Wahnsinn im Alltag


Einmal aussteigen und zurück – Lebenserinnerungen
Oktober 31, 2008, 1:29 pm
Filed under: Menschliches

Kennen gelernt haben wir uns in einem Internetform, vor rund vier Jahren. Mittlerweile kann ich sagen, der Cäpt’n ist ein Freund von mir. Dass er ein bewegtes Leben geführt hat, war mir schon recht bald klar. Die eine oder andere Bemerkung, Erfahrung oder Anekdote blitzt ja doch durch, wenn man sich über Gott und die Welt unterhält.

Irgendwann mal hat er mir das Manuskript seiner Lebenserinnerungen zukommen lassen, und ich stellte fest: Das war alles noch eine Spur wilder, abgefahrener, schrecklicher und faszinierender als ich es mir über die Jahre zusammengereimt hatte. Und es las sich spannend und, ja, amüsant.

Bis jetzt ist noch kein Buch daraus geworden. Eigentlich schade, aber vielleicht wird’s ja noch. Wir sind mal hergegangen und haben eine Kurzfassung von dieser Lebensgeschichte gemacht, so eine Art Exposee. Weiß der Geier – vielleicht stolpert mal jemand drüber, der damit was anfangen kann. Im Internet ist ja bekanntlich alles möglich.

Foto: © ese_zeta / pixelio

EINMAL AUSSTEIGEN UND ZURÜCK
oder Schutzengels Überstunden
Lebenserinnerungen
(Umfang: ca. 266 Normseiten)

Endlich frei! Nach einer Kindheit und Jugend in einem desolaten Elternhaus, auf der Straße, in Heimen und im Jugendstrafvollzug ist der junge Cäpt`n Flint nun per Anhalter unterwegs in die weite Welt.

Es sind die 60-er Jahre, und der junge Bursche aus Kassel träumt von Love, Peace und Happiness. Er landet in Rom. Er klaut, er schnorrt, er trinkt, er schließt sich einer Hippieclique an. Er lernt die Gesetze der Straße, genießt die Freiheit und die freie Liebe. Wenn gar nichts mehr geht, verdingt er sich als Stricher. Und er erinnert sich an seine Vergangenheit:

Nach seiner Schulentlassung – oder, besser gesagt, nachdem er die Schulbesuche eingestellt hat – jobbt sich Cäpt`n Flint als Hilfsarbeiter durch. Die Eltern finden, dass der Bub eine Ausbildung braucht und schicken ihn zum Schwager in die Lehre. Was sie nicht wissen: Schwager Karl ist tagsüber ein braver Handwerker und nach Dienstschluss als „Mitternachtsschlosser“ unterwegs: Er verübt Einbrüche und nimmt den gelehrigen Neffen mit auf seine krummen Touren. So hat sich Cäpt`n Flint seine Zukunft nicht vorgestellt. Er reißt aus und treibt sich ein paar Wochen auf der Straße herum. Die Polizei greift ihn auf und er wird in ein Lehrlingsheim gesteckt. Pfiffig und freiheitsliebend, wie Cäpt`n Flint ist, hält er sich nicht an die Regeln, sondern stibitzt in einem unbeobachteten Augenblick den Schlüssel einer Lehrkraft und lässt für sich und seine Mitinsassen Duplikate anfertigen. Was nicht lange gut geht …

Von Rom hat Cäpt`n Flint bald genug. Mit Tramperin Helga zieht er weiter nach Genua.

Nach und nach erfährt man mehr über die Kindheit und Jugend des Cäpt`n Flint : Beim Schuleschwänzen wird er zufällig Zeuge, wie eine ältere Frau, die er flüchtig kennt, vom Krankenwagen abgeholt wird. Er nutzt die Chance, in die leere Wohnung einzubrechen, wo er mehr als 6.000,- erbeutet. Hinterher erfährt er sehr zu seinem Ärger, dass da noch viel mehr Bargeld versteckt war. Erste Amtshandlung des nun vermögenden Cäpt`n Flint : Er gönnt sich einen Besuch bei einer Prostituierten.

In Genua versucht Cäpt`n Flint mit Hütchen spielen an Geld zu kommen – und landet im Knast. Nach seiner Entlassung trifft er einen ehemaligen Schulkameraden, der in Genua Urlaub macht. Sie tauschen alte Geschichten aus und beide kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus: Cäpt`n Flint hört zum ersten Mal, welche Gerüchte über ihn zu Hause in Umlauf sind, und der Schulkamerad erfährt, wie es wirklich war.

Cäpt`n Flint hält es nie lange an einem Ort aus. Im September ist er schon wieder mit einem LKW-Fahrer nach Deutschland unterwegs. Er landet im Rheingau, arbeitet erst auf einem Rummelplatz und dann bei einem Hühnerzüchter. Er lernt die 15-jährige Finni und ihre Familie kennen. Für einen kurzen Augenblick scheint es, als würde Cäpt`n Flint sesshaft werden, doch sein Freiheitsdrang ist stärker. Er setzt sich nach Frankfurt ab und macht dort durch einen Freier Bekanntschaft mit der Sado-Maso-Szene. Auch wenn der Verdienst gut ist, Cäpt`n Flint kommt das Ganze so albern wie unheimlich vor und er macht sich heimlich davon.

In Frankfurt gerät er in die Hausbesetzerszene, hat auf einmal eine feste Adresse, eine Freundin und einen Job auf dem Großmarkt. Dieses Leben wird ihm bald zu bürgerlich, und im Herbst 1970 macht er sich auf nach München.

