Wahnsinn im Alltag


Fuerteventura 2006, Teil 4: Hafen, Strand und „Katastrophen“
September 4, 2007, 5:13 pm
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23 und 24. Juli: Strandleben
Der Sonntag diente der Erholung, den haben wir am Meeresstrand verdämmert. Am Montag war Strandwanderung und der Rückweg über die Shoppingmeile angesagt. Der Mountain-Shirt-Händler erzählt, dass sein Laden eine Homepage hat, die ab September 2006 freigeschaltet sein wird: http://www.almasdefuego.com. Beladen mit Zigaretten und Mountain-T-Shirts kehrten wir im Cha-Cha-Café ein … dort gab’s wenigstens einen passablen Kaffee. Was die im Hotel da zusammenpanschten, war eher nix.

Wir saßen also an einem kleinen Tischchen draußen vor dem Cafe, mitten in der Einkaufsmeile und sahen uns die Leute an, die da so vorbeiflanierten. Ab und zu mussten wir doch den Kopf schütteln über die optisch-ästhetischen Zumutungen. Auch wenn die Leute im Urlaub sind und nicht auf der Schönheitskonkurrenz – ein bisschen die äußere Form sollte man doch schon wahren.

Aber nein, man zeigt, was man hat: Speck und schlecht gemachte Tätowierungen. Und was man nicht hat: Stil und Geschmack. Das fängt ja schon beim Frühstück an: Die Dame 70+ mit ihrer „Arschgardine“, einem durchsichtigen Chiffonschal, den sie über dem Bikini trägt. Das ist ein Anblick, den man unbekannten Mitmenschen doch tunlichst ersparen sollte.

Auch nicht viel besser: Die Mullet-Family. Vater, Mutter und Sohn mit identischer Vokuhila-Fußballerfrisur. Erste Reaktion: „Grundgütiter – ist das etwa erblich?“ Zweite Frage: „Ist das etwa wieder modern?“ Naja, die sehen wenigstens nur prollig aus und führen sich nicht auch noch so auf. Nicht so, wie der Geselle, der, obwohl im Restauran an mehreren Stellen des Buffets mehr als genügend Besteck ausliegt, ungehemmt an die Schubladen des Oberkellners geht und dort herumkramt. Gerhard macht ihn ohne Interpretationsspielraum auf seinen Fauxpas aufmerksam. 😉

Nach dem Abendessen setze ich mich noch schnell an eins der Computerterminals in der Hotelhalle und gehe ins Internet. Ein letztes Mal auf dieser Reise, weil der Server bald danach den Geist aufgibt.

Ich muss sagen, in Bulgarien war das besser organisiert – da gab es einen speziellen Computerraum. Hier sitzt man trotz eines Milchglasparavents auf dem Präsentierteller und habe alle Hände voll zu tun, neugierige Kinder wegzuscheuchen, die mir trotz wiederholten Bitten, das doch bitte zu unterlassen, andauernd über die Schulter glotzen. Kann ich nicht brauchen, wenn ich geschäftliche Nachrichten lese und verschicke. Schließlich betätige ich mich als Kinderschreck und mache einen Brüller. Das verscheucht sie.

25. Juli: Im Hafen von Morro Jable
Für den Dienstag hatten wir uns in den Kopf gesetzt, den Hafen von Morro Jable zu besuchen, auch wenn Reiseleiter Erwin erklärt hatte, es sei dort nicht los. Da man den Hafen von der Promenade aus sehen konnte, dachten wir, müsste es uns ein Leichtes sein, dort hin zu finden. Immer an der Promenade entlang …

Nach dem Frühstück zogen wir, bewaffnet mit unseren Kameras, los. Doch ganz so einfach war es nicht, unser Ziel zu erreichen. Plötzlich hörte der Promenadenweg auf. Der Weg, den wir einschlugen, führte zur Kirche und danach in den Ort. Zusammen mit einer anderen deutschen Familie, die trotz mitgeführten Stadtplans genauso ratlos war wie ihr, schlugen wir noch so manchen Irrweg ein und landeten in Sackgassen, Hinterhöfen und Hotelzufahrten Die Kinder der Familie schwärmten aus, um den besten Weg zu suchen. Irgendwie und irgendwann schafften wir es dann doch, den großen Felsen zu umwandern, der Jandia vom Hafen trennte, und im Hafen einzutreffen.

Die Familie schlug den Weg zum Restaurant ein, wir gingen direkt zum Hafen, schauten uns um, fotografierten Fischer- und Freizeitboote und schauten den enorm staubigen Bauarbeiten in den Bergen zu. Wüstenfarbige Berge und Wasser – das ist einfach eine tolle Kombination.

Statt im Restaurant einzukehren, kauften wir uns an der Tankstelle Mineralwasser, setzten uns auf eine etwas hinfällige Steinbank und schauten dem geschäftigen Treiben im Hafen zu. Als wir davon genug hatten, machten wir uns wieder auf umständlichen Weg zurück ins Hotel. Ein paar Irrwege, die wir auf dem Hinweg gemacht hatten, konnten wir uns auf dem Rückweg zum Glück ersparen, und wir fanden nun auch den Weg zwischen der Kirche und den Restaurants hindurch direkt zur Promenade. Ein bisschen Wind kam auch auf, und so war der Heimweg recht angenehm.

Wir wunderten uns, warum so viele Leute auf der Promenade standen und die Steinmauern zu den Hotels hinaufschauten. Kinder klopften immer wieder gegen die Steine – mit Kieselsteinen? Nein, mit Nüssen! In den Mauernischen lebten Streifenhörnchen, die immerhin so zutraulich waren, sich die angebotenen Nüsse abzuholen und in ihre Höhlen zu zerren. Wir zückten unsere Kameras, aber die A-Hörnchen und B-Hörnchen und ihre Verwandten sind derartig schnell, dass es gar nicht so einfach war, sie aufs Bild zu bannen.

Nach unserer Rückkehr gingen wir an der Poolbar was trinken und lümmelten den Rest des Nachmittags am Pool herum. Am Abend gab es im Restaurant marokkanisches Essen. Kochen können sie, die Nordafrikaner! Aber das wissen wir ja schon lange.

26. Lange Strandwanderung
Diesmal führte uns die Strandwanderung „bis zum bitteren Ende“ – bis zur Steilküste, an der es dann nicht mehr weiterging. Dort hatte es wesentlich höhere Wellen als bei uns am Hotel. Nachdem wir zwei Stunden lang am Strand entlang getapert waren, kehrten wir über den Steg und die Einkaufsmeile wieder zurück. Unvermeidlich die Einkehr im Shirt-Shop. Aber die T-Shirts von Blue Liquid mit den interessanten Musik-Motiven (Plattencover der 70-er Jahre), erwiesen sich als sehr teuer und von zweifelhafter Qualität. Ebenso unvermeidlich war der Boxenstopp in der Cha-Cha-Bar für Wasser und Kaffee.

Schwimmen gehen wollten wir nach der langen Strandwanderung dann nicht mehr. Wir riefen zu Hause an und erkundigten uns nach dem Fortschritt unserer Baustelle am Haus (natürlich hatte sich nichts getan. Aus den angekündigten 4 Wochen Bauzeit wurden schlussendlich mehr als drei Monate).

Am Abend fragte ich das Paar am Nebentisch, woher sie die T-Shirts mit dem Hotel-Logo (Riu) hatten. Leider sprachen sie nur französisch. Aber irgendwie konnten wir uns doch durchstottern, so auf Franglish, und ich erfuhr, dass sie die Hemden nicht hier in Fuerteventura sondern in einem RIU-Hotel in Andalusien gekauft hatten.

Und weil wir schon am Fragen waren, erkundigten wir uns beim Oberkellner, wer eigentlich der korrekt gekleidete Herr mit Anzug und Krawatte war, der seit Tagen bei den Mahlzeiten im Restaurant herumstand und alles aufmerksam beobachtete: Der Subdirektor … der Vizechef. Nun gut. Dann wussten wir das auch.

27. Juli: Der Wochenmarkt. Dinge, die die Welt nicht braucht, Teil 2
Donnerstags ist Wochenmarkt in Jandia. Das wussten wir von der Reiseleiterin Anja Christoph. Der Markt fest in schwarzafrikanischer Hand, und das Angebot wiederholt sich alle paar Meter. Schmuck, Klamotten, Sonnenbrillen.

Wir latschten unter dem Baldachin über das staubige Gelände und stellten alsbald fest, dass es dort nichts gibt, was wir haben wollen. Ein olivgrüner Stufenrock hätte mich interessiert, aber da der Händler nicht mit sich handeln ließ, habe ich auf einen Kauf verzichtet. Am Marktausgang stieß Gerhard dann noch auf einen Stand mit billigen Geldbeuteln. Da er diesbezüglich einen hohen Verschleiß hat und die billigen so lange halten wie die teuren, hat er einen erworben.

Im Mountain-Shirt-Shop erstanden wir noch ein Tiger-Shirt, dann ging es zurück ins Hotel, und wir verbrachten den Nachmittag am Pool.

28. Juli bis 30. Juli: Am Strand
Den Freitag verbrachten wir am Strand, den Samstag und Sonntag mit Strandwanderung und dem obligatorischen Rückweg über den Steg und die Shoppingmeile. Wir kauften Souvenirs … ess- und trinkbare – und fragten uns angesichts der am Strand telefonierenden Leute, ob es nicht vielleicht schon wasserdichte Handys gibt. Damit könnten die Leute sogar noch beim Schwimmen telefonieren. „Und wenn eine Welle kommt, macht’s nur noch blubb-blubb-blubb“, sage ich. „Das macht’s ja sonst auch nur“, meinte Gerhard.

Wo er Recht hat …

Am Sonntag Nachmittag schaute Gerhard sich das Formel 1-Rennen im Fernsehen an. Während der auf dem Zimmer ist und fernsieht, war ich am Pool und ging ein letztes Mal schwimmen.

Am Sonntag hieß es auch schon zeitig Kofferpacken – bis auf einen kleinen Rest noch notwendiger Gegenstände, denn die Koffer wurden via „Easy Check In“ schon am Sonntag nach dem Abendessen im Hotel abgeholt. Da hieß es schnell essen, ins Hotelzimmer eilen und das Gepäck in die Hotelhalle bringen. Wo schon zahlreiche andere Urlaubsgäste warteten. Nach einer Viertelstunde – da hätten wir in aller Ruhe zu Ende essen können – kam dann endlich auch jemand von TUI und Sicherheitspersonal vom Flughafen. Das Gepäck wurde registriert, versiegelt und zum Flughafen transportiert.

Ich traute dem Frieden nicht so recht. Noch eine Station mehr, zu der man nicht dazusieht. Aber es gab keine andere Möglichkeit. Da wir am nächsten Morgen schon sehr früh abflogen, wäre keine Zeit zum Gepäckaufgeben vor Ort gewesen, hieß es in den Unterlagen.

31. Juli: Heimreise. Und wieder ist ein Koffer weg!
Am Montag war es dann soweit – es ging wieder nach Hause. Nach einem Schmalspurfrühstück, bestehend aus einem mit lauwarmem Wasser „aufgebrühten“ grünen Tee, den wir auch prompt stehen lassen, und einem Marmeladenbrot, checken wir aus. Meine Kreditkarte hat sich derart in der Plastikhülle des Geldbeutels festgesaugt, dass wir sie wir nur mit vereinten Kräften und mit Hilfe eines Kugelschreibers und schließlich einer Schere befreien und bezahlen können. Vor lauter Zirkus mit der Karte vergessen wir glatt, unseren Zimmerschlüssel abzugeben, was erst bemerkt wird, als wir schon fast im Bus sitzen. Ein Hotelangestellter rennt uns hinterher und macht uns auf unser Versäumnis aufmerksam.

