Wahnsinn im Alltag


Madeira 2004 – konstant 27 Grad
April 30, 2007, 3:33 pm
Filed under: Madeira

Madeira 2004 – konstant 27 Grad
Es muss nicht immer Wüste sein

Nachdem wir unseren geplanten Teneriffa-Urlaub 2002 aus familiären Gründen kurz vor Reiseantritt stornieren mussten und aus den selben Gründen 2003 überhaupt nicht verreisen konnten, wagten wir es 2004 nicht, das selbe Reiseziel noch einmal ins Auge zu fassen. Purer Aberglaube: Es hätte ja wieder schief gehen können …
Im Reisekatalog sah Madeira nicht schlecht aus, es passte auch von der Entfernung her perfekt in unser Beuteraster, und eine üppig grüne Insel ist einmal eine Abwechslung zu kahlen Mondlandschaften, Sand und Steinen, den Landschaftsformen, die wir normalerweise bevorzugen.

Schnell mal ein paar Zahlen und Fakten, bevor es los geht
Madeira liegt auf ca. 17° westlicher Länge und ca. 33° nördlicher Breite.
• Die Entfernung zum portugiesischen Festland beträgt 900 km, nach Afrika 600 km und zu den kanarischen Inseln 450 km.
• Die Hauptinsel Madeira hat eine Fläche von 741 km2, Porto Santo 45 km2. Um die Sache etwas plastischer zu machen: Die Hauptinsel Madeira ist 57 km lang und an der breitesten Stelle 22 km breit. Steht man am Encumeada-Pass, sieht man im Norden und Süden das Meer.
• Die Hauptstadt ist Funchal.
• Die höchste Erhebung ist der Pico Ruivo im Zentrum der Insel mit einer Höhe von 1862 m.
• 1351 wurde Madeira erstmals auf einer florentinischen Seekarte erwähnt.
• Man sagt, die Portugiesen hätten die Insel aus Versehen entdeckt. Sie wollten nach Marokko und seien durch einen Sturm vom Kurs abgekommen. Dadurch entdeckten sie erst Porto Santo und danach Madeira.
• Madeira hatte keine Urbevölkerung. Die Araber haben die Insel vermutlich gekannt, aber sie hatten kein Interesse daran, denn wo keiner lebt, ist kein Handel möglich. Besiedelt wurde Madeira erst unter Heinrich dem Seefahrer im 15. Jahrhundert.
• Madeira hat 280.000 rund Einwohner, noch Mal 5.000 Menschen leben auf Porto Santo.
• Madeira ist jünger als die Kanaren und älter als die Azoren.
• Geographisch gehört Madeira zu Afrika, politisch zu Europa (Portugal)
• Die Insel besteht aus Basalt, und der erodiert schlecht. Deswegen gibt es auf Madeira keinen Sandstrand. Einen klassischen Badeurlaub gibt das also nicht.

Die Dame in Pink
Madeira, also. Gewählt, gebucht, gereist. Die Katzen blieben erstmals in der Obhut von Gerhards Eltern zurück, und am 27. Juli 2004 ging es los. Obwohl wir früh genug aufgestanden waren, brachen wir schließlich im gestreckten Galopp auf und rumpelten mit unseren Trolleys die Einfahrt hinaus und hinunter zur Stadtbahn in Richtung Flughafen. Es regnete, und wir hatten keinen Schirm dabei. Taxi? Ach nee! Wenn die Anfahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln schon nix kostet – die Fahrscheine sind im Flugpreis mit inbegriffen – und wir die Stadtbahnhaltestelle quasi vor der Haustür haben, dann nutzen wir das auch.

Wir waren noch nicht mal am Flughafen, da wären wir am liebsten schon wieder umgekehrt. Ich war mittlerweile derart reiseungewohnt, dass ich Gerhard mit permanentem nervösen Gewühle in Taschen und Rucksäcken nervte: „Huch, haben wir dies? Haben wir das? Ich glaub’, ich habe was unheimlich Wichtiges daheim vergessen!“ Hatte ich natürlich nicht. Ich habe, wie immer, von allem viel mehr dabei gehabt als wir je gebraucht haben.

Auch die Hektik, die wir an den Tag gelegt hatten, war komplett für die Katz: Weil „unser“ Airbus 320 gegen Osten starten musste, mussten wir eine halbe Stunde auf die Starterlaubnis warten. Also, wie immer: Verspätung.

Wir hatten Zeit, uns allen möglichen unnützen Informationen reinzuziehen. Ich hab mir z.B. nie Gedanken darüber gemacht, was so ein Flugzeug Wert ist. Dieser Vogel, mit dem wir starten wollten, ist in Frankreich gebaut worden und hat die sagenhafte Summe von 35 Millionen US-Dollar gekostet. Für ein Flugzeug mag das ganz normal sein, ein Normalbürger kann angesichts solcher Beträge nur fassungslos staunen.

Und wir hatten Zeit, nach Mitreisenden zu gucken. Eine zierliche blonde Dame in sportlicher pinkfarbener Kleidung bereitete Gerhard Kopfzerbrechen. „Die kenne ich irgendwoher, und zwar schon sehr lange“, sagte er. Da er schätzungsweise neun Millionen Leute kennt, privat und beruflich, nehme ich derlei Aussagen nicht weiter wichtig. Da kann man schon mal vergessen, wo man einer Person zuvor begegnet ist. Mir kam die Dame vage bekannt vor, aber mein Personengedächtnis ist lausig, und es hätte sich bei ihr um eine ehemalige Nachbarin oder Kundin handeln können, um jemand, der mit uns früher zur Schule ging oder eine zeitlang immer mit dem selben Bus wie wir in die Stadt gefahren ist.

Es sollte sich Tage später aufklären …

Das schöne Ende der Welt
Wir stiegen also ins Flugzeug – die Dame in Pink mit ihrer Mutter auch – und drei Stunden und 50 Minuten später landeten wir in Funchal. Es hatte 30 Grad, war schwül und diesig. Und ich dachte mir, nee, das ist nicht das Klima, das man uns im Prospekt versprochen hat! Wahrscheinlich ist es wie überall, wo wir hinkommen: Man versichert uns, so ein Klima sei absolut nicht normal für diese Gegend und diese Jahreszeit, und das habe es in den letzten 50 Jahren nicht gegeben. Und so ähnlich war es auch. Ein heißer Wind aus Marokko ließ die Temperatur um 10 Grad höher steigen als gewöhnlich. Und das sollte auch noch ein paar Tage anhalten.

Mit dem Minibus der Reisegesellschaft (TUI) fuhren wir ins Hotel Riu Palace Madeira nach Canico de Baixo. An Bord die Dame in Pink und ihre Mutter. Gerhard vermutete inzwischen, dass sie die Frau, Freundin, Ex-Freundin eines früheren Schulkameraden sei, kam aber nicht ums Verrecken darauf, zu wem sie gehörte.

Das Hotel liegt nicht weit weg vom Flughafen, in knapp einer Viertelstunde waren wir am Ziel.

Ein Riu-Hotel hat uns noch nie enttäuscht. Alles sehr schick und sauber mit tollen Originalbildern an den Wänden. Es schaute ein bisschen plüschig aus, so im Stil englischer Clubs der Jahrhundertwende, aber es war brandneu, es ist erst 2001 erbaut worden. Nur die Lage war nicht so galaktisch. Wohl direkt am Meer – aber ansonsten war dort das Ende der Welt. Die Uferpromenade hörte an der einen Seite an einer Baustelle auf, an der anderen im Ödland. Und die Insel ist nun mal sehr bergig, so dass man, wenn man „hinter“ dem Hotel in den Ort gehen wollte, entweder die steile Hauptstraße hochklettern musste oder mit dem Linienbus (Linie 155) fahren. Mit sich abends die Beine vertreten war also nicht so furchtbar viel … Naja, und so besonders viel hätte es in Canico auch nicht zu sehen gegeben, ein Ort mit 8000 Einwohnern. Der Garten des Hotels Candida Splendida sei einen Besuch Wert, so hieß es. Wir sind zwar öfter dort vorbeigekommen, aber haben es irgendwie nie geschafft, auch mal reinzugehen.

Zum Essen muss man auch nicht mehr viel sagen: Ein üppiges, abwechslungsgreiches und wirklich köstliches Büffet für alle Mahlzeiten. Beim Abendessen reicht eigentlich das Vorspeisenbüffet aus, es war in meinen Augen unnötig, dass sie auf Wunsch auch noch den Hauptgang am Tisch servierten. Andererseits – das schafft Arbeitsplätze. Allein im Service sind 40 Leute beschäftigt, im ganzen Hotel ungefähr 200. Das erzählte uns die Kellnerin Monica.

Wie immer hatten wir den Eindruck, dass sie im Service nur Leute beschäftigen, die ihren Job gerne machen. Da gibt’s keine mürrischen Gesichter sondern nur solche, denen man anmerkt, dass sie gerne mit anderen Menschen arbeiten.

Nett war, dass die Kellner den jeweiligen Geburtstagskindern beim Abendessen ein Ständchen sangen. Und da mindestens jeden zweiten Tag einer Geburtstag hatte, hat man sich an das freundliche Spektakel bald gewöhnt. Nette Gesellschaft hatten wir auch. Am Nebentisch saß ein sympathisches Paar aus Solingen, Johannes und Annette, mit dem wir uns gut unterhalten haben.

Am 28. Juli war die obligatorische Informationsveranstaltung für Neuankömmlinge mit Vorstellung der Insel, des Hotelpersonals und seiner Funktionen sowie des Ausflugsprogramms.

