Wahnsinn im Alltag


Sobo Swobodnik: Balla Balla, Kriminalroman
Juli 16, 2008, 8:44 am
Filed under: Bücher

* Sobo Swobodnik: Balla Balla, Kriminalroman
* München 2008
* Verlag: dtv
* ISBN 978-3-423-21048-5* Broschiert
* Umfang: 240 Seiten
* Format: 9 x 12 x 1,6 cm
* Euro 8,95 [D] 9,20 [A] sFr 15,90

Vierter Krimi der Paul-Plotek-Reihe

Über den Autor
Sobo Swobodnik, geboren 1966 auf der Schwäbischen Alb, arbeitete bis 2000 als Rundfunkredakteur bei verschiedenen Hörfunkanstalten und als Theaterregisseur. Er ist Autor zahlreicher Kinder- und Jugendromane, hat außerdem Erzählungen veröffentlicht sowie zwei Romane, darunter 2002 den ersten Paul-Plotek-Roman, Altötting, der bereits 1999 mit dem Pfefferbeißer-Literaturpreis des Theaters im Schlachthof, München, ausgezeichnet und 2002 für den Friedrich-Glauser-Preis für das beste Krimidebüt nominiert wurde. Er lebt und arbeitet in Berlin.

Kurzbeschreibung
Zum vierten Mal ermittelt das Münchner Original Paul Plotek – diesmal fern der Heimat: in Hamburg! Wir haben gewonnen!“ Als Agnes den Brief auf den Tresen vom Froh und Munter“ legt, schwant Plotek nichts Gutes. Und richtig, seine Freundin hat beim Preisausschreiben ein Wochenende in Hamburg gewonnen. Plotek will nicht nach Hamburg. Und er will auch keinen Kurzurlaub. Viel lieber will er in seiner Stammkneipe sitzen, Weißbier trinken, Fußball gucken und Schweinebraten essen. Es hilft ihm jedoch alles nichts, er muss mit. Trost spendet ihm da allein die Aussicht, sich heimlich ein Spiel des Zweitligisten FC St. Pauli im legendären Millerntor-Stadion anzusehen, während Agnes beim Sightseeing ist. Doch wie es der Zufall so will, trifft Plotek der Ball, den einer der Superstürmer statt ins Tor mitten in die Zuschauer schmettert. Bewusstlos wird Plotek in die Klinik eingeliefert, wo er sich ein Zimmer mit einem beim selben Spiel verletzten Fußballer teilt. Am nächsten Tag ist der Mittelstürmer plötzlich tot. Und Plotek steckt unfreiwillig mittendrin in seinem nächsten Kriminalfall.

Meine Rezension
Die ersten drei Teile der Reihe heißen:
1. Altötting
2. Oktoberfest
3. Schöne Bescherung
Und jetzt: Balla Balla!

Paul Plotek, der abgebrochene Schauspieler mit dem Alkoholproblem – im Buch stets nur Plotek genannt – ist ein spröder, ungeselliger Kerl. Weiß der Teufel, wie er zu seiner – ebenfalls recht verschrobenen – Freundin Agnes gekommen ist. Vielleicht ist das ja eine Geschichte aus einem der ersten drei Bände, ich kenne diese aber leider nicht.

Obwohl er der typische Couchpotatoe ist, muß er mit Agnes einen gewonnenen Kurztrip nach Hamburg wahrnehmen. Leider leidet er unter schlimmer Flugangst – die entsprechenden Szenen waren für einen Flughysteriker wie mich sehr erheiternd …

In Hamburg gelingt es ihm, plötzlicher Übelkeit sei Dank, Agnes’ Klauen zu entfleuchen. Als es ihm besser geht, schleicht sich der Fußballfan auf ein Fußballspiel des SpVg Altona Nord, wo er prompt von einem Querschläger-Ball getroffen und ausgeknockt wird.