Im legendären Lokal „Picnic“ lernt er die Gammlerszene kennen: Manni, Eisbär, Jägermeister-Charlie, Theo, Hotte, Goldzahn-Uwe, Iwan und den Indianer. „Begierig hörte ich mir an, was da so erzählt wurde. Das war das Leben, das wollte ich seit Jahren. Ich fühlte mich, als wäre ich nach einer langen Reise endlich am Ziel.“

Nach einer Drogenrazzia wandert Cäpt`n Flint für 14 Monate ins Gefängnis. Hier zeigt sich wieder mal, dass Cäpt`n Flint trotz mangelnder Schulbildung ein heller Kopf ist. Er ergattert einen Job als Reinigungskraft und putzt die Büros. Schnell wird er zum bestinformierten Mann im Knast. Er hat nämlich herausgefunden, dass die Beurteilungen der Gefangenen auf Schnelltrennsätze geschrieben werden und dass das Kohlepapier fast so gut zu lesen ist wie das Original. Mit dem Kohlepapier treibt er schwunghaften Handel. Nebenbei formuliert der den Mitgefangenen die Anträge auf die vorzeitige Haftentlassung. Aufgrund der Informationen aus dem Blaupausen weiß er ja, wie die Gefangenen von der Anstaltsleitung eingeschätzt werden. Seine Erfolgsquote liegt bei 100%. Auch er selbst wird gegen eine Bewährungsauflage entlassen und ist sofort wieder auf dem Kiez. Jetzt wird offenbar, was Cäpt`n Flint lange nicht wahr haben wollte: Er ist Alkoholiker.

Sein Job als Spüler bleibt ebenso ein kurzes Intermezzo wie sein Aufenthalt als blinder Passagier im Offenen Vollzug in der Jugendstrafanstalt in Groß-Gerau, sein Einzug bei einer Arztfamilie, seine Lehre als Elektriker oder sein Zusammenleben mit Lissy. Was immer er anfängt, ob Job oder Beziehung, es dauert nicht lange, und er landet wieder auf dem Kiez, im Knast – und neuerdings auch immer öfter im Krankenhaus. Filmrisse wegen des Alkoholmissbrauchs.

Er lernt den Zuchthäuser Horst, genannt Schlö, und einen Juristen mit dem Spitznamen Asbach kennen. Diese beiden bringen ein bisschen Ordnung in sein Leben. Cäpt`n Flint sitzt seine Reststrafe ab und meldet sich zur Entziehungskur in der Klinik in Haar an. Jetzt müssten sie ihm nur eine Frau zum Heiraten vorstellen, meint Cäpt`n Flint scherzhaft zu seinen Freunden. Er ahnt nicht, wie nahe sein Scherz an die Wirklichkeit heranreicht. Nach seiner Entziehung findet er Arbeit in einem Verlag, und nach seiner Hochzeit im November 1971 verliert sich seine Spur in der Bürgerlichkeit.

Obwohl hier ein schweres Schicksal geschildert wird, ist der Lebensbericht an keiner Stelle wehleidig, sondern beschreibt die Begebenheiten schonungslos ehrlich, anschaulich-deftig und humorvoll. Eine authentische Biographie in der Tradition der Schelmenromane.

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Charlaine Harris, Toni L. P. Kelner (Hrsg.): Happy Bissday – Vampirgeschichten
Oktober 27, 2008, 4:31 pm
Filed under: Bücher

Charlaine Harris, Toni L. P. Kelner (Hrsg.): Happy Bissday – Vampirgeschichten. Originaltitel: Many Bloody Returns. Ins Deutsche übersetzt von Christine Gaspard, Jürgen Langowski, Jutta Swietlinski, Christine Blum, Britta Mümmler und Katharina Volk, München 2008, dtv Deutscher Taschenbuch Verlag, ISBN 978-3-423-21096-6, 460 Seiten, Format: 12 x 19 x 2,5 cm, EUR 9,95 [D], EUR 10,30 [A], sFr 17,50.

13 Geschichten mit Biss verspricht uns der Klappentext – und zählt eine Reihe namhafter Autorinnen und Autoren auf, die an dieser Anthologie mitgewirkt haben. Und wer bislang, wie die Rezensentin, das Vorurteil gepflegt hat, moderne Vampirgeschichten seien romantischer Quatsch für Teenager, kann sich von diesem Buch auf höchst unterhaltsame Weise eines Besseren belehren lassen.

Schon die Vorbemerkungen der beiden Herausgeberinnen klingen recht viel versprechend: „Als man uns anbot, diese Anthologie herauszugeben, freuten wir uns wie zwei kleine Kinder über ein neues Spielzeug und hatten (…) viel Spaß bei der Suche nach einem Thema. Wir entschieden uns schließlich für zwei scheinbar unzusammenhängende Ideen: Vampire (Tod) und Geburtstage (Feier des Lebens) – gespannt darauf, auf welch unterschiedliche Weise talentierte Schriftsteller diese beiden Motive kombinieren würden.“

Bei der Auswahl der Autoren und Geschichten haben die beiden Herausgeberinnen ein glückliches Händchen bewiesen, denn herausgekommen ist eine abwechslungsreiche Mischung aus spannenden, schwarzhumorigen, tragisch-komischen und berührenden Geschichten, jede mit einer eigenen Stimmung und Atmosphäre. Und mit Helden, von denen manch einer Appetit auf mehr macht.