Was sehr erfreulich war: Es gab keine Animation. Diesen „Kindergarten für Gruftis“ konnten wir noch nie ausstehen. Im Riu Palace Madeira hatte man seine Ruhe und konnte selber entscheiden, was man machte und was nicht.

Wir erkundeten die nähere Umgebung. Wenige Meter neben dem Hotel stand eine Ruine, irgend ein Wohnhaus, das aufgegeben und sich selbst überlassen wurde. Ich bin fasziniert von Ruinen und davon, wie die Natur sich ein verfallenes Gebäude so nach und nach wieder zurück erobert. Und natürlich hab ich fotografiert wie wild. Ich wäre auch darin herumgeklettert – der Zaun um das Grundstück herum war längst eingetrampelt – aber Gerhard hielt das für keine gute Idee.

Von der Promenade konnte man wunderbar den Wellen zuschauen. Einfach rumstehen und gucken. Das Meer hat mir schon sehr gefehlt in den zwei Jahren, in denen ich nicht reisen konnte.

Nur verdammt schwül war’s dank des heißen Windes aus Marokko. Das digitale Thermometer an der Außenwand des Hotels zeigte trotzdem konstant 27 Grad. Die ganzen zwei Wochen lang. Vielleicht war es arretiert, damit keiner der Gäste die Krise kriegt: „Was? 38 Grad! Schnell, einen Arzt!“

Von den drei Islas Desertas, den unbewohnten Inseln, die man vom Hotel aus angeblich sehen können sollte, war keine Spur. Dazu war es viel zu diesig.

Ein Rätsel wird gelöst
Am 29. Juli klarte es dann endlich so weit auf, dass wir sie Inseln sehen konnten. Wir standen auf der Terrasse der Hotelbar und schauten aufs Meer hinaus, als plötzlich jemand Gerhard auf die Schulter tippt und ihn mit seinem Spitznamen aus der Schulzeit anspricht: Die Dame in Pink ist’s und bestellt schöne Grüße von ihrem Mann, der leider arbeiten müsse und den Kurzurlaub nicht mitmachen könne.

Jetzt war alles klar und das Rätsel der Dame in Pink gelöst – sie ist wirklich die Ehefrau eines Schul- und Sportkameraden von Gerhard. Evi! Auf sie und ihren Mann wären wir unserer Lebtag nicht gekommen, denn die beiden sind vor rund 18 Jahren nach Kanada ausgewandert. So lange habe ich sie nicht mehr gesehen. Wir hatten uns komplett aus den Augen verloren.

Vor nicht allzu langer Zeit hatte ich ihre geschäftliche E-Mail-Adresse im Internet ausfindig gemacht und eine Nachricht hingeschickt, aber da hatten sie bereits alles verkauft und waren schon auf dem Weg zurück nach Deutschland. Seit anderthalb Jahren sind sie wieder im Lande. Wir wussten von nichts. Und sie hätten sich auch bei uns nicht melden können. Gerhard steht nicht im Telefonbuch, und meinen Familiennamen haben sie nicht mehr gewusst.

Jetzt machten Mutter und Tochter eine Woche Kurzurlaub auf Madeira. Dies Welt ist schon klein. Da besucht man eine Insel, die geographisch zu Afrika und politisch zu Portugal gehört, nur um dort Esslingern in die Arme zu laufen, die vor fast 20 Jahren nach Kanada ausgewandert sind.

Natürlich gab es da viel zu erzählen, und nun wissen wir jeweils im Groben „was bisher geschah“.

It’s Showtime!
Die wilden Tiere rund ums Hotel hielten sich zahlenmäßig in Grenzen. Eine Handvoll Hunde und Katzen gab’s. Aber so ganz und gar mussten wir nicht auf Tierisches verzichten: Am Abend gab es im Hotel eine Pagageienshow. Mit routinierten Handgriffen bauten zwei Frauen Tisch und Dekorationen auf, brachten diverse Requisiten herein und Holzgestänge mit Papageien darauf. Rote und blaue Aras, zickige Kakadus, die permanent am Streiten waren und so lange versuchten, sich gegenseitig vom Stängelchen zu schubsen, bis eine der Frauen sie trennte und den einen zu den Requisiten verfrachtete. Ein Graupapagei war dabei und noch kleinere, die ich keiner Art zuordnen konnte.

Ehe die Show mit den Kunststückchen losging, gingen die Frauen mit zwei Papageien und einer Kamera bewaffnet durchs Publikum. Sie setzten interessierten Zuschauern die Vögel auf Schulter und Hand und fotografierten. Die fertigen Fotos konnte man dann anderntags für EUR 5,- an der Rezeption abholen. Ich bin so unfotogen, aber von Gerhard gibt’s ein „Geierfoto“.

Die Papageien führten allerhand Zirkusnummern auf: Radfahren, Rollschuh fahren, Auto fahren, Tanken, Ben Hurs Wagenrennen … und höchst beeindruckende Rechenkunststücke. Es ist uns ein Rätsel, wie der Papagei die Rechenaufgaben, die das Publikum stellte, wirklich lösen konnte. Sie sind ja intelligent, aber dass sie addieren und multiplizieren können, das glaube ich nicht aufs erste Mal. Irgendwie wird das Frauchen ihnen schon versteckt zu verstehen gegeben haben, wie oft sie die Glocke läuten müssen, um damit das richtige Ergebnis anzuzeigen.

Die Papageienshow kam eine Woche später noch einmal ins Haus, und nach Feierabend saß Gerhard dann an der Bar, einen Kakadu auf der Schulter, fütterte ihn mit Erdnüsschen und tratschte mit den Künstlern. Viecher und Künstler – zu denen hat er immer schnell Kontakt.

Beinahe jeden Abend gab es eine andere Show im Hotel, und das meiste war recht unterhaltsam. On 6 Uhr Abends bis Showbeginn spielte ein Pianist an der Bar, Luis Rocha. Er war gut – nur das Repertoire war halt immer das selbe.

Hotelmusiker gab’s natürlich auch. Die waren nicht übel, nur die Sängerin war absolut grauenvoll und vergriff sich gerne an Musikstücken, die ihr Können bei weitem überforderte. Aber sie war nett anzusehen, tanzte schön und lächelte immer freundlich. Mut hatte sie auch – oder vielleicht auch nur null musikalisches Gehör. Als an einem Abend als „Gaststars“ ein niederländisches Ehepaar auftrat – das Duo „Double Cocktail“, bei dem ich jeden Eid schwöre, dass die Sängerin eine Musical-Ausbildung hatte – trat „unsere“ Blondine tatsächlich unmittelbar nach ihr auf und sang zum Teil auch die selben Lieder. Nur um Klassen schlechter.

Verpasste Gelegenheiten
Immer ergeben sich die tollsten Fotomotive, wenn man gerade keine Kamera zur Hand hat! Am Freitag Abend sah man die Inseln so klar und deutlich wie nie zuvor. Und wie wenn man bei uns daheim die Schwäbische Alb so deutlich sieht, regnete es bald darauf.

Es gab den herrlichsten Regenbogen, den ich je gesehen habe. Er leuchtete in intensiven Farben und endet mitten im Meer. Sogar zwei Regenbogen nebeneinander waren es, spiegelverkehrt in den Farben.

2. August: Ausflug „Paradiesische Gärten“
Blandy’s Garden (auch »Quinto do Palheiro Ferreiro« genannt) gilt als die wohl schönste Parkanlage Madeiras. Vom Grafen de Carvalhal wurde sie 1804 ursprünglich nach den Prinzipien französischer Gartenbaukunst streng geometrisch angelegt. Carvalhals Neffe hat die Anlage verzockt und versoffen, von der Familie Blandys wurde sie 1885 aufgekauft dann nach britischem System überarbeitet. In britischen Gärten wird die ideale Landschaft nachgebildet.

Mildred Blandy ließ viele Pflanzen aus ihrer südafrikanischen Heimat einführen und trug dadurch zur Vielfalt des Gartens bei. Bei diesem grünzeugfreundlichen feruchtwarmen Klima wächst aber auch einfach alles. Ob sie Pflanzen aus Europa, Afrika, Südamerika oder Neuseeland eingeschleppt haben – alles grünt, blüht, wuchert und gedeiht.

Die Familie Blandy wohnt selbst auf dem Anwesen und lässt die Allgemeinheit gegen Eintritt durch ihren Park latschen. Das taten wir dann auch ausgiebig unter sachkundigen Führung von Reiseleiterin Magdalena und haben wie die Bekloppten fotografiert. Meine Güte, was gab’s da auch alles an Pflanzen! Solche, die man nur von Fotos und aus dem Fernsehen kennt, andere, die wir noch nie in unserem Leben gesehen hatten, und, was mich immer besonders fasziniert: Gigantische Varianten von Pflanzen, die wir nur als kümmerliche Topfpflänzchen kennen.

Nach einer traditionell englischen Pause im Teehaus am Seerosenteich bei Tee und Kuchen – und kilometerlangem Schlangestehen vor dem Damenklo – ging es weiter mit einer superkurzen Levada-Wanderung durch den ca. 800 m hoch gelegenen Wald. Nur 20 Minuten lang ging es in bei feucht-schwülem Wetter an den Bewässerungskanälen entlang durch den Lorbeer- und Eukalyptuswald, der übrigens sehr gut riecht. Ein Wald, der nach Gewürzen duftet!

Man wollte uns mit diesen 20 Minuten einen Vorgeschmack auf die Levada-Wanderungen geben, die der Reiseveranstalter anbietet. Und in der Tat haben ein paar Teilnehmer daraufhin gebucht.

