Wahnsinn im Alltag


Die Honorar-Uhr
Dezember 29, 2009, 9:07 am
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Ich nehme an, es gibt schönere Armbanduhren. Und solche, die einer Frau mittleren Alters mit langen, schlanken Händen besser stehen als diese. Aber ich hänge an meiner Uhr. Ich trage sie seit Mitte der 90-er Jahre, als ich sie anstelle eines Honorars von einem Auftraggeber bekommen habe, der finanziell schon so klamm wahr, dass er den bestellten Text nicht mehr bezahlen konnte. Aber er hatte die Uhr, nagelneu und originalverpackt. Vielleicht war’s ein Geschenk oder die Gabe eines Sponsors, gedacht für ein Preisrätsel, weiß der Geier! Jedenfalls dachte ich damals, besser die Uhr als nix, und habe sie als Honorar akzeptiert.

Da ich seit meinem 9. Lebensjahr immer eine Armbanduhr trage und sie allenfalls zum Duschen und zum Schwimmen abnehme – oder bei festlichen Anlässen für ein paar Stunden gegen ein eleganteres Modell austausche – wurde die „Honorar-Uhr“ zu meinem ständigen Begleiter, im Alltag und auf Reisen.

In Nikosia hat ein alter Herr in einem winzigen Uhrmachergeschäft eine neue Batterie einbauen müssen. Ich hasse es, wenn meine Uhr stehen bleibt, auch im Urlaub. Zwei Jahre lang hatte sie also ein „zypriotisches Herz“. Das nächste Herz hat ihr der Inhaber des türkischen „Service-Zentrums“ bei uns am Ort verpasst, in dem man praktisch alles bekommt: Schuhreparatur, Messerschliff, Stempel, Schlüssel, Tonerkartuschen und eben auch die besagten Batterien.

Aus irgendeinem Grund haben die Uhren-Batterien einen Lebenszyklus, der sie gerne in meinem Urlaub den Geist aufgeben lässt. Auch in einem extrem vornehmen Juweliergeschäft auf einer der kanarischen Inseln war meine Uhr schon „Patient“. Ich hatte schon befürchtet, der elegante indische Herr im Maßanzug würde mich entweder auslachen oder rausschmeißen, wenn ich ihn frage, ob man hier eine Batterie in meine ömmelige Armbanduhr machen könne. Nichts dergleichen ist passiert. Er war sehr höflich. Ich ließ meine Uhr dort und konnte sie am nächsten Tag funktionsfähig und gereinigt wieder abholen. Sie hatten sie auch nicht als Schrott weggeworfen. Auch das war eine meiner heimlichen Befürchtungen gewesen.

Als eines Tages das Uhrenglas zerbrach, setzte ihr ein Fachmann in unserer Kreisstadt ein neues ein. Und als sich dieser Tage ein Metallstift aus dem Uhrenarmband verabschiedete und ich in letzter Sekunde bemerkte, dass die Uhr gerade dabei war, mir aus dem Ärmel zu rutschen, durfte der erste Juwelier und Uhrmacher am Platz ran. „Unserer“ hatte gerade Urlaub.

Vor mehr als fünfundzwanzig Jahren hat man sich in diesem noblen Haus einmal geweigert, mich zu bedienen, weil ich nicht so aussah, als könnte ich das, was ich mir zeigen lassen wollte, auch bezahlen. Auch wenn ich in Jeans und Pullover daherkam: Sie haben sich getäuscht.

Ich habe das Geschäft seither nie wieder betreten. Aber meine bessere Hälfte ist dort als guter Kunde bekannt. Ich schätze mal, die Zickereien und Schnöseligkeiten sind auch dem ersten Haus am Platz im Lauf der Zeit vergangen. Denn auch der Mann meines Herzens kommt in Jeans und Sweatshirt daher, gern auch mal unrasiert, und sieht absolut nicht nach Geld aus. Aber er hat eine Vorliebe für gute Uhren, und die kauft er dort. Also müssen sie ja mal ihre Grundsätze „keine Geschäfte mit lässig gekleideten Mitmenschen“ über Bord geworfen haben.

