Wahnsinn im Alltag


Bin auf Geschäftsreise!
Juli 13, 2007, 11:28 am
Filed under: Wahnsinn im Alltag

Ich bin für eine gute Woche geschäftlich unterwegs – in der Nähe von Barcelona, in Sitges. Wenn man von mir also nix hört und liest, liegt das daran. Mann und Katzen sind derweil allein daheim und lassen das Chaos toben. 😀

Das Hotel Dolce in Sitges ist abgelegen aber todschick – und hat ein gut ausgestattetes und kompetent bemanntes – oder besser gesagt: befrautes Business-Center. Ich kenn’s, wir kommen geschäftlich ja öfter da hin.

Wer gucken will, wie’s dort ausschaut: http://sitges.dolce.com/

Bis demnächst!

Edith

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Maike Schneider, Christine R. Förster, Damian Wolfe (Hrsg.): Herzblut – Edition Geschichtenweber
Juli 9, 2007, 9:14 am
Filed under: Bücher

HERZBLUT

Maike Schneider, Christine R. Förster, Damian Wolfe (Hrsg.): Herzblut – Edition Geschichtenweber, 14 Kurzgeschichten von 14 Autoren, Ebersdorf 2007, 1-2-Buch.de, ISBN: 978-3-935982-4, 239 Seiten, flexibler Einband, Format 13 x 20 x 1,5 cm, EUR 12,80.

Das Konzept der 6. Anthologie der Geschichtenweber – eines lockeren Zusammenschlusses deutschsprachiger Autorinnen und Autoren – wird im Vorwort des Buchs perfekt erklärt:

(…) “Wer dieses Buch in den Händen hält, sollte darauf vorbereitet sein, dass es keine Happyends geben wird. Nirgends! Die Autoren dieser Anthologie lassen ihre fantastischen Protagonisten leiden, wie man nur im Namen der Liebe leiden kann. Einige Liebschaften sind unerreichbar, andere einfach unmöglich und wieder andere tödlich. Aber keine Angst: Es ist alles „nur Fantasy“.“

Wenn man das weiß, ist es klar, wie man die Geschichten lesen muss. Es bringt nichts, mit den Figuren zu hoffen, dass sie sich kriegen. Das wird nicht passieren. Man fragt sich viel mehr fasziniert und oft genug mitleidend, wie sie es wohl fertig bringen werden, die Beziehung in den Sand zu setzen. Manchmal sind schon die Voraussetzungen für eine Liebesgeschichte denkbar ungünstig. Und manchmal stehen sich die Helden selbst im Weg. In dieser Hinsicht ist es auch in den phantastischsten Welten genau wie im richtigen Leben.

Markus Müller: GLASWIESENTÄNZER: Nach umfangreichen Vorbereitungen begibt sich Zara ins Totenreich, um ihren Geliebten Erik zu befreien. Wird Zara und Erik bei dieser mutigen Mission mehr Glück beschieden sein als damals Orpheus und Eurydike …?

Norbert Sindelek: LEBEN UND TOD: Novizin Eris soll mit einer Gruppe Nonnen einen Kultgegenstand des Tempels vor den feindlichen Gnarg in Sicherheit bringen. Der Krieger Karan begleitet sie auf ihrem gefährlichen Weg. Karan und Eris kommen sich rasch näher. Beide haben eine besondere Gabe. Sie ist eine Heilerin – und er kennt den Zeitpunkt seines Todes …

Claudia Hornung: SEMONAS LIED ist alles, was der kleinen Niala von ihrer Mutter geblieben ist. Von ihrer Großmutter erfährt sie die tragische Geschichte ihrer Herkunft. Und muss sich fragen, ob überhaupt irgend etwas so ist, wie sie bisher gedacht hat …

Oliver Hohlstein: DER STEINPRINZ: Eine Hexe hat Malinkas Freund Wassjew in eine Steinstatue verwandelt. Zusammen mit Wassjews Schwester macht Malinka sich auf, ihren Freund zu befreien. Aber weiß sie auch alles, was sie für ihr Vorhaben wissen muss …?