Wir kamen wieder auf die Hauptstraße zurück und unser Bus pickte uns wieder auf. Die Reiseleiterin gab uns ein paar Hintergrundinformationen über die Insel und ihren Bewuchs:

Um das Jahr 1425 herum entdeckte Kapitän João Gonçalves Zarco, der im Auftrag der portugiesischen Krone unterwegs war, 900 Kilometer vor der Küste im Atlantik ein Inselchen, das er zuerst für eine Wolke hielt. Wegen seiner dschungelartigen Wälder nannte Zarco die Insel »Ilha da Madeira«, Insel des Holzes. Der Lorbeerwald war der ursprüngliche Bewuchs der Insel. Der Lorbeerwald ist endemisch.

Da die Siedler nicht lange auf sich warten ließen, fing man alsbald mit dem Roden an. Wiederaufgeforstet hat man die Wälder mit Eukalyptusbäumen, die aus Australien importiert wurden. Keine gute Idee. Die Bäume wachsen zwar schnell, ca. 1 Meter im Jahr, aber sie ziehen jede Menge Wasser, das dann den anderen Pflanzen fehlt. Und das Eukalyptusholz selbst ist sehr porös und zu nicht viel zu gebrauchen. Papier kann man daraus machen, aber das war’s dann auch schon. Und nur wegen der ätherischen Öle, die in die Pharmazie und für Eukalyptusbonbon verwendet werden, braucht man die Bäume auch nicht in rauen Mengen im Land zu haben. Wenn also jetzt wieder aufgeforstet wird, dann nicht mehr mit Eukalyptus, sondern wieder mit Lorbeer.

Noch was haben wir gelernt: Beim Eukalyptusbaum haben die jungen Pflanzen ganz anders aussehende Blätter als die großen Bäume. Die Jugendblätter sind rundlich-oval und bläulich-silbrig, die Altersblätter sind grün, schmal und hängend, um den jungen Pflanzen darunter Licht zu lasen.

Wir erfuhren auch, dass Madeira zu britischen Kolonialzeiten eine Art Zwischenstation war, um die Briten, die aus Indien wieder nach England zurückkehrten, so langsam wieder vom heißen indischen ans feuchte heimatliche Klima zu gewöhnen. Da war Madeira der ideale Mittelweg. Manch einer blieb gleich auf Madeira hängen.

Der letzte Kaiser
Unser nächstes Ziel war der Kaisergarten, die Quinta Jardins do Imperador. Dieses Anwesen ist erst seit März 2004 der Öffentlichkeit zugänglich, und die Gebäude werden auch noch feste renoviert.

Dieser Kaisergarten hat eine wechselvolle Geschichte. Anfang des 19. Jahrhundert kam Dr. David Webster Gordon von London nach Madeira, um sich einen Vetter, Webster Gordon, zu kümmern. Dr. Gordon gefiel die Insel sehr und beschloss, sich auf Monte ein Haus zu bauen. Das muss zur damaligen Zeit ein schwieriges Unterfangen gewesen sein, man musste ja das ganze Baumaterial quasi „von Hand“ den Berg hochschleifen. Billig war es auch nicht. Allein für die Genehmigung, Wasser zum Grundstück leiten zu dürfen, musste Dr. Gordon 30.000.,- englische Pfund abdrücken. Aber der Aufwand hat sich gelohnt, 1826 war das Anwesen fertig – mit Bäumen, ausgedehnten Rasenanlagen und Blumen im Überfluss. Und auch heute noch gibt’s da einiges zu gucken.

Nach dem Tod von Dr. Gordon 1850 wechselte die Quinta ein paar Mal innerhalb der Familie den Besitzer, bis sie 1871 an Leland Crossart verkauft wurde. Er soll es auch gewesen sein, den Teich anlegen ließ. Am 24 Juli 1899 erwarb Luis da Rocha Machado die Quinta, und sie bis zum heutige Tag Familienbesitz.

Im November 1921 wurde die Quinta auf einmal europaweit berühmt, als Luis da Rocha Machado sie Kaiser Karl I. von Österreich und seiner Familie kostenlos als Zuflucht anbot. Weil der Kaiser sich nach Kriegsende geweigert hatte, abzudanken, hatten ihn die Republikaner 1918 ausgewiesen. Daran, die Krone zurückzugeben, dachte er jedoch weiterhin nicht. Im Gegenteil. Ein Versuch, die Macht wieder an sich zu reißen, scheitere 1921. Die Engländer verschifften ihn ins Exil nach Madeira, wo er zunächst mit Familie im Reid’s Hotel in Funchal residierte. Dort lebten sie vom Verkauf des Familienschmucks. Als das Geld alle war, war Kaiser Karl quasi gezwungen, das Angebot des Bankiers da Rocha Machado anzunehmen.

Doch so schön es in Monte im Sommer ist – die Häuser haben keine Heizung, und Kaiser Karl holte sich eine Bronchitis, die sich schnell zu einer Lungenentzündung auswuchs. Zwei Monate nach seinem Umzug starb er. In der Wallfahrtskirche von Monte ist er beigesetzt. Seine Familie hat Madeira verlassen.

3. August: Madeira-Wein und Seilbahnfahrt
Um 7 Uhr morgens habe ich telefonisch an der Rezeption 2 Plätze für den hoteleigenen Shuttlebus nach Funchal reserviert, der mehrfach am Tag hin- und her fährt. Um 9:30 Uhr ging es los. Wir wollten zu Blandy’s Wine Company um uns über den legendären Madeira-Wein zu informieren, denn davon wollten wir gerne etwas für uns und für die Familie mit nach Hause nehmen. Und wir planten, mit der Teleferica,der Seilbahn, nach Monte hinauf zu fahren

Rita, die Angestellte von Blandy’s, die die deutschprachige Führung machte, sprach zwar mit einem starken Akzent, aber sie mochte ihren Job ganz offensichtlich und wusste viel Interessantes über Madeiraweine zu berichten.

Die ersten Weinreben wurden wahrscheinlich schon im 15. Jh. auf die Initiative von Heinrich dem Seefahrer nach Madeira gebracht. Die besondere Art der Herstellung – die bewusste Erhitzung des Weines – hat sich im 17. Jahrhundert mehr oder weniger zufällig ergeben, als große Mengen von der Hauptstadt Funchal aus per Schiff nach Amerika und in alle anderen Kolonien Europas exportiert wurden.

Bei den ersten Exporten stellte man fest, dass der Madeirawein am Zielort wesentlich besser schmeckte als auf Madeira selber. Zuerst hatte man die Schaukelei auf dem langen Seeweg dafür verantwortlich gemacht. Deshalb belud man nun viele Schiffe mit dem Wein und schickte sie nur zum Zweck der Madeira-Fertigung nach Ostindien und zurück (die Weine überquerten zweimal den Äquator). Dies nannte man Torna Viagem (Rundreise) Bei einer der nächsten Äquatorüberquerungen wurde die Umgebungstemperatur gemessen und die Lösung gefunden. Damit dieser außergewöhnliche Wein auf der langen Schiffsreise seine Qualität nicht verlor, wurde er mit Brandy verstärkt.

Heute macht man das mit dem Madeira-Wein so: In 25.000-Liter-Behältern aus amerikanischem Eichenholz oder beschichtetem Beton gärt der Wein. Bei Weinen aus Malvasia stoppt man schon frühzeitig und bei jenen aus Boal nach der Hälfte der Gärung den Prozess durch hochprozentigen Branntwein (Damit wird die Hefe um die Ecke gebracht, was die Gärung stoppt und der Wein bleibt süß.)

Dann wird er Wein erhitzt. Für die Massen-Produktion werden dazu riesige, gekachelte Betontanks mit 20.000 bis 50.000 Liter Volumen verwendet. Durch diese verläuft eine von heißem Wasser durchströmte Heizschlange aus Edelstahl, die den Wein über meist mehr als drei bis sechs Monate auf zumindest 40 bis 50 °C erwärmt. Ich stelle mir das wie einen gigantischen Tauchsieder vor. 😉

Manche Produzenten lehnen es aber ab, den Wein künstlich zu erwärmen, sondern lagern die Fässer unter den Dächern der Lodges, wo sie auf natürliche Weise durch die Sonne erhitzt lagern, in de Nacht wieder abgekühlt werden

Nach der Erhitzungsphase und der Abkühlung ruht der Wein 12 bis 18 Monate und wird anschließend entsprechend der vorgesehenen Qualität eingestuft. Nach dem Abstechen in Holzfässer erfolgt die weitere Reifung. Die einfachen Weine reifen 3 Jahre. Das Mindestalter für Weine aus den edlen Sorten ist fünf Jahre. Ab 10 Jahren beginnen die „guten“ Weine. Die Spitzen-Produkte sind die „Vintage Madeira“, die zumindest 20, aber auch 30 bis 50 Jahre lang reifen.

Es gibt drei verschiedene Madeira-Typen: Der Sercial ist hell und trocken, der Verdelho halbsüss, Bual und Malmsey (Malvasia) dagegen süss.

Der Madeira kann jahrzehntelang im Fass bleiben. Und wir sahen, als wir bei Blandy’s nach Abschluss der Führung auf die Weinprobe warteten, auch Flaschen von „unserem“ Jahrgang, 1960, in den Regalen. Die waren aber so sündhaft teuer, dass wir uns doch lieber mit fünf Jahre altem Madaira-Wein eindeckten. Trockenem – denn das, was dort als trocken läuft, ist immer noch süß genug. Die süßen Sorten waren geradezu abartig klebrig, das Zeug kannste unserer Meinung nach wirklich nicht trinken. So war’s denn auch kein Drama, dass ich bei der Weinprobe das Glas fallen ließ und die Hälfte davon verschüttete. Blöd nur, dass ich meinen Rock damit einsaute und für den Rest das Tages nach Madeira roch.