Um 6:35 Uhr sollten wir abgeholt werden, um 6:45 fuhren wir dann tatsächlich ab. Nachdem wir diverse Hotels angefahren und die Gäste dort aufgesammelt hatten, ging es gegen 7 Uhr endgültig Richtung Flughafen. 20 Kreisverkehre später waren gegen 8:15 Uhr dort.

Es ist ganz angenehm, ohne Koffer am Flughafen einzutreffen. Wir mussten nur noch Pass- und Handgepäckskontrolle finden. Die Beschreibung der Reiseleitung war nicht besonders exakt. „Links und dann die Rolltreppen hoch.“ Das führte ins Nichts. Nach länglichem Herumirren sahen wir dann, dass wir hinter den Gepäck-Eincheckschaltern vorbei mussten. Wir erledigten die Formalitäten und begaben uns dann hinauf ins Freie, auf die Raucherterrasse, bis es Zeit war, an Bord zu gehen.

Gegen 10 Uhr startete das Flugzeug, und mit Essen und dem Lesen von Zeitschriften, die wir sonst nie lesen (Park Avenue! Furchtbar!) verging die Zeit sozusagen „wie im Flug“. Nahezu planmäßig landeten wir. Das Wetter war nicht ganz schon schön wie auf Fuerteventura. Es regnete.

So unspektakulär wie beim Flug hätte es auch am Boden weitergehen sollen. Viel kam ja nicht mehr. Wir mussten nur noch das Gepäck abholen. Nach den Erfahrungen des letzten Urlaubs war das schon ein bisschen eine Aufregung. Ich war so froh und erleichtert, als mein Koffer endlich kam. Und genervt und panisch, als Gerhards Koffer nicht kam. Wir hatten ein déja-vu. Genau wie letztes Jahr – Koffer fort. Den würden wir wohl auch nicht wiedersehen. Schöner Scheiß! Gerhard hatte sich vor dem Urlaub fast komplett neu eingekleidet. Jede Menge Shirts, Shorts, nagelneue sündteure Sportschuhe. Und nicht zuletzt waren die Kabel für die Kameras in der Tasche. Und die Reisemitbringsel. Alles futsch!

Besonders das mit den Kabeln war ätzend. Die wurden ja gebraucht, um die Bilder von der Kamera herunterzuladen. Und vor allem, um die Kamera aufzuladen, die in wenigen Tagen für Aufnahmen bei einer Veranstaltung wieder gebraucht wurde.

Nun, den Schriftverkehr „verlorener Koffer“ vom letzten Jahr hatte ich noch auf dem Computer, ich würde einfach Neuauflage 2006 mit anderen Daten anlegen … Dem gewohnten Prozedere folgend, machten wir uns auf zum Lost-&-Found-Schalter und sangen dort unser Lied. Rund um den Schalter waren –zig Gepäckstücke aufgetürmt, die für ganz andere Destinationen bestimmt waren … ein Kinderwagen, der irgendwo in den USA erwartet wurde und aus Versehen in Stuttgart gelandet war. So ganz im Griff schienen sie es in der derzeitigen Hochsaison nicht zu haben. Da verflog sich jede Menge Gepäck.

Die Dame am Schalter füllte ein Formular aus, beruhigte nebenher eine verzweifelte Asiatin, deren Gepäck auch verschwunden war, und sagte, wir sollten am Abend anrufen.

Wir nahmen uns ein Taxi und fuhren nach Hause. Der Taxifahrer kannte die Arie vom verschwundenen Koffer und erzählte, dass er selbst öfter verspätetes Gepäck an dessen Eigentümer ausfahren müsse. Das komme häufiger vor.

Zuhause angekommen, begrüßten wir zunächst mal unsere Katzen, vorbildlich versorgt von Gerhards Eltern, meldeten uns bei unseren Familien und gingen dann an die „Reisenachbereitung“: Post holen, einkaufen, Wäsche waschen … Man kennt das ja.

Am Abend rief ich am Flughafen an. „Ach“, erhielt ich zur Auskunft, „das ist viel zu früh. Da kann schon zwei bis drei Tage dauern, bis so ein Gepäckstück wieder auftaucht.“ Ich müsse nicht mehr anrufen, sie würden sich bei mir melden, wenn sich der Koffer wieder anfände. Ja, wenn. Der, den sie im letzten Jahr verschlampt hatten, war nie wieder aufgetaucht.

Doch es kann ja nicht immer alles so Scheiße laufen. Am nächsten morgen klingelt mich das Telefon aus dem Bett. „Flughafen Stuttgart. Wir haben eine Lieferung für Sie – ein Gepäckstück.“ Ich: „Super! Nur her damit! Mensch, damit hätte ich jetzt nicht gerechnet.“

Eine halbe Stunde später war der Mann mit dem Koffer da. Es gibt extra einen Lieferwagen und Mitarbeiter für diesen Service. Das muss also so oft vorkommen, dass sich das rechnet. Ein Wunder, dass das bei unseren Reisen so lange Jahre gut gegangen ist …

Wie auch immer – nun war die Reise endgültig zu einem positiven Abschluss gekommen. Der Koffer war da! Gerhard versorgte die Souvenirs und kümmerte sich um die Kameras und Bilder, und ich konnte mich der zweiten Fuhre Schmutzwäsche widmen.

Ende

Der komplette Reisebericht:

Teil 1: Das Labyrinth von Jandia –
https://edithnebel.wordpress.com/2007/09/02/fuerteventura-2006-teil-1-das-labyrinth-von-jandia/

Teil 2: Nordtour –
https://edithnebel.wordpress.com/2007/09/03/fuerteventura-2006-teil-2-nordtour/

Teil 3: Südtour –
https://edithnebel.wordpress.com/2007/09/04/fuerteventura-2006-teil-3-sudtour/

Teil 4: Hafen, Strand und „Katastrophen“ –
https://edithnebel.wordpress.com/2007/09/04/fuerteventura-2006-teil-4-hafen-strand-und-%e2%80%9ekatastrophen%e2%80%9c/

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Fuerteventura 2006, Teil 3: Südtour
September 4, 2007, 9:09 am
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Fuerteventura 2006, Teil 3: Südtour

22. Juli: Ausflug in den Süden „Villa Winter und Cofete“
* Der Hafen von Morro Jable
* Piste; „Ziegenweg“ nach Cofete
* Barranca dos Mosquitos mit endemischen/einheimischen Pflanzen, u.a. Kameldorn, Cardon (eine Euphorbienart)
* Punto de la Vento (windiger Aussichtspunkt)
* Cofete (Bretterhütten und eine Bar)
* Strand von Cofete
* Villa Winter
* Punto Jandia (mit Leuchtturm)
* Puerto de la Cruz, Mittagessen im Fischrestaurant El Caleton
* Playa des Ojos
* Caleta de la Madeira
* Punta Pesebre

TUI-AUSFLUGSBESCHREIBUNG:

Villa Winter und Cofete
(Jandia und Costa Calma)
Mit einer kleinen, individuellen Gruppe entdecken Sie die “mystische” Seite des Südens von Fuerteventura. Sie lernen eine einzigartige Pflanzenwelt kennen und entscheiden selbst wo unterwegs gegessen wird. Über eine Piste geht es zum Kapo und in Richtung Cofete, wo die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Noch bevor Sie das Dorf erreichen, bietet sich Ihnen ein traumhafter Ausblick auf die Westküste von Jandia. Ein Ziel Ihres Ausflugs ist die sagenumwobene Villa Winter hinter Cofete. Sie liegt direkt oberhalb eines fast 12 km langen Sandstrandes am Fuße des Pico de la Zarza, des höchsten Berges der Insel.

Diesmal waren es noch weniger Reiseteilnehmer. Nur 8 hatten Platz in dem kleinen, geländegängigen Bus. Der Reiseleiter hieß Fauzi, stammte aus Tunesien und sprach ein ganz annehmbares Deutsch. Er sei schon sehr lange in der Touristikbranche, erzählte er, habe aber Job wie Animation oder Tennislehrer zugunsten familienfreundlicherer Arbeitszeiten aufgegeben und arbeite nun als Reiseführer.

Um 9.56 ging es los. Ich fand meinen Platz ganz hinten im Bus, Gerhard neben dem Fahrer, was ihm tolle Aufnahmen aus dem Fahrzeug heraus ermöglichte.

Als erstes machten wir einen Abstecher in den Hafen von Morro Jable und ließen uns bei einem Fischhändler zeigen, was hier alles gefangen wird. An Papageienfische und Barracudas kann ich mich erinnern. Sonst kenne ich mich sowieso nicht aus mit den verschiedenen Arten.

Hatte ich mich gefragt, was zum Geier an diesem bisschen Ausflug einen ganzen Tag dauern soll, wurde mir das jetzt klar: Es ging hier nicht über gepflegte Straßen sondern über Schotterpisten, teilweise im Schritttempo. Nun ja, wenn wir so unterwegs sind, dauert das freilich bis zum Abendessen!

Wir bekamen diverse endemische Pflanzen zu sehen, niedrige Kameldornbüsche und giftige Euophorbien, deren Gift man früher zur Betäubung der Jagdtiere genommen hat. Ähnlich wie die Indianer Südamerikas mit dem Curare umgingen. Wurde die Giftpflanze samt dem Jagdverfahren von nordafrikanischen Verbannungsopfern auf die Insel mitgebracht?

Fauzi zeigte uns einen Kaktus namens Cardon sowie rote Flechten auf den Steinen, die die Engländer als Farbstoff für die Anilinfarben benutzt haben. Steine mit Salz und Muscheln zeigen, dass die Insel sich aus dem Meer erhoben hat. Und wir erhielten auch hier die Auskunft, dass Fuerteventura eine sehr alte Insel sei mit starker Erosion. Tagsüber wird es in dieser Einöde bis zu 80 bis 90° C heiß, nachts ist es kühl und feucht, die Steine zerbersten zu Sand.

Den „Ziegenweg“ bekamen wir zu sehen, den Vorläufer zur Straße nach Cofete. Noch heute gibt es im Juli eine Prozession, die über diesen Weg führt. In rund drei Stunden gelangt man auf diesem Weg von Jandia nach Cofete. Bei dieser Hitze das aber auch Geschmacksache!

Der nächste Weg führte uns in eine Geisterstadt, eine kleine Ansiedlung, in der die Leute früher Tomaten angepflanzt hatten, dies aber aufgaben und wegzogen, als es sich nicht mehr lohnte. Heute arbeiten sie vermutlich im Tourismus und Ort gehört den wilden Ziegen, die sich an einer Wasserstelle einfinden.

Vor 30 Jahren war da, wo heute die Hotels stehen, auch nur Wildnis, erklärte uns der Reiseführer. Genau so ein wildes, ödes Land wie hier, im Hinterland von Cofete.

Nach einer weiteren Fahrt durch unwegsames Gelände kamen wir an einen extrem windigen Aussichtspunkt, der den passenden Namen „Punto de la Ventio“ trug. Man musste schon sehr aufpassen, damit es einen nicht wegwehte. Zum Glück war ich so schlau gewesen, nicht in einem Rock auf diesen Ausflug zu gehen, sonst wäre ich hier im Freien gestanden.

Der Reiseleiter war ganz begeistert von den Gesteinsschichten in dieser Gegend. Sie erinnerten ihn an Marmorkuchen. Und in der Tag, die Farbigkeit und die Struktur erweckte entsprechende Assoziationen.