Anne Grießer: IN EINEM DUNKLEN LAND , fernab von den “Menschlingen” leben die Lichtlosen. Sie können wunderschön singen, doch aus gutem Grund möchten sie nicht gesehen werden. Der Mensch Antor verliebt sich in die Stimme der Lichtlosen Eryl …

Damian Wolfe: WIE TAG UND NACHT verschieden sind Eleonore und der Großinquisitor Philippe de Rivalle. Und doch fühlen sie von einander angezogen. Für eine glückliche Beziehung gibt es jedoch mehr als nur ein Hindernis …

Marie Andrevsky: DELANDRA Prinz Garek liebt die Hofdame Delandra – doch sie gehört zu einer Gruppe Rebellen, die seine Entmachtung betreibt …

Mandy Schmidt: DER SCHREI DES ASSASSINEN: Yviane, die sich als Priesterin der Wasserfrau ausgibt, trifft Carid, der vorgibt, ein Diener des Feuergottes Sern zu sein …

Si-Yü Steuber: DER KUSS DES OZEANS: Der Fischer Miron und die verschleierte Aliyah eint die Sehnsucht nach dem Meer – doch aus ganz unterschiedlichen Gründen …

Maike Schneider: BLAUE AUGEN, HIMMELSSTERN: Es ist immer gefährlich, eine von Maike Schneiders Heldinnen zu unterschätzen. Mögen sie auch mädchenhaft und unerfahren daherkommen, sie haben stets noch ein As im Ärmel. So auch Selena, die Tochter des Drachenzüchters Bran. Sie verliebt sich in Lucan, den feschen Adjudanten des Kriegsherrn. Aber meint es der junge Mann auch Ernst mit ihr …?

Jennifer Schreiner: GABRIELS UNSCHULD: Im Himmel zu Zeiten der Schöpfung: Nicht alle Engel sind begeistert von der Idee, dass Gott Menschen erschaffen möchte. Engel Samiel rebelliert offen, Erzengel Gabriel ist es mehr oder weniger egal – bis er Lilith sieht, Adams unbotmäßige erste Frau …

Sabrina Glock: DER ZAUBER DER LIEBE: Gestaltwandlerin Varinja hat ihre Fähigkeit verloren, sich in ein Tier zu verwandeln. Ihr Geliebter, der Magier Avarin, arbeitet fieberhaft an einem Gegenmittel. Wenn Varinja wüsste, was Avarin weiß …

Bianca Peinert: BEGEGNUNGEN: Der Soldat Oro verliebt sich in eine seiner Gefangenen, ein Mädchen aus dem nichtmenschlichen Volk der Laraner. In ihrer Kindheit sind sie einander schon einmal begegnet. Oro schmiedet einen waghalsigen Plan …

Christel R. Förster: ZWISCHEN DEN WELTEN: Der Elf Elamil liebt die Zwergin Grunkel. Doch sie hat schon Mann und Kinder und will von ihm nichts wissen. Hätte Elamil die Sache doch nur auf sich beruhen lassen …!

Dem Vorwort der Herausgeber entnehmen wir, dass nicht nur “Herzblut” in dieser unterhaltsamen Anthologie steckt, sondern auch viel Mühe, Arbeit und Aufregung. Was immer das Geschichtenweber-Team vorab in dieses Projekt investieren musste: Es hat sich auf jeden Fall gelohnt. Herausgekommen ist eine Sammlung von 14 abwechslungsreichen, fesselnden und zu Herzen gehenden Geschichten auf durchweg hohem Niveau.

Eine nette Ergänzung ist die Autorenvorstellung im Anschluss an die Geschichten. Man hat von den Autoren nicht nur biographische Daten erbeten, sondern auch jeweils eine Aussage über das zentrale Thema des Buchs: die Liebe. Originell ist der Ausspruch von Markus Müller, dem Autor des Beitrags GLASWIESENTÄNZER:

“Als Kind glaubte ich, Liebe sei so wie im Fernsehen und in Büchern und dachte: Gott, wie furchtbar! Dann lernte ich die Liebe selber kennen und stellte fest: In Wahrheit ist alles noch viel schlimmer …”

Was beweist: Auch wenn die Geschichten in ihrer 6. Anthologie tragisch enden – den Humor haben die Geschichtenweber keineswegs verloren.