Im Krankenhaus teilt er ein Zimmer mit Jo Hillebrand, einem ebenso talentierten wie arroganten Nachwuchsspieler. Doch dieser wird in der Nacht ermordet und so wird Plotek mit hineingezogen in ein undurchsichtiges Komplott, dem einige vielversprechende Fußballnachwuchstalente zum Opfer fallen. Doch wer hat ein Interesse daran, die Spieler um die Ecke zu bringen – wer profitiert von ihrem Ableben?

Eine wilde Geschichte nimmt ihren Lauf. Dabei ermittelt Plotek eigentlich gar nicht wirklich, er bekommt die Geschichte durch Zufall heraus, belauscht etwa ein Gespräch oder ist zur falschen Zeit am falschen Ort – aber er betreibt seine Nachforschungen nicht aktiv. Überhaupt ist Plotek ein sehr sperriger Protagonist: ein wortkarger Säufer, der mehr denkt als spricht und darüber hinaus auch noch ein Transpirationsproblem hat. Keine leichte Kost, die dem Leser serviert wird und überaus krude.

Besonders zum Ende hin meint man schon das eine oder andere Mal, die Story wäre nun zu Ende und es passiert doch noch etwas Unerwartetes. Die Lösung des Falles fand ich – wie auch das gesamte Buch – reichlich schräg, doch halbwegs nachvollziehbar. Letztendlich waren mir aber zuviel Alkohol und Drogen im Spiel.

Nomen est Omen – Balla Balla heißt der Krimi und irgendwie ist er das auch. Eine Story, ganz anders als die Krimikost, die man üblicherweise serviert bekommt. Mein persönlicher Stil ist das allerdings nicht, auch wenn es durchaus amüsant war, diese freakige Geschichte zu lesen.

Rezensent: Batcat
Mit freundlicher Genehmigung von      
http://www.buechereule.de



Sam Taylor: Die Republik der Bäume – Roman
Juli 11, 2008, 8:48 am
Filed under: Bücher

* Sam Taylor: Die Republik der Bäume – Roman
* Originaltitel: The Republic of Trees
* Deutsch von Lutz-W. Wolff
* München 2008
* Verlag:dtv
* ISBN: 978-3-423-21076-8
* broschiert
* 288 Seiten
* Format: 19 x 12 x 2 cm
* Preis: Euro 9,95

Klappentext:
Die Geschichte beginnt wie ein Märchen: Mitten im Sommer im Süden von Frankreich laufen vier Kinder davon und verstecken sich in den endlosen Wäldern. Wie ein kühler Fluss vergehen die Tage, und die wildesten Träume scheinen sich zu erfüllen. Michael steigt in die Bäume; Alex geht auf die Jagd; Louis plant eine Revolution; Michael und Isobel verlieben sich zärtlich. Doch dann erscheint Joy, und ihre Ankunft wirft einen Schatten auf die Idylle. Eifersucht, Rivalität und Machtkämpfe werden erkennbar. Und während die Hitze des Sommers in den Wäldern brütet, steigern sich die Handlungen und Gefühle zu einem unvergesslichen, schrecklichen Höhepunkt.

Über den Autor:
Sam Taylor, geboren 1970, war 1992 – 2001 Popkulturkorrespondent des Observer. Er lebt mit seiner Familie in Frankreich als freier Schriftsteller. Sein zweiter Roman The Amnesiac erschien 2007.

Meine Meinung:
In einem verhaltenen, melancholischen oft schwebenden Ton erzählt die Hauptfigur Michael von seiner Kindheit und wie er nach dem frühen Unfalltod des Vaters und Suizid der Mutter England verlässt und zusammen mit seinem Bruder Louis in einem ländlichen Teil Frankreichs bei der Tante Celine lebt. Michael ist ein Träumer, wie sich der erwachsene Erzähler mit Wehmut an sich selbst zurückerinnert.

Diese Erzählhaltung funktioniert, wenn es dem Geschmack des Lesers entspricht. Das ist bei mir der Fall und daher bin ich von dem Roman schnell gefesselt.