Die Südhalbinsel, so erzählte uns Fauzi, sei ein Teil eines Vulkankraters – was ihre Form erklärt. Die Hälfte des Kraters befinde sich unter Wasser. La Pared – die Gegend mit den Wanderdünen – bildet eine Brücke zwischen dem südlichen und nördlichen Teil der Insel.

Jetzt ging es weiter nach Cofete und damit der sagenumwobenen Villa Winter entgegen. Von Cofete war ich enttäuscht. Vernachlässigte Terrassenfelder, ein paar baufällige Hütten, eine Kirche, eine Kneipe. Das sah nicht sehr einladend aus. Im Mittelalter, sagte Fauzi, sei die Gegend die Kornkammer der Insel gewesen, man hätte Weizen und Mais angebaut. Heute ist das nur noch eine ärmliche Feriensiedlung für Einheimische. Jetzt weiß ich, was der Falk-Reisführer unter „etwas heruntergekommen“ versteht.

Hier sahen wir auch das Ende des „Ziegenwegs“, der von Jandia nach Cofete führt.

In Cofete selbst hielten wir uns nicht auf. Zum Glück. Es ging am Friedhof vorbei direkt an den Stand, Playa Cofete. Es war diesig, feucht und fast menschenleer. Gerade mal ein Paar hatte sich dort niedergelassen und ging in wieder ins Wasser. Das Baden ist dort wegen der Strömungen sehr riskant.

Durch den Dunst und die Menschenleere, die hohen Wellen, die Stille und die gedämpften Farben, herrschte an dem Playa Cofete eine geradezu unheimliche Stimmung. Wäre nicht ab und zu mal eine Colaflasche am Strand herumgelegen, hätte man sich wie auf einem fremden Planeten fühlen können. Ich musste immer an den SF-Roman „Ancient Shores“ von Jack McDevitt denken.

Wir gingen den menschenleeren Strand entlang in Richtung Süden, bis es Zeit wurde, wieder zum Bus zurückzukehren und zur Villa Winter zu fahren. Die Villa Winter war die einzige Sehenswürdigkeit auf Fuerteventura, von der ich schon vor unseren Reisevorbereitungen gehört hatte. Sie muss wohl von irgendwelchen Verschwörungstheoretikern im Internet erwähnt worden sein.

Was man weiß, ist, dass Gustav Winter 1893 in Deutschland geboren wurde. Er verbrachte viele Jahre als Ingenieur in Spanien und ließ sich in den 30-er Jahren in Jandia nieder.1937 pachtete er die Halbinsel. Es ist ferner dokumentiert, dass er im Jahr 1938 Admiral Wilhelm Canaris, den Chef des deutschen Geheimdienstes, zu einer Projektbesprechung traf.

Danach kamen Arbeiter aus Deutschland nach Jandia, und 1940 wurde mit dem Bau der Villa Winter begonnen – nach Entwürfen Gustav Winters.

1941 verkaufte die gräfliche Familie ihren Besitz (Jandia) an eine spanische Gesellschaft, die Gustav Winter als Verwalter einsetzte. Kurz darauf erklärte die spanische Regierung Jandia zur geschlossenen Militärzone. Und das ist der Moment, an dem die Gerüchte, Spekulationen und Verschwörungstheorien anfangen. Was danach nämlich in der Villa Winter passierte, weiß niemand so genau. Jedenfalls kamen im Zweiten Weltkrieg viele U-Boote zum Auftanken nach Fuerteventura, trotz Spaniens angeblicher Neutralität. Taucher berichten, dass bei Cofete in 200 Metern Tiefe ein U-Boot-Wrack liegt.

Es gibt eine ganze Reihe wüster Gerüchte. Um Schiffsbau bzw. einen U-Boot-Stützpunkt für die Nazis soll es gegangen sein … Ein Tunnel soll von der Villa bis an den Strand runter führen und die U-Boote sollen auch dazu genutzt worden sein, um geflohene Nazis nach Südamerika zu schaffen. Eine andere Theorie besagt, die Villa Winter sei als Exilsitz für Adolf Hitler geplant gewesen …

Unter der Regie von „Don Gustavo“ entwickelte sich die El Golfo-Region nach dem Krieg wieder zu einem wichtigen Weidegebiet. 1968 bekam er die landwirtschaftlich nutzbaren Flächen auf Jandia von der Gesellschaft geschenkt. 1971 starb Gustav Winter, ohne die Geheimnisse seiner Villa gelüftet zu haben.

Wir hörten, die Villa sei nie fertiggestellt worden, er halbe also dort gar nicht gewohnt. Nichts Genaues weiß man nicht, die Villa ist nie von einer unabhängigen Kommission untersucht worden. Es pilgern nur mehr oder weniger Neugierige dorthin und schauen sich das alles an. Ab und zu rennen mal welche mit Metallsuchgeräten durch die Gegend.

Heute kann man wenigstens rein in die Villa – sofern man die halsbrecherische Piste passieren kann, die dort hinaufführt. Vor Jahren noch soll das Gelände von Hunden bewacht und nicht zugänglich gewesen sein, was den Gerüchten noch mehr Vorschub leistete.

Die Villa wird von drei Geschwistern in den 70-ern bewohnt, die da mehr schlecht und recht mit Hühnern, Ziegen und Katzen hausen. Und für ein bisschen Trinkgeld dankbar sind. Die Villa ist mindestens so baufällig und heruntergekommen wie das benachbarte Cofete, und das ist eine wahre Schande. Warum man da kein Museum draus macht? Interessant genug wäre die Geschichte ja. Vielleicht stellt es ein Problem dar, dass die Villa inmitten eines Naturschutzgebiets liegt. Das hat schon die Pläne der Firma in Las Palmas vereitelt, der sie heute gehört: Sie wollte ein Hotel daraus machen.

Also rottet und gammelt die Villa eben vor sich hin und bleibt eine Pilgerstätte für Verschwörungstheoretiker. Viel sieht man darin sowieso nicht. Keine alten Möbel oder so. Nur einen wild bewucherten Innenhof und den mehr als ärmlichen Hausrat der drei alten Geschwister.

Im Hof trafen wir ein junges Schweizer Paar, das mit uns im selben Hotel wohnte und auf eigene Faust mit dem Mietwagen in der Villa war. Als wir uns größten, fragte der Reiseleiter: „Kennen Sie sich“. Wir: „Aus dem Hotel“. Und durften sich die beiden unserer Führung anschließen.

Nach einer kurzen Zigarettenpause hinter dem Haus ging es danach über die Schotterpiste an die Steilküste an der Südwestspitze, in den kleinen Fischerort Puerto de la Cruz. Bekannt wurde der Ort durch seinen modernen Windgenerator, der mittlerweile sein Wahrzeichen darstellt. Der Generator ging nie in Betrieb, weil seine Leistung für die paar Einwohner viel zu stark ist. Murks und Fehlplanungen sind eben international!

Murks war auch der Fuji-Film, mit dem ich in im äußersten Westen der Insel fotografiert habe. Die Hälfte der Bilder war schwarz, was mir mit dieser Kamera noch nie passiert ist.

Wir machten Mittagspause in der Tapas-Bar El Caleton, auf der Terrasse mit Meerblick. Nach der Pause ging es zum Punto de Jandia, der Westspitze der Insel. Dort steht seit 1950 der Leuchtturm Faro de Jandia. Bei klarem Himmel sieht man bis nach Gran Canaria. Wir konnten die Nachbarinsel eher ahnen.

Hier im Südwesten ist die zweitschmalste Stelle der Insel. In den 50-er Jahren gab es so schwere Stürme, dass sich das die Wellen von beiden Seiten des Meeres hier über Land berührt haben. „Die Wellen küssen sich“, sagen die Leute. Und wir dachten, wir sind froh, dieses Naturschauspiel nicht miterleben zu müssen.

Und wieder hieß es, in den Bus zu klettern, eine kurze Pistenstrecke zu absolvieren und beim nächsten Highlight wieder aus dem Fahrzeug herauszukrabbeln. Es ging zum Playa de Ojos, auch an der Westküste, aber etwas weiter nördlich. Eine atemberaubende Steilküste mit verschiedenfarbigen Gesteinsschichten. Ein bisschen sah das aus wie eine bunte Variante des Baumkuchens. Ich kann nichts dafür, der Reiseleiter hat mit den Kuchenvergleichen angefangen! Unten hat es nahezu unzugängliche Strände, was vielleicht auch besser so ist, denn das Baden dort ist sehr gefährlich.

Noch etwas weiter nördlich kam der nächste Aussichtspunkt, Calete de la Madeira, nicht ganz so farbenfroh wie der Playa de Ojos, aber nichtsdestotrotz eindrucksvoll – und windig.

Der letzte Haltepunkt auf dieser Tour war der Punta Pesebre. An dieser Steilküste befindet sich jede Menge schwarzen Vulkangesteins. Schaut man von der Klippe runter, sieht es unten ein bisschen aus wie ein Amphitheater. Vielleicht gibt’s da wirklich regelmäßige Fischkonzerte, wie der Reiseleiter witzelte.

Ein letztes Mal hievten wir unsere müden Knochen und die eingestaubten Klamotten und Brillen in den Bus zurück, und nun ging es über die Schotterpiste auf die Straße nach Jandia, und wieder zurück in die Hotels. Gegen 16:30 Uhr waren wir wieder „daheim“.

Am Abend traten vier Sänger aus Südafrika in der Hotelbar auf, drei Männer, eine Frau. Sie sangen Songs aus den 50-er und 70-er Jahren, von den Platters und diverse Motown-Stücke. Nicht schlecht. Hier ist die Musik sowieso um Klassen besser als in vielen anderen Hotels. Die Gruppe fordert zum Mitsingen auf, was Gerhard natürlich begeistert macht. Der grauhaarige Bass kommt von der Bühne, zeigt auf ihn und röhrt: „I like that voice“. Sie hören es, wenn einer was kann. Immer.

Fortsetzung folgt

Der komplette Reisebericht:

Teil 1: Das Labyrinth von Jandia –
https://edithnebel.wordpress.com/2007/09/02/fuerteventura-2006-teil-1-das-labyrinth-von-jandia/

Teil 2: Nordtour –
https://edithnebel.wordpress.com/2007/09/03/fuerteventura-2006-teil-2-nordtour/

Teil 3: Südtour –
https://edithnebel.wordpress.com/2007/09/04/fuerteventura-2006-teil-3-sudtour/

Teil 4: Hafen, Strand und „Katastrophen“ –
https://edithnebel.wordpress.com/2007/09/04/fuerteventura-2006-teil-4-hafen-strand-und-%e2%80%9ekatastrophen%e2%80%9c/



Fuerteventura 2006, Teil 2: Nordtour
September 3, 2007, 8:38 am
Filed under: Fuerteventura

20. Juli: Ausflug in den Norden „Faszination Fuerteventura“. Mit dem Bus, der miaute.
* Von Jandia über die Autobahn nach Corralejo
* Sanddünen von Corralejo
* Die Höhlen von Villa Verde, Cueva del Llano
* Mittagspause im Landhaus „Hotel Rural Restaurante Mahoh“
* Freiluftmuseum in Tefia: Ecomuseo de la Alcogida
* Molina de Antigua
* Aloe Vera Farm
* Pajara

Wenn man was sehen und erfahren will, geht das immer noch am besten mit einem erfahrenen Reiseleiter. Kennt man niemanden vor Ort, muss man diesen Service eben kaufen. Sprich, einen Ausflug buchen.