1. Charlaine Harris: Draculas Geburtstag (OT: Dracula Night): Sookie Stackhouse, die telepathisch begabte Kellnerin, bekommt eine Einladung zu einer Party anlässlich Graf Draculas Geburtstag. Niemand rechnet damit, dass der Meister persönlich erscheint, denn solche Feiern werden in dieser Nacht in aller Welt veranstaltet. Doch dieses Mal kommt er tatsächlich. Und statt eines Drinks aus synthetischem Blut verlangt er – Sookie!
Amüsant, aber für Nichtkenner der Sookie-Stackhouse-Romanreihe personell etwas überfrachtet.

2. Christopher Golden: Der Schrei der Eulen (OT: The Mournful Cry of Owls): Donika Ristani, Tochter albanischer Einwanderer, hält sich für einen ganz normalen amerikanischen Teeenager, vielleicht mit einer besonderen Vorliebe für die Natur und den Wald. An ihrem 16. Geburtstag ist auf einmal alles anders – und ihre Mutter kann nicht mehr umhin, Donika das Geheimnis ihrer Herkunft zu enthüllen.
Wunderbar geschrieben, eine tolle Atmosphäre! Kein Wunder: Christopher Golden ist der Autor zahlreicher Romane und Fantasy-Serien, u.a. der beliebten Vampir-Serie „Buffy“.

3. Bill Crider: Mein Leben als Vampir-Teenager (OT: I was a Vampire Teenager): Kate hat an Halloween Geburtstag und will unbedingt, einen echten Vampir zu ihrer Party einladen. Ihr Bruder Carleton und sein Kumpel Binky, zwei unbeliebte Außenseiter, sollen den Kontakt herstellen. Ein Vorhaben, das sich grandiose Schnapsidee entpuppt.
Tragisch-komisch und herrlich lakonisch erzählt.

4. Kelley Armstrong: Vampirdämmerung (OT: Twilight): Am Jahrestag seiner Schöpfung genügt es nicht, dass ein Vampir einem Menschen etwas Blut aussaugt, er muss ein Leben nehmen, sonst vergeht er. Der Jahrestag von Cassandra DuCharme kommt und geht, doch die Vampirin kann sich nicht aufraffen, ein Opfer zu töten. Sie ist nach all den Jahrhunderten müde geworden. Ihr Vampirfreund Aaron macht sich Sorgen …
Hier beleuchtet die Autorin die deprimierende Seite des extrem langen „Lebens“.

5. Jim Butcher: Aus der Rolle gefallen (OT: It’s My Birthday, Too): Eigentlich wollte Magier Harry Dresden nur rasch seinem Halbbruder Thomas ein Geburtstagsgeschenk vorbeibringen. Doch Thomas ist nicht zu Hause, sondern bei einem Rollenspiel im Bistro eines geschlossenen Einkaufszentrums. Und das wird gerade von einer gefährlichen Vampirin aufgemischt …
Spannend, blutig, actionreich und mit einem etwas dubiosen Frauenbild gesegnet. Auch hier merkt man deutlich, dass Harry und seine Leute normalerweise ein eigenes Roman-Universum bevölkern.

6. P. N. Elrod: Grabraub (OT: Grave-Robbed): In die Detektei Escott kommt ein junges Mädchen und klagt dem Vampir-Detektiv Jack Fleming sein Leid: Ihre jung verwitwete Schwester ist einem Scharlatan auf den Leim gegangen, einem ehemaligen Bühnenzauberer, der festgestellt hat, dass es einträglicher ist, statt lebender Kaninchen tote Verwandte aus dem Hut zu zaubern. Fleming soll das angebliche Medium als Schwindler entlarven. Als Vampir hat der Detektiv ein paar wirklich gemeine Tricks auf Lager, und so erleben das falsche Medium und sein Publikum eine „Séance“, die sie ihrer Lebtag nicht vergessen werden …
Die Geschichte liest sich wie ein Krimi aus der legendären „Schwarzen Serie“. Aus einer sehr, sehr schwarzen Serie.

7. Rachel Caine: Der erste Tag vom Rest deines Lebens (OT: The First Day of the Rest of Your Life): Eve Rossers Heimatort wird komplett von Vampiren beherrscht. Jeder Mensch muss sich dort an seinem 18. Geburtstag vertraglich dem Schutz eines Vampirs unterstellen, sonst ist er Freiwild. Die rebellische Eve denkt gar nicht daran und wirft ihrem potentiellen Schutzvampir den Vertrag vor die Füße. Nun muss sie bei Nacht und Nebel aus der Stadt verschwinden, mit einem Koffer voller Habseligkeiten, ohne Ziel und mit einer Gruppe zorniger Vampire auf den Fersen …
Ein beängstigendes Szenario für eine sympathische Heldin.

8. Jeanne C. Stein: Die Hexe und der Vampir (OT: The Witch and the Wicked): Die unscheinbare Hexe Sophie betreibt einen Partyservice, doch ihr Herz gehört der Kosmetikherstellung. Als sie eines Tages auf die Idee kommt, die Asche eines Vampirs in eine Gesichtscreme zu rühren, hat dies ungeahnte Auswirkungen …
In dieser Geschichte bekommt jeder, was er verdient. Unterhaltsam, böse und mit viel schwarzem Humor.