Katze des Monats Juli 2007
Juli 3, 2007, 3:43 pm
Filed under: Tierisches

Tierischer Fotowettbewerb im Internet

Ich kann es einfach nicht lassen … zwar blamiere ich mich jedes Mal mit einem Platz auf den mittleren Rängen, aber immer wieder reiche ich Fotos von meinen Viechern ein für den Wettbewerb „Katze des Monats“. Veranstaltet wird dieser Wettbewerb von dem Verlag, der u.a. den wunderschönen „Literarischen Katzenkalender“ herausgibt.

Für den Juli 2007 müssen Cooniebert und Yannick ihre Köpfe hinhalten: http://www.literarischer-katzenkalender.de/katzen/photodesmonats/, natürlich mit ihrem Foto im Wäschekorb.

Wäre doch zu schön, wenn’s mal eins der Fotos wirklich in den „Literarischen Katzenkalender“ schaffen würde …

… träumt
Edith



Die Bahn streikt!
Juli 3, 2007, 1:31 pm
Filed under: Wahnsinn im Alltag

Ich bin auf den Öffentlichen Personennahverkehr angewiesen, um zur Arbeit zu kommen, und fühle mich durch den aktuellen Bahnstreik wieder mal in „Geiselhaft“ genommen für die Tarifauseinandersetzungen anderer Leute.

Gut, ist ja theoretisch alles recht und schön. Sollen sie doch mehr Kohle haben, die Zugführer. Wenn es nach mir geht, gern. Die Fahrkarte wird eh jedes Jahr teurer. Wäre ja nett, wenn mal zur Abwechslung die kleinen Grubler und Malocher was davon hätten, nicht immer nur die Großkopferten.

Aber nach 27 Jahren des Berufpendelns hält sich die Begeisterung für das Ausbadenmüssen der Arbeitskämpfe der Personenbeförderer bei mir nun mal in Grenzen. Mal streiken die Busgesellschaften, dann die Straßenbahn, jetzt sind es zur Abwechslung mal S-Bahn und Züge …

Und so kleine Würstchen wie ich haben dann immer den Zirkus damit. Wie komme ich ohne Auto zur Arbeit?

Heute ging’s recht gut, die Straßenbahnen fahren ja, ich bin dann eben den Rest zu Fuß gelatscht. Verlängert meine ohnehin schon lange Anreisezeit um eine Viertelstunde, aber das ist nicht das Drama. Manche meiner Kollegen sind da schlechter dran. Die müssen sich jetzt echt was einfallen lassen.

Es ärgert mich ganz einfach, dass wir nur, weil wir zur falschen Zeit am falschen Ort sind, anderer Leute Ärger an der Backe haben. Dabei habe ich die nicht stattgefundene Beförderung ja sogar schon im voraus bezahlt: mit meiner Jahreskarte.

Das Personal bei manchem Discounter wird auch schlecht bezahlt und mies behandelt. Wenn die Damen an der Kasse mal auf die Idee der Geiselnahme Unbeteiligter kommen, dann gute Nacht, Freunde: Ladentür zusperren, Kunden nicht mehr rauslassen … so lange, bis der Chef seinen Angestellten mehr Geld gibt.

In den unendlichen Weiten des Internets habe ich übrigens einen netten Alternativvorschlag zum Bahnstreik gelesen: Die Fahrkartenkontrollen sollten einfach entfallen, und man fordert die Leute auf, ohne zu bezahlen mit der Bahn zu fahren. Das würde nun wirklich die Tarifgegner treffen und nicht den kleinen Mann auf der Straße … der da steht und vergeblich auf seinen Zug wartet.

Das wäre der erste Streik in der Geschichte der Menschheit, bei dem die Bevölkerung hoffen würde, dass er nie zu Ende geht.

Das Foto stammt von http://www.pixelio.de</em



Dusty – ein Seniorenkatzen-Porträt
Juli 2, 2007, 9:07 am
Filed under: Tierisches

Katzen-Oldies:
Dusty – ein Seniorenkatzen-Porträt

Manchen Menschen laufen Katzen zu, mir ist die meine schildpattfarbene Persermixkätzin Dusty regelrecht zugetragen worden. Der Nachbarsjunge meiner damaligen Kollegin hatte das ca. drei Monate alte Tierchen angeschleppt und durfte es nicht behalten. Meiner Kollegin taten Kind und Katze Leid und sie versprach dem Jungen, dass sie sich dafür einsetzen würde, dass das Tierchen ein gutes neues Zuhause bekommt.