Bei der Anmeldung wunderten wir uns über die besonders präzisen Angaben zur Abfahrtszeit. Genau um 8:31 Uhr sollten wir vor dem Hotel draußen abgeholt werden. Irgendwer musste da ein besonders schnöseliges Computerprogramm haben, das penibel die Entfernungen zwischen der einzelnen Hotels einberechnet, von denen Gäste abgeholt werden müssen.

Das war die Theorie. In der Praxis lief es so wie immer: Um 8: 45 Uhr kam der Bus. Mit dem Fahrer Daniel und dem Reiseleiter Erwin, einem Norddeutschen, der vor 11 Jahren auf die Insel gekommen und dort geblieben war.

Das Besondere an dem Bus war: Sobald der Fahrer auf die Bremse trat, gab das Fahrzeug ein Geräusch von sich, das sich das Miauen einer Katze anhörte. Ein Katzenbus, wie nett! Der Bus, der einen Kater hat … Dieses Geräusch würde uns nun also den ganzen Ausflug begleiten. Das passte hervorragend zum Handy-Klingelton des Reiseleiters: Ein heiseres Kater-Kampfgeschrei, das wir erst gar nicht einordnen konnten. Bis es uns dämmerte: Nicht nur der Bus miaut, sondern auch das vermaledeite Telefon!

Bis es wirklich etwas zu sehen gab, unterhielt der Reiseleiter seine 16 Ausflugsteilnehmer mit allerhand interessanten Informationshäppchen und Anekdoten. So erfuhren wir, dass es durchaus seine Berechtigung hat, dass die Höchstgeschwindigkeit auf der Autobahn in den Norden nur 80 km/h beträgt. Manch einen, der das für ein Gebot für Weicheier gehalten hat, hat es wegen des starken Windes und der Kurven schon von Fahrbahn getragen. Also sollte man die Geschwindigkeitsgrenzen nicht nur wegen der strengen Gesetze einhalten. (Höchstgeschwindigkeit auf der Insel: 90 km/h. Für jeden zu schnell gefahrenen Kilometer zahlt man EUR 6,- Strafe.)

Seit 1. Juli 2006 gibt es extrem strenge Strafen für Vergehen im Straßenverkehr. Jeder, der einen in Spanien registrierten Führerschein hat, bekommt 12 Punkte Guthaben. Für jede Geldstrafe gibt es einen Punkteabzug. Wird man z.B. mit einem Handy am Steuer erwischt, ohne Freisprechanlage, kostet das EUR 300,- Strafe und 2 Punkte Abzug. Ab einem gewissen Mindeststand ist der Führerschein weg. Fährt man jedoch 2 Jahre nach so einem Punktabzug unauffällig, werden die abgezogenen Punkte wieder gutgeschrieben. Auch Nachschulungen machen es möglich, abgezogene Punkte wieder zurück aufs Konto zu bekommen. Da überall streng kontrolliert wird, fahren derzeit alle vorsichtig.

Der Reiseleiter sagt, er selbst sei nur eingeschränkt davon betroffen. Er hat einen deutschen Führerschein, der nicht in Spanien registriert ist, also hat er auch kein Punktekonto auf Fuerteventura. Und sie können ihn zwar Strafe zahlen lassen aber keine Punkte abziehen.

Dass die Insulaner über den Benzinpreis on 82 Cents/Liter jammern, liegt daran, dass das Benzin noch im letzten Winter 58 Cents/Liter gekostet hat.

Noch eine Kuriosität lernten wir kennen, und zwar eine, die recht teuer werden kann: Viele der Einheimischen fahren ohne Führerschein. Man kann nämlich ein Auto ohne Versicherung anmelden. Doch wer eine Versicherung haben will, muss den Führerschein vorzeigen. Das hat zur Folge, dass diejenigen, die keinen Führerschein haben, meist auch keine Versicherung haben. Der Busfahrer erzählte, dass man bei entsprechenden Polizeikontrollen innerhalb einer Woche 20 Autofahrer erwischt hat, die nie einen Führerschein besessen hatten.

Fuerteventura, erzählte er uns, ist die Insel ohne Ampeln. Es gibt keine einzige dort. Alles wird mittels Kreisverkehr und Stoppschildern geregelt, was sich positiv auf den Verkehrsfluss auswirkt. So gesehen ist es dann auch nicht verwunderlich, dass wir auf dem weg vom Flughafen zum Hotel so ca. alle 4 Minuten einen Kreisverkehr passiert hatten.

Überall kann man was lernen. Praktisch erschien uns auch der „Fußgänger-Überhügel“. Die Zebrastreifen liegen alle leicht erhöht auf der Fahrbahn, sie bilden einen kleinen Hügel, so dass die Autofahrer ganz im eigenen Interesse vor so einem Überweg langsam tun. Ein paar Bekloppte, die voll darüberschanzen, gibt es natürlich auch.

Wir erfuhren, was es noch in den 70-er Jahren für ein Umstand war, auf Fuerteventura Urlaub zu machen. Die Gäste wurden mit Autos vom Flughafen abgeholt und über die staubigen Schotterpisten zu ihren Unterkünften gekarrt, das Gepäck wurde separat mit einem Lastwagen angekarrt. Aber niemand hat sich beschwert. Es war eben Abenteuerurlaub.

Mittlerweile wurde viel Geld in den Straßenbau investiert. Dank der „äußersten EU-Randlage“ der Insel gibt es viele Subventionen aus Brüssel. Wegen der Osterweiterung der EU sprudelt diese Geldquelle mittlerweile allerdings nicht mehr ganz so reichlich. Was der Reiseleiter in gewisser Weise begrüßte. Man müsse nicht wegen jeder Kleinigkeit in Brüssel vorstellig werden, fand er.

Fuerteventura habe die höchste Einwandererzahl Europas, sagte er: 6.000 Neueinwohner pro Jahr. Unter anderem Aussteiger, von denen viele es aber nicht schafften, sich hier eine Existenz aufzubauen. Er habe in den Jahren, in denen er auf der Insel lebt, schon unzählige kommen und gehen.

Das Klima von Fuerteventura
* Zwischen Juni August 20 – 30°C, nachts 20°C
* Im Winter 15 – 16°C
(Im Winter 2005/2006 hatte es 8°C, was besonders hart war, weil die Häuser hier keine Heizungen haben.
* Fuerteventura ist die trockenste aller Kanareninseln. 24 Regentage im Jahr, hier und da mal Schauer, ca. 130 l/m². Die Berge sind zu niedrig, als dass die Wolken für Steigungsregen dort hängen bleiben könnten.
* Regenzeit von Oktober bis April
* Vor 200 Jahren hat es auf der Insel noch entschieden mehr geregnet. Fuerteventura war die Kornkammer der Kanaren
* Vor 200 Jahren gab es einen Klimawechsel, eine Dürreperiode, die eine Hungersnot und eine Auswanderungswelle zur Folge hatte. Die Insulaner gingen nach Lateinamerika und Kuba.
* Durch die Dürreperiode ist der Grundwasserspiegel abgesunken, Meerwasser lief nach. Das Grundwasser war versalzen.
* Trinkwasser kommt von Meerwasser-Entsalzungsanlagen
* Nach der langen Dürreperiode war kaum mehr Landwirtschaft möglich. Es wurden praktisch nur noch Tomaten und Aloe Vera angebaut. Eine Kooperative im Norden betreibt seit einiger Zeit ökologische Landwirtschaft, bezuschusst durch die Regierung und baut Gemüse an und verkauft es auf der Insel. Das ist teurer aber frischer als das importierte Gemüse, das es sonst zu kaufen gibt. Dieses ist in der Regel ein paar Tage unterwegs, bevor es zum Endverbraucher kommt.
* Die Tomatenfelder unter Plastiknetzen vorm Wind geschützt. 2005 wurden 10.000 Tonnen Tomaten geerntet. Die meisten davon werden Exportiert. Und zwar gehen die meisten – bitte festhalten – in die Niederlande!

Fuerteventura ist die spanische Ziegeninsel. Wenn man sich fragt, was die Ziegen in der kargen Landschaft fressen … sie bekommen importiertes Kraftfutter. Eine Ziege gibt 4 – 5 l Milch täglich. 6 – 7 l braucht man für 1 kg Ziegenkäse. Für I Kilo am Tag braucht man also 2 Ziegen.

10 Jahre lang gibt eine Ziege Milch. Reiseleiter Erwin meinte ganz unsentimental „danach geht’s ab zum Metzger“.

Ziegen haben den Ruf, intelligente Tiere zu sein, die auch über größere Strecken wie der nach Hause finden. Erwin meinte, all die Ziegen, die man im Gebirgen herumkraxeln sieht, seien nicht wild, sondern gehörten jemandem.

Wirtschaft
* Verarbeitende Industrie,
erklärte uns Erwin, gibt es auf der Insel keine. Nur Handwerk und Geschäfte. Na ja, und eben den Tourismus und das bisschen Landwirtschaft, von dem schon die Rede war.
* Zolltechnisch ist Fuerteventura eine Freihandelszone
* Mehrwehrtsteuer: 5%. Günstiger als anderswo in Europa sind daher Benzin, Autos, Zigaretten, Parfum, Schmuck und Alkohol. Schottische Touristen haben ihm erzählt, dass der Whisky aus ihrer Region auf der Insel um 50% billiger sei als bei ihnen daheim, wo er hergestellt wird. Irgendwie ist das ja schon ein bisschen verrückt.
* Das Elektrizitätswerk auf der Insel ist veraltet, man müsste ein neues bauen, aber niemand will das neue vor der Tür haben. Im Osten wäre die Lage optimal, wegen der bereits vorhandenen Straßen und Leitungen, doch der zuständige Bürgermeister lehnte ab. Ein Neubau im Westen wäre auch möglich, wäre aber mangels Infrastruktur doppelt so teuer. Solarenergie wäre ebenfalls denkbar, doch das will keiner, das ist zu teuer, weil es von der EU nicht genügend subventioniert wird.

Wir kamen durch Puerto del Rosario, am Flughafen vorbei. Hauptanreisezeiten für die deutschen Touristen sei Montag und Samstag, erfuhren wir. Seit 1860 ist Puerto del Rosario Hauptstadt der Insel. Bis 1956 hieß die Stadt Puerto Cabras – Ziegenhafen. Dann war das den Leuten nicht mehr fein genug, und man benannte sie um in Puerto del Rosario – nach der Schutzheiligen Nuestra Senora del Rosario. Die Stadt an sich ist relativ uninteressant, zu sehen gibt es nicht viel. Bedeutend ist der Hafen. Über P. del Rosario läuft der meiste Import. Exportiert wird lediglich Ziegenkäse, Tomaten und Aloe Vera.

Betancuria, die alte Hauptstadt Fuerteventuras, ist heute ein Bergdorf mit ca. 450 Einwohnern und steht unter Denkmalschutz. Die heutige Bausubstanz von Betancuria stammt vielfach aus dem 17. Jahrhundert. Denn trotz der abgeschiedenen Lage und des schützenden Tales wurde die Stadt im Jahr 1593 durch Piraten weitgehend zerstört. Die vielen aufwendig restaurierten Gebäude im Zentrum zaubern ein malerisches Bild der Stadt, die 1835 ihren Hauptstadtstatus verlor. Namensgeber und Begründer der Siedlung im Jahr 1405 war der Eroberer Jean de Béthencourt.

