Beteiligten das Experiment unbeschadet überstanden haben. Vielleicht hat er das Gepansch auch einfach weggeschüttet.

Mittwoch, 25. Juli 2007: Die Nordtour

Wieder so ein buckliger Abholtermin: 8:59 Uhr! Wer macht denn so was? Der Bus ist fast pünktlich. Unsere Reiseleiterin heißt Silvana, der Bus und sein Fahrer sind dieselben wir gestern auf der Kratertour: Bus Nr. 61, gefahren von Luciano. So setzen wir uns auch an den selben Platz wie am Vortag. Links vorne.

Unsere Tour wird folgende Stationen umfassen: Jameos del Agua * Mirador del Rio * Los Valles * Teguise – und zurück.P

Auf dem Weg zu den Höhlen fahren wir durch Arrecife. Für deutsche Verhältnisse sei das ein etwas größeres Dorf, sagt Silvana.

Als wir ein auf einer Verkehrsinsel stehendes riesiges Windspiel passieren, erklärt sie uns, dass an dieser Stelle vor im Jahr 1992 der Inselkünstler César Manrique bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist. Auf dem Friedhof in Haria ist er begraben. Wenn wir das gewusst hätten! In Haria waren wir schon mehrmals, da hätten wir doch sein Grab besuchen können!

Silvana zählt uns die Kanaren-Inseln der Größe nach auf:

o Teneriffa
o Fuerteventura
o Gran Canaria
o Lanzarote
o La Palma
o Gomera
o Hierro

Allerlei Lausiges
Da wir für einen Besuch der Jameos del Agua sind wir noch zu früh dran sind, machen wir vorher eine kleinen Abstecher nach Guatiza und Mala, zwei Dörfer, in denen die Kochenille-Laus gezüchtet wird, die roten Farbstoff liefert für die Kosmetik- und Lebensmittel-Industrie. Selbst Campari arbeitet angeblich mit diesem Farbstoff.

Die Läuse werden auf Kakteenfeldern gezüchtet, auf den Opuntien-Pflanzen, die selbst im malpaís gedeihen, also auf schlechtem Boden. Die Früchte der Opuntien, die Kaktusfeigen, sind auch für den menschlichen Verzehr geeignet. Sie sind reif ab August und man macht Marmelade, Gelee und Likör daraus. Allerdings lohnt sich die Ernte kaum, und so bleiben die Feigen oft an den Kakteen, fallen runter und vergammeln. Man könnte sie also, weil sie keiner will, im Vorbeigehen mitnehmen. Aber Vorsicht: Sie stechen!

Hauptzweck des Opuntien-Anbaus ist nun mal die Läusezucht. Die Kochenille-Laus (Cocus cacti), schmarotzt auf den Kaktuspflanzen und bildet dabei den begehrten Farbstoff der Karminsäure.

Kaktus und Laus stammen eigentlich aus Mexiko, werden auf den Kanarischen Inseln angesiedelt, nachdem Don Ildefonso Ruiz del Rio im Jahr 1820 der königlichen Wirtschaftskammer in Cadiz ein Läuse-Exemplar vorgeführt hat. Am 29. Juni 1822 beschloss der spanische König Fernando VII, die Laus in Spanien anzusiedeln. Ab ca. 1831 kam sie auf die Kanaren.

Wenn das Wetter mitspielt, können pro Jahr 5 Läuse-Generationen geerntet werden. Das heißt, es werden die dicken, mit Karmin prallvollen Larven, die die Opuntien überziehen, abgesammelt, Die geschlechtsreifen Tiere spielen für die Farbstoffgewinnung keine Rolle. Die Läuseernte ist kein besonders gut bezahltes Geschäft, es ist meist ein Nebenjob für Rentner.

Im Rhythmus von 2.5 bis 3 Monaten werden die Larven von den Opuntien abgestreift, im Wasser abgetötet, an der Sonne getrocknet und verkauft. 1 kg entspricht ca. 150.000 Larven. Pro Hektar Land können 350 – 400 kg Läuse geerntet werden.

Wir sind immer noch zu früh dran für die Höhle, die erst um 10 Uhr öffnet und fahren noch schnell an César Manriques Kaktusgarten vorbei. Zum Hineingehen reicht es nicht. (Den Garten werden wir beim nächsten Ausflug besuchen.).

Jameos del Agua
Nun wird’s aber Zeit für die Jameos del Agua. Sie sind trotz früher Stunde schon sehr gut besucht. Es wuselt. Wir bekommen unsere Eintrittskarten und stürzen uns ebenfalls ins Getümmel.

Die Jameos del Agua gehören zu einem unterirdischen Lavatunnel, der vor ca. 3.000 Jahren entstanden ist. Die Lava stammt vom Monto Corona und floss die Steilküste von Famara hinunter. Oben erstarrte das Magma, unter der Oberfläche fl0ss es munter weiter. Dabei bildeten sich Höhlengänge. Der Unterirdische Kanal ist bis zu seinem Austritt in den Atlantik 6.100 m lang. Aus erhöhter Position kann man seinen Verlauf erkennen, weil seine Oberfläche an vielen Stellen wie ein Tunneldach gewölbt ist.

Jameo heißt Kessel, und wo das Dach des Tunnels eingebrochen ist, entstand eben ein „Jameo“.

Unter César Manriques Aufsicht wurde in die Jameos del Agua ein Restaurant, eine Bühne, ein Pool – in dem das Baden mittlerweile nicht mehr erlaubt ist – sowie ein Kongress- und Kulturzentrum und ein Auditorium eingebaut. Anscheinend gibt es in den Höhlen auch „die schönsten Klos der Insel“. Aber das hat man uns erst nach unserem Besuch der Höhlen gesagt. Und so waren wir nicht drin und konnten uns nicht vom Wahrheitsgehalt der Behauptung überzeugen.

Ein bisschen was von Disneyland hat das in der Höhle schon, aber es ist eben die manriquesche Variante. Ob nun kitschig oder nicht – wir fanden die Höhlen eindrucksvoll und machten viele Fotos. (Waren die Jameos del Agua nicht der Wohnsitz des Teufels im legendären TV-Mehrteiler „Tim Thaler“?)

Bis zum Treffpunkt am Bus ist noch Zeit, also besuchen wir das angrenzende Vulkanmuseum. Leider ohne Führung. So etwas bekomme ich lieber erklärt, als dass ich mir die Erläuterungen selbst übersetze und mich in eigener Regie eindenken muss. Das Fach-Vokabular fehlt einem bei solchen speziellen Themen sowieso.

Mirador del Rio
Die nächste Station ist der Mirador del Rio auf dem „Risco de Famara“ in 480 m Höhe. Hier hat César Manrique die alte Artelleriestellung „Batterias del Rio“ zu einem Aussichtspunkt umgebaut. „El Rio“ heißt die Meerenge, die die Insel Lanzarote von der Insel La Graciosa trennt. Der Mirador del Rio ist eine der frühen Arbeiten Manriques und wird von Architektur-Kritikern als eines der gelungensten Bauwerke überhaupt gefeiert. Leider ist es ziemlich diesig und der Ausblick auf La Graciosa nicht wirklich klar.

Wie wir – wieder mal nachträglich – erfahren, hätte es eine Treppe nach ganz oben gegeben. Man hätte dem Mirador sozusagen aufs Dach steigen können. Aber, na ja, wenn es diesig ist, bringt ein noch höherer Ausguck auch nichts.

Trockenfeld-Bau
Auf der Fahrt nach Teguise erfahren wir ein bisschen was über die hiesige Trockenfeld-Anbauweise. Um etwas zu pflanzen, wir ein Krater gegraben und der Mutterboden mit Ziegendung gemischt. Die Mischung trocknet etwa einen Monat lang in der Sonne. Dann kommen 20 cm Lapilli (Vulkanasche) daüber. Wenn es regnet oder taut, dringt das Wasser in die Lapilli ein und die Feuchtigkeit sickert in den Mutterboden.

Gleichzeitig sind die Lapilli ein Schutz für den Mutterboden. Sie werden vom Wind als erstes weggeweht und schützen den Boden so also vor Erosion. Und auch vor Austrocknung.

Die Felder werden im Winter bestellt, wenn es regnet. Es hat hier ja nie weniger als 14 Grad. Im Sommer würde nichts wachsen, da kein Regen fällt. Dieses Jahr fiel kaum Regen, deshalb wurden manche Zwiebelfelder nicht mehr bestellt. Die Zwiebel ist das landwirtschaftliche Hauptprodukt der Insel.

Haria
Wir kommen an Haria vorbei, das Dorf im Tal der 1.000 Palmen. Wenn hier ein Junge geboren wird, werden zwei Palmen gepflanzt, bei Geburt eines Mädchens nur eine. So will es die Tradition.

In Haria hatte César Manrique seinen Alterssitz, und hier ist er auch beerdigt. Wir haben leider nicht mal angehalten um Haria von oben fotografieren zu können. Es gibt nur diesige Fotos aus dem Bus raus.

