Wahnsinn im Alltag


Charlotte Sandmann: Kalte Zärtlichkeit – Roman
März 23, 2009, 10:14 am
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Charlotte Sandmann: Kalte Zärtlichkeit – Roman, München 2009, dtv Deutscher Taschenbuch Verlag, ISBN 978-3-423-24699-6, 378 Seiten, Softcover, Format 13,5 x 21 x 3 cm, Euro 14,90 [D] 15,40 [A]sFr 25,80.

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München, 1853: Dr. Carl-Ludwig Nicolai – oder eigentlich: Dr. Aaron Marsalla, 27, ist ebenso arm wie ehrgeizig. Der junge Arzt, Sohn einer orthodoxen sephardischen Jüdin, die wegen ihres zweiten Ehemanns zum Katholizismus konvertiert ist, behandelt keine Patienten. Er ist Assistenzarzt von Professor Max Pettenkofer an der Königlich-Bayrischen Universität München und befasst sich mit der Entstehung von Krankheiten. Wie sein Chef vermutet er, dass Miasmen, also üble Dünste, für die Krankheiten verantwortlich sind.

Ein ungewöhnliches Geschäft: Mitgift gegen Bildung
Da dem jungen Mediziner für seine Forschungen und für ein angemessenes Auskommen das nötige Kleingeld fehlt, macht er der albernen jungen Erbin Clara Colberg den Hof. Als Ehemann hätte er die Verfügungsgewalt über ihr Vermögen und damit ausgesorgt. Clara Colberg ist genau so lange interessant, bis er auf einem Debütantinnenball eine noch reichere Erbin kennen lernt: die 16-jährige Henriette Dalbeck, eine Kaufmannstochter aus großbürgerlichem Haus, die einmal die reichste Frau Münchens sein wird. Doch Henriette ist kein albernes Gänschen. In punkto Pragmatismus, Abgebrühtheit und Geschäftstüchtigkeit ist sie Nicolai mindestens ebenbürtig, wenn nicht gar überlegen.

Henriette ist bewusst, dass das Interesse ihrer Verehrer auf ihr Vermögen gerichtet ist und nicht auf sie als Person. Und wenn das Heiraten schon ein Geschäft ist, dann will sie sich wenigstens den besten Ehemann kaufen, der für Geld zu haben ist. Gebildet muss er sein, denn Henriette will unbedingt etwas lernen. Freiherr Dr. Rudolf von Lauderbach-Sillern, ein Arzt, der seit längerem um sie wirbt, wäre ein ganz brauchbarer Kandidat, wenn er nur nicht immer mit ihr sprechen würde, als wäre sie ein begriffsstutziges Kind!

Dr. Nicolai ist da schon die bessere Wahl: intelligent, gut aussehend, exotisch und geheimnisvoll – und so sehr auf Henriettes Geld angewiesen, dass sie ihm die Geschäftsbedingungen diktieren kann: „Wir haben doch beide einen Herzenswunsch, nicht wahr? Sie wollen reich sein. Ich will gebildet sein. Niemand wird uns den Wunsch erfüllen, wenn wir es nicht gegenseitig tun. Nehmen Sie mein Geld und unterrichten Sie mich!“ (S. 162) Dr. Nicolai bleibt nichts anderes übrig, als dem Handel zuzustimmen – und zu hoffen, dass Henriette bald das Interesse am Unterricht verliert.

Auch wenn Freunde, Verwandte und unbefugte G’schaftlhuber Henriette Dalbeck eindringlich vor einer Ehe mit dem undurchsichtigen Dr. Nicolai warnen, heiraten die beiden. Natürlich hat Schwiegervater Heinrich Dalbeck den Kandidaten zuvor von einem Detektiv durchleuchten lassen. Und Onkel Friedrich, der Rechtsanwalt, hat einen wasserdichten Ehevertrag aufgesetzt. Auch beim Erwerb eines Schwiegersohns überlassen die Dalbecks nichts dem Zufall.