König Heinrich III. von Kastilien befahl Béthencourt auf den Kanaren, dem damaligen Ende der westlichen Welt, unter dem Deckmantel christlicher Mission seinem eher wirtschaftlichen Interesse nachzugehen. Denn der König wollte sich unter anderem die Bezugsquellen des Farbstoffs sichern, mit dem man auch Stoffe einfärben konnte. Dieser wurde auf den Inseln von der Cochenille-Laus gewonnen.

Am 1. Mai 1402 stach Béthencourt von La Rochelle in der Normandie in See, um die Kanarischen Inseln zu erobern. Mit 40 Soldaten! Zu dieser Expedition zählten auch zwei Kapläne, Bruder Pierre Bontier, ein Franziskanermönch, und Jean Le Verrier, der später Priester auf Fuerteventura wurde. Sie sollten die Guanchen missionieren, und alle so genannten Heldentaten dokumentieren. Die Flotte machte in Cádiz einen letzten Halt auf spanischem Festland, wobei einige Gefolgsleute desertierten. Ihnen war die Fahrt in eine damals ungewisse Welt scheinbar zu gefährlich. Im Juli 1402 startete die Expedition dann von Cádiz in Richtung Kanarische Inseln.

Ende Juli 1402 landete Béthencourt mit einer kleinen Anzahl Soldaten und den Kapitänen Jean Le Verrier und Pedro Bautier auf Lanzarote, der nordöstlichsten Insel des kanarischen Archipels. Béthencourts mitgebrachte Geistliche beeilten sich mit der Taufe vieler Guanchen, was diese zu Sklaven machte. In Rubicón wird durch Benedikt XIII. der erste Bischofssitz auf der Kanarischen Insel Lanzarote gegründet.

Von diesem Fort Rubicón im Süden Lanzarotes aus wagte Béthencourts Begleiter Gadifer de la Salle in dessen Abwesenheit einen ersten Versuch über Los Lobos nach Fuerteventura zu gelangen, was jedoch nicht funktionierte. Als Béthencourt 1404 mit einer stärkeren Mannschaft von Spanien zurückkehrte, ließ er auf Fuerteventura die beiden Festungen Rico Roque und Valtarajal bauen.

Die Insel war in die beiden Königreiche Maxorata mit König Guize und Jandía mit König Ayoze aufgeteilt. Zwischen den beiden Königreichen verlief eine Mauer (auf der Höhe der Stadt La Pared). Als die Spanier auf der Insel landeten, stand diese Mauer noch.

Nach einigen Zusammenstössen wurden viele Einheimische getötet oder als Gefangene nach Lanzarote gebracht. Am 18. Januar 1405 ließ sich König Guize seinen Gefolgsleuten taufen, am 25. Januar folgte auch König Ayoze mit vielen seiner Einwohner. Die Könige verblieben auf der Insel und bekamen sogar Ländereien zurück. Die zeitweise Hauptstadt Betancuria trägt noch heute Béthencourts Namen.

Viel Widerstand haben die Insulaner den Spaniern nicht entgegengesetzt. Es gibt eine Legende, die besagt, eine Wahrsagerin habe den beiden Königen geweissagt, es kämen Männer übers Meer, die sie nicht bekämpfen sollten, denn diese Männer seien zu stark.

Despektierlich äußerte sich Erwin über die gemauerten „Ortsschilder“ an den Straßenrändern. Da haben die Gemeinden so Art Tore errichtet, die einen darüber informieren, dass man hier z.B. in die „Municipia da Oliva“ kommt, in eine bestimmte Großgemeinde. „Das interessiert keine Sau“, sagte er, „aber es ist irgendwie modern geworden, so ein Tor an den Straßenrand zu stellen.

Am südlichen Ende des Naturschutzgebiets der Sanddünen von Corralejo steht der Vulkan Montana Roja, Das Naturschutzgebiet ist 7 km lang, 4 km breit und hat einen Strand von 5 km Länge. Wir stiegen aus. Naturgemäß war’s nur eine kurze Fotopause und wir konnten ein bisschen in dem feinen Sand wühlen. Erwin legte Wert auf die Feststellung, dass es sich hier nicht um Saharasand handelt, sonder um Meeressand, Muschelkalk, der von den Meeresströmungen hochgespült wurde und immer noch wird.

Jetzt ist im Naturschutzgebiet kein Hotel mehr erlaubt. Die beiden Hotels in den Dünen bleiben natürlich erhalten, die hat RIU aufgekauft. Von Corralejo aus sieht man auf Isla de Lobos, die Seehundinsel. Sie ist nicht bewohnt, nur Fischer haben ihre Wochenendhütten dort.


Corralejo hat 4.000 Einwohner, Lanzarote ist 10 km weit weg, im Stundentakt verkehrt eine Fähre zwischen den beiden Insel. Gebaut wird in der Stadt wie wild, vor allem Appartements und Ladengalerien. „Man ist, was den Tourismus angeht, sehr optimistisch“, meinte Erwin und zeigte uns „die Haupttouristenrennbahn“, die Haupt-Einkaufsstraße der Stadt.

„Da im Norden, da hat’s all die tätowierten Engländer. Boah, furchtbar! Da möchte’ ich auch kein Bild von mir hängen haben..“ – Erwin, Reiseleiter

Im Hafen von Corralejo machten wir eine kurze Pause, und es passierte das, was mir alle paar Jahre wieder im Urlaub passiert: Die Armbanduhr gab den Geist auf – die Batterie war alle. Sehr lästig auf einem Ausflug, wo es ständig heißt „wir haben hier X Minuten Aufenthalt und treffen uns um Y Uhr wieder am Bus.“ Ich würde also bis auf weiteres Gerhard mit ständigen Fragen nach der Uhrzeit auf die Nerven gehen und mir zurück in Jandia so schnell wie möglich jemanden suchen, der die Batterie wechselt. Jede Menge Juweliere, die auch Uhren im Programm hatten, gab es ja. Da würde sich doch aber auch jemand finden …

„Mitte Juni bis Mitte September sind hier Sommerferien. Das ist wunderbar für die Lehrer und wunderbar für die Kinder – und ein Alptraum für die Eltern.“ – Erwin, Reiseleiter

Das nächste Ziel waren Lavahöhlen Cueva del Llano in der NäheVilla Verde. Nach einem Besuch im Informationszentrum, für das man sich mehr Zeit gewünscht hätte, weil hier alles Wissenswerte über die Höhle interessant aufbereitet war, bekam jeder einen Helm mit Grubenlampe ausgehändigt, und dann ging es über die Treppen hinab in die stockfinstere Höhle. Im Gänsemarsch taperten wir dem Reiseleiter hinterher, der erzählte, dass dieses Höhlensystem erst seit kurzem der Öffentlichkeit zugänglich ist . Lange Zeit war nur ein Teil der Höhle bekannt – und zwar den Jugendlichen am Ort, die dort ihre Partys feierten.

Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, ob wir wohl wieder zurückfinden würden, wenn die Grubenlampen ausgingen.

Eine von Lava, Erosion und Ablagerungen geformte Höhle
Die Cueva del Llano ist eine Million Jahre alt. Als sie sich bildete, hatte die Insel El Hierro gerade das Licht der Welt erblickt. Es handelt sich um eine Lavahöhle ohne Nebenhöhlen, wenn man von einem kürzeren Teilstück absieht, das sich wenige Meter weiter erneut mit dem längeren vereinigt.

Topographen gehen heute von einer Gesamtlänge von 648 m aus, obwohl die letzten 200 nur schwer zu erforschen sind, weil sie fast vollständig mit Ablagerungen angefüllt sind. Das Gefälle liegt unter einem Grad.

Weite Teile der Höhle sind begehbar und sie verbreitert sich auf zwischen 7 und 12 m und weist lichte Höhen zwischen 3 und 5 Metern auf. Die vom Lauf der Zeit geprägten Seitenwände zeigen Lehmspuren, die gleichsam Hochwassermarken der letzten Wassereinbrüche der Höhle darstellen

Etwa 40 m vom Höhlendurchbruch des Eingangs befindet sich ein weiterer, der von außen kaum sichtbar ist, durch den jedoch das meiste Wasser mit Lehmbestandteilen eindrang. Der Einsturz des Höhlendurchbruchs des Eingangs formte eine Art Staudamm, so dass der Abschnitt zwischen beiden sich fast vollständig mit Ablagerungen füllte.

Diese Höhle ist einzigartig unter den Lavahöhlen der Kanarischen Insel. Sie ist ein ganz besonderer Zeuge der generellen „Abnutzungserscheinungen“, die so kennzeichnend für Fuerteventura sind, denn hier finden sich Versteinerungen von Tieren, die in ihren Ablagerungen eingeschlossen wurden. Durch diese Fossilien ist die Cueva del Llano zur steinzeitlichen Fundstätte in Vulkanhöhlen der Kanarischen Inseln mit der größten Zahl an Knochenfunden geworden.

Der Vulkanausbruch, der zur Bildung der Cueva del Llano führte, stellte seit langer Zeit ein absolutes Rätsel dar. Die Höhle befindet sich – wie schon ihr spanischer Name „Höhle der Ebene“ sagt – inmitten eines ebenen Geländes, ohne offensichtliche Anbindung an irgendwelche Vulkane oder Eruptionen in der Nähe. Geologische Daten führten den Ursprung der Cueva del Llano auf den Vulkan Montana Secanfraga zurück.

Eine Höhle dieser Art formt sich in drei Etappen:
I. Der Vulkan stößt sehr flüssige Lava aus
II. Der äußere Teil muss eine feste Kruste bilden
III. Bei Ende des Vulkanausbruchs leert sich die Höhle

Das ist ein bisschen so wie bei der Herstellung von Schokoladen-Nikoläusen. 😉
Sobald der Ausstoß vulkanischen Materials beendet ist, behalten die Lavaströme ihre ursprünglichen Flüssigkeitsgrade bei und fließen weiter, bis die Höhlung leer ist und die Höhle zurück bleibt.

Basierend auf den Informationsunterlagen der Cueva del Llano.

Unsere Mittagspause machten wir in Villaverde, im ländlichen Hotel/Restaurant Rural Mahoh. Im Falk Spirallo-Reiseführer Fuerteventura steht darüber:
„Das Mahoh ist ein altes Landhaus, das aus vulkanischem Gestein und Holz gebaut wurde und aus dem 19. Jahrhundert stammt. In allen neun Zimmern sorgt ein Steinboden für Kühlung. Zum rustikal-romantischen Flair tragen die Antiquitäten sowie Details wie Himmelbetten in vier der Zimmer bei. (…) Das Restaurant zählt zu den besten der Insel.

Und einen sehr schönen Kaktusgarten haben sie auch.

Im selben Reiseführer fanden wir auch die Information, dass der Besitzer des Hotels, Tintin Martinez, der Präsident der Umweltorganisation Mahoh ist. In den 1980-er Jahren entstand diese Bewegung als Reaktion auf die Bauvorhaben in den Sanddünen von Corralejo. Nach einem großen Propagandafeldzug von Mahoh wurden die Dünen schließlich zum Nationalpark erklärt. „Wir müssen aus den Fehlern lernen, die wir an der Küste begangen haben“, sagt Martinez. Sein kleines Hotel Rural Mahoh ist ein positives Beispiel – es passt perfekt in die Landschaft.

Sowas Berühmtes ist das also! Sonst ist man ja bei solchen Ausflügen eher geschmacksneutrale Massenabfertigung gewöhnt. Und wir hatten uns noch gewundert, dass die Tapas, die uns im Mahoh serviert wurden, so außerordentlich lecker waren.