Michael und Louis freunden sich mit dem ungewöhnlichen Geschwisterpaar Isobel und Alex an. Das Dorf ist hässlich, doch das Land ist schön und wirkt beeindruckend auf den jungen Michael. Gemeinsam beschließen die 4 Jugendlichen in den Wald zu gehen, auf der Suche nach einer besseren Welt als die konventionell bürgerliche und sie wollen ihre Freiheit in der Natur unbeschwert zu genießen. Zitat Seite 41: „So begannen die grünen Tage, die Tage der Unschuld.“

Es entsteht ein neues Gefühl der Wahrnehmung der Umgebung, irgendwie unwirklich, wie in einem Traum und die Zeit verschwimmt. Das verdeutlicht der Autor durch einen einfachen, aber effektiven Stil, da er den unschuldigen, aber auch genauen und intelligenten Blick des Jungen einfängt.

Michael verliebt sich in die ein paar Jahre ältere Isobel. Sein erste tief empfundene Liebe, die er sehr sinnlich wahrnimmt und die der sexuell provozierenden Isobel schmeichelt, sie aber nicht ganz ernst nimmt. Alex ist inzwischen von der Jagd und Louis fatalerweise durch ein Buch von Jean Jacques Rousseau von der perfekten Gesellschaft und von der französischen Revolution fasziniert.

Schon früh ist spürbar, dass diese Idylle nicht anhalten kann und eine düstere Bedrohung ist ab Teil 2 zu erwarten. Erstaunlich, dass sie sich durch eine weitere Jugendliche erfüllt, aber durch sie ist das Gleichgewicht gestört. Mit dem Mädchen Joy, das die extremen Ansichten zur Realisation bringt, endet der entspannte Zustand und die ernste Zeit beginnt.

Natürlich hat dieses Buch über Jugendliche seine Vorbilder. Das Gefühl der Freiheit erinnert an The Beach, Herr der Fliegen kommt einen in den Sinn und am meisten J.G. Ballards antiutopistische Romane.

Diese Nähe zu sehr bekannten Originalen und eine gewisse Vorhersehbarkeit sind ein wenig das Problem des Romans, dem bei so guten Ansätzen eine Konsequenz in Eigenständigkeit besser gestanden hätte. An den Erfolg der Utopie ist für den Leser schon schnell schwer zu glauben, die Spannung nimmt ab der Hälfte des Romans etwas ab. Interessant zu beobachten ist die Entwicklung aber durchgängig, auch wenn sie vielleicht am Ende ins Leere läuft. Und die Kehrseite der Zivilisationskritik ist vollkommen glaubwürdig und nachvollziehbar beschrieben.

Das Buch selbst ist es, das einen so hohen Maßstab fordert, da es weit über den Durchschnitt eines Erstlingswerks anzusiedeln ist. Lesenswert und empfehlenswert, aber noch ist der Autor nicht an seine Grenze gestoßen und auf nachfolgende Werke darf man gespannt sein.

Rezensent: Herr Palomar
Mit freundlicher Genehmigung von
http://www.buechereule.de



Friedrich Ani: Wer tötet, handelt – Kriminalroman
Juli 11, 2008, 7:57 am
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* Friedrich Ani: Wer tötet, handelt – Kriminalroman
* München 2008
* Deutscher Taschenbuch Verlag
* ISBN 978-3-423-21061-4
* broschiert
* 172 Seiten
* Format: 18,8 x 12 x 1,6 cm
* Preis: 7,95 Euro

Über den Autor
Friedrich Ani, 1959 in Kochel am See geboren, lebt in München. Er arbeitete als Reporter und Hörfunkautor. Neben dem Staatlichen Förderungspreis für Literatur des Bayerischen Kulturministeriums erhielt er den Radio Bremen Krimipreis und zweimal den Deutschen Krimipreis für seine Romane um den Ermittler Tabor Süden und den Tukan Preis der Stadt München für „Idylle der Hyänen“. „Wer tötet, handelt“ ist nach „Wer lebt, stirbt“ der zweite Band aus der Krimi-Reihe „Der Seher“

Handlung
Der blinde Jonas Vogel ist gerade auf dem Nachtspaziergang mit seinem Hund, als ihn die Hilferufe eines am Straßenrand liegenden Verletzten aufschrecken. Ein Einbrecher hat dessen Freundin als Geisel genommen. Als er den Namen der jungen Frau hört, ahnt der Ex-Kommissar, was in ihr vorgehen muss, denn vor Jahren hat er in dem brutalen Mord an ihren Eltern ermittelt.