9. Tanya Huff: Ein perfektes Geburtstagsgschenk (OT: Blood Wrapped): Zauberer Tony und Vampir Henry machen sich Gedanken über das optimale Geburtstagsgschenk für ihre Vampirfreundin Vicki. Diese Überlegungen treten in den Hintergrund, als die beiden von der Entführung eines kleinen Mädchens erfahren. Etwas großes Haariges soll sie verschleppt haben. Werwolf? Riese? Bigfoot? Die beiden Herren plagt die Neugier und sie fahren zum Tatort. Dort entdecken Sie Ungeheuerliches …
Tony, Henry, Vicki und ihre Welt entstammen einer Romanreihe, und so ist auch diese spannende und witzige Geschichte ein bisschen mit Hintergrundinformationen und Insider-Anspielungen überfrachtet, die für einen Nichtkenner der Bücher bisweilen unverständlich sind.

10. Carolyn Haines: Der Wunsch (OT: The Wish): Der Tod ist eine Frau, ein schwarzer Engel mit einer Liste. Sandra hat sie gesehen, beim Unfalltod ihrer Kinder – und hat sich seither nichts sehnlicher gewünscht, als ebenfalls zu sterben. Doch alles, was sie über die Jahre hinweg vom Todesengel zu hören bekommt, ist: „Deine Zeit ist noch nicht gekommen“. An ihrem 43. Geburtstag hat Sandra die Nase voll von diesem Spruch …
Das ist die melancholischste Geschichte der Anthologie. Ob Sandra wohl ihren Frieden findet?

11. Tate Hallaway: Feuer und Eis und Linguine für zwei (OT: Fire and Ice and Ligunine for Two): Seit rund 1000 Jahren glaubt Vampir Sebastian, dass auf seinem Geburtstag ein Fluch liegt. Wann immer er ihn feiern will, geschieht Ungeheuerliches. Seine Freundin Garnet überredet ihn trotzdem zu einem Restaurantbesuch. Der Verlauf des Abends überrascht Sebastian nur mäßig: eine Autopanne am Ende der Welt bei Minusgraden und einem Schneesturm. Und die Lastwagenfahrerin, die sie aufliest, entpuppt sich als Dämonin. War das nun Sebastians letzter Geburtstag?
Dieser packende Showdown im Eis wäre noch temporeicher, wenn man nicht durch diverse Erklärungen aufgehalten würde. Auch Sebastian und Garnet sind eigentlich Romanfiguren.

12. Elaine Viets: Nachtschwärmer (OT: Vampire Hours): Katherine ist 55, eine Arztgattin auf der Abschussliste, die kurz davor steht, gegen ein viel jüngeres und blonderes Modell ausgetauscht zu werden. Dass ihr Mann bereits einen fiesen Scheidungsanwalt kontaktiert hat, erfährt sie nur durch Zufall. Die Zukunftsängste machen Katherine schlaflos. Bei einer ihrer nächtlichen Streifzüge durch die Stadt lernt sie den Vampir Michael kennen. Eine Begegnung, die ihr Leben verändert wird – und auch das ihres treulosen Gatten …
Sehr schön, mit blitzböser Pointe.

13. Toni L.P. Kelner: Wie Stella ihr Grab zurückbekam (OT: How Stella Got Her Grave Back): Vampirin Stella besucht an ihrem 82. Geburtstag erstmals ihre Grabstätte auf dem Familienfriedhof. Sie ist schockiert: In ihrem Grab liegt seit zwei Jahren eine unbekannte Tote. Wo ist ihr eigener Grabstein hingekommen? Gab es überhaupt einen? Und wer ist die Fremde? Auch wenn ihr Vampirbegleiter Aaron es nicht versteht: Stella geht der Sache nach – und stößt auf die Spur eines Serienmörders.
Ein spannender kleiner Krimi und gleichzeitig eine berührende Familiengeschichte. Und ein nett kalauernder Originaltitel.

Jede der 13 Geschichten wurde eigens für diese Anthologie geschrieben. Und jede für sich ist gelungen und lesenswert. Nicht nur für Teenager, auch wenn das glimmerglitzernde Buchcover die Assoziation „Mädchenbuch“ weckt. Nein, wer immer Vergnügen an makaberen, unheimlichen Geschichten und schwarzem Humor hat, ist mit „Happy Bissday“ gut bedient.

Wer kein intimer Kenner der aktuellen Vampir-Romanserien ist, wird sich allerdings ein bisschen schwer tun mit den Kurzgeschichten, die sich um Figuren aus bekannten Buchreihen ranken. Diese Geschichten bringen zum Teil eine schwere Fracht mit: viele Personen, deren Funktion, Fähigkeiten, Vorgeschichte und Beziehungen untereinander entweder unklar bleiben oder erst erklärt werden müssen. Völlig eigenständige Geschichten erkennt man sofort an ihrer schnörkellosen Geradlinigkeit. Man ist vom ersten Absatz an drin in der Geschichte und wird nicht durch eingeschobene Erläuterungen und überflüssiges Personal gebremst.

Es hat natürlich auch seine Vorteile, in bislang unbekannte Serien mittels einer Kurzgeschichte hineinschnuppern zu dürfen. Der eine oder andere Serienheld klingt doch sehr interessant. Und da im Anhang von „Happy Bissday“ jeder Autor mit seinem bisherigen Werk vorgestellt wird, weiß man auch gleich, was man kaufen muss, wenn man an einer der vorgestellten Serienwelten Gefallen gefunden hat …



Christine Spindler: Love on Board/Liebe an Bord – Frauenroman der Reihe „Lernschmöker“
Oktober 24, 2008, 1:05 pm
Filed under: Bücher

Christine Spindler: Love on Board/Liebe an Bord – deutsch-englischer Frauenroman aus der Reihe „Lernschmöker“, Fremdsprachen-Niveaustufe B2, Berlin 2008, Langenscheidt KG, ISBN 978-3-468-44110-3, Taschenbuch, 160 Seiten, Format: 11 x 18 x 1 cm, EUR 7,95 (Deutschland), EUR 8,20 (Österreich)

Das Lernschmöker-Konzept
Wenn Lernen Spaß macht, geht es wie von selbst. Genau das ist das Konzept der „Lernschmöker“, der zweisprachig angelegten Romanreihe von Langenscheidt. Mit den Büchern dieser Reihe kann man bequem und angenehm seine Fremdsprachenkenntnisse vertiefen und auffrischen.