Zur Begrüßung gab es Sekt, dann wurden Teller mit Tapas auf den Tischen verteilt: Kleine in stark gesalzenem Wasser gekochte Kartoffeln und roter Mojo, Serrano-Schinken, Kroketten mit Shrimos, Tomaten und Ziegenkäse, Fleisch und Fisch. Zu Trinken gab es Wasser und Sangria. Zum Nachtisch wurde eine kanarische Nusscreme gereicht.

Und wir wuselten zwischen den Gängen immer mal durchs Gelände zum Fotografieren.

Die nächste Etappe unseres Ausflugs war das Freiluftmuseum in Tefia, das Ecomuseo de la Alcogida. Auf dem Weg dorthin kamen wir an einem Friedhof vorbei, und Erwin erzählte uns, dass es hier keine Erdbestattung gibt, sondern dass die Särge wie Schubladen in eine dicke Mauer geschoben würden.

Wir erfuhren ferner, dass Feigenbäume die einzigen Obstbäume sind, die den Wind und das Klima auf der Insel vertragen.

Zum Thema Wasser wusste er zu berichten, dass der Preis pro Kubikmeter steigt, je mehr Wasser man verbraucht. Von EUR 1,70 bis EUR 2,80. Deshalb gibt es so wenige Gärten, denn die müsste man ja bewässern, und das würde teuer. Zudem müsste man einen Windschutz bauen, und das ist alles zu aufwändig.

So einen Wind- und Wasserschutz gibt es auch auf den Feldern. Überall sieht man rund ums Feld kleine Steinwälle/Steinmäuerchen. Durch sie wird das Feld vom Wind geschützt und das Wasser bleibt auf dem Feld.

Das Inselklima ist gesundheitsfördernd, hörten wir. Auf der Insel gibt es ein Behandlungszentrum für Schuppenflechte. Zudem leben viele Rentner hier, weil sich die trockene Hitze positiv auf Leiden wie Rheuma, Arthrose und Arthritis auswirkt.

Oben auf dem Montana Tindaya, dem heiligen Berg der Ureinwohner der kanarischen Insel, hat man 1978 rund um den Berggipfel auf 401 m Höhe diverse Schriftzeichen und Felszeichnungen gefunden. Darunter über hundert Felsritzungen in der Form eines Fußabdrucks. Sie befinden sich auf der Seite, die in Richtung des Vulkans Teide auf Teneriffa zeigt. Dieser brach zu Lebzeiten der Guanchen häufig aus und wurde von ihnen für den Wohnsitz des Teufels gehalten. Wissenschaftler vermuten, dass die Ritzzeichnungen böse Geister abhalten sollten.

Der Montana Quemada, der „verbrannte Berg“ hat seinen Namen von seiner Färbung.

Das Freilichtmuseum in der gottverlassenen Einöde präsentierte uns ein Stück Dorfleben, wie es typisch für die Insel vor 50 bis 100 Jahren.

1. Das erste Haus, das Haus der Senora Herminia und des Senor Donato steht beispielhaft für ein einfach möbliertes Familienhaus.
2. Das Haus des Senor Teodosio dient als Beispiel für das Heim einer wohlhabenden Familie
3. Der dritte Gebäudekomplex ist ein Bauernhof mit 5 Gebäuden, eines davon ist eine tahona, eine von einem Esel betriebene Mühle. Gerade als wir da waren, gab es keine praktische Vorführung mit Esel und wir mussten uns so erklären lassen, wie hier Getreide gemahlen wurde und wie das Grundnahrungsmittel der Insulaner, Gofio, hergestellt wurde. Sie aßen zum Frühstück eine Mischung aus geröstetem Getreide, Honig und diversen anderen Zutaten – laut unseres Reiseleiters „der Vorläufer des modernen Müsliriegels.“
4. Die Häuser der Familien Herrera und Molina zeigen die kunsthandwerklichen Arbeiten von Rattanflechtern, Töpfern, Webern und Steinmetzen.

Auf dem Gelände des Freilichtmuseums stand ein Baum mit roten Beeren/rotem Pfeffer. Ich rupfte mir ein paar der Beeren ab und nahm sie als würziges Souvenir mit nach Hause.

Die Ureinwohner von Fuerteventura
Die Guanchen, auch Majoreros genannt, lebten ihn Höhlen. Sie waren von „europäischer“ Erscheinung. Vermutlich stammen sie von den Berbern ab, die vor 2000 bis 2500 Jahren (zur Zeit der Römer) aus Marokko nach Fuerteventura segelten. Das ist eigentlich die einzig einleuchtende Erklärung, auch wenn bei den Guanchen später keine Kenntnis der Schifffahrt mehr vorhanden war. Diese Kenntnisse müssen verloren gegangen sein. Eine mögliche andere Erklärung wäre höchstens noch, dass die Guanchen von einem Seefahrervolk auf der Insel ausgesetzt worden sind.

Nachdem die Insel im 15. Jahrhundert von den Spaniern erobert wurden, haben die Majoreros deren Kultur und Religion rasch akzeptiert und sich mit den Spaniern vermischt. Die Majorero-Kultur geriet dadurch in Vergessenheit.

Es gab wohl Aufzeichnungen über die Majoreros. Die Franziskaner-Mönche haben wahrscheinlich Niederschriften darüber angefertigt. Doch im Jahr 1493 kamen Piraten aus Nordafrika und haben Fuerteventura erobert. Sie brannten alle Kirchen nieder. Eventuelle Aufzeichnungen der Mönche gingen dadurch verloren. Deshalb ist über die Majoreros nur wenig bekannt.

Antigua war unser nächstes Ziel. Im Norden des Dorfs liegt ein Miniatur-Museumsdorf und Ausstellungszentrum, das Centro de Artesania Molino, das unter der Regie von Cesar Manrique entstanden ist – der Künstler und „Lokalheilige“ von Lanzarote. Das Zentrum des Museumsdorfs bildet die restaurierte 200 Jahre alte Mühle inmitten eines Kakteengartens. Zur Anlage gehören ein Geschäft, eine Galerie und Ausstellungsräume mit völkerkundlichen und archäologischen Exponaten sowie ein netter kleiner Platz mit einem Cafe. Das Restaurant La Molina wurde in einen großen runden Kornspeicher integriert.

Wie immer hatten wir viel zu wenig Zeit. Es reichte für einen Kaffee Spezial (mit Ron y Miel-Likör und Sahne. Endlich weiß ich, was ich dem Rest des Likörs anstelle, den ich noch von unserer Gran Canaria-Reise zu Hause habe!), den Kauf von ein paar Postkarten und ein paar Fotos im Kaktusgarten.

Ein bisschen was von Kaffeefahrt haben die Ausflüge auch immer gern … Wir besuchten eine Aloe-Vera-Fabrik. Aloe Vera ist eine Wüstenpflanze, die viel Licht und wenig Wasser braucht. Wenn sie braun ist, geht es ihr gut. Ist sie grün, bedeutet das, dass sie zu wenig Licht hat und die letzte Kraft mobilisiert, um mehr Sonnenlicht zu bekommen.

Wir sahen, wie die Blätter verarbeitet und von giftigen Rückständen gereinigt wurden. Wir durften sogar Aloe-Vera-Saft, verdünnt mit Orangensaft, verkosten. Als Saft, als Gel, als Creme, als Seife … Aloe Vera schien ein wahres Wundermittel zu sein. Gut „gegen Schweißfüße und Dummheit“. 😉 Die Leute haben sich wie wild darauf gestürzt.Wir glauben aber nicht alles, was man uns erzählt, und haben nichts gekauft.

Später dann in der Stadt haben wir uns dann doch entschlossen, Aloe-Vera-Produkte als Reisemitbringsel zu erwerben. Aber sicher nicht das teuere Zeugs aus der Fabrik.

Den Abschluss unserer Tour bildete die Stadt Pajara. Es wurde im 16. Jahrhundert gegründet. Eine seiner wichtigsten Sehenswürdigkeiten ist die Kirche Nuestra Senora de la Regla (1685). Die Steinmetzarbeiten am Portal zeigen aztekisch wirkende Motive wie zwei Indianer mit Kopfschmuck, einen Jaguar, sowie stilisierte Vögel und andere Tiere. Material und Technik lassen jedoch auf einheimische Künstler schließen, und so ist der Stil des Portals bis heute ein Rätsel. Kam das Portal aus Südamerika? Oder doch nur der Plan dafür, und ausgeführt wurde die Arbeit auf Fuerteventura?

Das Dorf hat vor einigen Jahren bei einem Wettbewerb um das sauberste Dorf ganz Spaniens den achten Platz errungen. Und so wundert es einen nicht, dass es so gepflegt aussieht und mit einer üppigen Blumenpracht aufwartet. Der Barranco quillt über vor Bougenvilleas in allen Farben. Nach all den Brauntönen der Wüste und Halbwüste, die wir den ganzen Tag gesehen hatten, konnten wir uns beim Fotografieren der üppigen Blütenpracht nicht mehr bremsen.

Was wir leider nur aus der Ferne – vom Berg herunter – sahen und nicht selbst fotografieren konnten: Das Wrack der „American Star“, die 1993 nach Phuket/Thailand geschleppt werden sollte, um dort zu einem schwimmenden Luxushotel umgebaut zu werden. Der Eigner wollte wohl Geld sparen und nahm nicht die übliche Route über den Suezkanal, sondern ließ das Schiff in einer sturmreichen Zeit entlag der afrikanischen Küste schleppen. Angeblich waren die Schleppboote nicht versichert. Beim ersten Anzeichen von Schwierigkeiten ließen sie die American Star im Stich und flohen. Das Schiff lief am 14. Januar 1994 rund 100 m vor der Westküste von Fuerteventura bei Playa de Gracey auf Grund. Es brach auseinander. Innerhalb weniger Tage nach dem Schiffbruch soll die Hälfte der Inseleinwohner dem Wrack einen Besuch abgestattet und bei dieser Gelegenheit „Andenken“ mitgenommen haben. Kling alles furchtbar illegal – aber aufregend.

Unsere Tour war zu Ende, und wir fuhren auf direktem Weg wieder in den Süden – die Ausflugsteilnehmer in ihren Hotels abliefern. 300 Kilometer haben an diesem Tag zurückgelegt und sehr viel erlebt, gesehen und erfahren. Zum Beispiel, dass „Morro Jable“ Sandschnauze heißen soll. Morro = Schnauze und Jable = Sand.

DIE ENTSTEHUNG DER INSEL

Eine lange Geschichte
Nachdem das vorher als Unterwasserplattform bestehende Fuerteventura aus dem Meer aufgetaucht war, bildete sich die Insel auf der Grundlage von drei Vulkangebäuden, dem zentralen, dem südlichen und dem nördlichen, die sich in dieser Reihenfolge aus dem Ozean erhoben hatten.

Der Basalkomplex
Dies ist der älteste Bereich, der den Zeitraum des Wachsens der Insel unter der Wasseroberfläche vor mehr als 20 Millionen Jahren umfasst. Der Altersspielraum ist enorm und weist Material mit einem Alter von 70 Millionen Jahren und mehr auf. Geographisch ist dieser Bereich als Massiv Betancuria bekannt, wo später andere geologische Ereignisse dazugekjommen sind, als sich der Hauptkern der Insel bildete

Frühe Vulkantätigkeit
Sie umfasst die Hauptausbrüche auf der bereits aus dem Meer herausragenden Insel. Hauptsächlich bildeten sich drei Vulkangebäude, die zwischen 12 und 20 Millionen Jahre alt sind. Das zentrale von Betancuria erreichte Höhen von mehr als 3.000 m über dem Meeresspiegel.