Na ja, wie auch immer, jedenfalls hat der Mann meine Honorar-Uhr gestern dort hingetragen und sie haben ganz ohne Gezicke und Gezocke das Armband repariert. Und ich habe meinen „ständigen Begleiter“ wieder!



Andrea Röttgen: Emmely – meine Hundegeschichten. Aus dem Leben eines Hundemädchens
Dezember 28, 2009, 5:44 pm
Filed under: Bücher

Andrea Röttgen: Emmely – meine Hundegeschichten. Aus dem Leben eines Hundemädchens, Oberhausen/Oberbayern 2009, Noel-Verlag, ISBN 978-3-940209-43-6, 94 Seiten, 24 Farbfotos, Softcover, Format: 13 x 21 x 0,8 cm, EUR 9,80.

Was denkt und fühlt eigentlich ein Hund, der tagaus, tagein mit „seinen“ Menschen zusammenlebt und dabei zwangsläufig vieles mitbekommt, was aus Hundesicht merkwürdig bis unverständlich sein muss? Andrea Röttgen hat sich das offensichtlich auch gefragt und den Alltag in ihrem menschlich-tierischen Haushalt aus Sicht ihrer Malteserhündin Emmely geschildert.

In 26 Episoden lässt sie Emmely erzählen, was sie erlebt – und wie sie darüber denkt. So erfahren wir, wie es für die kleine Hundedame ist, jetzt tagsüber in den „Hundekindergarten“ zu gehen, weil Frauchen wieder arbeitet. Dass die beste Erfindung in einem Hundeleben das Wochenende ist, weil man da Herrchen und Frauchen endlich mal ganz für sich hat, das glauben wir Emmely sofort. Selbst wenn der Hundesitter noch liebevoll ist und das volle Verwöhnprogramm abspult: Es geht auch bei Hunden nichts über das eigene Heim und die Familie.

Emmely durchlebt die Schrecken eines großen Sturms. Sie geht im Park verloren und landet auf der Polizeiwache. Sie fühlt sich in den Schneehaufen vorm Haus wie auf dem Mount Everest. Und sie leidet mit ihrem erkrankten Frauchen.

Vom überraschenden Übernachtungsgast, dem Cockerspaniel Hermann, ist sie nicht so begeistert. Vermutlich weiß sie nicht, dass der Gute berühmt ist, gehört er doch Andreas Schwester, der Zeitungskolumnistin und Buchautorin Ines-Gerrit Möhring. Und deren Leserinnen und Leser wissen ganz genau, wer Hermann ist! Doch Berühmtheit ist Hunden schnurz. Für Emmely ist Hermann einfach nur ein lästiger Eindringling, der Platz und Aufmerksamkeit beansprucht und ihr das Essen wegfrisst.

Und was hält man so als Hund von neuen Möbeln, vom eigenen Geburtstag, von Fotoshootings und Friseurterminen? Und wie kommen die Erziehungsversuche einer professionellen Hunde-Nanny bei dieser „Zielgruppe“ an? Hier erfahren wir es – und noch vieles andere mehr.

Dass Emmely Sonntage liebt wie ihr Herrchen das Motorradfahren und ihr Frauchen das Einkaufen und dass sie jeden Sonnenstrahl genießt, das überrascht uns als Tierfreunde nicht. Was sie dagegen von den kreativen Kosenamen denkt, die ihre Menschen ihr im Überschwang der Gefühle verpassen, darüber wüssten wir gerne mehr …

Nicht nur an dieser Stelle des Buchs geht der lesende Mensch ein klein wenig in sich und fragt sich: „Ach du Schreck, sind wir wirklich so, wie die Tiere uns sehen?“ Ja, vermutlich schon. Aber sei’s drum. Unsere Tiere akzeptieren uns so, wie wir sind, mit allen unseren Macken und Eigenarten.

„Der Malteser ist ein besonders angenehmer, ruhiger, intelligenter und wachsamer Begleithund. Er ist aufmerksam und hat eine große Auffassungsgabe. Er ist sehr spielfreudig und lernwillig. Da er keinen starken Jagdtrieb hat, ist er auch unterwegs leicht zu führen.“ So steht’s bei Wikpedia. Dass ein Malteser ein geduldiges und einfühlsames Wesen hat, weiß man dort ebenfalls. Sieht ganz so aus, als sei die kleine Emmely ein typischer Vertreter ihrer Art.