Schon vor der Geschichte mit Henriette war Freiherr Dr. Rudolf von Lauderbach-Sillern seinem Kollegen Nicolai nicht grün. Auch Lauderbach erforscht die Entstehung der Krankheiten, ist aber ein Anhänger der unpopulären Bazillen-Theorie. Jetzt hasst er „den Moische“, der ihm die Braut ausgespannt hat, aus ganzem Herzen. Auch wenn die Nicolais es nicht ernst nehmen: In Rudolf von Lauderbach haben sie nun einen Todfeind.

Mit dem Geld aus Henriettes Mitgift richtet sich Dr. Nicolai ein erstklassiges Labor ein und betreibt seine Forschungen. Die beiden Frauen in seinem Leben – Ehefrau Henriette und seine nicht minder bildungshungrige und „frauenbewegte“ Schwester Wilhelmina – haben nur begrenzt Einblick in seine Arbeit.

Ein altes Lied: Machtspielchen contra Fortschritt
Im Sommer 1854 kommt es in Dr. Nicolais Labor zu einem dramatischen Zwischenfall, der weitreichende Folgen hat. Selbst seine bisherigen Freunde und Förderer wenden sich von ihm ab. Von heute auf morgen ist Dr. Nicolai beruflich und gesellschaftlich erledigt. Nur seine Frau, seine Schwester und die Dalbecks halten zu ihm.

Als er im Juli bei einem Nachbarn die cholera asiatica diagnostiziert, will ihm niemand glauben. Vor allem die Behörden sperren sich, denn ein Seuchenalarm würde den Todesstoß für die gerade stattfindende Industrieausstellung bedeuten – und einen Milliardenschaden für die bayrische Wirtschaft. Die beginnende Epidemie lässt sich zwar für kurze Zeit herunterspielen, aber aufhalten ließe sie sich nur, wenn die Herren in den Ämtern und der Ärzteschaft mal einen Moment lang ihre persönlichen Gockeleien und Animositäten beiseite lassen könnten und zum Wohl der Allgemeinheit kooperieren würden. Aber es sieht nicht danach aus …

Vieles an diesem Roman ist fiktiv, doch der Streit um die ersten Entdeckungen lebenden Krankheitserregern ist authentisch. Auch Professor Max Pettenkofer ist eine historische Person – ein genialer Forscher, der sich durch das starrsinnige Beharren auf veralteten Theorien ins Zwielicht rückte.

Dr. Nicolai, der männliche Held des Romans, macht es einem wahrlich nicht leicht, ihn zu mögen. Er ist abwechselnd kalt und jähzornig, oft berechnend und egoistisch. Dazu betreibt er noch recht unappetitliche Forschungen. Anfangs gönnt man ihm jeden Ärger, den er sich mit seiner energischen und naseweisen jungen Gattin eingehandelt hat. Kein Mitleid mit dem Mitgiftjäger! Doch im Verlauf der Geschichte verschieben sich die Loyalitäten. Nicolai mag unsympathisch sein, aber er verfolgt seine wissenschaftlichen Ziele nicht nur aus persönlichem Ehrgeiz, sondern weil er den Menschen mit seinen Erkenntnissen helfen möchte. Dass man so mit ihm umspringt wie seine Gegner es tun, die ihn aus höchst unprofessionellen Gründen beruflich ausbremsen, das hat er nicht verdient. Dass die sympathischen Heldinnen, Henriette und Wilhelmina, ihm zugetan sind, tut ein Übriges. Wenn diese beiden tollen Frauen ihn mögen, kann er dann ein durch und durch übler Kerl sein?