Als nächstes ging es zur Teleferica und damit hoch nach Monte.

Auf der Homepage des Seilbahnbetreibers, http://www.madeiracablecar.com heißt es:
„Die Seilbahn von Funchal wurde vor allem als Verkehrsmittel für den Tourismus konzipiert und verbindet das Zentrum Funchals mit Monte. Damit wurde eine traditionelle Verbindung wiederhergestellt, die einst durch die Zahnradbahn von Monte bewältigt wurde und bei Touristen wie Einheimischen sehr geschätzt war.

Der Bau der Seilbahn wurde im September 1999 begonnen, und im November 2000 wurde der Betrieb aufgenommen.

Die Seilbahn wurde so angelegt, dass der Fahrgast in den Genuss verschiedener Aspekte kommt, darunter die Schönheit der Anlage, die Fahrt mit herrlichen Panoramablicken, der Besuch in den verschiedenen Gärten und Sehenswürdigkeiten in Monte und auch die natürliche Schönheit von Babosas und dem Tal von Ribeira de João Gomes.

Die Basisstation befindet sich in den Gartenanlagen Almirante Reis direkt in der Altstadt. Die Bergstation in Monte liegt am Caminho das Babosas, etwa in mittlerer Entfernung zwischen Largo das Babosas und den Gärten von Monte. Damit ist für Fußgänger ein leichter Zugang zu beiden Orten geschaffen, ohne das natürliche Ambiente zu stören.

In der Station von Funchal befindet sich die Spanneinrichtung, die die Spannung im Förderseil konstant hält. Die Strecke von 3.178 Metern schräger Länge überwindet einen Höhenunterschied von 560 Metern und wird in etwa 15 Minuten zurückgelegt.

Das Förderseil von 43 mm Durchmesser verläuft über 11 röhrenförmige, konisch zulaufende Stahlstützen. Die Spurbreite der beiden Seilstränge beträgt im Allgemeinen 5,50. Mit 39 m ist die Stütze Nr. 3 die höchste. Die Seilbahn verfügt über 39 Gondeln mit je 7 Sitzplätzen. Bei maximaler Fahrgeschwindigkeit von 5 Metern pro Sekunde können 800 Personen pro Stunde befördert werden. Dabei beträgt die gleichbleibende Betriebsleistung 302 KW (423 PS).“

Auch wenn der Werbeprospekt, den es in der Talstation gab, höchste Sicherheitsstandards versprach, traute Gerhard der Konstruktion nicht über den Weg. Was, wenn das Seil reißt? Das treibt ja nicht nur die Gondeln an, es hält sie auch. Dann geht’s mit Karacho runter ins Tal, und das war’s dann.

Ich machte mir solche Sorgen nicht und schaute den Leuten von oben auf den Balkon und in den Garten. So toll haben die Anwohner das Projekt sicher nicht gefunden, als es geplant und gebaut wurde. Ich zumindest fände die Idee äußerst uncool, dass über unserem Haus und Garten jahraus, jahrein irgendwelche Leute in Gondeln schweben und neugierig herunterglotzen. Ganz abgesehen davon, dass die Seilbahn ja sicher die ganze Zeit, in der sie läuft ununterbrochen Geräusche macht.

Wie dem auch sei – die Aussicht ist grandios!

Die Jungs mit den Korbschlitten, die seither die Touris für teuer Geld wieder talwärts transportiert haben, werden die Seilbahn sicher auch verfluchen. Die Teleferica hat ihnen ganz schön die Preise versaut. Wir schauten ihnen geraume Zeit vom Vorplatz der Kathedrale aus zu. Sah irgendwie recht gefährlich aus, wie die Anlauf nahmen und dann in voller Fahrt hinten auf die Kufen des voll besetzten Schlittens sprangen. So manövrierten sie den Schlitten die Straße runter. Sicher alles kein Act, so lange es stur geradeaus geht – und kein Hindernis kommt, das ein plötzliches Bremsmanöver notwendig macht.

Wie die Schlitten und die Fahrer wieder bergauf kommen, haben wir auch gesehen: Die Schlitten bringt ein Lastwagen, die Fahrer kommen mit einem Bus oder einem Taxi wieder nach oben. Das war in alten Zeiten sicher auch beschwerlicher.

In der Wallfahrtskirche selber haben wir die letzte Ruhstätte von Kaiser Karl I. gesehen. Ansonsten haben wir hier von einer Barock-Kirche eine andere Vorstellung, ich könnte jetzt nicht sagen, dass die Kirche künstlerisch irgendwie außergewöhnlich ausgeschmückt gewesen wäre.

Auf dem Altar steht eine Marienstatuette. Ihre Verehrung geht auf das 16. Jahrhundert zurück. Der Legende nach soll einer Schäferin dort die Mutter Gottes erschienen sein. Als sie ihren Vater an die Stelle führte, fand er die Statuette. Der Figur werden Wunderheilungen und Hilfe bei Naturkatastrophen nachgesagt.

Um den botanischen Garten zu besichtigen, hatten wir nicht genügend Zeit, und nur im Schweinsgalopp durchrennen wollten wir nicht. Also haben wir nur mal einen Blick auf den örtlichen Friedhof geworfen. Die Grabkreuze tragen Bilder des Verstorbenen und die Gräber sind oft mit künstlichen Blumen geschmückt, obwohl hier doch alles wächst. Wir haben versucht, die Grabinschriften zu lesen, sind aber gescheitert, obwohl man sich mit Brocken aus dem Französischen, Spanischen, Lateinischen und Italienischen doch einiges zusammenreimen kann.

Im Schnellrestaurant der Bergstation haben wir noch schnell was getrunken und sind dann wieder hinunter nach Funchal gefahren. Beim Bummel durch die Stadt hat’s mir dann meine Kamera verspult. Nach mehr als 10 Jahren treuen Diensten hat sie einfach die Funktion eingestellt. Nichts ging mehr. Es war ja irgendwann mal damit zu rechnen, aber grad im Urlaub nervt so was unheimlich. Ich bin so gerne unabhängig, sah mich aber schon für den Rest der Reise andauernd Gerhard um die Spiegelreflex bitten. Wahlweise unbeholfen mit der kleinen Digitalkamera rumfummeln. Denn die Dinger sind im Freien irgendwie nicht so galaktisch. Bei Sonneneinstrahlung, noch dazu mit der Sonnenbrille auf der Nase, deren Gläser nicht auf Weitsichtigkeit geschliffen sind sehe ich auf diesem verflixten Display so gut wie gar nix. Und der Sucher funktioniert irgendwie eher schätzometrisch. Hinterher ist so der Spur nach das auf dem Bild, was du im Sucher gesehen hast …
Nach Funchal würden wir noch einmal für einen ausgiebigeren Stadtbummel wiederkommen, beschlossen wir. Wir schauten im Hafen noch ein bisschen den Schiffen zu, auch dem nachgebauten Schiff von Christoph Kolumbus, und fuhren gegen 15:30 Uhr mit dem Shuttlebus wieder zurück ins Hotel.

Beobachtung am Pool: Gibt es eigentlich ein Rennfahrer-Gen?
Ich habe mich ernsthaft gefragt, ob es beim männlichen Geschlecht so etwas wie ein Rennfahrer-Gen gibt. Fünf kleine Buben aus verschiedenen Ländern fuhren stundenlang mit wachsender Begeisterung und viel Brumm-brumm-brumm ihre Spielzeugautos am Rand des kreisrunden Kinderschwimmbeckens herum. Die kleinen Mädchen quälten derweil ihre Angehörigen mit Kämmen und Zöpfchen flechten oder „fütterten“ ihre Schwimm-Enten. Da gab’s augenscheinlich eine strenge Geschlechtertrennung. Und das setzt sich meiner Beobachtung nach bis ins Erwachsenenalter fort. Ich kämme und füttere die Viecher und der Gatte schaut Autorennen. 😉

5. August: Die West-Tour
+++ Camara dos Lobos +++ Cabo Girao +++ Ribeira Brava +++ Sierra Agua +++ Emcumeada-Pass +++ San Vincente +++ Porto Moniz +++ Hochebene Paul da Serra +++

Nachdem wir ein paar Tage lang außer nix nix getan hatten, war jetzt ein bisschen Inselgucken angesagt. Man muss ja wissen, wo man war, sonst kann man den Urlaub gleich im örtlichen Freibad verbringen.

Der Bus kam pünktlich. Doch ehe es mit den Weisheiten der qualifizierten Reiseleiterin losging, hieß es erst einmal, eine Stunde lang die umliegenden Hotels abtouren und Mitreisende einfangen. Manche können’s einfach nie richten und hocken noch auf dem Klo, während draußen 30 Leute auf sie warten und haben hinterher noch eine blöde Gosch’. So macht man sich Freunde …

Camara dos Lobos: “Höhle der Wölfe” ist die wörtliche Bedeutung des Namens dieses Fischerorts. Gemeint sind allerdings keine wirklichen Wölfe sondern Mönchsrobben, die früher dort heimisch waren. Camara dos Lobos ist eine der ältesten Siedlungen auf Madeira, es gibt den Ort seit dem frühen 15. Jahrhundert. Winston Churchill liebte den Ort. Es gibt ein Foto aus dem Jahr 1950, auf dem der auf einem Aussichtspunkt am Ortseingang sitzt und den Blick auf dem Hafen malt. Wir waren dort und haben diese Aussicht fotografiert. Er hatte schon Recht – das ist ein Bild Wert.

Heute hätte er die Ruhe nicht mehr, dort zu sitzen und zu malen, weil im Minutentakt Busladungen mit interessierten Touristen dort halten und runterschauen und knipsen. Und wir gehörten dazu. So ein fortwährender Menschenauflauf lässt sich allerdings kaum vermeiden, wenn Hunderttausende von Touristen an ein paar Dutzend Sehenswürdigkeiten auf einer kleinen Insel interessiert sind.