Die Zweisprachigkeit der Romane ergibt sich ganz logisch und organisch aus der Geschichte: Meist verschlägt es einen Menschen mit deutscher Muttersprache ins Ausland, wo er seinen Alltag in der Landessprache bewältigen muss. Wenn der Protagonist denkt und etwas mit seinen Freunden und Angehörigen aus der alten Heimat bespricht, tut er dies natürlich weiterhin auf Deutsch.

Vokabeln, die man nicht unbedingt voraussetzen kann, werden im Text optisch hervorgehoben und unten auf derselben Seite kurz erklärt. Man wird also nicht durch zeitraubendes Geblättere und umständliches Nachschlagen aufgehalten. Denn aufhalten lassen möchte man sich bei dieser rasanten und amüsanten Geschichte in diesem Buch auf gar keinen Fall!

Die Story
Angie Perlinger aus München hat Physik studiert, aber von Karriere- und Lebensplanung kann bei ihr keine Rede sein. Sie überlässt gerne alles dem Zufall. Als Teenager hat es sie nach dem Zufallsprinzip als Au-pair-Mädchen nach London verschlagen. Seither spricht sie sehr gut Englisch. Dass sie nun, nach Abschluss des Studiums, in London gelandet ist und als Verkäuferin in einem Spielzeugladen arbeitet, verdankt sie ebenfalls dem Zufall: Angie hat ihren künftigen Wohnort ausgelost.

Von ihrem Bruder bekommt Angie die Testversion eines neuen Programms, das dem Benutzer helfen soll, sein Urlaubsziel zu finden. Angie arbeitet sich durch, und das Programm schickt sie nach Sydney, Australien. Flugangst hin, Höhenangst her, Angie ist begeistert und bucht spontan einen Flug. Reisevorbereitungen? Routenplan? Hotelbuchung? Ach was! Das wird sich alles vor Ort schon irgendwie ergeben.

Im Flugzeug sitzt Angie neben dem australischen Astrophysiker Jet Corman und dessen Verlobter, dem britischen Model Cassandra. Angies erster Eindruck von den beiden: „Wo haben denn Angelina Jolie und Brad Pitt ihre Adoptivkinder gelassen?“

Jet Corman entpuppt sich für die Physikerin Angie als sympathischer und humorvoller Zeitgenosse und interessanter Gesprächspartner, der vielleicht eine Spur zu harmoniebedürftig ist. Seine Verlobte tendiert dagegen eher in die Richtung „nörgelige Nervensäge“, die partout keine Lust hat, die exzentrische Familie ihres Liebsten kennen zu lernen.

Als das Flugzeug landet, ist das Paar heillos zerstritten. Cassandra lässt ihren Verlobten alleine zu seiner Familie fahren und erkundet das Land auf eigene Faust. Nun ist guter Rat teuer. Auf keinen Fall möchte Jet seine Familie enttäuschen, die sich so darauf gefreut hat, Cassie endlich kennen zu lernen.

Der jäh verlassene Verlobte verfällt auf die spontane Schnapsidee, Angie zu seinen Eltern mitzunehmen und sie ihnen als Cassie vorzustellen. Für spontane Schnapsideen ist Angie immer zu haben, und so nimmt das Chaos seinen Lauf.

Angie fühlt sich bei den Cormans gleich wie zu Hause, denn diese Familie ist mindestens so schräg drauf wie ihre Sippe daheim in Deutschland. Jets Mutter publiziert aberwitzige Science fiction Romane, von denen Angie hingerissen ist. Mit Jets Vater Rondo, ebenfalls Physiker, kann sie wunderbar fachsimpeln. Jets Schwester Halley ist eine Künstlerin mit ziemlich ausgefallenen Ideen. Und die temperamentvolle Oma Clara hat eine erschreckende Vorliebe für riskante Unternehmungen und Trendsportarten.

Auch die Cormans sind mächtig angetan von Jets angeblicher Verlobter. Endlich mal eine Frau mit Hirn, Humor und Charakter und nicht wieder eine dieser entsetzlich oberflächlichen Modezicken, die er sonst immer daher bringt!

Das spontane Rollenspiel wird mehr und mehr zum Eiertanz, denn die echte Cassie ist als tollkühne Sportskanone bekannt – und damit kann Angie Perlinger nun überhaupt nicht dienen. Wenn der Schwindel nicht umgehend auffliegen soll, muss sie es irgendwie schaffen, allen sportlichen Herausforderungen aus dem Weg zu gehen, mit denen die Cormans die angebliche Cassie beglücken wollen.

Und dann passiert’s: Angie verliebt sich in Jet, doch er wartet immer noch sehnsüchtig auf ein Lebenszeichen von Cassie. Selbst wenn Angie ihre Rolle als sportliches Model bis zum Schluss überzeugend spielen kann – ist ihr Urlaub vorbei, ist es mit dem geborgten Glück auch vorbei.