Dass vor 150 Jahren vieles anders war als heute, wird uns in diesem Roman auf interessante, unterhaltsame und anschauliche Weise vor Augen geführt: die steifen Rituale der großbürgerlichen Gesellschaft, das komplizierte Verfahren der Brautwerbung und das Leben der Frauen, die damals von Bildung, Eigenständigkeit und einer Karriere nur träumen konnten. Und manches ändert sich wohl nie: Neid, Eifersucht, Engstirnigkeit, Eitelkeit, Fremdenfeindlichkeit und Rachsucht. Heute würde man das, was Dr. Nicolai widerfahren ist, wohl „Mobbing“ nennen. Einzelne Menschen mag man damit aus dem Konzept bringen können. Aber der wissenschaftliche Fortschritt lässt sich auf Dauer weder hinwegmobben noch aufhalten.

Der Roman „Kalte Zärtlichkeit“ ist weit mehr als eine schöne Liebesgeschichte in historischem Ambiente. Er ist ein Sittengemälde des ausgehenden 19. Jahrhunderts und bringt dem Leser zudem ein bedeutendes Stück der Medizingeschichte nahe.

Die Autorin
Charlotte Sandmann, Generation 50+, ist in der Erwachsenenbildung tätig, Autorin, Ghostwriterin und Übersetzerin.



Renata Petry: Hilgensee – Roman
März 16, 2009, 5:51 pm
Filed under: Bücher

Renata Petry: Hilgensee – Roman, München 2008, dtv Deutscher Taschenbuch Verlag, ISBN 978-3-423-24697-2, 478 Seiten, Format: 13,5 x 21 x 3,5 cm, Euro 14,90 [D], 15,40 [A], sFr 25,80.

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Deutschland 1904: Nachdem ihre Familie die Heirat mit einem nicht standesgemäßen Wissenschaftler erfolgreich hintertrieben hat, tritt die 30-jährige Annette „Änne“ von Schalk in Hilgensee ein, einem Stift für adelige protestantische Fräulein. Kaum angekommen, fragt sie sich schon, ob das die richtige Entscheidung war. Ihre Stiftsschwestern sind eine Ansammlung sonderbarer Charaktere und ausgerechnet die ihr unsympathischste, Vikarin Alwine von Hohenhagen, wird ihre Mentorin.

Änne kann in der Damenrunde weder mit einem attraktiven Äußeren noch mit einer eindrucksvollen Familie punkten. Ihre skandalumwitterte französische Großmutter, die Comtesse de Clarigny, ist eher keine Empfehlung. Besondere Interessen und Talente hat Änne auch nicht. Nur, weil sie angibt, gerne zu lesen, landet sie als Assistentin von Elsbeth von Hasleben in der Stiftsbibliothek.

Elsbeth passt es gar nicht, dass man ihre eine Mitarbeiterin aufzwingt, denn sie hat ein Geheimnis, das Änne von Schalk nicht lange verborgen bleibt – wenn sie auch erst einer Interpretationshilfe der lebenserfahrenen Gertrud von Rohda bedarf, um die Zusammenhänge zu begreifen.

Änne staunt: Die über siebzigjährige Gertrud ist ja gar nicht so hinfällig, wie sie immer tut, sondern pfiffig und kreativ und hat es faustdick hinter den Ohren. Sie hat auch gleich einen originellen Plan parat, wie man Elsbeth von Hasleben helfen könnte. Doch ehe ihr Hilfsprogramm greifen kann, geschieht Dramatisches: Stiftsschwester Dorette von Schlohfeld entdeckt einen geköpften Hahn, der an einem Apfelbaum aufgeknüpft wurde, und erleidet vor Schreck einen Schlaganfall. Und Elsbeth von Hasleben wird tot in der Orangerie aufgefunden.