Jüngere Vulkantätigkeit und eolische Sandformationen
Verjüngend hat sich die Vulkantätigkeit verschiedentlich im Verlauf der letzten 5 Millionen Jahre ausgewirkt und die Insel mit jüngeren Vulkanen und Lavafeldern gleichsam übersät. Außerdem hat der Wind dazu beigetragen, weite Gebiete mit Meersand zu bedecken.

Ein Schatz für Geologen
Fuerteventura ragte vor 18 Millionen Jahren etwa 3.000 m aus dem Ozean auf, als nach seinen ersten zwei Millionen Jahren eine Zeit intensiver Eruptoionstätigkeit ihrem Ende zuging. Das Massiv von Betancuria stellt den Hauptkern der Bildung der ursprünglichen Insel dar und birgt einen enormen Schatz in geologischer Hinsicht: Reste vom Magmakammern früherer Vulkane, die von der Erosion offengelgt wurden. So können wir heute unter freiem Himmel Felsen bestaunen, die normalerweise Kilometer unter der Erdoberfläche angesiedelt sind.

Basierend auf den Informationsunterlagen der Cueva del Llano.

21 Juli: Dinge, die die Welt nicht braucht
Der Freitag verlief unspektakulär. Wir gingen in die „Stadt“ … ins Geschäftszentrum … und betraten den ersten Laden, der Uhren im Programm führte. Wir fragten den korrekt gekleideten indischen Herrn, ob sie uns eventuell die Batterie meiner Armbanduhr auswechseln würden. Das sei kein Problem, erwiderte er in ebenso korrektem Deutsch. Wir könnten die Uhr am Abend wieder abholen. Wir ließen sie also dort. Ich dachte mir, wenn die mit viel hochwertigeren Uhren handeln, werden die keinerlei Interesse an einer 10 Jahre alten Fossil-Uhr haben und die sicher am Abend anstandslos wieder rausrücken.

Wir gingen ein Stück die Einkaufsstraße entlang und betrachteten die angebotenen „Dinge, die die Welt nicht braucht“. Dann gingen wir zurück zum Hotel und von einer Steinbank auf der Promenade in die Bucht hinunter. Den Nachmittag vertrödelten wir am Pool. Und am Abend holten wir unsere Uhr ab. 5 Euro hat uns der Spaß gekostet. Und nun hat die Uhr, die auch schon ein „Herz“ aus Zypern trug, eines aus Fuerteventura.

Fortsetzung folgt

Der komplette Reisebericht:

Teil 1: Das Labyrinth von Jandia –
https://edithnebel.wordpress.com/2007/09/02/fuerteventura-2006-teil-1-das-labyrinth-von-jandia/

Teil 2: Nordtour –
https://edithnebel.wordpress.com/2007/09/03/fuerteventura-2006-teil-2-nordtour/

Teil 3: Südtour –
https://edithnebel.wordpress.com/2007/09/04/fuerteventura-2006-teil-3-sudtour/

Teil 4: Hafen, Strand und „Katastrophen“ –
https://edithnebel.wordpress.com/2007/09/04/fuerteventura-2006-teil-4-hafen-strand-und-%e2%80%9ekatastrophen%e2%80%9c/



Fuerteventura 2006, Teil 1: Das Labyrinth von Jandia
September 2, 2007, 6:08 pm
Filed under: Fuerteventura

Das Labyrinth von Jandia
Fuerteventura, 17. Juli bis 31. Juli 2006

Fuerteventura war eine Spontanentscheidung beim Durchblättern des Urlaubs-Katalogs. Dass es wieder in ein EU-Land gehen sollte, in dem nicht mit stundenlangem Klimbim und Klamauk bei der Passkontrolle zu rechnen ist, war klar. Auf den Kanarischen Inseln hatte es uns bislang immer gut gefallen, das Hotel RIU Jandia Palace sah gut und bezahlbar aus. Und so wurde ruckzuck die Entscheidung getroffen.

Beim Kofferpacken sagte ich noch im Scherz: „Sollen wir unser Gepäck vorab fotografieren, damit die Jodler am Flughafen diesmal wissen, was sie suchen müssen, wenn sie wieder einen Koffer verschlampen?“ Wir haben aber nicht wirklich damit gerechnet, dass uns erneut ein Gepäckstück abhanden kommt, wie im letzten Jahr. Rein statistisch gesehen wäre das ja auch ziemlich unwahrscheinlich. Nun gut … dazu später mehr.

17. Juli:Der Sicherheitszirkus tobt. Es geht schon gut los!
Am Montag um 14:15 ging unsere Maschine nach Puerto del Rosario. Gegen 10:20 Uhr brachen wir mit Sack und Pack auf, um mit Stadtbahn und Bus zum Flughafen zu fahren. Unseren Koffern wünschte ich bei der Aufgabe ein ernst gemeintes „Auf Wiedersehen“ und hoffte inständig, dass wir nicht wieder einen Urlaub ohne Gepäck verbringen würden.

Zum Glück waren wir zeitlich gut im Rennen, denn bei den Kontrollen tobte der Sicherheitszirkus. Es ja löblich, dass sie es so genau nehmen. Trotzdem verursacht es einen braven Bürger natürlich sehr, wenn es auf einmal heißt: „Folgen Sie mir!“ – und in einem Nebenraum die Kameraausrüstung auf Sprengstoffspuren untersucht wird. Es war aber nur Hausstaub.

Dann entdeckten sie beim Gepäckdurchleuchten in Gerhards Rucksack ein unidentifizierbares Metallstück. Auf dem Bildschirm war es zu sehen, aber im Ruchsack selber war es ungeheuer schwer zu finden. Es war einfach nicht zu erkennen, in welchem der hunderttausend Nebentäschchen des Rucksacks es sich befand – und was es überhaupt war. Gehörte es gar zum Rucksack? War es schon bei der Produktion ins Futter gerutscht? Mit wachsender Hektik haben wir Reisverschlüsse aufgezogen und in Seitentaschen gewühlt. Wir würden den teuren Rucksack doch nicht auseinandertrennen müssen? Irgendwann wurde Gerhard doch noch fündig. „Ich hab’s!“ – „Gott sei Dank!“ Es war irgendeine Messschablone aus dem Betrieb, die irgendwann in den Rucksack geraten und dort vergessen worden war.

Dem Abflug stand also nichts mehr im Wege. Mit 10-mintüiger Verspätung ging es dann los.

5 Stunden Flug sind gerade noch am Rand des Erträglichen. Mit etwas zu Lesen und etwas zu Essen geht das vorbei, ehe man so richtig angenervt ist. Wir landeten halbwegs pünktlich in Puerto del Rosario, und obwohl es bei der Gepäckausgabe schon wieder verdächtig lange dauerte, kamen alle Koffer an.

Jetzt konnte nicht mehr viel schief gehen. Nachdem wir endlich auch den TUI-Bus gefunden hatten, der uns nach Jandiains Hotel bringen sollte (hatte die Reiseleiterin nun Bus 14 oder Bus 40 gesagt?), ging’s zum Endspurt. Stunde und 20 Minuten dauerte der Transfer, bei dem wir unterwegs Hinz und Kunz in ihren Hotels abliefern mussten.

Es wurde spät und später. Und auch das Einchecken dauerte länglich. So ist es eben, wenn jede Menge Leute gleichzeitig im Hotel angekommen. Ob wir noch etwas zum Abendessen bekommen würden?

Es gab Sekt zur Begrüßung und eine angenehme Überraschung: Als „Geschenk von der Geschäftsleitung“ bekamen wir ein Zimmer mit Meerblick spendiert, obwohl wir nur ein ganz normales Zimmer bestellt hatten. Gut … das Hotel war wohl nicht ausgelastet, und organisatorisch wird es vermutlich einfacher sein, die Gäste an einigen Stellen des Hauses zu konzent-rieren – und nicht kreuz und quer über die riesige Anlage zu verteilen. Wie auch immer … einem geschenkten Barsch schaut man nicht hinter die Kiemen. Das Zimmer war riesig, der Balkon auch, die Aussicht auf Palmen, Pool und Meer phantastisch. An das Trennmäuerchen und die Stufen zwischen dem Schlaf- und dem Wohnbe-reich könnte ich mich gewöhnen. Wenn ich so was in der Wohnung hätte, wäre das entweder ein Bücherregal oder ein bevorzugter Liegeplatz für die Katzen.

Wir hetzten uns ab um noch rechtzeitig zur „Spätschicht“ im Restaurant zu kommen und stellten übereinstimmend fest: Am Essen würden wir nichts zu meckern haben. Aber das hatten wir in einem RIU-Hotel sowieso noch nie. Das ist eine Marke, und die hat einen gewissen Standard.

Leider war an dem Abend die Telefonleitung überlastet. Es ist uns nicht gelungen, in Deutschland anzurufen um den Eltern zu sagen, dass wir gut angekommen sind. Aufgrund der Zeitverschiebung wollten wir es nach unserer Rückkehr vom Abendessen nicht noch einmal versuchen.

Aus der TUI-Hotelinformation RIU Jandia Palace
Lage:
Unmittelbar am kilometerlangen Strand Playa de Jandia, auf einer Felsanhöhe liegt dieses Riu Hotel der Palace-Spitzenklasse. Den Strand erreichen Sie über einige steile Stufen. Zum ehemaligen Fischerort Morro Jable sind es ca. 15 Gehminuten über die Promenade.

Das bietet Ihr Hotel: Das vollklimatisierte Hotel mit gläsernen Außenfahrstühlen und unverwechselbarem Charakter verfügt über eine Rezeption, Konferenz- und Meetingraum, Bar-Salon, Pool-/Snackbar (am Abend Nichtraucher-Themenrestaurant) mit Freiterrasse auf der mittags leichte Speisen angeboten werden, Souvenirgeschäft und Boutique. Guter Service erwartet Sie im exklusiven Nichtraucher-Restaurant. Im Garten befindet sich der Süßwasserpool mit Sonnenterrasse und Whirlpool, Liegen, Pooltüchern und Sonnenschirmen (alles inklusive).
Landeskategorie: 4-Sterne-Hotel.

So wohnen Sie: Die elegant eingerichteten und komfortablen Superior-Zimmer/DBH verfügen über ein Badezimmer mit Föhn, halbrunder Badewanne und optisch abgetrenntem WC, Schlafbereich mit Teppichboden und einen 2 Stufen tiefer liegenden Wohnbereich mit Sitzecke (Schlafsofa), TV (deutsche Programme/Musikkanal), Minibar, zentral gesteuerte Klimaanlage, Deckenventilator, Mietsafe, Telefon und Balkon, teilweise mit Meerblick/DBHM.

18. Juli: Das Labyrinth von Jandia. Wo, zum Kuckuck, geht’s denn hier zum Meer?

Für den ersten Urlaubstag nach der Anreise war auch hier die traditionelle TUI Informationsveranstaltung angesagt. Da wir nach dem Frühstück bis zur Veranstaltung noch Zeit hatten, wollten wir mal kurz runter ans Meer. Sehen konnte man es zwar, und theoretisch müsste man ja nur in die entsprechende Richtung marschieren, und dann hätte man es. Praktisch war es nicht so einfach. Das Hotel in am Hang gebaut mit diversen Nebengebäuden und unzähligen Staffeln. Wir latschten Treppen, benutzten diverse Aufzüge – und landeten doch immer irgendwo hinter irgendwelchen Wirtschaftsgebäuden, vor Mauern und vor Türen, zu denen wir keinen Schlüssel hatten. Selbst der Lageplan des Hotels, der im Hotelfoyer hing, machte uns nicht wesentlich schlauer.