Los Valles
Wir passieren Los Valles, wo einige der wenigen noch erhaltenen Profanbauten aus dem Conquista-Jahrhundert zu sehen sind. In diese Gegend flüchteten viele Insulaner bei den Vulkanausbrüchen im 18. Jahrhundert. Auf der Insel gibt es zwei Kartoffelernten im Jahr und die besten Kartoffeln kommen angeblich aus Los Valles.

Am Straßenrand sehen wir Agavenblüten. Und Reiseleiterin Silvana erzählt uns, dass diese Afavenblüten manchmal als „Weihnachtsbaum“ zum Einsatz kommen. Nadelbäume müssten importiert werden – also werden die getrockneten Blüten „gefällt“, mit Gold besprüht, dekoriert und daheim als Weihnachtsbaum aufgestellt. Heutzutage gibt es natürlich auch viele künstliche Weihnachtstannen in den Wohnzimmern.

Teguise
Um 12:45 Uhr kommen wir in Teguise an. Wir erfahren, dass Teguise im Jahr 1418 gegründet wurde und bis zum Jahr 1852 Hauptstadt und Bischofssitz war, Man dachte, im Landesinneren sei man sicherer vor Piratenüberfällen, von denen es in Teguise aber dennoch reichlich gab. Im Jahr 1586 plünderten und brandschatzten die Algerier die Stadt, im selben Jahr noch mal die Engländer und 1618 kamen die Berber. An dieses Gemetzel erinnert die Callejón de la Sangre, die Gasse des Blutes. Die Stadt wurde geplündert, die Einwohner verschleppt und in die Sklaverei verkauft.

Ich war jetzt noch nie in Südamerika, aber man sagt, architektonisch erinnere Teguise an Orte in Mexiko oder Kuba. Hier hat’s überhaupt keine maurischen Formen. Jetzt, wo sie’s sagen … Ein bisschen streng und trutzig wirkt das Städtchen schon. Sind das die Merkmale der hispanisch amerikanischen Architektur? Na, dann!

In der Kirche Virgin Guadelupe entdecken wir eine Christus-Statue mit angeklebter Echthaar-Perücke. Da hat wohl eine Frau ihre Haare geopfert. Das wirkt nicht nur alt und staubig sondern auch ein bisschen makaber-gruselig. Als wäre es ein ekeliges Artefakt aus einem Voodoo-Ritual und nichts aus einer katholischen Kirche.

Wir haben versucht, den Kunsthandwerker wiederzufinden, bei dem wir vor 13 Jahren auf einen Tipp meines Kollegen hin Ringe gekauft haben. Aber die Gassen ähneln sich alle und wir haben den Laden nicht mehr gefunden. Ich hätte im alten Fotoalbum nach der Adresse auf der Visitenkarte gucken sollen! Vielleicht gibt es das Geschäft auch längst nicht mehr.

Um 13:30 Uhr sind wir wieder am Bus verabredet. Und dann geht es zurück. Am Wegesrand sehen wir bunte Strelizien blühen, die es bei uns nur in Blumenläden gibt. „Die typischen Blumen der Kanaren“, sagt Silvana.

In Tahiche sehen wir Graffiti und Plakate mit der Aufschrift „No al a carretera“. Damit protestieren die Einwohner gegen Pläne, die Straße vierspurig auszubauen. Eine „Rennstrecke“ wollen die Leute hier nicht haben. Wer wird sich wohl durchsetzen?

Gegen 14:30 Uhr sind wir wieder im Hotel.



Lanzarote 2007: Die Insel der schlafenden Vulkane, Teil 2
Dezember 27, 2007, 9:23 am
Filed under: Lanzarote 2007

Lanzarote 22.07 – 31.07.2007
Die Insel der schlafenden Vulkane – Teil 2

Donnerstag, 26. Juli 2007: Plane-Spotting

Nach so viel Ausflugsprogramm tapern wir heute mal wieder durch die nähere Umgebung. Geht’s nicht auch rechts den Strand entlang …? Wir probieren es. Gerhard meint, sich an Strandwanderungen bis zu einem Leuchtturm hin zu erinnern. Ich auch – aber das war nicht auf Lanzarote. Hier ging es rechts rum noch nie irgendwo hin. Man stieß immer recht schnell auf unwegsames Gelände voller spitziger Steine. Und daran hat sich auch nichts geändert. Also Kehrtwende und wieder links rum, Richtung Flughafen. Erst am Strand entlang mit den Füßen im Wasser, und wenn das steinige Gelände anfängt, setzen wir mit sandigen Füßen den Weg oben auf der Strandpromenade fort.

Eine Dreiviertelstunde sind wir zum bzw. vom Flughafen unterwegs, wenn wir nur auf der Strandpromenade unterwegs sind. Geht man auch am Wasser kommt man etwas langsamer voran.

Wenn die Eisenbahn-Beobachter „Trainspotter“, sind die Flugzeugbeobachter dann „Planespotter?“ Es wäre logisch. Und wenn es den Begriff bis heute noch nicht gegeben haben sollte, dann gibt es ihn jetzt. Es ist erstaunlich, wie viele Leute sich in unmittelbarer Flughafennähe versammelt haben, einfach um die Flugzeuge starten und landen zu sehen. Einige Besucher haben Ferngläser dabei, andere höchst eindrucksvolle Kameraausrüstungen.

Unbeeindruckt von Lärm, Kerosingestank, aufgewirbeltem Sand und Steinchen kleben manche der Planespotter wie die Fliegen am Flughafenzaun.

Ich bin in Flughafennähe aufgewachsen, ich hab kein so großes Interesse an dem Geschehen. Ich setze mich auf eine Mauer und beobachte lieber die Beobachter. Das Hobby muss erblich sein – man sieht oft Väter mit ihren Söhnen begeistert in den Himmel starren.

Einschließlich Planespotting-Pause sind wir drei Stunden unterwegs. Zurück im Hotel setzen wir uns erst mal in den Schatten an die Bar und tanken Wasser. Und dann geht’s ab in den Pool. Innerliche und äußerliche Kühlung, sozusagen.

Fürs Abendessen haben wir uns in dem Grillrestaurant auf dem Hotelgelände angemeldet. Man muss ja fast alles mal ausprobiert haben. Es gibt ein Salatbuffet, Wrackbarschfilet und Countrykartoffeln und Nachtisch vom Buffet. Nicht schlecht, aber auch kein Service, also ebenfalls Kantinenatmosphäre.

Während wir uns nach dem Essen draußen auf dem Gelände wieder an Katzenporträts versuchen und den Birmakatzenmischling „Liz Taylor“ wieder nicht zu einem Blick in die Kamera überreden können, springt ein verkleideter Animateur durchs Gelände und wirbt für eine Abendveranstaltung. In dem Kostüm sieht er aus wie Daniel Küblböck im Fummel. Nun zickt auch noch die Kamera und wünscht, gereinigt zu werden. Wir hoffen, dass sie am nächsten Tag anständig ihren Job macht, wir wollen ja zum Biosphären-Ausflug und durch Vulkankrater klettern.

Freitag, 27. Juli 2007: Biosphären-Tour: Wir kraxeln durch Vulkane

Wir starten um 8:20 Uhr. Der erste Bus in unserer Urlaubergeschichte, der überpünktlich ist! Diesmal ist es ausnahmsweise nicht der Bus Nr. 61 sondern ein anderes Fahrzeug, und unser Fahrer heißt Honorio. Jürgen Sobeck vom Veranstalter Viajes Lanzakultura S.L. ist ein erfahrener Reiseleiter und gibt zunächst mal einen Ausblick auf den Verlauf des Tages:

Wir fahren zum Parque Natural de los Volcanos und steigen dort in den Krater des Caldera de los Cuervos (Rabenkessel) hinab. * Danach geht es zum Montana Colorada, wo, wie Herr Sobeck sagt, eine Überraschung auf uns wartet * Weiter geht es in den Norden, nach La Caleta de Famara zu einem kurzen Stopp an den Playa de Famara. * Nach Teguise ins Castillo Santa Barbara * Mittagessen im Restaurant Acacife in Teguise * Dann ist ein Spaziergang zu Lanzarotes einzigem Wäldchen angekündigt. (Spaziergang!) * Und zum Schluss besuchen wir César Manriques Kaktusgarten.

Bei einem Blick aus dem Fenster sehe ich die Aufschrift auf einem Linienbus: NO SINTI.
Wie bitte? Keine Zigeuner? Sowas Diskriminierendes kann doch unmöglich auf einem Bus stehen! Wohl wieder ein Fall von verzerrter Wahrnehmung. Ich gucke also noch mal hin: Aha! NO SIN TI – nicht ohne dich! Schon besser. Jetzt sehe ich auch die Illustration darunter: Ein kleines Mädchen mit gesunden Beinen spielt Ball mit einem Mädchen im Rollstuhl. Aha. Ein Appell an die Integration von Menschen mit Behinderung. Sehr löblich!