Der gockelhaften junge Assessor aus der Residenzstadt erklärt nach einer hastigen Ermittlung den Todesfall zum Selbstmord. Mit diesem Ergebnis sind Alwine von Hohenhagen und Gertrud von Rohda gar nicht einverstanden. Sie beschließen, selbst nachzuforschen und hätten dabei aus verschiedenen Gründen gerne die Unterstützung von Änne von Schalck. Änne ist nicht begeistert von der Idee, aber Alwine und Gertrud können sehr überzeugend sein. Und es gibt ja auch mehr als genügend mysteriöse Ereignisse im Damenstift, denen man dringend auf den Grund gehen müsste:

* Was hat es mit dem geköpften Hahn auf sich? Wer hat ihn aus welchem Grund in den Apfelbaum gehängt?
* Wer hat Elsbeth von Hasleben ermordet? Denn ein Freitod war das auf gar keinen Fall.
* Starb eigentlich Herma von Heidblum, die bis vor kurzem Änne von Schalcks Zimmer bewohnt hat, eines natürlichen Todes?
* Und war besagte Herma in den letzten Wochen ihres Lebens tatsächlich verwirrt, oder hatten die Stimmen, die sie von ihrem Zimmer aus gehört haben wollte, reale Verursacher?
* Hängen all diese unerhörten Vorfälle zusammen? Gertrud von Rohda hat da eine Theorie …

Nachdem auch Änne beginnt, Stimmen durch die Wand ihres Zimmers zu hören, schließt sie sich den detektivischen Stiftsschwestern an. Als weitere geköpfte Kreaturen auf dem Gelände gefunden werden, wissen die drei Damen, wo sie mit ihren Nachforschungen ansetzen müssen. Sie stöbern in den Chroniken des Stifts und kommen einem uralten, schaurigen Ritual auf die Spur. Zu ihrem Entsetzen verdichten sich die Hinweise, dass es nicht bei geköpften Tieren bleiben wird.

Den drei Damen wird zweierlei klar: Sie müssen jetzt schnell handeln, ehe es zu einem weiteren Mord kommt. Und sie sind dabei auf sich allein gestellt, denn diese Geschichte glaubt ihnen kein Mensch. Was sie nicht wissen: Die Übeltäter haben inzwischen mitbekommen, dass zumindest Änne von Schalck ihnen dicht auf den Fersen ist …

Renata Petry beschreibt ihre Charaktere und deren Tun in dem liebevoll-spöttelnden Ton, in dem man oft die Eskapaden geschätzter aber leicht verschrobener Zeitgenossen zu schildern pflegt. Dies tut sie, ohne je respektlos zu werden oder die Personen vorzuführen. Da ist Änne von Schalck, bieder, farblos, schlecht frisiert, die angesichts der schrecklichen Ereignisse in Hilgensee über sich hinauswächst. Oder die spitzzüngige Vikarin Alwine von Hohenhagen mit dem spöttischen Blick, einer tragischen Familiengeschichte und der befremdlichen Vorliebe fürs Kartenlegen. Und, nicht zu vergessen, Gertrud von Rohda, die gern mal die senile alte Schachtel spielt, wenn es ihren Plänen nützlich ist, die aber in Wahrheit sehr gewitzt ist und über eine Menge verblüffender Kenntnisse und Fertigkeiten verfügt.

Selbst die Nebenfiguren haben es in sich: die plagiierende Stiftsdichterin Cornelie … die Priorin, die ihre ganz eigenen Pläne verfolgt … der eitle Assessor und seine flatterhafte Verlobte … die jungen Stiftsfräulein, die sich um die paar wenigen attraktiven Männer in ihrem Umfeld balgen …

Auch wenn der hochdramatische Showdown dank Gertrud von Rohda und der beherzten Priorin ein paar herrlich komische Momente hat, wird die Geschichte an keiner Stelle albern oder lächerlich. HILEGENSEE ist ein unterhaltsamer Krimi im historischen Ambiente mit sympathisch-schrulligen Charakteren und einem leicht ironischen Erzählton. An die drei grundverschiedenen adeligen Detektivinnen im Damenstift könnte man sich gewöhnen, doch Serienheldinnen werden sie wohl nicht werden. Schade, eigentlich.