Gibt es denn gar keinen Ausweg aus diesem Schlammassel?

Mit Vergnügen lernen
Herrlich skurrile Charaktere, die man sofort ins Herz schließt, weil man sich mit ihren Macken und Eigenheiten so schön identifizieren kann, köstliche Dialoge und eine originelle und spannende Geschichte – da müsste man fürs Lernen eigentlich Vergnügungssteuer zahlen! Mit dröger Schullektüre, wie wir sie alle noch kennen, haben die „Lernschmöker“ nicht die geringste Ähnlichkeit.

In den Verlauf der Geschichte sind es immer wieder unterhaltsame Übungen eingestreut, die mit der Handlung zu tun haben und die direkt im Buch gelöst werden können. Eine Auflösung aller Übungsaufgaben befindet sich hinten im Buch.

Schmöker nach Maß
Die einzelnen Titel der Reihe „Lernschmöker“ sind den sechs verschiedenen Niveaustufen des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen zugeordnet. „Love on Board/Liebe an Bord“ entspricht der Niveaustufe B2. Deren Definition lautet: „Sie verstehen zeitgenössische literarische Prosatexte“.

Wer nicht ganz sicher ist, welche Niveaustufe für ihn geeignet ist, findet auf http://www.langenscheidt.de eine Beschreibung der einzelnen Referenzniveaus und eine Orientierungshilfe zur Selbstbeurteilung. So kann jeder Leser die Lektüre wählen, die auf seine Sprachkenntnisse und Bedürfnisse zugeschnitten ist.

Die Autorin
Christine Spindler wurde 1960 in Backnang geboren. In Heidelberg hat sie 2 Semester Physik studiert und eine Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin abgeschlossen. 4 Jahre lang hat sie am MPI für Kernphysik gearbeitet, sich danach mit einem Schreibbüro selbständig gemacht und überwiegend für ein Übersetzungsbüro gearbeitet. Nebenher hat sie immer schon geschrieben, und so ganz allmählich wurde ein Beruf daraus. Sie schreibt Romane und Jugendbücher, außerdem Kinderbücher unter dem Pseudonym Tina Zang.

Sollten Sie ein Kenner der Materie sein und sich die liebenswert-chaotischen Helden aus Tina Zangs Kinderbüchern im Erwachsenenalter vorstellen können, kommt das den sympathischen Charakteren in „Love on Board“ schon ziemlich nahe.



Reader’s Digest Daily Laughs
Oktober 17, 2008, 7:16 am
Filed under: Witz des Tages

Make laughter a part of your daily routine with funny jokes, hilarious cartoons and silly photos from ReadersDigest.com. Bonus: Watch a new stand-up comedy video every day! Oder, auf gut Deutsch, „Witz des Tages“:

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Vielen Dank dem guten Freund, das mit den Widgets für mich ausprobiert hat. Ich als alter Super-DAU wollte das Dingens zwar haben, hab mich aber nicht getraut.



Anna Kashina: Das erste Schwert. Fantasy-Roman
Oktober 13, 2008, 8:24 am
Filed under: Bücher

Anna Kashina: Das erste Schwert. Fantasy-Roman. OT: The First Sword. Deutsch von Martin Baresch, mit zwei Landkarten von Olga Karengin, Moskau. München 2008, dtv, Deutscher Taschenbuch Verlag, ISBN 978-3-423-21085-0, 637 Seiten, Format 12 x 19 x 3,4 cm, EUR 9,95 (D).

Im Shandorianischen Reich hält man nichts davon, die Dinge dem Zufall zu überlassen. Man denkt und plant vorausschauend. Und da auch in dieser Welt unterschiedliche Gruppierungen höchst unterschiedliche Interessen vertreten, kommt es zu wohl durchdachten und von langer Hand vorbereiteten Intrigen. Als es um die Nachfolge des sterbenden Königs geht, geraten drei ahnungslose Teenager aus der tiefsten Provinz ohne eigenes Zutun zwischen die Fronten – und in tödliche Gefahr.

Das Hohe Konzil
Wer König des Shandorianischen Reichs werden will, muss verschiedene Voraussetzungen erfüllen: Er muss reinblütig sein – was mittels eines makaberen und blutigen Rituals, der Königsprobe, verifiziert wird -, und er muss einen lebenden Erben haben.

König Daegar liegt im Sterben. Die Kirche präsentiert zwar einen Erben, doch dieser junge Mann macht keinen geistig gesunden Eindruck und wäre allenfalls ein Marionettenkönig. Hochgebieter Evan Dorn, der aufgrund verwandtschaftlicher Verhältnisse der nächste in der königlichen Erbfolge wäre, kann keinen Erben vorweisen. Sein Kind wurde vor siebzehn Jahren als Säugling positiv auf die Ghaz Alim, die Anlage zu ungewöhnlichen Geisteskräften, getestet und auf Weisung der Kirche getötet.

Oder vielleicht doch nicht? Denn der Priester, der den toten Säugling und das Erste Schwert, das für die Königsprobe benötigt wird, in Kloster Aknabar hätte bringen sollen, wurde unterwegs entführt. Seitdem ist das Schwert verschwunden. Was ist da sonst noch passiert?

Das Hohe Konzil, das die Thornfolge klären soll, erreicht nichts. Hochgebieter Evan Dorn weigert sich, auf seinen Thronanspruch zu verzichten. Und da das Schwert zur Königsprobe ohnehin nicht zur Verfügung steht, wird die Sitzung auf unbestimmte Zeit vertagt.