Auf dem Weg zu den Vulkanen erfahren wir allerhand Wissenswertes. Zum Beispiel, dass die Urbevölkerung Lanzarotes keineswegs Guanchen waren sondern Mahoreros. Und dass es erst seit den letzten Vulkanausbrüchen Weinbau auf der Insel gibt.

Wir kommen am Grandhotel Arrecife vorbei, das 17 Stockwerke hat. Später erbaute Hotels haben dank des Einflusses von César Manrique nur noch bis zu 6 Stockwerke, so dass der Insel die Mega-Bettenbunker erspart blieben.

Dass es männliche und weibliche Mühlen gibt (Molinos und Molinas) wissen wir schon lange. Nun wissen wir auch, wie es zu der Bezeichnung kommt: Die steinernen Molinos sind derber gebaut und schwerer zu handhaben als die leichter gebauten Molinas. Erstere konnten nur von Männern bedient werden, zweitere auch von Frauen. Damit wäre das auch geklärt.

Unter der kundigen Führung von Herrn Sobeck wandern wir durch eine bizarre Mondlandschaft und nähern uns dem Caldera de los Cuervos. Für Leute wir uns, die in der Vulkanologie völlig unbewandert sind, gibt es hier ganz schön viele Informationen. Wir können das alles gar nicht verarbeiten.

Das eine oder andere bleibt doch hängen. Dass hier Wilder Tabak wächst, zum Beispiel, denn Tabak folgt dem Feuer. Und dass das, was im Timanfaya-Nationalpark über die Vulkanausbrüche erzählt wird, auf dem Wissenstand von vor 20 Jahren ist. Mittlerweile hätte man in vielem neue Erkenntnisse, was z.B. die Dauer der Ausbrüche angeht. Aber wo genau die Unterschiede liegen, das kann ich nicht mehr reproduzieren, das ging mir alles zu schnell. Aber vielleicht kann ich das ja eines Tages alles nachlesen, denn Herr Sobeck hat ein Buch geschrieben … doch dazu später mehr.

Wir lernen, was Basalt ist: Es handelt sich um erkaltete Lava in verschiedenen Formen. Das Gestein ist fest und dunkelgrün bis grauschwarz. Fast der gesamte Boden der Insel besteht aus basischem Vulkangestein.

Magma heißt die glutflüssige, gashaltige Masse, die als Lava an die Erdoberfläche gelangt. Die Temperaturen liegen zwischen 1100 und 1300 ºC.

Lava nennt man den glutflüssigen Gesteinsbrei, der mit einer Geschwindigkeit von mehreren Metern pro Sekunde fließt. Ein erkalteter Strom wird auch als Lava bezeichnet. Lava verfestigt sich bei ca. 1.100 ºC, bei 760 ºC etwa erstarrt sie.

Wo die Lava erkaltet, bildet sie verschiedene Formen:

Pahoehoe – ein hawaiianischer Begriff – bezeichnet eine glatte Lava, auf der man barfuss gehen kann, ohne sich an den scharfkantigen Steinen zu verletzten.

Brocken-, Block- oder Fladenlava entsteht, wenn die einzelnen Lava-Blöcke von nachrückender Lava zusammengeschoben werden. Die Lavamasse erkaltet langsam und erstarrt. Unterhalb fließt die heißere, dünnflüssigere Lavamasse oft noch weiter. So entstehen Höhlengänge wie die im Malpais de la Corona.

Aa-Lava – auch eine Form der Brockenlava – hat nix mit Stuhlgang zu tun. Aa-Lava ist von den verschiedenen Lava-Arten die zähflüssigste Form. Ihr Name gibt den Laut wieder, den man ausstößt, wenn man barfuß über die erstarrte Lava geht. Er stammt aus dem polynesischem Sprachraum. Bei der Erstarrung des Schmelzflusses zerbricht dessen Kruste und hinterlässt eine Oberfläche, die mit scharfkantigen, ungleichmäßig geformten Brocken und Schollen durchsetzt ist. Am Ende des Stromes bildet sie eine steile Front.

Die Stricklava ist stark basaltisch, dünnflüssig und recht schnell fliessend. Die Lava erkaltet außen, innen fließt sie aber weiter. Dadurch entstehen die Wülste, die der Lava den Namen gaben.

Als Malpais (span. schlechtes Land) bezeichnet man durch Lavaströme unwirtlich gewordenes Gebiet.

Der Olivin ist ein olivgrünes Mineral aus Eisenmagnesiumsilicat. Es findet sich in kieselsäurearmen vulkanischen Gestein und ist ein begehrtes Souvenir aus Lanzarote. Als Peridot bezeichnet man geschliffenen Olivin. Es ist kein Halbedelstein, auch wenn das immer wieder behauptet wird. Der Begriff Halbedelstein ist per se Unfug. Entweder ist was ein Edelstein oder es ist keiner. Außerdem bestätigt der Reiseleiter, was ich schon seit Jahre vermutet habe: Der Peridot-Schmuck, der auf Lanzarote angeboten wird, wird aus importierten Steinen gefertigt.

Parasitär-Krater sind sozusgen Nebenkrater, die entstehen, wenn die Lava nicht nur aus dem Hauptkrater austritt sondern aus Spalten an der Flanke. Auf diesen Eruptionsspalten entstehen aus den ausgeworfenen Pyroklastika Schlackenkegel, die als Parasitärkrater bezeichnet werden.

Pyroklastisches Material/Pyroklastika ist/sind das Auswurfmaterial von Vulkanen. Je nach Größe spricht man von Asche (bis zu 0.2 cm Durchmesser), Lapilli (auch Picon genannt, bis zu 6.5 cm Durchmesser), Schlacken (über 6.5 cm Durchmesser) oder Vulkanbomben (können die Größe von Findlingen besitzen).

Anschauungsmaterial gibt es in der Gegend genügend. Kletterkünste braucht man für den Abstieg in den Krater des Caldera de los Cuervos“ („Rabenkessel“) übrigens nicht. Nur festes Schuhwerk. Das wird auch ausdrücklich erwähnt, wenn man die Tour bucht. Mit Badelatschen sieht man da alt aus. Auf einem gut begehbaren Weg (ca. 2 km) geht es im Gänsemarsch hinein. Da steht man dann da unten drin im Krater, guckt rund ums sich herum nach oben und wagt gar nicht, sich vorzustellen, dass es hier lavatechnisch mal mächtig rundgegangen ist.

Mit dem Bus fahren wir anschließend in Richtung Montana Colorada, die letzte Strecke gehen wir zu Fuß. Unterwegs kommen wir noch in den Genuss einer kleinen Gesteinskunde mit Proben, die der Reiseleiter mitgebracht hat.

Entlang des Weges lassen sich deutlich die Vulkanbomben erkennen: Unter hohem Druck werden bei Vulkanausbrüchen mitunter riesige Gesteinsmassen herausgeschleudert die dann in einer Rotation zu einer runden Form erstarrt. Herr Sobeck nennt die Gebilde auch Akkretions-Kugeln, weil sie unterwegs noch wie ein Schneeball Material aufsammeln. Die größten dieser Vulkanbomben haben einen Durchmesser von bis zu vier Metern und wiegen ca. 50 Tonnen. Als wir am rötlich schimmernden Vulkan Montana Colorada ankommen, sehen wir auch die versprochene Überraschung: eine besonders stattliche Vulkanbombe mit einem Durchmesser von ca. 4 Metern. Also definitiv eins der größeren Trümmer. In einem Reisebericht hat ein Autor die Vulkanbomben von der Form her mit Schokoladenküssen verglichen. Was fällt einem dazu spontan ein, so als Werber? „Mann, sind die Dickmann!“

Da möchte man auch nicht in der Nähe sein, wenn so ein Teil geflogen kommt.

Kleiner Tipp am Schluss: Es empfiehlt sich nicht nur festes Schuhwerk, sondern auch Bootcut-Jeans, die – wie bei der guten alten Zunftkleidung der Zimmermänner – die Schuhe bedecken. Meine Jeans waren am Fuß zu eng und zu kurz geschnitten – bei mir landeten immer wieder spitze Steinchen in den Schuhen..

La Caleta de Famara
Weiter geht’s in den Norden in das ehemalige Fischerdorf Caleta de Famara und den Naturstrand Playa de Famara. Mit 5 km der längste Strand der Insel.

Unterwegs erfahren wir, dass man die hellen Sandfelder, die man beim Näherkommen schon sieht, Jablas heißen und eine Fläche von 40qkm bedecken. Das ist Seesand und kein Sand aus der Wüste, wie oft fälschlich erzählt wird. Die Muscheleinsprengsel sind der Beweis. Diese Art von Sand gibt es nicht nur auf Famara, sondern auch an den Palagayo-Stränden auf Lanzarote sowie in der Region Maspalomas auf Gran Canaria sowie in Corralejo auf Fuerteventura.