Im Fortgang der Geschichte wünscht man sich manchmal eine Auflistung der Personen, denn all die adeligen Familiennamen sind nicht einfach zu merken und auseinander zu halten: Wer war noch mal das Fräulein von Dechow? Ach ja, Cornelie, die abschreibende Dichterin! Doch auch wenn man sich bei den vielen „vons“ konzentrieren muss – dem spannenden und amüsanten Lesevergnügen tut das keinen Abbruch.

Die Autorin
Renata Petry wurde in Großburgwedel bei Hannover geboren und lebt heute in Dänemark. Sie hat bereits zwei historische Romane veröffentlicht und war viele Jahre als Juristin tätig.

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Tom Kahn: Das Tibetprojekt
März 11, 2009, 12:33 pm
Filed under: Bücher

Tom Kahn: Das Tibetprojekt, München 2009, dtv Deutscher Taschenbuch Verlag, ISBN 978-3423-21119-2, 412 Seiten, Format: 12 x 19 x 2,3 cm, EUR 9,95

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„Die meisten suchen in Tibet das Paradies.“
„Wir nicht. Wir suchen die Hölle.“

Der deutsche Historiker und Querdenker Dr. Philipp Decker fühlt sich geschmeichelt: Nachdem er in einer TV-Talkshow seine provozierenden Thesen zur menschlichen Natur und den Religionen zum Besten gegeben hat, spricht ihn die überaus attraktive Chinesin Li Mai an.

Schnell stellt sich heraus, dass sie das nicht (nur) tut, weil sie den erfolgreichen Wissenschaftler attraktiv findet oder weil sie seine Ansicht teilt, dass nicht Gott die Menschen erschaffen habe sondern umgekehrt. Li Mai ist Major des chinesischen Geheimdiensts und sie handelt im Auftrag ihrer Regierung.

Decker soll für die Volksrepublik China tätig werden. Dort braucht man einen neutralen, kritischen und unabhängigen Menschen, der sich um einen internationalen Zwischenfall kümmert. Sie möchten, dass er mit nach Tibet kommt und dort den Mord an einem pensionierten deutschen Wissenschaftler aufklärt. Mit letzter Kraft hatte sich der Sterbende mit seinem eigenen Blut ein Hakenkreuz auf den Handrücken gezeichnet. Und nun will man unbedingt den Hintergrund des Vorfalls klären. Das ist jedenfalls das, was der deutsche Botschafter in Peking und Li Mai dem verdutzten Historiker erzählen.

Warum der Fall unbedingt innerhalb einer Woche geklärt werden muss, das sagen sie ihm nicht.

Decker hat gerade keine anderweitigen Verpflichtungen und ist Abenteuern generell nicht abgeneigt. Insbesondere mit der schicken Chinesin hätte er gerne eins. Auch wenn ihm alles andere als klar ist, welche Interessen seine Auftraggeber verfolgen, sagt er zu und sitzt wenige Stunden später in einem Flugzeug nach China.

Über wie viel Geld und Einfluss seine Auftraggeber verfügen, zeigt sich schon beim Antritt der Reise. Decker fliegt nicht etwa mit einer schnöden Linienmaschine ins Reich der Mitte, sondern mit einem luxuriös ausgestatteten Privatjet. „Die Kabine wirkte wie eine elegante Lounge im asiatischen Stil. (…) An einigen Stellen war die Verkleidung zur Seite gefahren und dort befanden sich große Plasmabildschirme, zusätzliche Monitore, Computer, Kommunikationseinrichtungen, eine Bar und eine Hifi-Anlage. Überall summten leise Kühlgebläse und blinkten Dioden von Computern. Eine globale Kommandozentrale.“ (Seite 120)

So stellt sich jemand, der von Recherchen lebt, den Himmel vor.

Nicht nur die Technik ist vom Feinsten, die Chinesen scheinen auch über allerbeste Kontakte zu verfügen. Egal, welchen hochkarätigen Experten in welchem entlegenen Winkel der Welt Dr. Decker auch zu sprechen wünscht, Li Mai stellt umgehend eine Verbindung zu ihm her.