Meine Kollegin konnte sehr überzeugend sein, und im Frühsommer 1989 zog Dusty mit Sack und Pack und Katzenklo bei mir ein. Erst hatte ich ja nicht so recht gewollt, schließlich hatte ich keinerlei Erfahrung mit Katzen. Oder überhaupt mit Haustieren. Aber andererseits … warum eigentlich nicht? War mir nicht erst im Jahr davor von einer etwas esoterisch angehauchten Krankenschwester auf den Kopf zugesagt worden, ich sei ein Katzentyp? „Ich habe doch gar keine Katze“, hatte ich seinerzeit erstaunt eingewandt. Worauf Schwester Renate mit einem geheimnisvollen Lächeln erwidert hatte: „Das kann sich schnell ändern. Warten Sie’s ab …“

Tja, und jetzt war es tatsächlich passiert: Ich hatte eine Katze. Wenn ich mich jemals gefragt hatte, wie eine sich selbst erfüllende Prophezeiung aussieht: Hier saß eine. Klein, wuschelig, dreifarbig, der Schwanz so lang wie die restliche Gestalt, große Ohren und ein mutwilliges Gesichtchen. Ein Temperamentsbündel in Plüsch.

Ich sehe sie heute noch wie die wilde Jagd über die Sessellehnen der Wohnzimmermöbel toben, immer von einem Möbelstück zu anderen, immer im Kreis herum, bis einem schon vom Zusehen schwindelig wurde und bis ihr die Luft ausging. Ich hatte immer Angst, dass sie sich bei ihren wilden Spielen einen Herzinfarkt zuziehen könnte.

In den Putzeimer ist sie mal gefallen, die Klorollen hat sie abgewickelt und klammheimlich die Toilettenspülung in Gang gesetzt, immer und immer wieder. Sie saß mit Begeisterung auf dem Spülkasten und betätigte mit dem Allerwertesten die Taste. Bis mein Vater mir aus Kunststoff und Klavierband einen Schutzmechanismus für die Spültaste konstruierte, den sie zum Glück nicht begriff. Dass man bei meinen Eltern im Haus nicht an den Gardinen und Textiltapeten bis unter die Decke klettert, dabei Fäden zieht und dann um Hilfe schreit, hat sie auch nie verstanden. Mein Vater hat ihr trotzdem einen Kratzbaum gebaut.

Meine Couch im Büro hat sie auch auf dem Gewissen. Der Sperrmüllwagen hatte nur noch wenig Mühe damit – den größten Teil der Schredderarbeit hatte Dusty schon geleistet.

Sie räumte die Fensterbänke von Blumen frei um sich einen Ausguck zu schaffen, fraß mir die Streusel vom Obstkuchen und entwischte ein ums andere Mal aus der Wohnung. Mal saß sie auf der haushohen Birke und musste gerettet werden, mal griff meine Großtante sie im Garten auf, mal wurde sie bei der Nachbarin im Keller eingesperrt oder ließ sich seelenruhig von den Nachbarskindern mit Fischstäbchen füttern, während die Familie eine Dusty-Suchstaffel gebildet hatte und bereits im ganzen Dorf ausgeschwärmt war.

Unselig die Angewohnheit, ihren Menschen an den Beinen hochzukraxeln. Das war tödlich für viele Strumpfhosen und schmerzhaft noch dazu. Die Narben haben wir noch immer. Und mein Hobby, das Stricken, habe ich seit jener Zeit auch stark eingeschränkt, denn Wolle und kleine Katzen, das passt irgendwie nicht zusammen. Na ja, die Katzen fänden sicher, dass das ganz ausgezeichnet passt. Sie lieben tanzende Garnknäuel – und ich hasse es, wenn plötzlich der Faden endet und statt der erwarteten weiteren paar Meter Garn nur noch ein abgefressenes und abgesabbertes Stückchen Faden kommt.

1990 haben wir unserer Dusty einen Kumpel zugesellt, einen kleinen kränklichen und anhänglichen Kater namens Smokey, den wir von einem Bauernhof geholt hatten. Zu gerne hätte Smokey mit unserer Dusty geschmust und sich an sie gekuschelt, aber sie wollte das einfach nicht. Grölte, röhrte, fauchte und schlug nach ihm. Ab und zu wurde sie dennoch „zwangsgekuschelt“ und „zwangsgeputzt“. Smokey kannte da keine Gnade.