Wer selbst einen solchen Hund zu Hause hat, dem wird vieles aus Emmelys Erzählungen bekannt vorkommen. Wer noch hundelos ist, wird sich nach der Lektüre vielleicht überlegen, ob das weiterhin so bleiben muss. Wie sagte schon Heinz Rühmann? „Natürlich kann man ohne Hunde leben – es lohnt sich nur nicht.“

„Emmely – meine Hundegeschichten“ ist eine Liebeserklärung an einen tierischen Hausgenossen, die vor allem Hundehalter und andere Tierfreunde zu schätzen wissen werden.

Die Autorin
Andrea Röttgen, wurde 1969 in Magdeburg geboren. Dort lebt sie mit Mann und Hund. Ihre Liebe zu Hunden hat sie von ihrem Vater geerbt, der selbst ein großer Hundefreund war. Durch ihre Malteserhündin Emmely entdeckte Andrea Röttgen ihre Leidenschaft fürs Schreiben. Emmely bietet immer genügend Erzählstoff. Und die Autorin versetzt sich dabei liebevoll und mit Humor in die Erlebniswelt ihres vierbeinigen „Familienmitglieds“.



40 Euro Finderlohn!
Dezember 26, 2009, 6:00 pm
Filed under: Wahnsinn im Alltag

Juhu, es hat geklappt! Ich hab zur Abwechslung mal mit anderer Leute Unfugstext Geld verdient! Für die Zeitungsüberschrift, die ich beim SPIEGEL für die Rubrik HOHLSPIEGEL eingereicht hatte, gab’s 40 Euronen Finderlohn.

Hier sieht man den Unfug: https://edithnebel.wordpress.com/2009/12/16/zuckerfrei-%e2%80%93-sinnfrei

Und da sieht man den Scheck:



ABC, die Katze sitzt im Schnee
Dezember 21, 2009, 4:04 pm
Filed under: Tierisches

Jetzt ist er etwas über ein Jahr alt, unser Jungkater Indie, und ich weiß nicht, ob er noch eine Erinnerung an seinen ersten Winter hat. Den ersten Schnee heuer fand er staunenswert – und widerlich. Und jetzt würde er am liebsten alle 5 Minuten hinausrennen und nachsehen, ob nicht vielleicht doch schon wieder Sommer ist …

Das Adventsrätsel der Zeitschrift BRIGITTE ist, wenn schon nicht interessant für ihn, dann wenigstens schön bequem. Warum eigentlich liegen Katzen immer so gern auf Papier?

Spannend isses ja schon, draußen zu sitzen und das Getier zu beobachten, das durch den Garten wuselt.

Aber es ist sooooo kalt!

Da kämpft er doch lieber im warmen Büro mit dem Plüschlöwen.



Agustin Sanchez Vidal: Quipu – Roman
Dezember 21, 2009, 8:54 am
Filed under: Bücher

Agustin Sanchez Vidal: Quipu, ISBN 978-3-423-24757-3, OT: Nudo de Sangre, aus dem Spanischen von Marianne Gareis, München 2009, Deutscher Taschenbuchverlag dtv, 462 Seiten, 13,5 x 21 x 3,5 cm, EUR 14,90 (D), EUR 15,40 (A)

Drei rätselhafte Mordfälle
Madrid 1780: Nach Jahren in Zaragoza kehrt Militäringenieur Sebastian de Fonseca nach Madrid zurück. Unter anderem, um ein Theaterstück über das koloniale Peru anzusehen, an dessen Überarbeitung sein Vater Juan mitgewirkt hat. Er beschäftigt sich seit Jahren mit der Geschichte der Inka.

Als Sebastian dem Theaterdirektor Canizares in der Pause eine Nachricht seines Vaters bringen will, findet er ihn erhängt in seiner Garderobe auf. Selbstmord war das nicht: Um den Hals des Toten ist eine Schnur mit einer rätselhaften Botschaft geknüpft.