Dr. Decker nutzt die Flugzeit, um sich zunächst über mögliche Verbindungen von Tibet zu Nazideutschland klar zu werden. Denn der einzige Anhaltspunkt, den er hat, ist nun mal das blutige Hakenkreuz auf der Hand des toten Wissenschaftlers. Er stößt dabei auf die „Forschungsstätte Ahnenerbe“, das kurz nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten von Heinrich Himmler ins Leben gerufen wurde. Die Nazis vermuteten den geistigen und biologischen Ursprung der arischen Rasse in Tibet. Die Lehre vom Herrenmenschen sollte mit naturwissenschaftlichen und philosophischen Materialien untermauert werden.

War Hitler etwa auf der Suche nach einer neuen Religion fürs deutsche Volk? Wenn ja, was wollte er dann ausgerechnet vom harmlos-friedvollen tibetischen Buddhismus? Mit einem Volk gewaltfreier Gutmenschen wäre ihm doch gar nicht gedient gewesen!

Oder hat das Hakenkreuz auf der Hand des Mordopfers am Ende gar nichts mit den Nazis zu tun? Eine Variante dieses Symbols gibt es auch im Buddhismus. Allerdings spiegelverkehrt zu dem der Nazis. Wurde das Foto vom toten Professor vielleicht manipuliert? Wenn ja, von wem? Und warum? Aber wenn es nur um den Buddhismus geht, warum interessieren sich dann Nazis verschiedener Altersklassen für den Vorfall?

Der Privatjet landet in Peking, doch Decker und Li Mai bleiben an Bord ihres Hochsicherheits- und Hightech-Bürojets und betreiben weiter ihre Recherchen. Ein Besuch von einem Veteranen des Tibet-Feldzugs bringt Decker auf ungeheuerliche Ideen: Kann es sein, dass die Welt ein ganz falsches Bild vom tibetischen Buddhismus hat? Sind die Tibeter und ihr Glaube gar nicht so friedlich und gewaltfrei, wie man gemeinhin denkt? Was weiß man eigentlich von der Geschichte Tibets? Und wie kam der Buddhismus aufs Dach der Welt?

Decker stößt bei seinen Nachforschungen auf die Kampas, die älteste Kriegerrasse der Menschheit, auf die tibetischen Reiter in Dschingis Khans berüchtigter Goldener Horde und auf die alte Religion der Tibeter, den Bön, der sogar eine Gottheit für Banditen und Räuber kannte. Hat die alte Religion noch irgendwo überlebt? Ist der tibetische Buddhismus überhaupt ein richtiger Buddhismus? Oder dominieren hier Einflüsse ganz anderer Art?

Und was hat es mit dem ominösen „Tempel des Schreckens“ auf sich, bei dessen Erwähnung alle Gesprächspartner schlagartig schweigsam werden? War es dieser Tempel, den die Nazis gesucht haben? Was verbirgt sich dort? Hat der ermordete Professor genau das herausgefunden und musste deshalb sterben?

Decker und Li Mai haben nur eine Möglichkeit, das herauszubekommen: Sie müssen diesen Tempel finden. Eine Spur führt nach Lhasa. In der Stadt angekommen, stellen Li Mai und ihre Leute fest, dass sie bei weitem nicht die einzigen sind, die sich für diesen unheimlichen Ort interessieren. Und dass die Wahrheit noch viel, viel schrecklicher ist als alles, was sie sich jemals hätten ausmalen können …

Und warum nun musste dieses Rätsel unbedingt innerhalb einer Woche gelöst werden? Die Antwort darauf grenzt schon an ein Gaunerstück. Oder sagen wir: Sie zeugt zumindest von enormem Weitblick, Menschenkenntnis und raffinierter strategischer Planung.