Cabo Girao, der Aussichtspunkt über der Steilküste war unser nächstes Ziel. Und da war dann vollends Jahrmarkt. In einer ewig langen Schlange stand ein halbes Dutzend Reisebusse oder rangierten auch mal wie wild, wenn ausgerechnet einer in der Mitte wieder wegfahren wollte, obwohl es bei Lichte betrachtet nirgendwo hinging und man sich in dem Menschengewusel auch kaum zu rangieren traute. Es ging zu wie bei uns auf dem Pfingstmarkt. Markt war das richtige Stichwort, denn obwohl man vor lauter Leuten nicht mehr treten konnten, wuselten auch noch Händler herum und boten Pflanzen,. Postkarten, Stickereien und sonstige kunsthandwerkliche Gegenstände an. Ich kaufe in so einem Menschengewirr grundsätzlich nicht. Am Ende klaut dir noch einer den Geldbeutel. Nix gibt’s.

Wie auch immer – wir kämpften uns durch die Menschenmassen vor um das zu sehen, was es hier zu sehen gab: Vom Aussichtsplatz aus ging es 578 Meter lotrecht ins Meer. Das ist das zweit- oder dritthöchste Kliff der Welt. Man hat einen Blick fast über die gesamte Südküste und natürlich über Funchal.

Unten, am Fuß der Klippen, sieht man tatsächlich Terrassenfeldern, zu denen man sich früher mit einem Seil hinunterlassen musste. Oder man fuhr mit dem Boot. Heute gibt es wohl einen gläsernen Lift dort hinunter, den wir aber nicht gesehen haben. Die Landwirtschaft auf Madeira ist schon eine verflixt mühsame und manchmal sogar gefährliche Angelegenheit.

Woher der Name Cabo Girao kommt, erfuhren wir auch noch: Das heißt „Wende-Kap“. Die Entdecker Madeiras wendeten an dieser Stelle und fuhren wieder nach Lissabon zurück.

Ribeira Brava heißt „wilder Bach“ und ist ein fruchtbares Tal im Süden, und es gibt einen gleichnamigen Ort direkt an der Küste. Im 15. Jahrhundert wurde dort Zuckerrohr angebaut, heute gibt es hier Obst- und Bananenplantagen und man die Menschen in Ribeira Brava leben zudem von Fischfang und Landwirtschaft.

Wir hatten ein bisschen freie Zeit zur Verfügung, aber so schrecklich viel Interessantes gibt es in dem Städtchen nicht zu sehen. Wir waren kurz in der Kirche und ich habe halt wieder Postkarten gekauft. Von Ribeira Brava aus ging es in „Landesinnere“ der Insel, in Richtung Norden.

Über Sierra Agua mit seinen Terrassenfeldern fuhren wir zum Encumeada-Pass, 1.700 m hoch und fast im Mittelpunkt der Insel gelegen. Von diesem Pass breitet sich das ganze Panorama des Zentralgebirges aus. Der Pass ist die Verbindung zwischen Süden und Norden und gleichzeitig die Nahtstelle zwischen dem Zentralgebirge und der Hochebene Paul da Serra – ein traditioneller Verkehrsknotenpunkt mit Restaurants und Herbergen.

Die Aussicht war sensationell und am Wegesrand wuchsen höchst dekorative Hortensien und Agapanthus, eine Schmucklilie, die auch als „afrikanische Liebesblume“ bekannt ist. Nervig war allein die Indio-Band – ja, genau die Jodler mit Pferde-schwanzfrisur und buntem Poncho, die einem in jeder Fußgängerzone die Ohren vollflöten. Die hiesige Filiale hatte einen Notstromaggregat und eine Anlage aufgebaut und spielten zu einer CD mit Abba-Songs („Chicitita“) die Panflötenstimme. Und das nicht mal besonders gut. Wahrscheinlich fehlten denen noch ein paar tausend Höhenmeter, bis sie zur richtigen Form aufliefen.

Indio-Musikern mit Analage und Playback-CD sollten uns auf der Reise noch öfter begegnen. Es waren zwar immer andere Indianer, aber alle hatten die gleiche CD …

Wir kamen durch den Lorbeerwald, der heute zum Weltnaturerbe der UNESCO gehört. Die Lorbeerbäume (Laurus Azorica) sind endemisch auf der Insel, das heißt, sie kommen nur dort vor. Lorbeer, Baum- und Besenheide, Madeira-Zedern und Baumwacholder bilden den ursprünglichen Bewuchs der Insel, den Urwald. All diese Gehölze stehen unter Naturschutz. 60% der Pflanzen im Lorbeerwald sind endemisch. Der madeirensische Lorbeerwald zählt zum Weltnaturerbe der UNESCO. Der Lorbeerwald hat sich in der Eiszeit entwickelt, nicht nur auf Madeira sondern auch im Mittelmeerraum und in Nordafrika. Auf den Atlantikinseln blieb er erhalten, anderswo war es ihm nach der Eiszeit zu warm und er verschwand.

Je mehr Lorbeerwald es gibt, desto mehr Wasser gibt es. Der Tau gelangt über die Blätter in die Wurzeln, es bilden sich unterirdische Schichtquellen, und von dort gelangt das Wasser durch die Levadas (Bewässerungskanäle) bis ins Tal. Auf Madeira muss man kein Meerwasser entsalzen.

Auf dem Weg nach Sao Vincente an der Nordküste kamen wir immer wieder an Terrassenfeldern vorbei, auf denen kleine Hütten standen. Das seien mitnichten Geräteschuppen, erklärte uns die Reiseleiterin, sondern Kuhställe. Für richtige Kuhweiden, wie wir sie kennen, ist außer auf der Hochebene Paul da Serra kein Platz in dem gebirgigen Gelände. Also hält ein Bauer eben EINE Kuh. Frei herumrennen kann man sie in dem steilen Gelände auch nicht lassen, weil immer wieder welche abstürzen. Sind eben Rindviecher. Also gibt’s eben Einzelviehhaltung in diesen Ministällen. Gefüttert wird das Tier im Stall. Und wenn man einen Bauern mit einem großen Grasbündel auf dem Kopf auf sein Feld gehen sieht, dann bringt er seiner Kuh das Futter.

Sao Vincente: Die kleine Kapelle, der Fluss und das Dorf sind dem heiligen Vinzenz geweiht. Der Märtyrer soll bei Valencia von einem Schiff aus mit einem Mühlstein beschwert ins Meer geworfen worden sein. Das Meer spülte ihn bei Sao Vincente wieder an Land, wo er dann, nach diesem „Fingerzeit Gottes“ ein ordentliches Begräbnis erhielt.

Vom Meer aus kann man Sao Vincente nicht sehen, es liegt hinter einem Felsen verborgen, wodurch die Einwohner ihre Ruhe vor den Piraten hatten.

Von Sao Vincente ging es nach Porto Moniz, den nordwestlichsten Punkt der Insel. Dort war unsere Mittagspause geplant. Auch unterwegs gab es noch Interessantes zu sehen: Ungewöhnlich geformte Felsen im Wasser. Und die Straße an der Steilküste entlang war auch ein Erlebnis für sich. Wir fuhren die „Alte Straße“ entlang, die wie ein geländerloser Balkon am Felsen klebt. Sah man aus dem Busfenster, ging’s nur ins Bodenlose. Die Reiseleiterin meinte grinsend, wir könnten beruhigt sein, auf Madeira gibt es nur gute Busfahrer. Die schlechten wären schon längst über die Klippen gestürzt.

„Waschstraße“
wird die Straße auch scherzhaft genannt. Es gibt hier so viele Wasserfälle, dass das Auto beim Drunterdurchfahren von selber sauber wird. Nur Cabrio-geeignet ist die Strecke eher weniger … Eindrucksvoll war der Wasserfall Veu da Noiva, der Brautschleier-Wasserfall kurz vor der Ortschaft Seixal.

Baustellen sahen wir auch allenthalben. Die Berge auf Madeira müssen ja bald durchlöchert sein wie Schweizer Käse. An jeder Ecke wurden Tunnels gebohrt. Das, so erzählte man uns, habe Madeira den Zuschüssen aus der EU zu verdanken. Jetzt ist Geld da, jetzt wird auch gebaut. Ist es das, was wir mit unseren Steuergeldern finanzieren: Löcher?

In Porto Moniz angekommen, ging es gleich in das Restaurant Cachalotte direkt am „Wahrzeichen“ des Orts, dem natürlichen Felsenschwimmbecken. Dort waren wir zum Mittagessen angemeldet. Es war ein großes, ziemlich ungemütliches Lokal, das für Massenabfertigungen von Touristen wie geschaffen war. Nervig war auch das aufdringliche Fotografenteam mit jungen Damen in Landestracht, die sich ungefragt mit den Gästen fotografieren ließen und hinterher 5 Euronen für das Bild kassierten. Unser Bild war doof, was zwar mehr an uns als an den Fotografen lag, aber für ein doofes Bild zahlen wir nicht. Berufsrisiko.

Es gab Fisch: Espada mit Kartoffeln und Gemüse. Der Espada – der schwarze Degenfisch – ist eine leckere Spezialität der Insel. Doch nicht nur auf dem Teller ist dieser Fisch interessant, auch im Wasser gibt es über ihn einiges zu erzählen. Nur ist das nicht alles so appetitlich. Also erst essen und dann später schauen, wie der Espada aussieht und sich darüber informieren, wie er lebt und gefangen wird.