Vielleicht würde die Informationsveranstaltung uns den Weg aus dem Labyrinth von Jandia weisen.

Die deutsche Reiseleiterin, Anja Christoph, erzählte uns einiges Wissenswerte über die Insel, über den Ort Jandia/Morro Jable und über das Hotel. Jandia Playa, erfuhren wir, ist die älteste Feriensiedlung auf Fuerteventura. Die Reiseführer finden nicht gerade schmeichelhafte Worte für den Ort. „Hässliches Entlein“ heißt es da. Und das einzig Sehenswerte sei der kleine Zoo im Hotel Stella Canaris. Und vielleicht noch der Faro, der größte Leuchtturm der Insel, der im 19. Jahrhundert gebaut wurde. Jandia Playa ist fast zusammengewachsen mit dem Fischerdorf Morro Jable, das mittlerweile auch mehr eine Touristenhochburg als ein wirkliches Fischerdorf ist. In den 1980-er Jahren hat man westlich des Orts einen neuen Hafen gebaut. Dort legen das Tragflächenboot und die Fähre an, die nach Las Palmas/Gran Canaria fahren. „Eine schön angelegte Promenade führt von Jandia Playa nach Morro Jable“, schreibt der spirallo-Reiseführer aus dem Falk-Verlag. Na, immerhin …

Natürlich informierte Frau Christoph auch über die Ausflugsmöglichkeiten auf der Insel, die man dann am Anschluss an die Veranstaltung bei ihr buchen kann. Es hat schon alles seinen Sinn. Und sie lüftete das Geheimnis, wie man vom Hotel an den Strand kommt. Mit dem einen Aufzug bis in Stockwerk 3 fahren, dann nach rechts und dem Gang folgen bis zum nächsten Aufzug. Dort auf 0 drücken. Dann wieder rechts, am Wellness-Center vorbei, die Stufen runter und bei der weißen Tür hinaus. Türöffner betätigen nicht vergessen und immer dran denken, dass die Tür manchmal klemmt! Die Promenade überqueren, und dann ist man am Strand. Für den Rückweg ins Hotel hatten wir jeder einen Schlüssel für die weiße Tür. Ah ja! Ich habe ungefähr eine Woche gebraucht, um ohne zu zögern mein Ziel zu finden.

Sag ich doch: Dieses Hotel ist das Labyrinth von Jandia!

Fuerteventura – technische Daten
Fuerteventura ist die zweitgrößte der kanarischen Inseln im Atlantischen Ozean. Sie liegt auf dem 28. Grad nördlicher Breite und zwischen dem 13. und 14. Grad westlicher Länge, ca. 100 Kilometer westlich der marokkanischen Küste. Geographisch gehört sie zur Sahara.
Die Insel hat eine Fläche von etwa 1659,74 Quadratkilometern und rund 86.642 Einwohner (Stand 1. Jan. 2005). Und noch mehr Ziegen. Die Hauptstadt Fuerteventuras ist Puerto del Rosario (24.000 Einwohner), die Landessprache ist spanisch.Fuerteventura bildet mit der nördlich gelegenen Insel Lanzarote die östliche Grenze der Kanaren. Fuerteventura gehört mit Lanzarote und Gran Canaria zur Provinz Las Palmas. Die Kanaren gehören zum Hoheitsgebiet Spaniens, genießen aber einen Sonderstatus als Autonome Gemeinschaft mit eigenem Parlament und Präsidenten.Die Insel erreicht zwischen der Nord- und Südwestspitze eine Länge von rund 100 Kilometern und misst an der breitesten Stelle 31 Kilometer. Der Istmo de la Pared ist mit 5 Kilometer Breite die schmalste Stelle Fuerteventuras und gliedert die Insel in zwei Teile: Den nördlichen Teil Maxorata, nach dem auch die ursprünglichen Inselbewohner Majoreros benannt sind, und die südliche Halbinsel Jandía.

Fuerteventura ist die älteste Insel der Kanaren; sie entstand vor etwa 20,6 Millionen Jahren. Der Großteil der Inselmasse entstand vor ca. 5 Millionen Jahren und ist seitdem durch Wind und Wetter stark erodiert. Die letzten vulkanischen Aktivitäten auf Fuerteventura erloschen vor 4.000 bis 5.000 Jahren. Der höchste Punkt auf Fuerteventura ist der Berg Pico de Jandía (807 m) auf der gleichnamigen Halbinsel.

Das Klima ist das ganze Jahr über angenehm, was den Kanarischen Inseln den Beinamen „Inseln des ewigen Frühlings“ eingebracht hat. Das Meer gleicht die Temperaturen aus und die Passatwinde halten die heißen Luftmassen aus der nahen Sahara fern.

Fuerteventura ist mit 147 mm pro Jahr im Kanarenvergleich sehr niederschlagsarm. Die Wolken ziehen darüber hinweg, weil die Berge zu niedrig sind. Verstärkt durch die Sünden der Vergangenheit (Brennholzgewinnung, Haltung freilaufender Ziegen) wirkt sich dies in jüngster Zeit besonders auf die Landwirtschaft aus – der Tomatenanbau wurde aufgegeben, nur Aloe Vera wird noch angebaut. Man spricht von Halbwüste mit Tendenz zur Wüste.

Die Palmen und anderen Gewächse, die man auf Postkarten sieht, werden fast ausschließlich künstlich aus den Abwässern der Hotels bewässert. Die teilweise sehr starken Regenfälle in den Wintermonaten fließen, begünstigt durch die fehlende Vegetation, größtenteils ungenutzt und ungebremst ins Meer ab. Die Erosion ist erschreckend hoch.

Ein besonderes Wetterphänomen ist der Scirocco, in Spanien auch Leveche genannt, ein heißer Südostwind aus der Sahara. Während des Scirocco steigt die Temperatur manchmal sprunghaft um 10 C und die Luft wird extrem trocken. Der Wind bringt neben feinem Sand, der den Himmel verdunkelt und die Sicht auf 100 bis 200 Meter senkt, auch afrikanische Wanderheuschrecken mit sich. Die Inselbewohner bezeichnen dieses Wetter als Calima.

Nach Abschluss der Informationsveranstaltung buchten wir zwei Ausflüge und machten uns auf, die nähere Umgebung zu erkunden. Den Weg zum Strand runter fanden wir ja jetzt. Zum Strandwandern, was wir ja gerne tun, hatten wir hier jede Menge Gelegenheit. Der breite Sandstrand reicht von Morro Jable bis nach Costa Calma – das sind 30 km. Wir gingen am Strand entlang und wunderten uns über das eingezäunte Gestrüpp rund um den Leuchtturm. Was war daran so bemerkenswert, dass es einen Schutzzaun rechtfertigte? Ich lästerte, das sei bestimmt ein Mückenschutzgebiet. Aus dem Polyglott-Reiseführer entnahmen wir dann, dass es sich um eine Salzebene handelt, die man wegen ihrer Flora, die man sonst nur noch auf der Insel Lobos findet, unter Naturschutz gestellt hat.Die Fauna war auch interessant. Es stakste immer ein langbeiniger, farbenprächtiger Vogel auf dem Gelände herum, eine Art Reiher mit so einer punkigen „Messing-Drahtbürste“ auf dem Kopf. Wir nahmen an, dass er aus dem nahe gelegenen Stella-Canaris-Zoo stammte, denn solche liefen dort frei herum. (Es ist ein Kronenkranich, wie ich später durch Zufall herausgefunden habe.)

Nachdem wir lange genug den Strand entlang gewandert waren, bogen wir am Leuchtturm links ab und gingen über den Holzsteg zur Einkaufsmeile von Playa Jandia. Es gab dort eine recht ordentliche öffentliche Toilette und auch die Möglichkeit, sich an einer Dusche den Sand von den Füßen zu spülen. Wir kehrten in benachbarten Strandkneipe ein und amüsierten uns über ungezogene Blagen aus dem Saarland, die einen gewaltigen Aufstand wegen ihrer neuen Taucherbrillen machten und eine Familie aus der Schweiz mit ein paar kleinen Kindern, von denen das Jüngste gerade den Umgang mit Sand, Eimer und Schäufelchen lernte. Da landete schon mal der Sand auf dem eigenen Kopf oder bei den Eltern auf dem Tisch.

Die Einkaufsmeile zeichnete sich vor allem durch Angebotswiederholungen aus: Klamotten aus Indien und Pakistan und elektronische Geräte aller Art, die von den Verkäufern recht offensiv angepriesen wurden. Die Tui-Reiseleiterin hatte uns gewarnt, dort etwas zu kaufen. Die Geschäfte gehörten alle einer indischen Familie, und man könne sich eben nicht darauf verlassen, wirklich etwas Neues und Funktionstüchtiges zu erhalten. Stellt man zu Hause in Deutschland fest, dass es nicht funktioniert, hat man Pech gehabt. Auf Garantie und Gewährleistung kann man diese Unternehmen von daheim aus kaum festnageln. Interessant allerdings war der Laden, der T-Shirts von „The Mountain“ – einer Firma in den USA – anbot. Da waren öfter drin und haben allerhand eingekauft. Die Mountain-Shirts kenne ich seit Jahren, sie sind von guter Qualität und im Sublimationsdruck mit großformatigen Tiermotiven verziert. Einen Internetshop haben sie auch – oder planten sie zumindest, als wir dort waren: http://www.almasdefuego.com

19. Juli: Besuch im Zoo
Am Vormittag waren wir Einkaufen in Playa Jandia, unter anderem, um uns mit Mineralwasser für den kommenden Ausflug einzudecken. Als wir am Hotel Stella Canaris vorbeikamen, nutzten wir die Gelegenheit, den kleinen Zoo zu besuchen. Da das eine spontane Entscheidung während des Einkaufens war, hatten wir keine Kamera dabei.

Die Anlage machte einen etwas schlampigen Eindruck, aber interessant war es trotzdem. Inmitten einer üppigen Gartenanlage entdeckten wir in den Gehegen und Käfigen die verschiedensten Vögel aus Südafrika und Amerika, wir sahen Eulen und Käuze, Papageien und auch Lamas, Streifenhörnchen und Kängurus. Jetzt ohne „h“.

Als wir wieder gehen wollten, lief direkt vorm Ausgang eine der üblichen Papageien-Shows ab. Ein Weilchen schauten wir zu, aber das Programm ist ja weltweit das gleiche. Papageien, die Roller fahren und Wagen ziehen, Ringe auf Gestänge fädeln, „zählen“ usw. Ohne die Leistung der Tiere und der Tiertrainer schmälern zu wollen – kennt man eine, kennt man alle. Wir schlichen uns so unauffällig wie möglich in Richtung Ausgang und gingen zurück zum Hotel.

Um die Mittagszeit waren wir wieder zurück und vertrödelten noch ein paar Stunden am und im Pool.

Fortsetzung folgt.

Der komplette Reisebericht:

Teil 1: Das Labyrinth von Jandia –
https://edithnebel.wordpress.com/2007/09/02/fuerteventura-2006-teil-1-das-labyrinth-von-jandia/

Teil 2: Nordtour –
https://edithnebel.wordpress.com/2007/09/03/fuerteventura-2006-teil-2-nordtour/

Teil 3: Südtour –
https://edithnebel.wordpress.com/2007/09/04/fuerteventura-2006-teil-3-sudtour/

Teil 4: Hafen, Strand und „Katastrophen“ –
https://edithnebel.wordpress.com/2007/09/04/fuerteventura-2006-teil-4-hafen-strand-und-%e2%80%9ekatastrophen%e2%80%9c/