Meine Rezension
Oft ergibt sich die Sympathie zu einem Buch schon bei den ersten Zeilen. Es gibt Autoren, denen gelingt es scheinbar mühelos, den Leser schon gleich zu Beginn in ihren Bann zu ziehen. Friedrich Ani ist so jemand. Kurze, knappe und ungeheuer präzise Sätze stellt er an den Beginn der Geschichte – Sätze, in denen ein Mord geschildert wird. Der Mord an ihren Eltern, der in der Erinnerung der Augenzeugin Silvia immer und immer wieder abläuft. Und der durch den Stil des Autors auch beim Leser das schmerzliche Gefühl aufkommen lässt, dabei gewesen zu sein, oder zumindest zu wissen, was ein Mädchen gefühlt haben muss, dass dabei zusieht und hört, wie die Eltern erschlagen werden. Ausgerechnet dieses Mädchen wird nun bei einem Einbruch als Geisel genommen und auch hier wird sie Zeugin von brutaler Gewalt, denn sie muss zusehen, wie der Täter ihren Freund, der ihr geholfen hat, die schwere Zeit zu durchstehen, brutal schlägt und aus der Wohnung wirft.

Jonas Vogel ist zufällig in der Nähe und er beschließt, sich gegen die Geisel austauschen zu lassen, bzw. eigenmächtig auszutauschen, denn niemand von den früheren Kollegen würde solch ein Wagnis eingehen.

Stur ist er, der blinde Ex-Kommissar und so wird ihn der Geiselnehmer nicht mehr los und erklärt sich schließlich zu einem Austausch bereit. Während der Wartezeit auf das geforderte Lösegeld und das Fluchtauto gelingt es Jonas ganz langsam, dem Täter sein Motiv zu entlocken. Ohne sich auf seine Augen verlassen zu können, aber mit einem unglaublich sensiblen Gespür für die Stimmung und die Gefühle des Täters, stellt er die richtigen Fragen und beweist so starke Nerven, denn die Situation ist die ganze Zeit über angespannt und droht zu eskalieren.

Ich war erstaunt, wie viel Geschichte hier auf den wenigen Seiten Platz fand. Die Handlung und die Personen sind so atmosphärisch dicht gewebt, dass man immer weiter lesen will. Der Nebenstrang, der sich mit dem Privatleben des Kommissars beschäftigt, ist so gut beschrieben, das man fast beginnt, sich als Hobby-Psychologe zu betätigen, denn es finden sich allerhand Probleme in diesem Umfeld. Der Umgang der einzelnen Familienmitglieder miteinander lässt spüren, dass da viele Konflikte ungelöst in der Luft schweben und man wird neugierig, ob sich auch dort Lösungen finden werden.

Genau hier beweist Herr Ani für mich wieder sein Können, denn bei den meisten Krimis wirkt das private Umfeld, dass sich ein Autor für seine Protagonisten ausdenkt genauso – nämlich ziemlich konstruiert und ausgedacht, hier aber wirkt alles glaubwürdig und authentisch.

Viel mehr mag ich gar nicht über diesen Krimi sagen, außer, dass man ihn gelesen haben sollte und das er absolut dazu taugt für eine Gänsehaut zu sorgen – nicht nur an warmen Sommertagen …

Fazit
Ein kleines Meisterwerk des deutschen Krimis, das mit seiner Spannung und seinen glasklar geformten Sätzen Lust auf mehr von diesem Autor macht …

Rezensent: Eskalina
Mit freundlicher Genehmigung von
http://www.buechereule.de



Rainer Innreiter: Sternstunden menschlichen Scheiterns und andere Absurditäten
Juli 7, 2008, 7:57 pm
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Rainer Innreiter: Sternstunden menschlichen Scheiterns und andere Absurditäten, 13 satirische Kurzgeschichten, Krombach 2008, Twilight-Line Verlags GbR, ISBN-13: 978-3941122000, Softcover, 104 Seiten, 21 x 14,8 x 0,6 cm, EUR 9,99.