Der Roman ist ein Phänomen: Über weite Strecken passiert nichts weiter, als dass intelligente und gut ausgebildete Menschen in einem Hightech-Büro sitzen, recherchieren, diskutieren, Experten aus aller Welt konsultieren – und dabei den tibetischen Buddhismus sezieren. Wie Dr. Decker und Li Mai Schritt für Schritt die Puzzleteilchen zusammentragen und zu einem überraschenden Bild zusammenfügen, das ist unglaublich faszinierend und steht den Action-Szenen in punkto Spannung in nichts nach.

Nie wieder wird man nach Lektüre dieses Science Thrillers etwas über Tibet, den Buddhismus oder den Dalai Lama hören oder lesen können, ohne sich zu fragen, ob hier wirklich alles so ist wie es scheint.

Zu gerne wüsste man, wo Tom Kahns Roman die nachprüfbaren Fakten verlässt und in Fiktion übergeht. Dass der Autor nicht wild fabuliert, sondern sehr gut weiß, wovon er schreibt, legt seine Biographie nahe: Tom Kahn ist das Pseudonym eines Frankfurter Schriftstellers, der Volkswirtschaft und Politikwissenschaft studiert hat und seine Diplomarbeit über den Dalai Lama schrieb.

Wohl selten hat man bei einem Thriller das Bedürfnis nach einem Literaturverzeichnis, das einem helfen könnte, ein Thema weiter zu vertiefen. Hier wäre eine Liste mit weiterführender Literatur zu Tibets Geschichte und Religion, dem Ahnenerbe, dem Bön und dem Dalai Lama eine tolle Ergänzung gewesen. Dieser Wissenschafts-Thriller ist eben rundum etwas Besonders.



Kater Cooniebert in der April-Ausgabe von „Geliebte Katze“
März 11, 2009, 9:32 am
Filed under: Tierisches

Meine Story „Cooniebert hat Impftermin“http://tiergeschichten.wordpress.com/2009/01/15/cooniebert-hat-impftermin/ ist in der April-Ausgabe 09 der Zeitschrift „Geliebte Katze“ erschienen.

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Edith



Neues von Klein-Indie
März 4, 2009, 10:02 am
Filed under: Tierisches

Hier ist das versprochene Foto von Indie mit „Onkel Cooniebert“ auf der Sofalehne.

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Was die Großen machen, das macht er nach Kräften nach. Und wenn er es noch nicht schafft, hab ich das Gefühl, dann isser stinkig. Vom Kratzbaum auf den Schrank kann er noch nicht springen. Und auf den Blumentisch auf dem Balkon kommt er auch noch nicht hoch. Ich ertappe mich dann immer dabei, ihn zu trösten: „Jetzt warte noch ein bisschen, bis du größer bist. Dann kannst du das auch.“

Hier sind alle drei Coonies auf einem Haufen:

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Und hier hat’s den Kleinen nach einem anstrengenden Tag umgehauen.

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Und ihr wisst ja: Wenn man auf die Bilder draufklickt, werden sie größer.



Unser Katzenzuwachs: Merryborn’s Indiana Jones!
März 2, 2009, 9:11 am
Filed under: Tierisches

Hier ist unser Coonie Numero drei: Merryborn’s Indiana Jones, genannt „Indie“, geboren am 25.11.2008, bei uns im Haus seit 22. 02.2009.

Er hat sich in Rekordzeit eingewöhnt und scheint sich bei uns sauwohl zu fühlen. Das war am Tag der Übergabe:

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Den Kratzbaum auf dem Balkon hat er auch schon erobert:

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Von „Onkel Cooniebert“ und „Onkel Yannick“ wird er liebevoll betütelt. Insbesondere Yannick, der sein wirklicher Onlel ist (der Jungkater ist der Sohn seines Bruders Zampano), ist Indies Held. Yannick kann keinen Schritt mehr machen, ohne von seinem kleinen braunen Schatten verfolgt zu werden. Und alleine schlafen geht gleich gar nicht …

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Ein nettes Foto von Cooniebert und Indie muss ich nachreichen, das habe ich anscheinend auf dem anderen Rechner vergessen. Ah ja … und wenn man die Bilder anklickt, dann werden sie größer.