An der Playa de Famara weht fast immer eine kräftige Brise, verbunden mit dem entsprechenden Wellengang. Das macht den Strand zum Eldorado der Wassersportler. Wegen tückischer Unterströmungen sollte man jedoch nicht weit hinaus schwimmen.

Bei uns geht es nicht ums Schwimmen, sondern nur um eine kurze Fotopause – verbunden mit der eindringlichen Warnung, nur ja nicht in den Sand zu latschen, da es dort Teerablagerungen gebe, die man dann an den Schuhen mit den den Bus schleppe. Das Resultat seien ruiniertes Schuhwerk und ein eingesauter Bus. Ein angesäuerter Busfahrer obendrein … aber das haben sie nicht ausdrücklich erwähnt.

Also bleiben wir mehr oder weniger brav auf dem Asphalt stehen, fotogafieren ein bisschen und steigen dann wieder in den Bus um nach Teguise weiterzufahren – zur Mittagspause.

Mittagspause in Teguise
Gegen 12 Uhr kommen wir in Teguise an. Im Restaurant Acacife sind für uns Tische reserviert. Es ist eines der ältesten Restaurants auf der Insel und war immer in Familienbesitz. Es gibt Linsensuppe mit Gofio, frische Brötchen, Fisch, Kartoffeln und Mojo, dazu Wasser und Weißwein. Und als Nachtisch Obst. Den Reiseleiter ereilt eine Warnung von der Gemeinde: Eine Hitzewelle ist im Anmarsch. Es wird von Minute zu Minute heißer werden. Wir nehmen zusätzliche Wasservorräte mit für die weiteren Stationen unseres Ausflugs.

Nach dem Essen steht uns noch ein bisschen freie Zeit zur Verfügung, die wir für Fotos in einem anderen Licht nutzen als bei unserem letzten Besuch. Um 13:45 Uhr sitzen alle wieder im Bus.

Castillo Santa Barbara
Die zunehmende Hitze ist deutlich zu spüren, als wir oben beim Castillo Santa Barbara aussteigen. Vor 11 Jahren hatten wir die Burg schon mal besucht, in Eigenregie, und auch das dortige Auswanderermuseum entdeckt und besucht. Das steckte damals noch ganz in den Anfängen und war auch nur auf Spanisch beschriftet, so dass wir nur einen Bruchteil dessen mitbekamen, was uns da erzählt werden sollte. Das fanden wir damals bedauerlich und dachten, da könnte man doch viel mehr draus machen. Irgendwann mal sind die Verantwortlichen wohl zum selben Schluss gekommen.

Das Castillo de Santa Bárbara, auch Castillo de Guanapay genannt, ist eine Festung östlich von Teguise und 135 Meter über der Stadt auf dem Vulkan Guanapay gelegen, 452 m über dem Meeresspiegel. Sie gleicht einer Ritterburg, besitzt eine Zugbrücke und kleine Rundtürme.

Anfang des 14. Jahrhunderts wurde auf dem Vulkan Guanapay das kleine Fort Guanapay errichtet. Im 16. Jahrhundert wurde eine Festung auf den Resten des alten Forts von Sancho de Herrera erbaut, um die Stadtbevölkerung vor Piraten-Überfällen zu schützen. Jedoch verursachte die Belagerung durch Piraten im Jahre 1586 große Schäden.

Das spanische Königshaus beauftragte Leonardo Torriani mit ihrer Rekonstruktion. Seit 1596 behielt die Festung ihre Struktur. Der im 17. Jahrhundert durchgeführte Ausbau, gemäß dem Projekt Torrianis, verstärkte die Struktur der Festung. In der Caldera, dem Kessel des Vulkans, sind heute noch Reste einer Zisterne aus dem 18. Jahrhundert zu erkennen. Der strategisch gut ausgewählte Standort sollte weiterhin die Bewohner von Teguise vor Piratenangriffen warnen und schützen. So kann man bis zur West- und Ostküste Lanzarotes, zur heutigen Inselhauptstadt Arrecife, zum Timanfaya-Nationalpark im Süden und zur Insel La Graciosa im Norden sehen. Trotzdem fiel die Festung mehrmals in die Hände von Piraten und wurde zerstört.

Wir machen tolle Fotos vom Castillo selbst – und natürlich von der Landschaft drum herum. Man sieht wirklich unendlich weit von da oben.

Im Castillo de Santa Bárbara befindet sich seit 1991, nach zweijähriger Renovierung, ein Emigrantenmuseum (Museo del Emigrante Canario), welches nach Unterlagen der Gemeindearchive und ehemaliger Auswanderer eingerichtet wurde. In den Räumen können Fotos, Stiche, grafische Darstellungen, Originalkarten, Briefe und Habseligkeiten der Auswanderer, sowie Nachbildungen der Emigranten-Schiffe jener 250 Familien besichtigt werden, die um 1880 wegen einer Dürrekatastrophe nach Kuba, Venezuela, Florida und Argentinien ausgewandert sind.

Das Museum sehr verwinkelt und interessant. Fotografien, Dokumente, Schiffsmodelle, Tagebücher und vieles andere mehr zeigen die Geschichte der damaligen Auswanderer. Damals war das ein Abschied für immer. Wer heute auswandert und die nötigen Kröten zusammenkratzen kann, kann seine Angehörigen in der alten Heimat bei jeder sich bietenden Gelegenheit besuchen. Die Auslandsverwandtschaft sieht man ja heute oft häufiger als die Verwandten, die im Nachbarort wohnen. Wenn der Onkel aus den USA oder aus Australien kommt, dann rennt die ganze Verwandtschaft zusammen. Nach denen, die man jeden Tag sehen könnte, wenn man wollte, kräht in der Regel kein Hahn. Wer jedoch damals ins Ausland ging, der war für den Rest seins Lebens weg. Und gab seine alten Bindungen für immer auf.

Wir halten uns geraume Zeit in dem Museum auf, studieren die Exponate – und finden dann den Ausgang nicht mehr. Treppenaufgänge gibt es viele, aber keiner scheint wieder hinunter zu führen von der Burg. So langsam werden wir nervös – der Bus wartet ja schon. Er würde sicher nicht ohne uns fahren, aber die Vorstellung, dass die anderen alle auf uns warten müssen, ist uns extrem unangenehm. Ehe ich restlos in Panik verfallen kann, finden wir in diesem Fuchsbau dann doch das richtige Loch und finden uns rechtzeitig am Bus ein.

Das Wäldchen und der Mirador Riscos de Famara
Einen „Spaziergang“ hatte uns der Reiseleiter für die Zeit nach dem Mittagessen versprochen. Es wird ein recht anstrengender Marsch – vor allem der Rückweg -, denn mittlerweile hat uns die Hitzewelle voll im Griff.

Mitten in der Einöde hält der Bus und wir steigen aus. In größter Hitze latschen wir querfeldein, vorbei an einer Baustelle, auf der Bauarbeiter unverdrossen an einem Haus werkeln, und tapern noch tiefer in die Pampa. Und immer feste bergauf. Irgendwann mal kommt der Punkt, an dem ich mich frage, was zur Hölle ich hier eigentlich mache. Und an dem ich hoffe, dass sich die Latscherei in der Gluthitze in irgendeiner Form lohnen möge.

Mit El Bosquecillo, dem Wäldchen, ist nach dem Sturm von 2005 nicht mehr viel los. Ein paar strubbelige, niedrige Bäumchen, das ist alles, was noch davon übrig ist. Es muss auch ordentlich gewettert haben, wie der Reiseleiter erzählt. Eh ein Wunder, dass überhaupt noch was übrig ist von dem Gesträuch.

Es geht noch ein Stückchen weiter bei der Affenhitze, zu einem Picknickplatz hoch oben über den Famara-Klippen (600 m). Hier trifft man wochentags höchstens mal auf einzelne Wanderer oder Ausflügler. An Wochenenden kommen einige Einheimische zum Picknicken und Grillen her. Holzbänke, Grillplätze und Mülleimer sind vorhanden. Nur ein altes, unscheinbares Holzschild weist den Weg zu diesem nur 1.300 Meter jenseits der Asphaltstraßen gelegenen, traumhaften Ausflugsziel, das nur in wenigen Reiseführern erwähnt wird.

Gelohnt hat sich der Weg zum Mirador Riscos de Famara wegen des phantastischen Ausblicks: Die Klippen fallen fast 600 m steil ab. Vom Hochplateau hat man eine wunderschöne und atemberaubende Aussicht auf die Feuerberge, Famara sowie auf La Graciosa mit Nachbarinseln.

Die Aussicht und der Wind auf den Klippen oben lenken von Hitze und Durst ab – und dann kommt der Rückmarsch. Der geht so stramm vonstatten, dass ich mich nicht mal stehen zu bleiben getraue, um die Wasserflasche aus dem Rucksack zu pulen und einen Schluck zu trinken. Wenn ich den Anschluss an die Gruppe verliere, gehör ich der Katz – ich finde den Bus im Leben nicht wieder.