Ob nun alle 13 der bitterbösen, schwarzhumorigen Geschichten in diesem Buch reinrassige Satiren sind – also Spottdichtungen, die gesellschaftliche Missstände anklagen –, darüber dürfen sich gerne die Gelehrten streiten. Liest man sie als klassische Short-Stories, tut das dem Vergnügen keinen Abbruch. Freilich bleibt einem mitunter das Lachen im Halse stecken und in die Schadenfreude mischt sich eine Spur Mitleid. Denn wie der Titel schon sagt, geht es hier ums Scheitern. Hier gibt es keine strahlenden Helden, hier gibt’s nur Durchschnittsbürger, Verlierer und arme Würstchen, die ihre kleinen oder großen Träume haben und für die es samt und sonders ein böses Erwachen gibt.

Manchmal erweist sich das Scheitern des einen auch als Glücksfall für den anderen, und jemand aus dem Heer Underdogs darf einmal triumphieren. Für den Augenblick, jedenfalls. Diese raren Glücksmomente ergeben dann besonders schräge Pointen und die Highlights in dieser Kurzgeschichtensammlung. Denn nur den Verlierern beim Verlieren zuzuschauen, das wäre trotz des skurrilen Humors des Autors gar zu trostlos.

KALLE, SINGLEBÖRSEN UND ANDERE ABSURDITÄTEN
Frauenheld Kalle rät seinem unbeweibten Kumpel Alex, sich bei einer Single-Börse anzumelden. Alex macht’s – und eine wahre Dating-Alptraumserie beginnt. Kann es sein, dass die Damen beim Ausfüllen ihres Profils genauso großzügig mit der Wahrheit umgegangen sind wie Alex selbst …?

HAUSTÜRGESCHÄFT
Was tut man, wenn sich auf der freien Wildbahn kein passender Lebenspartner findet? Ingrid kauft einen an der Haustür: Egon, den Androiden. Doch der ist den Herstellern wohl ein bisschen zu lebensecht geraten. Ingrid will ihr Geld zurück …

STERNSTUNDEN MENSCHLICHEN SCHEITERNS
Edgar hat einen finanziellen Engpass und überfällt eine Bank. Dabei geht er genauso amateurhaft zu Werke wie der Mann an der Kasse und die Polizei. Doch an diesem tristen Montagmorgen sind nicht nur Deppen unterwegs …

SPENDEN IST GEIL!
Martin hat sich zu einem Life-Interview in einer Fernsehsendung überreden lassen – und glaubt alsbald, er sei im falschen Film.

GUTE SEITEN, SCHLECHTE SEITEN
Auch wenn Lügen kurze Beine haben – sie holen einen immer wieder ein. Diese peinliche Erfahrung macht Schriftsteller Rüdiger ausgerechnet bei seiner Autorenlesung.

WINFRIED, DER VERHINDERTE DRACHENTÖTER
Wer loszieht, um einen Drachen zu töten und eine Jungfrau in Not zu retten, sollte tunlichst nicht auf die dämlichen Ratschläge jedes Passanten hören. Bauernbub Winfried hat das nicht gewusst …

TELE-SHOPPING
Schöne neue Welt: Robert hat seit Jahren die Wohnung nicht mehr verlassen. Seine einzigen Kontakte zur Außenwelt sind die Lebensmittellieferanten und die Live-TV-Box, mit der er mittels neuronaler Schnittstelle verbunden ist. Doch die Bequemlichkeit des Netzwerks hat auch ihre Schattenseiten, wie sich zeigt …

DIE ÜBER-POINTE
Hartmut Pfahl, der despotische Boss eines Medienunternehmens, schikaniert seine Mitmenschen auf der Suche nach dem ultimativen Witz mit „Über-Pointe“. Als der gefunden ist, können alle darüber lachen – nur Hartmut nicht …

KRIEG DER WELPEN
Mit Hintergedanken überredet Hauskatze Cassandra den Hundwelpen Hector zum Brudermord. Jetzt ist er ihr was schuldig. Aber wird ihre Rechnung wirklich aufgehen …?