Die Heilige Kirche
Ein nicht zu unterschätzender Machtfaktor ist die Heilige Kirche – eine Furcht einflößende und machtgierige Organisation. Und der „heiligste“ von allen ist der Allheilige Vater Haghos, der mit seiner rigiden Sittlichkeits- und Fortpflanzungspolitik dafür sorgt, dass kein Mensch mit ungewöhnlichen Ghaz Alim-Gaben das Erwachsenenalter erreicht. Verdächtige Erwachsene bekommen erst gar keine Heiratserlaubnis, und Neugeborene werden seit Jahren gleich nach der Geburt auf die Gabe getestet und gegebenenfalls sofort getötet. Unkontrollierbare Geisteskräfte in der Bevölkerung sind nicht erwünscht.

Den Mächten der Kirche wäre nicht daran gelegen, dass Evan Dorns PSI-begabter Sohn noch lebt. Ein späterer König mit Ghaz Alim-Kräften wäre ihnen ein Gräuel – und ein Risiko.

Die Bewahrer des Wissensbuchs
Der Orden der Bewahrer des Wissensbuchs steht zur Heiligen Kirche in Opposition. Was die Kirche als Gefahr ansieht – die Erbanlagen mit den außergewöhnlichen Fähigkeiten – sehen sie als Chance für die Menschheit an, sich weiter zu entwickeln. Sie bewahren uraltes Wissen und gefährdete Blutlinien. Die Ordensmitglieder selbst sind auch nicht gerade Durchschnittsbürger: Sie betreiben wissenschaftliche Forschungen in ihren Laboratorien, und das in einer Welt, in der Wissen in erster Linie Herrschaftswissen der Kirche ist. Und sie haben eine Möglichkeit gefunden, den Alterungsprozess extrem zu verlangsamen. Sie sind unnatürlich langlebig.

Die Bewahrer hätten durchaus Interesse an einem Königssohn mit Ghaz Alim-Fähigkeiten.

Die Majat-Assassinen
Eine Klasse für sich ist die Gilde der Majat-Assassinen, speziell ausgebildete Kämpfer, die sich als Söldner verdingen. Hat ihr Auftraggeber erst einmal ihr Unterpfand, einen Sternendolch mit ihrem Rangabzeichen, gibt es für den Majat kein Zurück mehr: Er muss seinen Auftrag erfüllen, ganz egal, was er persönlich davon hält. Assassinen können sich keine eigene Parteilichkeit erlauben, sie sind zum Kämpfen da und zu sonst nichts. Aufgrund dieses strikten Neutralitätsgebots hat die Gilde auch wenig Skrupel, Assassinen an rivalisierende Parteien zu vermieten und damit gegeneinander antreten zu lassen.

Die besten und erfolgreichsten dieser Kämpfer sind die so genannten Diamant-Assassinen. Noch nie hat einer von ihnen versagt. Und so ist es kein großes Wunder, dass gleich zwei dieser Diamant-Majaten auf den mutmaßlichen Nachkommen des Evan Dorn angesetzt sind. Einer soll ihn beschützen, der andere ihn der Kirche ausliefern.

Die Kinder des Schmieds
Von all diesen Vorgängen haben Skip, Erle und Ellah, drei Teenager aus den entlegenen Waldlanden, allenfalls eine schemenhafte Vorstellung. Die siebzehnjährigen zweieiigen Zwillinge Skip und Erle sind die Söhne des Schmieds von Eichenhain, die gleichaltrige Ellah, eine verwaiste Nachbarstochter, ist wie eine Schwester mit ihnen aufgewachsen.

Ist es ihr Glück oder ihr Unglück, dass die drei sich an der Grenze zu den Graslanden herumtreiben, statt in der Sumpfstadt die Einkäufe des Schmieds abzuholen? Schwer zu sagen. Sie werden Zeuge, wie drei Echsenreiter einen Adeligen aus den Westlanden angreifen. Als reitende Nomaden die Attentäter vertreiben, sehen sie nach dem schwer Verletzten. Der sterbende Mann überreicht ihnen ein Päckchen, das sie dem Dorfpriester bringen sollen. Er kann noch sagen: „Das Kind muss das Dorf verlassen“ und „Bringt das Schwert zu den Bewahrern“, dann ist er tot.

Die Nomaden kommen zurück und transportieren die Leiche ab, und Skip, Erle und Ellah besinnen sich auf ihren Auftrag und fahren endlich in die Sumpfstadt. Als sie am nächsten Morgen wieder nach Hause fahren wollen, finden sie ihre Einkäufe durchwühlt. Das hält sie auf, und so kommen sie mit erheblicher Verspätung in Eichenhain an. Dort warten schlechte Nachrichten auf sie: Der Dorfpriester ist tot, die elterliche Schmiede gebrandschatzt, und der Schmied ist schwer verletzt bei Ellahs Großmutter untergekommen.

Damit nicht genug: Der neue Dorfpriester will als erstes alle Jugendlichen einer erneuten Ghaz Alim-Prüfung unterziehen. Die Kirche sucht angeblich ein Kind, das nicht in die Waldlande gehört. Ellah, die einer priesterlich nicht abgesegneten Verbindung entstammt, wurde nie gestestet. Und da Priester und Wachen im Dorf sind, die sich explizit für die Söhne des Schmieds interessieren, halten die Erwachsenen es für ratsam, dass alle drei Jugendlichen untertauchen. Vor allem, nachdem sich der Inhalt des Päckchens, das der ermordete Adelige bei sich trug, als Unterpfand eines Diamant-Majat entpuppt hat. Die Lage ist für die drei Jugendlichen zwar unbegreiflich, aber offensichtlich ernst.