Geschafft und verschwitzt, sonnenverbrannt und durstig kommen wir schließlich wieder zum Bus. Und sind dankbar für Wasservorrat, Schatten und die Klimaanlage.

Eigentlich hätten wir jetzt genug, aber es kommt noch ein Programmpunkt. Und wenn es wieder was zu sehen gibt, kommt auch die Energie zurück. Jedenfalls bei manchen Menschen …

Jardin de Cactus – der Kaktus-Garten
In einem alten Steinbruch zwischen Guatiza und Mala wurde der „Kaktus-Garten“ angelegt, eines der letzten Werke von César Manrique. Vor dem Eingang steht das Wahrzeichen, ein acht Meter hoher Kaktus aus Metall.

Hier findet man Kakteen aus Amerika, Afrika und den Kanarischen Inseln in den verschiedensten Formen und Größen. Der Garten ist in Form eines großen Amphitheaters terrassenförmig angelegt, die Wege und Stufen bestehen aus Vulkangestein. Auf den Stufen wachsen die Kakteen – fast 10.000 Exemplare von über 1.400 verschiedenen Spezies aus Amerika, Madagaskar und der Kanarischen Inseln, die vom Botaniker Estanislao González Ferrer, gesammelt wurden. Jede Pflanzenart ist mit einem Schild beschriftet, so dass man immer genau weiß, wen man da gerade vor sich hat. Einen didaktischen Zweck hat der Kaktusgarten nicht, nur einen ästhetischen. Vorbild waren die japanischen Gärten.

Auf einem Hügel steht eine alte Windmühle, in der früher das kanarische Grundnahrungsmittel „Gofio“ aus geröstetem Mais und verschiedenen Getreidearten gemahlen wurde.

Der Kaktus-Garten war das letzte Werk das César Manrique 1990 auf Lanzarote beendete. Der Kaktus-Garten entstand auf dem Gelände einer ehemaligen Vulkanaschengrube. Dort wurde das Material abgebaut, das „rofe“ oder „picón“ genannt wird und das die Bauern für den Trockenfeldbau nutzen, um auf den Felder die Feuchtigkeit des nächtlichen Taus zu speichern.

Der Kaktus-Garten hat auch ein kleines Restaurant – unter dessen Schatten spendendes Sonnensegel das sich die Durstigen und Fußkranken, die Sonnen- und Kakteenmuffel alsbald zurückziehen. Gerhard sitzt mit dem Reiseleiter an einem Tisch und unterhält sich, während ich im Kaktus-Garten herumklettere und mit der kleinen Kamera fotografiere. Als ich auch ins Restaurant nachkomme, erfanre ich zweierlei: Erstens: Unbedingt die Klotüren angucken, die von César Manrique höchst originell und plakativ gestaltet wurden. „Wer jetzt noch aufs falsche Klo geht, macht das mit Absicht“, höre ich jemanden sagen.

Und zweitens: Reiseleiter Jürgen Sobeck hat ein Buchmanuskript geschrieben mit Berichten über seine Wanderungen, angereichert mit geologischen Hintergrundinformationen und farbigen Abbildungen. Als nach Titel und Verlag frage, erklärt er mir, dass bislang nur das Manuskript existiere und er noch auf Verlagssuche sei. Ich gebe mich reflexartig als altes Verlagswesen zu erkennen und verspreche, ihm wenigstens so weit behilflich zu sein, dass ich ihm Adressen einschlägiger Verlage zuschicke. Was ich nach unserer Rückkehr nach Deutschland auch umgehend erledige. Eine nette Antwort habe ich auch bekommen mit einem Foto von einem „unserer“ Vulkane – jetzt warten wir mal ab, was mit dem Buchprojekt passiert.

Samstag, 28. Juli bis Montag, 30 Juli 2007: Calima – Sandsturm light

Die Affenhitze hat einen Namen: Calima! Das ist eine Wetterlage mit Ostwind auf den kanarischen Inseln (Sandwind aus Afrika).

So funktioniert es: Von der Sahara kommt mit östlicher Strömung trockene, warme Luft und bringt oft feinen Sandstaub mit. Hochdruck über der Sahara erhöht die Temperatur und verringert die Luftfeuchtigkeit. Die Sicht ist dann leicht getrübt, die Niederschlagsneigung bei der geringen Feuchte aber sehr gering. Es kann im Flugverkehr zu Problemen kommen. Bei dem Staubgehalt der Luft ist das warme, trockene Wetter aber nicht angenehm, und führt leicht zu Reizungen der Atemorgane.

Calimaeinbrüche können mitunter sehr heftig sein, so kann z. B. plötzlich ein starker Sturm einsetzen und die Luftmassen austauschen. Es kann auch in der Nacht zu starkem Temperaturanstieg kommen, während gleichzeitig die Luftfeuchte rapide absinkt.

Es ist nicht außergewöhnlich, dass bei Calima auch alle im Freien abgestellten Autos, andere Gegenstände, wie weiße Hauswände, sowie die Straßen mit feinem ockerfarbenen Sandstaub bedeckt werden. Calimawetterlagen können mehrere Wochen andauern.

Die Calima kommt üblicherweise in den Sommermonaten, also Juni bis September vor. Der Himmel wird diesig, die Aussicht in die Ferne nach und nach geringer. In der Regel erkennt man eine heranziehende Calima schon ein oder zwei Tage vorher.

Und so wirkt es: Wir gehen am Morgen einkaufen: T-Shirt – Gerhard hat wieder mal zu wenige Hemden dabei – Wein, Mojo, Postkarten … aber dann machen wir, dass wir wieder zurück ins Hotel kommen. Man fühlt sich durch diesen „Sandsturm light“ wie gefönt, gedörrt und sandgestrahlt. Ein paar Unverdrossene wandeln mit ihren Luftmatratzen in Richtung Strand, kommen uns aber sehr schnell wieder entgegen.

Wieder im Hotel angekommen, schauen wir mal im entsprechenden Informations-Ordner nach unseren Rückflügen. Unser Flug sollte gebucht sein für Dienstag, 31.07, 14:00 Uhr, Abholung gegen 11:25 Uhr … aber wir sind nicht mit auf der Liste. Panik kommt auf. Sollten die nicht mitbekommen haben, dass wir nur für 10 Tage gebucht hatten? Hat man uns vergessen? Mit der Zeit kommen wir dahinter, dass man die Blätter aus dem Ordner herausfingern muss, um alle Informationen lesen zu können. Ein Teil des Textes versteckt sich unter dem Werbe-Passepartout in der Plastikhülle. Also, ausgraben mussten wir unsere Rückfluginformationen noch nie. Auf die Idee muss man erst mal kommen. Aber nun ist ja alles klar, die Flugzeit bleibt wie gehabt, die Abholzeit auch. Abholung am späten Vormittag ist eine feine Sache. Weder muss man mitten in der Nacht abreisen noch den halben Tag auf gepackten Koffern sitzen.

Da bei dem Wetter kein Mensch an den Strand kann und auch nicht in die Stadt will, drängelt sich alles um den Pool. Es sind viel, viel weniger Plätze an den Pools als Feriengäste im Hotel. Die ersten haben schon morgens um 6 mit den Handtüchern ihre Liegen reserviert. Da hat man keine Chance, wenn man erst am Vormittag kommt oder gar erst um die Mittagszeit. Erst gegen 15, 16 Uhr, wenn die anderen keinen Bock mehr auf Schwimmen und Sonnen haben, kann man wieder eine freie Liege ergattern. Und ein paar Schwimmzüge im Pool machen.

Wir suchen uns ein gemütliches Plätzchen im Schatten und lesen bis es gegen 15 Uhr kühler wird und das Gedrängel am und im Pool nachlässt.

Sonntag, 29.07.2007
Immer noch Calima. Wir haben auf dem Gelände ein Thermometer entdeckt. Morgens um 9:00 Uhr hat es 31° C, gegen 10:00 Uhr sogar schon 35° C. Am Nachmittag gucken wir noch mal: Jetzt sind es 42° C. Da ist es sogar im Pool zu heiß.

Montag, 30.07.2007
Heute erst entdecken wir am Frühstücksbüffet die originelle Übersetzung für „Instant-Kaffee“. Auf dem Steingutbehälter, der selbigen enthält, seht: „Kaffee augenblicklich“.

Calima hin oder her – wir müssen in die Stadt, um letzte Souvenirs und Mitbringsel zu kaufen. Man muss sich ja bald wie die Wüstenaraber vermummen, wenn man hier aus dem Haus geht. Im Internet heißt es, die Hitzewelle geht bis Donnerstag. Ja, schön, da sind wir längst wieder zu Hause. Und haben dort bestimmt alles andere als eine Hitzewelle.