Beim Espada handelt es sich um einen Tiefseefisch, der ca. 800 bis 1000 Meter tief im Atlantik lebt. Er wird 1 bis 2 Meter lang, schwarz, hat große Glubschaugen und ein hechtartiges Maul mit mehr Zähnen als Stefan Raab. In der Tiefe sei er wohl kupferfarben, nicht schwarz, sagte man uns. Genau weiß man es nicht, weil man noch nie einen lebendigen Espada gesehen hat. Auch keinen jungen, übrigens. Nicht mal der Forscher Jacques Cousteau hatte Glück, der mal in Sachen Espada forschte. Vielleicht wüssten wir heute mehr, wenn er nur mehr Zeit für dieses Projekt gehabt hätte.

Man nimmt an, dass die ausgewachsenen Espadas zur Nahrungssuche aus der Tiefe auftauchen und dann in die Fischernetze geraten. Beim Hochziehen des Netzes stirbt der Espada dann aufgrund des Druckabfalls. Er ist eben für die Tiefsee gemacht. Die Schwimmblase dehnt sich aus, er spuckt den Mageninhalt aus – weswegen man bis heute nicht weiß, was genau er frisst – und stirbt.

Die ekligen Details vergisst man aber recht schnell, wenn der Espada in Form von Fischfilet vor einem auf dem Teller liegt …

Nach dem Essen hatten wir noch ein bisschen Gelegenheit, uns rund um das natürliche Felsenschwimmbad umzuschauen. Leider wurde da gerade was renoviert, so dass nicht in allen Becken Wasser drin war. So haben wir nicht ganz den richtigen Eindruck von dem beliebten Familienbad bekommen.

Vor hunderttausenden von Jahren haben sich vulkanische Schlackenbänder vor der flachen Küste zu einem großen Halbrund geformt. Fast ohne bauliche Ergänzungen entstand dort ein Badeparadies, das besonders von einheimischen Familien frequentiert wird.

Nach der Mittagspause fuhren wir weiter durch die Hochebene von Paul da Serra. Dort war es neblig, nass und herbstlich. Kühe laufen dort frei herum und finden abends von selber wieder in den Stall, wenn es Zeit ist zum Melken. Bis ungefähr zur Ortschaft Prazeres ist die Gegend bewaldet, danach wird der Bewuchs steppenartig. Na ja, man befindet sich dort in einer Höhe von 1.400 bis 1.500 Metern. Die höchste Erhebung ist der Ruivo do Paul mit 1.630 m. Bewohnt ist die Hochebene nicht. Man hatte mal geplant, weil es dort so schön eben ist, den Flughafen dort oben hin zu bauen. Doch das war eine Schnapsidee. Das Wetter ist zu schlecht, dort oben ist es häufig neblig. Auch sonst ist es dort recht unwirtlich. Großteils bilden wasserundurchlässige Erdschichten den Untergrund, was den Boden zu einem matschigen Sumpf macht. „Gebirgsumpf“ lautet auch die wörtliche Übersetzung von Paul da Serra. Die Wege sind leicht erhöht angelegt, damit man bei schlechtem Wetter nicht im Matsch versinkt.

Der Flughafen kam dann nach Funchal. Was auch nicht ganz einfach war, weil es so wenig Platz gab für eine Landebahn. Aber zumindest ist dort unten im Süden das Wetter besser.

Auf der Rückfahrt legten wir noch eine Kaffeepause in Ponta do Sol ein. Statt uns ins Cafe zu setzen, gingen wir am Kai entlang und schauten der Dorfjugend zu, wie sie von der Kaimauer ins Wasser sprang. Wahnsinn, was diese Jungs sich trauen.

Unterwegs aufgeschnappt
Wenn man so unterwegs ist, erzählen die Reiseleiter ja so allerlei Interessantes, Wichtiges und Schnurriges. Zum Beispiel dieses:

Tonfiguren auf den Dächern: Auf den Dächern der madeirensischen Häuser – ob alt oder neu – finden sich vielfach Tonfiguren in Form von Vögeln oder Kinderköpfen. Dieser Brauch ist asiatischen Ursprungs und kommt aus den Kolonien (Macao). Der Vogel soll eine Taube darstellen, ein Symbol für den Heiligen Geist, und das Haus beschützen. Die Kinderköpfe sind ein Fruchtbarkeitssymbol.

Zuckerrohr: Der Entdecker der Insel, Kapitän Zarco und Prinz Heinrich, hatten schon recht früh die Idee, auf Madeira Zuckerrohr anzubauen. Die ersten Stecklinge wurden aus Sizilien importiert. Sklaven aus Nordafrika arbeiteten auf den Feldern der Zuckerrohrplantagen. Die Konkurrenz konnte nicht mithalten, und bald importierten alle nur noch Zuckerrohr aus Madeira. Das Geschäft florierte eine ganze Weile. Um das Jahr 1500 herum war der Höhepunkt des madeirensischen Zuckerrohrgeschäfts, doch 1503 kamen die Portugiesen auf die Idee, Zuckerrohr nach Brasilien zu bringen. Die ersten Plantagen entstanden, auf denen die Sklaven aus Schwarzafrika arbeiteten. Zuckerrohr aus Brasilien war fortan konkurrenzlos, Madeira als Zuckerrohrlieferant war bald vom Markt verschwunden.

Heute sieht man nur noch vereinzelt ein paar Pflanzen. Was es noch an jeder Ecke gibt: Den weißen Rum, den man ja aus Zuckerrohr macht. Eine Spezialität der Insel ist Poncha, eine Art Punsch aus weißem Rum, Honig und Zitrone. Das Zeug kann man kalt oder heiß trinken und jeder schwört auf sein ganz persönliches Mischungsverhältnis. Im Winter schwören die Madeirenser auf heißen Poncha, der gut gegen Erkältungen sein soll. Man trinkt ihn aber auch gern mal zur Vorbeugung …

Wir haben uns aus der Markthalle einen weißen Rum mitgebracht und werden im Winter mal testen, wie es denn so mit der medizinischen und sonstigen Wirkung dieses Gebräus bestellt ist.

Zwergbananen: Zwergbananen brauchen Wärme und Feuchtigkeit und sind deshalb auf Madeira gut aufgehoben. Sie werden bis in die Höhe von 300 m angebaut. Aus der Wurzelknolle sprießt die Mutterpflanze. Bis das erste mal Bananen geerntet werden können, dauert es 18 Monate. Jede Pflanze trägt nur einmal in ihrem Leben eine Bananenstaude, danach stirbt sie und das Spiel geht mit ihren Ablegern weiter.

7. August: Die Ost-Tour
+++ Pico do Ariero +++ Ribiero Frio +++ Santana +++ Portela +++ Ponta Sao Lourenco +++ Machico +++
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Nahezu pünktlich ging es am Morgen des 7. August mit dem Bus auf die Osttour. Auf dem Weg zum Berg Pico do Ariero erzählte uns die Reiseleiterin noch allerhand über das Getier auf Madeira. Es gibt rund 250 Vogelarten auf der Insel, kein Rotwild, nur Kaninchen, Reptilien – und 500 Fischarten. Und dass es die Pflanzen dank des günstigen Klimas zu Rekordgröße bringen, erzählte man uns auch. Heidelbeeren erntet man hier mit der Leiter, weil die Sträucher bis zu 2 Meter groß werden. Und auch die Besen- und Baumheide wird viel größer als anderswo.

Auf dem Pico do Ariero, dem dritthöchsten Berg der Insel mit 1818 Metern hat man alles im Blick. Man kann heute mit dem Auto bis kurz unter den Gipfel fahren und dann zur Aussichtsterrasse hoch gehen. Von dort sieht man nach Süden und Osten bis zur Küste, nach Norden hinüber zu den benachbarten Felsmassiven und nach Westen bis auf die Hochebene Paul da Serra. Und wenn ich auch die Fotos „Landschaft mit Emma“ sonst nicht leiden kann – hier haben wir eins gemacht. Muss ich erwähnen, dass auch hier die unvermeidlichen Indianer am Herumplärren waren?

Die nächste Station war Ribiero Frio, was „kalter Fluss“ heißt. Das ist ein Naturschutzgebiet und liegt am Osthang des Zentralgebirges, so ungefähr auf halber Höhe. In wie fern da die Natur geschützt wird, habe ich mich allerdings gefragt, weil das ganze doch sehr touristisch aufgezogen ist. Mit Wegen, Picknickplätzen, Restaurants, Souvenirbuden … Und natürlich mit panflötenden Hochlandindianern samt Stromaggregat, Anlage und Abba-CD. Ist in den Anden überhaupt noch jemand zu Hause? Tolle selbst gestrickte Pullover haben die Frauen dort angeboten, aber die wirkten warm und kratzig. Also habe ich keinen gekauft. Nur schön ist ja auch nix.

Terrassenförmig an den Hang gebaut ist eine Forellen-Zuchtstation, durch die wir durchspaziert sind. Interessanter noch als die Fische fand ich die Sammlung an penibel beschrifteten exotischen Topfpflanzen, die dort herumstand.

Bei Faial hielten wir für eine kurze Fotopause an: Der Ort an sich ist nicht so aufregend, aber der imposante, steil abfallende Adlerfelsen (Penha de Aguia), der Faial vom Nachbarort Porto da Cruz trennt. 590 Meter ist er hoch und früher nisteten dort Fischadler. Von denen hat der Fels seinen Namen. Auf den Berghängen sieht man überall die kleinen „Kuhhäuschen“, die palheiros. Mini-Kuhställe für einzelne Rindviecher.