Als die Jungs die niedergebrannte Schmiede nach noch brauchbaren Gegenständen durchsuchen, finden sie in einem Geheimfach ein Schwert. Und aus dem Untertauchen wird eine Mission, denn der Schmied erzählt ihnen genau dasselbe wie der sterbende Adelige: Das Schwert muss unverzüglich den Bewahrern übergeben werden. Skip, Erle und Ellah müssen nun quer durchs Reich reisen und es in die Weiße Zitadelle bringen.

Begleitet werden sie von der jungen olivianischen Schwertkämpferin Kara, die sie in der Sumpfstadt kennen gelernt haben und die im Zielgebiet eigene Pläne hat. Und wenn es stimmt, was der Schmied sagt, lohnt es sich für sie, die drei Teenager und das Schwert unbeschadet bis zur Weißen Zitadelle zu bringen, weil die Bewahrer sie entlohnen werden.

Die Reise verläuft abenteuerlich. Schon die erste Etappe, die Durchquerung des Dunklen Pfuhls, eines unheimlichen Sumpfgebiets, hätten die vier ohne die Hilfe eines alten Bekannten, des Pfuhlgängers Garnald, vermutlich nicht überlebt. Unbekannte Lebensformen und gefährliche Verfolger, die im Auftrag der Kirche unterwegs sind, machen ihnen schwer zu schaffen. Dazu gibt es Spannungen innerhalb der Gruppe.

Die Waldbewohner kommen auf ihrer Reise in exotische Regionen und in riesige Handelsstädte. Sie lernen vollkommen fremde Kulturen kennen, indem sie z.B. mehrere Monate mit den als gottlos geltenden Cha’ori-Nomaden reiten. Die Seherin des Stammes warnt sie vor ihrer Reisebegleiterin Kara, doch die Kinder des Schmieds nehmen das nicht ernst. Kara ist zwar alles andere als auskunftsfreudig, was ihre Person angeht, aber hat sie ihnen nicht schon mehrfach das Leben gerettet? Zudem sind Skip und Kara einander näher gekommen. Wie kann sie dann seine Reisegruppe in Gefahr bringen wollen?

Schritt für Schritt wird den drei jungen Leuten aus der Provinz klar, dass die Welt wesentlich komplexer, vielfältiger und gefährlicher ist, als man es auf dem Dorf je für möglich gehalten hat. Und so langsam erschließen ihnen auch ein paar Zusammenhänge: Einer von ihnen wird offenbar für den Erben des künftigen Königs gehalten. Deshalb ist alle Welt hinter ihnen her.

Showdown in Aknabar
In Aknabar gerät die Gruppe in einen Hinterhalt, und plötzlich befinden sich Skip, Erle und Ellah in der Hand der Heiligen Kirche. Es kommt zum dramatischen Showdown. Und nun zeigt sich, wer Freund und wer Feind ist. Und die Waldleute erleben mehr als nur eine Überraschung.

Wird sich wirklich einer von ihnen als Mitglied des Königshauses erweisen? Wenn ja, sollten sie besser gleich den richtigen Kandidaten der Königsprobe unterziehen. Denn nur jemand von königlichem Geblüt überlebt einen Stich ins Herz mit dem Ersten Schwert …

Nein, das ist keines der „Fantasy-Roadmovies“, wie man sie schon hundertfach kennt. Das ist ein ausgeklügeltes Intrigenspiel, bei dem Aufklärung gegen Verdummung kämpft und alle Seiten ohne Rücksicht auf Verluste Unschuldige in ihre Machenschaften hineinziehen. Hier muss man auch nicht an Zauberei glauben, um ein Fantasy-Abenteuer genießen zu können. Selbst scheinbar magische Phänomene haben eine logische Erklärung. Okay … die meisten!

Die Heldinnen und Helden liegen im angenehmen charakterlichen Graubereich. Es sind Menschen mit Stärken und Schwächen. Vor allem Skip, der junge Mann mit den Alpträumen und der Angst vor Wasser, der mutig zu einer Mission aufbricht, die er erst im Lauf der Zeit zu verstehen beginnt, ist sehr sympathisch. Und über die interessante, mysteriöse „Kampfmaschine“ Kara wüsste man gerne noch mehr. Ein wahrhaft schillernder Charakter!

Die Handlung ist intelligent, raffiniert und packend, die Personen wirken erfreulich real, die Sprache ist bildhaft und geradezu poetisch – und nun wüsste man gerne, wie es weitergeht. Was sind das für geheimnisvolle Andeutungen, die der Allheilige Vater über die Gefahr macht, die angeblich aus dem westlichen Bengaw droht? Und was wurde eigentlich aus dem Schmied? Wie geht’s nun weiter im Shandorianischen Reich? Was wird mit Skip und Kara?

Wir werden uns noch ein wenig gedulden müssen. „Das erste Schwert“ ist Band 1 einer Trilogie. Band 2 ist fertig, an Band 3 arbeitet die Autorin gerade. Hoffen wir, dass die Bücher dann auch zügig ins Deutsche übersetzt werden! Gern auch wieder von Martin Baresch.

Die Autorin
Anna Kashina wurde in Russland geboren, ist Molekularbiologin und lebt in den USA, wo sie an der University of Pennsylvania eine Professur für Biochemie innehat.