Nach Smokeys allzu frühem Unfalltod kam 1992 der getigerte Kater Rocky ins Haus, der ebenso unwillig begrüßt wurde. „Alte Zicke“, mag er sich gedacht haben und machte sich nicht viel mit ihr zu tun. Aber die beiden lernten voneinander. Nix Gescheites, natürlich. Wie man auf den oberen Rand der Duschkabine kommt und seinen Menschen angewidert bei ihren Reinigungsritualen zusehen kann. Wie man vom Boden über die Heizung und über den Fernseher auf den Wohnzimmerschrank raufkommt und hinter den Büchern herumwuseln kann. Wie man Tapeten von den Wänden schält und wie man Sonntag morgens am besten seine Menschen aus dem Bett jagt um zeitig zu einem Frühstück zu kommen, lauter solche katzennotwendigen Dinge eben. Und dass es auf technischen Geräten warm und gemütlich ist, obwohl die „Ruhehaltung“ auf den Menschen, der sich das anschaut, manchmal vollkommen unbequem wirkt, da kam auch erst einer drauf und alle anderen haben es nachgemacht.

1994 kam unser Lanzarote-Import Blacky dazu, ein Hotelkätzchen, das, wir davor gerettet hatten, nach der Saison vergiftet zu werden. Als wir ihn von unserer Reise nach Hause brachten, beschnupperte Dusty ihn kurz und schien sich zu fragen: „Wohnt der kleine Schreihals jetzt etwa auch hier?“. Sie knurrte und fauchte ein wenig und fügte sich dann in ihr Schicksal.

Die beiden Kater, Blacky und Rocky, wurden dicke Freunde. Dusty ist immer etwas außen vor. Nur beim Fressen sind sich immer alle einig – und dabei, dass es sich am besten in meinem Bett schläft. Dusty hinter oder neben dem Kopfkissen, Blacky neben mir und Rocky mir zu Füßen.

Jetzt erst, seit sie nicht mehr so kann, lässt sie die Kater mal an sich schnuppern und wehrt sich auch nicht, wenn Rocky wieder mal einen seiner sozialen Anfälle hat und ihr den Kopf putzt.

Im Sommer 2005 wirkte Dusty ein wenig verwirrt und fand ihr Katzenklo nicht immer. Erst dachte ich, sie werde nur heikel auf ihre alten Tage, und stellte ihr ein weiteres Klo hin. Heute vermute ich, dass das schon die Folge eines leichten Gehirnschlags war. Im August erlitt sie definitiv einen Gehirnschlag und erblindete nahezu komplett.

Es war so schrecklich mit anzusehen, wie sie hilflos durch die Wohnung taperte und offensichtlich sehr durcheinander war. Wir brachten sie zum Tierarzt, fest davon überzeugt, dass das unser letzter Gang mit ihr sei und wir sie nicht wieder lebendig nach Hause brächten.

„Ach was“, sagte unsere Tierärztin, die Dusty schon seit Jahren kennt. „So schnell schießen die Preußen nicht. Wer wird denn eine alte Hauskatze gleich einschläfern, nur weil sie nichts mehr sieht? Das ist für sie nicht so ein Drama, wie wir das vielleicht meinen.“

Sie gab ihr eine Spritze „damit der Druck aus dem Hirn rausgeht“ und meinte, Dusty sei doch ein zähes altes Luderchen, sie würde uns noch eine ganze Weile erhalten bleiben.

Und in der Tat – es dauerte nicht lange, da wirkten Dustys Bewegungen schon viel zielgerichteter, sie fand auch ihr Klo zuverlässig wieder , ihren Futternapf und ihr Wasser. Sie scheint sich mit ihrer Behinderung zu arrangieren, schnurrt, schmust, klettert auf dem Sofa und dem Schreibtisch herum und in und auf die Kartonagen im Büro.

Wir haben uns so gefreut, dass wir sie noch einmal mit nach Hause nehmen durften! Wenn es noch eine Weile so bleibt, wie es jetzt ist, und nicht schlimmer wird, dann denke ich, sind Katz und Mensch zufrieden.

Zur Erinnerung an meine Dusty, die am 9. Oktober 2005 gestorben ist – an meinem 45. Geburtstag.

Text erschienen in der Zeitschrift „Geliebte Katze“.