Mittagspause war in Santana – Massenabfütterung mit Espada. Aber gut war’s. Der Name Santana, so sagte man uns, kommt von „Santa Anna“. Im 16. Jahrhundert stand an der Stelle der heutigen Dorfkirche eine Kapelle der heiligen Anna. Berühmt ist Santana wegen seiner Strohdachhäuser, auch Santana-Häuser oder Bienenkorbhäuser. Oder, auf portugiesisch, Casas do Colmo.

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Diese gepflegten Häuschen sind winzig, und die Strohdächer reichen bis zum Boden. Es ist fast nicht vorstellbar, dass dort wirklich ganze Familien drin gelebt haben. Einige der Santana-Häuschen sind sogar heute noch bewohnt. Sie haben unten ein Wohnzimmer und ein Elternschlafzimmer und oben ein Kinderzimmer. Küche und Klo sind in separaten Gebäuden. Die Küche wegen des Funkenflugs- das ist bei einem Strohdach zu gefährlich. Da hat man doch lieber ein Gebäude mit Steindach.

Die Besitzer so eines Santana-Häuschens erhalten eine Unterstützung vom Staat, damit sie ihr Gebäude erhalten. Alle 5 Jahre muss so ein Strohdach neu gedeckt werden – wegen des Wetters und wegen der Mäuse.

Ich liebe ja Häuser und hätte mich an den schmucken und mit vielen Blumen herausgeputzten Santanahäuschen dumm und dusselig fotografieren können.

Danach ging es weiter. Nach einem Stopp in Portela fuhren wir zur Ostspitze der Insel. Dort war Schluss mit üppig grünen Landschaften, dort gibt es Halbwüste und unbewohnte Wüsteninseln vulkanischen Ursprungs. Eine spektakuläre Landschaft ganz nach unserem Geschmack, rau, felsig und karg. Wir sind herumgeklettert und haben wie die Wilden fotografiert. Viel zu schnell ging es wieder weiter. Ich war die letzte, die vom Felsen heruntergekraxelt war und wieder im Bus saß. Sonst muss man immer auf andere warten, diesmal war’s eben ich.

Der letzte Halt vor der Rückkehr ins Hotel war Machico, die älteste Stadt der Insel. Dort war alles in Vorbereitung für ein Stadtfest. Überall wurde gegrillt und Speisen und Getränke verkauft. Auf einer Bühne lief gerade der Soundcheck einer Band. Ich hatte gehört, dass es an der Festung, der Fortaleza do Amparo, einen Teich mit lila Seerosen geben sollte. Die wollte ich unbedingt sehen. Danach schlängelten wir uns durch die Grillbuden an den Strand durch.

Eine tolle Bucht haben die dort! Hätte es nicht so viel Remmidemmi gegeben von dem Fest her, wäre das dort wahrhaft paradiesisch gewesen.

Wir latschten noch ein bisschen durch die Ortschaft und waren früher als vereinbart wieder am Treffpunkt. Für heute hatten wir genug gesehen, und so ließen wir uns gerne wieder zum Hotel zurückfahren.

9. August: Ein weiterer Besuch in Funchal
Am 9. August wollten wir noch einmal nach Funchal um Souvenirs und Reisemitbringsel zu kaufen. Ich reservierte wieder in aller Herrgottsfrühe zwei Plätze im Shuttlebus für 9:30 Uhr. Doch als wir losfahren wollten, regnete es Bindfäden. Und Regenschirme hatten wir nicht mitgenommen. Zwar hätten wir welche kaufen können, aber der Laden im Hotel öffnete erst viel später am Vormittag. Also ließen wir unsere Shuttle-Fahrt verfallen und quetschten uns anderthalb Stunden später mit hundert anderen Menschen in den Linienbus. Der Shuttlebus war nämlich für alle späteren Fahrten bereits ausgebucht.

Meine Güte, das war vielleicht eine Gurkerei! Der Linienbus hielt an jedem größeren Baum und an jeder Milchkanne und war so gestopft voll, dass manche Fahrgäste gar nicht an ihrer gewünschten Haltestelle aussteigen konnten. Sie konnten sich einfach nicht bis zur Tür vorkämpfen.

Irgendwann haben wir es dann doch geschafft und kamen am zentralen Busbahnhof von Funchal an. Als erstes gingen wir in die Markthalle. Das war so eine Art europäisierte Version eines orientalischen Souks. Blumen, Fische, Rum und Vogelkäfige, Fleisch und Brot, Obst, Gewürze und Gemüse, Postarten und Souvenirs – es gab nichts, was es dort nicht gab. Auf dem Fischmarkt in der Markthalle sahen wir erstmals auch einen Espada, wenn er noch nicht zubereitet auf dem Teller liegt. Na ja, eine Schönheit ist er wirklich nicht. Ich wäre nicht von mir aus auf die Idee gekommen, dass man den essen kann und dass er auch noch schmeckt.

Postkarten und Rum, Madeira-Wein, verschiedene Blumenzwiebeln und Ansichtskarten haben wir gekauft und durften den Kram für den Rest des Tages mit uns rumschleppen. Gerhard war noch auf der Suche nach zwei Stangen Marlboro, aber die waren erst nach langem suchen in einem winzigen Kiosk zu finden. Auf Madeira verkaufen sie sonst wohl nur Einzelschachteln.

Zur Besichtigung der Kathedrale reichte es uns wieder nicht, aber die hat auch zu ausgesprochen ungünstigen Zeiten geöffnet. Nun, überall, wo wir waren, haben wir unerledigte Posten hinterlassen.

Wir gingen zum Praca du Municipio, dem Rathausplatz. Wir warfen einen Blick in den mit blauen Kacheln schön dekorierten Innenhof des Rathauses und sahen auch die Skulptur von Leda mit dem Schwan. Aber so ganz wohl war uns nicht dabei, dort besichtigend herumzuschleichen. Es ist immerhin ein Rathaus. Also gingen wir schnell wieder und besichtigten die Kirche des Jesuitenkollegs, die Igrecia do Collegio. Ein wildes Stil-Sammelsurium irgendwo zwischen maurisch und barock, mit Kacheln, Wandmalereien, gerahmten Bildern und Schnitzereien mit viel Blattgold. Leider sind meine Fotos nichts geworden, sie sind alle zu dunkel.

An der Uferpromenade nahmen wir Prospektmaterial zum Thema Hochseefischen für einen von Gerhards Kollegen mit. Wir sahen die Nachbildung von Christoph Kolumbus’ Schiff voll besetzt mit Touristen zu einer Rundfahrt auslaufen und gingen ins Einkaufszentrum. Das ist wie eine Shopping Mall konzipiert – lauter schicke kleine Lädchen – und auch dort gibt es nichts, was es nicht gibt.

Wir kauften uns etwas zu trinken und machten uns auf den Weg in den Stadtpark, den Parque Sao Francisco. Diesen Park hatten wir bei unserem ersten Besuch nur flüchtig gesehen. Eine beachtliche Ansammlung exotischer Bäume und Sträucher ist dort angepflanzt, alle mit Namensschildern versehen. Es ist unglaublich, was es alles an Pflanzen gibt, die man noch nie zuvor gesehen hat. Bäume mit dickbauchigen Stämmen, und etwas, das wie eine Kreuzung zwischen Drachenbaum und Yuccapalme aussah und ebenso sonderbare Früchte trug. Oder waren es Blüten? Sie sahen aus wie eine Mischung aus Ananas und Tannenzapfen. Wir setzten uns auf eine Park am Ententeich mit den beiden Knaben aus Stein und sahen den Passanten zu.

So langsam wurde es Zeit, an die Heimfahrt zu denken. Bis der Bus kam, setzten wir uns in ein Straßencafé in der Nähe des Busbahnhofs. Als es ans Zahlen ging, konnte der Kellner nicht rausgeben und verschwand für eine (gefühlte)Viertelstunde mit unserem Geldschein im Restaurant. Es wurde später und später und ich ging mal nachsehen, wo er denn bliebe. Ganz gemächlich kam er angeschlappt und gab uns unser Wechselgeld. Wir beeilten uns, zum Shuttlebus zu kommen. Die Haltestelle war ja gleich über der Straße, und es hätte gut gereicht, denn wir hatten noch 6 Minuten Zeit (Funkuhr!). Allerdings entschloss sich der Busfahrer, fünf Minuten früher abzufahren, obwohl sein Bus noch leer war uns wir schon die Hand am Türgriff hatten. Wir fuchtelten wie wild mit den Armen und machten klar, dass wir noch mit fahren wollten. Reserviert hatten wir ja. Er sah uns, winkte ab und fuhr los. Arschloch. Später im Hotel sahen wir, dass die Uhr in dem Bus kaputt war. Und ich nehme an, dass der Typie sich entweder auf seine Armbanduhr verließ oder seine Abfahrtszeiten nach Gefühl festlegte. Ich hatte so eine Sauwut auf diesen Kerl und hätte ihn gerne bei der Hotelleitung angeschwärzt – nur habe ich die Chefin nicht mehr gesehen. So ein Scheiß-Service ist eigentlich bei einem Riu-Hotel nicht üblich.

Wir mussten also wieder mit dem Linienbus heimfahren, der auch nicht weniger voll war als bei der Hinfahrt. Nur fuhr der jetzt noch eine längere Strecke mit noch mehr Haltestelle und brauchte dreimal so lang wie der Shuttlebus. Und für was für eine Arschbreite sind eigentlich die Bus-Sitze konzipiert? Für Kinder, für Pygmäen oder für Gartenzwerge?

Mehr schlecht als recht kamen wir dann wieder ins Hotel gegurkt. Tja, und damit war unser Urlaub eigentlich wieder so gut wie zu Ende. Wir machten noch ein paar Fotos und packten unseren Kram zusammen, denn am nächsten Vormittag um 11:30 Uhr sollten wir in Richtung Flughafen abgeholt werden.