KAFFEEFAHRT
Peng! Mit dem aufmüpfigen Rentner Schneider macht der bullige Busfahrer auf der Kaffeefahrt kurzen Prozess: Er schießt ihn über den Haufen. Von da an laufen die Geschäfte wie geschmiert … Warnung: Diese Story hat die fieseste Pointe von allen. Bitte nicht in der Öffentlichkeit lesen: Lautloslachgefahr!

OMA MUCK UND DIE MONSTER
Wozu kauft Oma Muck neun Pfund Aufschnitt? Das weckt den Argwohn der Fleischereifachverkäuferin. Und wer oder was schreit in ihrem Keller? Das weckt den Argwohn der Nachbarn. Der Mann vom Ordnungsamt, der daraufhin ins Haus kommt, wittert erst eine Ordnungswidrigkeit – und dann ein Geschäft.

ABLAUFDATUM
Harry muss seiner Isabelle beibringen, dass ihre Beziehung unwiderruflich zu Ende ist. „Für dich bin ich doch nur ein Spielzeug“, beklagt sich die abservierte Braut. Ob sie wohl die Wahrheit kennt …?

ÜBERRASCHUNG!
Es gibt auch außerirdische Verlierer: Alien Nniuq wird in eine terranische Lebensform transformiert und zur Erde gebeamt. Dort soll sie den Anführer kontaktieren. Doch die Terraner verstehen sie nicht. Haben die Techniker daheim da was vermasselt?

Skurril, absurd, komisch und gemein sind die Geschichten von Rainer Innreiter, und bei aller literarischer Überspitztheit, oft erschreckend nahe an der Realität. Ob die tragischen Helden nun Menschen sind wie Sie und ich, Monster, Tiere, Androiden oder Aliens, ob die Handlung im Hier und Heute spielt oder in ferner Zukunft: Wir leben, lachen und leiden mit, denken an unsere eigenen Flops und beglückwünschen uns klammheimlich: So heftig wie die Personen in den Geschichten hat’s uns Gottseidank noch nie gebeutelt.

Ob man nach der Lektüre dieses Buchs jemals wieder das Wort „Kaffeefahrt“ hören oder lesen kann, ohne an den alten Herrn Schneider zu denken …?

Rainer Innreiter, 1972 in einem kleinen Ort nahe der österreichischen Industriestadt Linz geboren, studierte BWL, arbeitete unter anderem als Buchbinder und Werbetexter und ist vor allem bekannt durch seine Science-Fiction-, Dark-Fantasy- und Horror-Kurzgeschichten. Gelegentlichen Ausflügen in humoristische Gefilde ist er, laut eigenem Bekunden, nicht abgeneigt.

Das hören wir gern.



Lamentationen
Juli 3, 2008, 11:44 am
Filed under: Menschliches

In der U-Bahn klebt ein Plakat mit einem Gedicht von Heinrich Heine. Ich finde die Zeilen toll. Und weil Herr Heine schon so lange tot ist, werden mir hoffentlich auch die Absahn… äh Abmahnvereine von der Backe bleiben, wenn ich dieses Gedicht jetzt hier reinstelle:

Lamentationen

Das Glück ist eine leichte Dirne
Und weilt nicht gern am selben Ort;
Sie streicht das Haar dir von der Stirne
Und küßt dich rasch und flattert fort.

Frau Unglück hat im Gegenteile
Dich liebefest ans Herz gedrückt;
Sie sagt, sie habe keine Eile,
Setzt sich zu dir ans Bett und strickt.

Heinrich Heine, 1797-1856

Foto: © BirgitH /pixelio