Dienstag, 31. Juli 2007: Heimreise mit Hindernissen

So … wir sind so gut wie weg, und nun lässt die Calima nach. Vielen Dank auch! Ein letztes Mal frühstücken wir im Hotel – so einen Aufwand betreibt man daheim ja nie – packen unser restliches Zeugs in die Koffer und checken aus.

Der Kiosk-Heini, der die Hotelbadetücher wieder zurücknehmen und das Pfand dafür rausrücken soll, ist nirgendwo zu sehen. Wir haben heute schon mehrfach das Gelände nach ihm abgesucht. Hoffentlich akzeptieren die auch eine Rückgabe an der Rezeption. Ich habe keine Lust, 10,- Euro pro Badetuch Strafe zahlen zu müssen, nur weil der Hurgler nirgends zu finden ist.

Aber es klappt anstandslos. Beim Ausschecken stellen wir überrascht fest, dass auch die Telefongebühren inklusive sind. Gut, dass sie das nicht vorher sagen, sonst würde mancher sich auf Kosten des Hauses einen Wolf labern. Wir dagegen haben nur zwei, dreimal kurz zu Hause angerufen. Wir sind da immer recht bescheiden und hätten auch nicht mehr gequasselt, wenn wir gewusst hätten, dass wir das nicht separat bezahlen müssen.

Wir schleifen unsere Koffer vors Hotel und nun heißt es warten. Auf den Bus. Um 11:40 Uhr kommt er dann schließlich und ist – na was? Richtig: Heillos überbucht. Irgendwer in der Zentrale kann da nicht zählen. Der Fahrer telefoniert mit dem Handy nach einer Lösung. Ein zweiter, kleiner Bus wird bestellt und endlich geht es los.

Am Flugplatz heißt es wieder: warten. Tut sich da eigentlich was an den Abfertigungsschaltern? Es scheint kein bisschen vorwärts zu gehen. Und wo muss man denn hinmarschieren, wenn man eingecheckt hat? Ach ja, die latschen alle hinter die Theken, dann machen wir das nachher einfach auch so.

Nach weiterem Gewarte schaut es fast so aus, als flöge diese Maschine ausnahmsweise mal pünktlich ab. Um 14:05 Uhr sitzen alle brav angeschnallt auf ihren Plätzen. Aber ätsch: Es müssen alle wieder aussteigen! Die Maschine ist zu schwer, um über die Berge in den Norden starten zu können. In Richtung Süden geht nicht wegen des Windes. Also muss Kerosin abgepumpt werden. Dazu müssen alle Passagiere aus Sicherheitsgründen raus. Erst wenn das Zeugs abgepumpt ist, dürfen wir all wieder rein. Aber da wir nun weniger Sprit an Bord haben, reicht der nun nicht für einen Direktflug nach Stuttgart. Wir fliegen erst mal eineinviertel Stunden lang nach Faro in Portugal, landen dort zwischen, tanken nach – und dann geht es endlich heim.

Mit eineinhalbstündiger Verspätung landen wir schließlich um 20:25 Uhr in Stuttgart. Wenigstens kommt dann der Koffer recht flott. Mit dem Taxi geht es nach Hause. Der Fahrer, ein Franzose, erzählt von seiner Zeit in Dubai. Dubai, ja das wäre auch mal ein Reiseziel …

Aber ehe wir die nächste Reise planen, muss erst einmal diese nachbereitet werden. Als erstes in Gestalt von 11 Waschmaschinenladungen Wäsche. Post, Fotos, Reisebericht … das alles wartet noch auf mich. Und das Fotoalbum, das ich nach wie vor konventionell mit ausgedruckten Bildern anlege und nicht online. Dann können wir an den nächsten Urlaub denken. Vielleicht Teneriffa …?

*** Ende***



Eva Siebenherz: Das abenteuerliche Leben der Mieze Paula
Dezember 20, 2007, 11:29 am
Filed under: Bücher

Eva Siebenherz: Das abenteuerliche Leben der Mieze Paula, Berlin 2007, trafo-Verlag, Edition Drachenflügel (Jugendbuch), ISBN 978-389626-746-7, 76 Seiten, Softcover, mit Vignetten und zahlreichen Illustrationen von Maren Frank – in Farbe und Schwarzweiß, Format: 17 x 15 x 0,5 cm, EUR 12,80.

Paula Cover

Als das schwarze Kätzchen zur Welt kommt, ist es nicht gerade vom Glücksstern bestrahlt: Skrupellose Menschen werfen die kleine Katze und ihre Geschwister in einen Mülleimer. Doch Tierfreunde retten sie, bringen sie zum Tierarzt und anschließend ins Tierheim, wo die Kleine – als einzige Überlebende des Katzenwurfs – aufgepäppelt wird.

Kein Wunder, dass das kleine Katzenmädchen glaubt, sein Name sei „arme Socke“! So sagen nun mal alle zu ihr, die mit ihr zu tun haben.

Das Tierheim ist das einzige Zuhause, das die Kleine kennt, und so wehrt sie sich nach Kräften, als Antonia und ihr Lebensgefährte Fritz auf einmal im Raum stehen und sie mit nach Hause nehmen möchten. Die Kleine weiß gar nicht, wie ihr geschieht. Nach Hause? Wo ist das?

Katze Blacky erklärt es ihr: „Zu Hause ist dort, wo die Menschen wohnen. Die sind hier, weil sie sich eine Katze wünschen und suchen sich hier im Tierheim eine aus und dann nehmen sie sie mit.“

Zuerst ist das schwarze Kätzchen nicht so begeistert von seiner Adoptivfamilie. Es ist schon sehr anstrengend, wenn man in einer vierköpfigen Familie ständig von einem zum anderen gereicht wird. Doch als es einen Namen bekommt – Paula, weil das der einzige Name ist, auf den es reagiert -, und ordentlich verwöhnt wird, stellt unser Katzenkind erfreut fest, dass es gar nicht so schlecht ist, adoptiert worden zu sein.

Gerade hat Paula sich eingelebt, da bricht Hektik aus. Die Familie verkauft ihr Hab und Gut und macht sich mit Wohnwagen und Paula auf nach Südtirol. „Auswandern“ nennt sie diese sonderbare Aktivität. Nachdem Paula im Auto gar so maunzt, wird sie in den Wohnwagen umquartiert. Auf dem Campingplatz angekommen, darf Paula endlich wieder raus – wenn auch nur an der Leine – und macht sogleich ein paar Erfahrungen fürs Leben:

* Ältere Katzen können verflixt herablassend sein.
* Perserkatzen haben Augen, auch wenn man die vor lauter Fell nicht sieht.
* Wenn man mit einer Leine am Baum angebunden ist, ist eine dumme Idee, den Baum zu umkreisen.
* Und wenn man morgens um 5 im Wohnwagen randaliert, wird man ins Vorzelt gesperrt.

Während Paula unverdrossen Lebenserfahrung sammelt, ist ihre Menschenfamilie auf Haussuche. Leider vergeblich. Was ihren Vorstellungen entspricht, übersteigt ihr Budget. Und so beschließen sie, ihr Glück im benachbarten Österreich zu versuchen.

So langsam hat Paula das Herumziehen satt. Sie möchte ein ganz normales Katzenleben führen. Doch zunächst sieht es nicht danach aus, als würde ihr Wunsch in Erfüllung gehen. Die Familie kampiert auf der Wiese eines Bauernhofs und sucht weiter nach einem passenden Haus. Paula legt sich sogleich Peter an, mit dem größten und frechsten Kater der Gegend. Nachts träumt sie dann davon, eine neongrün und leuchtend pinkfarben gestreifte Zauberkatze zu sein, die den Kater Peter in eine Maus verwandeln kann.

Da kommt ein Anruf aus Deutschland – die Familie muss in in ihre alte Heimat zurückkehren, um eine dringende Angelegenheit zu regeln. Und um Paula die Strapazen der Hin- und Rückreise zu ersparen, soll sie in der Zeit auf dem Bauernhof bleiben. Paula ist entsetzt: Damit ist sie dem frechen Kater Peter mit Haut und Haaren ausgeliefert. Vor allem, da Paula nur an der Leine ins Freie darf, was ihre Fluchtmöglichkeiten natürlich drastisch einschränkt.

Als sie sich wieder einmal in ihrer Leine verheddert und die Bäuerin „Entwicklungshilfe“ leisten muss, nutzt Paula die Gelegenheit zur Flucht. Zuflucht sucht und findet sie bei den Schweinen im Stall. Als das freundliche Borstenvieh Paula davor beschützen will, von der Bäuerin eingefangen zu werden, nimmt diese Aktion einen dramatischen Verlauf …

Und wieder heißt es weiterziehen. Paulas Familie verschlägt es in die Steiermark. Dort haben sie ein Haus gefunden und Paula darf endlich nach Herzenslust durch die Gegend stromern, ganz ohne Leine. Doch die Freude währt nicht lange: Nach wenigen Wochen ist schon wieder ein erneuter Umzug fällig.