Auch das hat nicht so ohne weiteres geklappt. Es kamen scharenweise Minibusse, die die Urlauber an den Flughafen karrten. Und als noch 4 Urlauber übrig waren – wir und noch ein Paar – kamen keine Busse mehr. Zum Glück trafen wir die TUI-Reiseleiterin, die nach ihrer Sprechstunde gerade das Hotel verlassen wollte. Ich sprach sie an, und sie telefonierte mit ihrem Handy ein bisschen in der Gegend herum. Und in der Tat – sie trieb noch einen Minibus für uns auf.

Reichlich spät trudelten wir am Flugplatz ein und hatten dank Umbaus ziemliche Schwierigkeiten, unser Abfluggate zu finden. War alles halb so schlimm, weil der Flug ohnehin Verspätung hatte. Gab es jemals einen pünktlichen Flug? Und wie viel „Luft“ ist eigentlich in den angenommenen Flugzeiten drin? Viel, denn trotz verspäteten Abflugs kamen wir pünktlich in Stuttgart an. Ab da klappte wieder alles tadellos – mit dem Taxi fuhren wir nach Hause und wurden von unseren Katzen schon sehnsüchtig erwartet. Gerhards Eltern hatten die Viecher, die Blumen und den restlichen Hausstand wunderbar versorgt.

Und dann kam das, was immer am Ende einer Reise kommt: 13 Waschmaschinenladungen Wäsche und ein bis zwei Waschkörbe voller Post. Und die Frage, wohin wir denn im nächsten Jahr fahren werden.

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Madeira – Daten und Fakten
April 30, 2007, 3:30 pm
Filed under: Madeira

Soziales – wie man auf Madeira lebt und arbeitet

Kinder, Schule, Studium: 120 Tage nach der Geburt gilt für die berufstätigen madeirensischen Mütter der Mutterschutz, diese Zeit wird voll bezahlt. Für jedes Geburt gibt es E 100,– Kindergeld … eine Art Prämie.

Für die Kleinkinderbetreuung ist gesorgt. Die Vereinbarkeit von Nachwuchs und Beruf dürfte gewährleistet sein: Ab dem Alter von 4 Monaten bis zum Alter von zwei Jahren kann man seine Kids in eine Krippe geben. Ab drei Jahren dann in den ganztägigen Kindergarten. Die Gebühren sind gehaltsabhängig.

Natürlich herrscht Schulpflicht, wir sind hier in Europa. Jedes Dorf hat eine eigene Grundschule bis zur 4. Klasse, danach müssen die Kids in die nächstgrößere Gemeinde zur Schule. Die ersten 9 Schuljahre sind für alle gleich, es gibt hier keine so frühe Trennung in verschiedene Schularten wie im Gymnasium. Erst ab Klasse 9 trennen sich die Wege der Schüler – entweder in Richtung Berufsschule oder in Richtung Abitur/Studium. Die meisten Schulen sind übrigens Ganztagesschulen.

Für die Schüler gibt es 3 Monate Sommerferien, 2 Wochen Weihnachtsferien, zwei Wochen Osterferien und 3 Tage frei an Karneval. Ich muss mir das direkt mal näher anschauen: Ist da eigentlich noch Zeit übrig, in der man lernen kann?

Kindergeld gibt’s auch, nicht nur diese EUR 100,– Geburtsprämie:
Es gibt ein monatliches Stillgeld von E 20,– bis das Kind 10 Monate alt ist. Danach gibt es EUR 25,- pro Kind und Monat gibt es, so lange ein Kind in die Schule geht und studiert.
Ab drei Kindern gibt es vom dritten Kind aufwärts EUR 30,– pro Kind und Monat. Für Kinder mit Behinderung gibt es je nach Schwere der Behinderung und Pflegeaufwand pro Kind und Monat zwischen EUR 40,– und EUR 150,–.

Nicht alle Fakultäten kann man auf Madeira studieren. Was da an der Uni nicht angeboten wird, dafür müsste man aufs Festland nach Portugal gehen. Das ist aber recht teuer von den Lebenshaltungskosten her. Ein Stipendium ist möglich und erleichtert so manches. Trotzdem bleibt’s ein teueres Vergnügen, außerhalb von Madeira zu studieren.

Arbeit und Rente: Hauptsächlich lebt man auf Madeira vom Tourismus (850.000 Touristen im Jahr und 250.000 Einwohner), von der Landwirtschaft und dem Export von Wein und Bananen. Weniger bedeutend ist die Industrie, in der Hauptsache Stickerei und Korbflechten.
10% der Bevölkerung arbeitet in der Landwirtschaft, 60% im Dienstleistungsbereich, 30% in der Industrie.

In der Landwirtschaft wird wegen der Terrassen- und Hanglage der Felder auch heute noch das meiste in Handarbeit erledigt, der Einsatz von Maschinen ist schlicht oft nicht möglich. 40% der Bauern sind Pächter oder Angestellte. Gerade weil das alles so mühsam von Hand gemacht wird und einfach kein Stück gibt, sind importierte Landwirtschaftsprodukte heute billiger als eigenproduzierte. Die Landwirtschaft auf Madeira hat keine Zukunft, die Jungen machen das auch gar nicht mehr mit. Es lohnt sich nicht.

Löhne, Steuern und Gehälter: Der Mindestlohn beträgt E 400,–, darauf entfallen für den Arbeitnehmer keine Steuern. Krankenversicherung, Renten-, Sozialversicherung etc. bezahlt in dem Fall der Arbeitgeber.
Der Durchschnittslohn beträgt rund €EUR 800,– brutto. Je nach Verdienst bezahlt der Arbeitnehmer zwischen 6% und 35% Steuern, zuzüglich Krankenkasse, Renten- und Sozialversicherung.
Mit 65 Jahren gehen Männlein wie Weiblein in Rente. Die Minimalrente beträgt EUR 200,– im Monat. Die Maximalrente berechnet sich etwas kompliziert: 65% des Lohns der beste bezahlten 10 Jahre der letzten 15 Jahre Arbeit.

Mieten, kaufen, bauen:
Wohnen in Miete: Auf Madeira wurde irgendwann die sonderbare Regelung eingeführt, dass die Mieten aus alten Verträgen nicht steigen dürfen. Wer also beispielsweise seit 1974 in einer Mietwohnung lebt, hat’s gut: Er kommt mit so lächerlichen Mietbeträgen wie EUR 15,- im Monat davon. Bei neu abgeschlossenen Mietverträgen langen sie dafür um so stärker zu. Für eine 60 m2-Wohnung verlangen die da schon mal EUR 600,– Miete. Was so ungefähr der Netto-Durchschnittslohn ist. Für junge Leute ist das natürlich schwierig zu finanzieren, weshalb es häufig vorkommt, dass mehrere Generationen unter einem Dach leben. Das würde ganz gut funktionieren, sagte man uns, da die Madeirenser einen ausgeprägten Familiensinn haben. Ich fände die Vorstellung, mit Eltern oder Schwiegereltern, Geschwistern, Schwägerinnen und Schwagern, Kind und Kegel in einer Wohnung zu leben, eher entsetzlich.

Eine Alternative gibt’s zum Glück: Die Sozialwohnungen. Da ist die Miete einkommensabhängig und beträgt ca. 25% vom Gehalt.

Immobilien: Natürlich wird auch die Möglichkeit genutzt, Wohneigentum zu kaufen. Auf dem Land liegen die Quadratmeterpreise so ungefähr bei der Hälfte von dem, was eine Immobilie in Funchal kostet. Und so gibt’s viele Pendler, die außerhalb wohnen und jeden Tag zum Arbeiten in die Stadt fahren.

Grundstückspreis in Funchal: ca. EUR 250,-/m2
Auf dem Land draußen, wie gesagt, rund die Hälfte.
Eine Wohnung kostet im Schnitt EUR 120.000,–, ein Haus EUR 250.000.–
Für einen Kredit zum Hausbau zahlt man ca. 5 – 6% Zinsen.

Im übrigen haben wir erfahren, dass die Häuser auf Madeira keine Heizung haben. Wenn’s dann wirklich mal kalt wird, behelfen sich die Leute mir irgendwelchen Heizöfchen.

Ärztliche Versorgung: Auch auf dem Land ist die ärztliche Versorgung gesichert: Es gibt überall Gesundheitszentren, in denen immer ein Allgemeinmediziner anwesend ist. Einmal die Woche kommt ein Facharzt in die Zentren und behandelt die Patienten, die in sein Fachgebiet fallen. Kompliziertere Fälle müssen ins Klinikum nach Funchal.

Vom Auswandern und Zurückkommen. Während der Diktatur wurde viel Geld in die Kolonialkriege gesteckt und Madeira quasi vergessen. Es ging recht ärmlich zu auf der Insel, und die, die in ihrer Heimat keine Perspektive sahen, wanderten aus. Und nicht nur vereinzelt! Es kam zu einer regelrechten Auswanderungswelle nach Venezuela, Brasilien, Kanada, Australien und Südafrika.

Einige Auswanderer wurden in ihrer neuen Heimat reich, kamen nach Madeira zurück und bauten dort neue Häuser in ihrem Heimatort. Entweder für die Rückkehr oder als Ferienhaus bzw. Sommerresidenz.

Heute ist Auswandern nicht mehr populär. Bei einer Arbeitslosenquote von 2% geht’s den Madeirensern gut.

Aufgrund der Auswanderungswellen gibt es heute mehr Madeirenser und Abkömmlinge derselben im Ausland als auf der Insel selber:

300.000 Madeirenser leben in Südafrika
250.000 in auf Madeira selbst
1 Million davon gibt es weltweit.