Jetzt, nach vielen Irrungen und Wirrungen, ist die Familie in ihrn neuen Zuhause angekommen. Doch das neue Heim ist für Paula nicht der Himmel auf Erden, wie sie es erwartet hat: Sie bekommt Konkurrenz in Gestalt der Katzenkinder Mini und Maxi. Tochter Petra hat die beiden Kätzchen vor einem schlimmen Schicksal bewahrt und nach Hause gebracht.

Paula hat zwar Mitleid mit den Kleinen, aber die möchte weder ihre Menschen noch ihr Zuhause mit ihnen teilen. Was soll sie nur tun? Da hat Paula einen Traum, der ihr die ideale Lösung präsentiert. Aber wird sich das auch in die Wirklichkeit umsetzen lassen? Wird sie einen Weg finden, mit dem alle Beteiligten glücklich und zufrieden sind?

Wer Katzen mag und vielleicht selbst schon Katzen hatte, wird Mieze Paula und ihre kleinen und großen Abenteuer lieben. „Das abenteuerliche Leben der Mieze Paula“ ist als Kinderbuch geschrieben worden, aber auch erwachsene Katzenfreunde werden ihre Freude an der Geschichte des temperamentvollen und lebensfrohen Kätzchens haben, das sich, was immer ihm auch widerfährt, einfach nicht unterkriegen lässt.

Die Illustratorin Maren Frank hat das kleine Buch liebevoll mit Katzen-Vignetten sowie farbigen und schwarz-weißen Illustrationen ausgestattet: mit niedlichen Katzen, frechen Nagern, stolzen Pferden, freundlichen Schweinen – und mit märchenhaften Szenen aus Mieze Paulas Träumen.

Ein unterhaltsames Büchlein zum Selberlesen oder zum Verschenken an kleine und große Katzenfreunde.



Weihnachten im Büro
Dezember 20, 2007, 9:09 am
Filed under: Wahnsinn im Alltag

Noch gar nie nicht hatte ich hatte ich Weihnachtsdekorationen im Büro. An diesem Kitsch beteilige ich mich nicht. Heuer hat es mich dafür in ungeahntem Ausmaß erwischt: Ich hab bei einer Tombola in der Firma einen silberfarbenen Plastik-Weihnachtsbaum gewonnen, umgehend ausgepackt, zusammengeschraubt und in der Nische vor meiner Großraumbürozelle aufgestellt.

Weihnachtsbaum

Ich hatte alle Hände voll zu tun, die Kollegen davon abzuhalten, irgendwelches Gedöns dort dranzuhängen. Nein, der Baum bleibt, wie er ist. Mein Baum! Und über den bestimme ich! Er ist auch ohne Kugeln und Zeugs schon kitschig genug. Obwohl … so ein paar Kugeln in knalligem Lila oder Pink würden ihm vielleicht ganz gut stehen …

Nächstes Jahr, vielleicht. Ob wir im neuen Bürogebäude auch noch Platz haben werden für solchen nutzlosen Deko-Unfug? Nicht, wenn wir da sitzen wie die Heringe in der Dose. Aber das ist wieder ein anderes Thema.



Frohes Fest!
Dezember 19, 2007, 8:17 am
Filed under: Wahnsinn im Alltag

Frohes Fest!

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

frohe Weihnachten und ein gesundes, friedliches, glückliches und erfolgreiches Jahr 2008!

Auch allen, die Kurban Bayram bzw. Eid al-Adha feiern, wünsche ich ein gesegnetes Fest.

Jenen, die froh sind, wenn sich der ganze Festrummel wieder gelegt hat, sei, frei nach Heinz Becker, versichert: „In einem Vierteljahr ist Ostern auch schon wieder vorbei.“

Edith

Foto: © Rosenstaude, http://www.pixelio.de



Edmund Schauer: Agent TQ – TOP SECRET: RADIOAKTIV. Das vierte Abenteuer des cleveren Siamkaters
Dezember 17, 2007, 2:07 pm
Filed under: Bücher

Edmund Schauer: Agent TQ – TOP SECRET: RADIOAKTIV. Band 4. Mit 103 schwarz-weiß-Abbildungen, einer Codescheibe und 122 erklärenden Fußnoten. A-Zillingdorf 2007, erschienen im Selbstverlag, ISBN: 978-3-9502360-0-2, 245 Seiten, flexibler Einband, Format 15 x 20,8 x 1,7 cm, EUR 12,90. Zu beziehen im Buchhandel oder direkt beim Autor: http://www.ATQ.at Ein Kinderbuch, an dem auch Erwachsene ihre Freude haben.

ATQ4-Cover

Während sich Edi Cooper und sein intelligenter Siamkater von ihrem letzten strapaziösen Einsatz als Agenten der geheimen Regierungsorganisation COBRA erholen, ereignet sich 3.700 km weiter östlich eine ausgewachsene Schweinerei: Skrupellose Ganoven stehlen mit Hilfe korrupter Mitarbeiter waffenfähiges radioaktives Material aus einem Atomkraftwerk.

Kommissar Serge Poljakov weiß, welches Unheil dieses Material anrichten kann, wenn es in die Hände des organisierten Verbrechens oder in die von Terroristen gerät: Sie könnten eine „schmutzige Bombe“ damit bauen, die die Umgebung der Explosion für lange Zeit radioaktiv verseucht. Poljakov hat Grund zur Annahme, dass das Material umgehend außer Landes geschafft werden soll. Er vermutet hinter dem Verbrechen eine international operierende Organisation. Als er erfährt, dass die Bandenmitglieder sich eines ausrangierten Kommunikationssatelliten bedienen wollen, um miteinander in Kontakt zu treten, wendet der sich an COBRA-Agenten Edi Cooper. Cooper kennt sich aus mit solchen technischen Vorgängen. Und so kommen Cooper und TQ zu ihrem vierten gemeinsamen Fall.

Cooper fackelt nicht lange, verbindet ein altes Tonbandgerät mit dem Satelliten-Empfänger und die Atomschmuggler-Abhöraktion kann beginnen. Tatsächlich können die beiden Agenten ein paar Gesprächsfetzen erlauschen. Zudem gelingt es ihnen, mittels eines alten Video-Geräts eine Videokonferenz der Bande abzufangen. Wie gut, dass Cooper sich so gut mit Elektronik auskennt und – zum Verdruss seiner Gattin – veraltete Geräte sammelt!

Durch die Abhöraktion erfahren sie zweierlei: Die Bande macht Station in einem alten Bunker. Und sie will das gestohlene Plutonium in einem stillgelegten Atomkraftwerk lagern. An einem Ort also, an dem Radioaktivität nicht auffällt, weil man sie ohnehin erwartet.

Cooper hat diverse Vorbereitungen zu treffen und fordert zur Unterstützung ein zweites Agententeam an: Agentin Shirin Lennox und ihre Kollegin, die Cornish-Rex-Katze Snofru. Aus einem Campingbus heraus sollen sie die Landstraße überwachen, die die Plutoniumschmuggler auf dem Weg zum Bunker passieren müssen und beim ersten Anzeichen von Radioaktivität Alarm schlagen. Ab da übernehmen wieder Cooper und TQ den Fall.

Bis hier hin klappt alles wie am Schnürchen und das Glück scheint den Agenten weiter hold zu sein. Als die Atomschmuggler ihr Diebesgut in den Schutzbunker schleppen und in unscheinbare Werkzeugkisten umbetten, folgen ihnen Edi Cooper und TQ. Es gelingt ihnen, einen GPS-Sender an einem der Fahrzeuge zu platzieren. Doch dann wagen sie sich zu weit ins Innere des Schutzraums und verpassen den Moment, vor den Schmugglern den Bunker wieder zu verlassen. Als die Bande aufbricht, sperrt sie die zwei Agenten unbemerkt ein.

Doch Edi Cooper wäre nicht Edi Cooper, wenn er sich nicht zu helfen wüsste. Aus dem Plunder, der in der Halle herumliegt, improvisiert er kurzerhand eine Vorrichtung, die sie nach einigen Mühen zurück in die Freiheit bringt. TQ staunt über Coopers Rettungsmaßnahmen. Und dem Leser wird es ebenso ergehen. Denn anders, als man es aus einschlägigen TV-Serien kennt, wird hier plausibel erklärt, was der Agent konstruiert. Und man kann davon ausgehen, dass die Vorgehensweise genau recherchiert wurde und im Ernstfall tatsächlich funktionieren würde.

Kaum wieder draußen aus dem Bunker, stehen die beiden Agenten vor dem nächsten Problem: Vor der Bunker-Aktion haben sie ihren BMW mit einer Tarnvorrichtung unsichtbar gemacht. Die funktioniert so gut, dass sie ihr Fahrzeug nun nicht wiederfinden. Doch auch da hat Edi Cooper die rettende Idee.

Da die Agenten geraume Zeit mit „Pannenbekämpfung“ beschäftigt waren, sind die Schmuggler nun natürlich über alle Berge. Doch Edi und TQ haben keine Zeit, sich darüber zu ärgern. Und auch die Analyse eines mit mysteriösen Zeichen bekritzelten Schmierzettels, den TQ im Bunker gefunden hat, muss auf einen späteren Zeitpunkt vertagt werden, denn den beiden Agenten kommt ein Hilferuf des Kollegen Toni Lennox dazwischen.

Lennox befürchtet, einen Maulwurf in der Organisation zu haben, der vertrauliche interne Informationen an Ganoven weitergibt und damit COBRA-Einsätze torpediert. Mit einer vorgetäuschten Aktion will er dem Maulwurf eine Falle stellen. Cooper und TQ sollen derweil eine Bande von Autodieben ausspionieren.

Wieder müssen weitere Agenten eingreifen. Roy, Mara und die rote Katze Julia übernehmen die Autodiebe und spannen den Raben Igor und den Bussard Vinzenz als Luftaufklärer ein. Julia ist die perfekte Einsatzleiterin, und ihr Team spürt die Autodiebe in Nullkommanix auf. In einer alten Scheune lackieren diese die gestohlenen Fahrzeuge um. Als Julia die Diebe vor Ort näher in Augenschein nehmen will, gerät sie in tödliche Gefahr – und die Diebesbande kann sich aus dem Staub machen.

Die Atomschmuggler sind entkommen, die Autodiebe sind entkommen – das COBRA-Team scheint derzeit nicht gerade vom Glücksstern bestrahlt zu sein. Doch sie geben nicht auf. Eine Spur haben sie noch: den Zettel mit der Geheimschrift, der im Bunker lag. Als Cooper erkennt, um welchen Code es sich handelt, ist der Text schnell entschlüsselt: Es sind die Koordinaten einer so genannten „Ausweichposition“.

Die Agentinnen Mara, Shirin und die Katze Snofru werden eingeteilt, den Koordinaten zu folgen. Wenn sie Glück haben, sind am Zielort die Atomschmuggler. Aber auch das weibliche Einsatzkommando versemmelt seine Mission. In einer verfallenen Fabrikanlage stoßen sie auf die feiernden und trinkenden Schmuggler – aber sie werden entdeckt und gefangen genommen. Ob sie entkommen können? Das sei hier nicht verraten.

Die Schmuggler jedenfalls flüchten.

Jetzt dämmert es Edi Cooper: „Wir haben die Bande unterschätzt.“ Er hat es hier nicht mit ein paar kleinen Gaunern zu tun, sondern mit dem organisierten Verbrechen. Noch etwas wird ihm klar: Hinter dem Unternehmen steht ein fähiger Kopf, den die COBRA-Agenten nur zu gut kennen: Es ist der „Colonel“, dessen wahren Namen niemand kennt, und der ihnen schon bei verschiedenen anderen Gelegenheiten durch die Lappen gegangen ist.

Dieses Mal dürfen sie nicht versagen. Zu viel steht auf dem Spiel.

Ein Erkundungsflug mit einem ferngesteuerten Experimentalhubschrauber, der ein Strahlenmessgerät an Bord hat, ergibt, dass das radioaktive Diebesgut vom bisherigen Versteck ins stillgelegte Atomkraftwerk verbracht wurde. Während Cooper Vorbereitungen trifft, um Agent TQ mit dem drei Meter langen Hubschrauber auf eine Verbindungsbrücke des Kraftwerks zu bringen, damit ins Gebäude klettern kann, streift der Kater durch das Dickicht. Und entdeckt zwei nagelneue Geländewagen! Coopers Autoknacker-Talente kommen zum Einsatz und es zeigt sich, dass diese Fahrzeuge so präpariert wurden, dass man damit das radioaktive Material zum Endkunden bringen kann.

Jetzt geht es um die Wurst!

Angetan mit einer Schutzmaske und einer maßgeschneiderten Ausrüstung, die unter anderem einen Geigerzähler, eine Kamera und einen Fallschirm enthält, wird TQ vom Helikopter hoch oben auf dem Kraftwerk abgesetzt. Über einen Lüftungsschacht gerät er ins Innere und wird Zeuge, wie die Ganoven das Material in unverfänglich aussehende Verpackungen umfüllen. TQ hat genug gesehen und macht sich auf den Rückweg. Nun ist es an Agent Toni Lennox, den Zugriff zu veranlassen.

Schnell ist das Atomkraftwerk von gut getarnten COBRA-Agenten umstellt. Eigentlich kann jetzt nichts mehr schief gehen. Doch mit zwei unbeteiligten Teenagern, die sich aus purem Zufall auf dem Kraftwerksgelände aufhalten und nun zwischen die Fronten geraten, hat niemand gerechnet …

Wird der Zugriff erfolgreich verlaufen, ohne dass die beiden Teenies zu Schaden kommen? Kommt die Bande hinter Schloss und Riegel? Wird das gefährliche Diebesgut sichergestellt? Und vor allem: Geht den Agenten endlich der Kopf der Bande ins Netz?

Wer die vorangegangenen Abenteuer von Agent TQ kennt, weiß: Der „Colonel“ hat immer noch ein As im Ärmel …

* * * * *

Autor Edmund Schauer ist ein Mann mit einer Mission. Nicht nur, das er Kinder mit spannenden, amüsanten und gewaltfreien Kriminalromanen auf intelligente Weise unterhalten will – er möchte ihnen auch etwas fürs Leben mitgeben.

Edmund Schauer nimmt sein junges Publikum ernst. Er recherchiert gründlich und informiert seine Leser kritisch und verständlich über die höchst realen Gefahren des Atomschmuggels und des Einsatzes von Atomwaffen. Der Roman hat einen wahren Hintergrund.

Daneben gibt es ein Feuerwerk von Informationen. Die jungen Leser erfahren, was man unter dem Begriff Schwarzmarkt versteht, was das Gefährliche an Radioaktivität ist, was „schmutzige Bombe“ bedeutet, wie man in der Wüste mit einfachsten Hilfsmitteln Wasser gewinnt, wie ein Schweißbrenner funktioniert und viele, viele anderen hochinteressante Dinge mehr.

Doch nicht nur Sachinformationen bekommt man hier. Im Vorwort zum Buch schreibt der Autor: „Vor allem den jungen Lesern werden in der Geschichte moralische Grundsätze vermittelt, ohne den Zeigefinger zu erheben. Es werden Dinge des täglichen Lebens angeführt und gezeigt, dass Freundschaft und Toleranz wichtige Bestandteile der Familie und Gesellschaft sind und Alkohol- und Drogenmissbrauch keine Probleme lösen.“

Dieser ambitionierte Ansatz vereint sich mit Humor und Fabulierkunst zu einem höchst unterhaltsamen Gesamtkunstwerk. Die sympathischen Helden sind dabei keine allwissenden Übermenschen, sondern haben kleine Fehler und Schwächen wie Sie und ich. Agent TQ ist zum Beispiel ein passionierter Langschläfer, Agentenkatze Julia neigt zur Zickigkeit und Edi Cooper kämpft permanent mit den Pfunden, weil er einfach zu gerne gut isst.

Bei diesen Agenten hat man Familienanschluss, wie das bei den großen Kollegen aus Buch, Film und Fernsehen nie der Fall ist. Man kennt Frau, Kinder und Enkel und die ganzen häuslichen Umstände. Unvorstellbar zum Beispiel, dass jemand zu James Bond gesagt hätte, er könne erst wieder auf geheime Mission gehen, nachdem er seiner Schwiegertochter die Terrasse betoniert hat. Bei Edi Cooper kommt so etwas dagegen durchaus vor. Und das macht die Romanfiguren so nett, normal und liebenswert.

Noch ein Wort zu den über 100 schwarz-weiß-Fotos, die das Buch illustrieren: Wer die Serie noch nicht kennt, fragt sich jetzt vielleicht, wie man so eine Geschichte fotografieren kann. Des Rätsels Lösung: Freunde, Haustiere und Familie des Autors stellen einzelne Szenen nach. Den Rest besorgt eine Bilddatenbank Und manchmal wird auch ein wenig in die Trickkiste der Fotomontage, Illustration und Bildbearbeitung gegriffen.

Auch wenn der Autor sich vehement gegen Drogen aller Art einsetzt, muss ich ihm an dieser Stelle bescheinigen, dass seine Bücher süchtig machen. Zum Glück ist diese Sucht nicht schädlich. Im Gegenteil: Sie bildet das Alle TQ-Süchtigen wird es auf jeden Fall freuen zu hören, dass Band 5 bereits in Vorbereitung ist. Muss ja auch so sein. Schließlich läuft die Autoknackerbande noch frei herum, und der Maulwurf ist auch noch nicht enttarnt …