Offenbar wusste Sebastians Vater, dass der Künstler in Gefahr war. Was das zu bedeuten hat, kann Sebastian ihn leider nicht mehr fragen, denn auch Juan de Fonseca ist tot – und offensichtlich den selben Tätern zum Opfer gefallen wie der Theaterdirektor. Wer hat Interesse daran, einen Künstler und einen schwer kranken, verarmten Adeligen zu ermorden?

Unvermittelt taucht Sebastians Onkel Alvaro auf, ein Jesuit, der sich seit der Zerschlagung des Ordens vor 13 Jahren vor den Autoritäten versteckt hält. Alvaros Theorie: Die Morde sollten verhindern, dass Details über einen Inka-Schatz bekannt würden. Wo dieser Schatz sich befindet, das könnte Juan de Fonseca bei seinen Forschungsarbeiten über die Kultur der Inka herausgefunden haben. Und wer weiß, war er dem Theaterdirektor alles erzählt hat?

Alvaro überlässt seinem Neffen eine wertvolle Chronik aus dem 16. Jahrhundert, die dessen Vater als Quelle für dessen Studien gedient hat. Verfasst wurde sie von Diego de Acuna, der 1572 als Schreiber beim Feldzug der Spanier gegen die aufständischen Inka in Vilcabamba dabei war. Acunas Kontakte zu den Indios waren ausgezeichnet und reichten bis in die höchsten Kreise. Wenn jemals ein Spanier etwas über den Indioschatz in Erfahrung bringen konnte, dann er.

Die Inka hatten keine Schrift und haben Informationen mittels Knotenschnüren, den Quipus, aufgezeichnet und übermittelt. Sebastians Vater hatte immer vermutet, dass mit Hilfe von Acunas Chronik die Aufzeichnungen der Inkas zu entschlüsseln wären – und damit auch der Weg zum Schatz.

Als blinder Passagier nach Peru
Nach einem weiteren Todesfall in Sebastians näherem Umfeld rät ihm ein einflussreicher Freund, das Land schleunigst zu verlassen. Doch statt, wie geplant, auf einer der kanarischen Inseln, landet Sebastian als blinder Passagier an Bord der „Africa“ mit Kurs auf Peru. Auf diesem Schiff vermutet er den Mörder seines Vaters. Wer mit Sicherheit an Bord ist und die Finger ganz tief in der Geschichte drin hat, ist sein Nachbar und Erzfeind, der Marques de Montilla.

In seinem Versteck im Laderaum hat Sebastian ausreichend Gelegenheit, in der Chronik zu lesen. Diego de Acuna berichtet darin von der faszinierenden Kultur der Indios, vom Untergang des Inkareichs nach der Eroberung durch die Spanier – und davon, dass er alles getan hat, um Sirax, eine junge Inka-Adelige, vor den Spaniern zu beschützen. Sie und das rote Quipu, das ihr so wichtig war, und das offenbar bedeutende Geheimnisse der Inka bewahrte.

Auch wenn Sebastian an Bord des Schiffes Unterstützung hat, dauert es nicht lange, bis man ihn findet. Kapitän Valdes’ Reaktion auf seine Entdeckung ist erstaunlich. Doch das ist nicht die einzige Überraschung: Abgeschirmt von Passagieren und Mannschaft reist die Inka-Prinzessin Umina mit ihrem Indio-Diener Qaytu zurück nach Peru. Sie war in Madrid und weiß von der Chronik – und dass Sebastian sie hat. Vielleicht helfen Diego de Acunas Aufzeichnungen ihr ja dabei, ihren Erbanspruch auf den Inka-Thron zu belegen.

Sebastian lässt sich schnell davon überzeugen, dass es sinnvoll ist, Umina die Chronik zu überlassen. Durch einen Zufall stellt sich heraus, dass das Buch nicht mit einer gewöhnlichen Schnur gebunden wurde, sondern mit einem Quipu. Ist es die Knotenschnur, die Prinzessin Sirax so wichtig war?

Ein Anschlag auf Sebastian bestärkt ihn in der Annahme, dass der Mörder seines Vaters an Bord ist. Beim Herumschnüffeln im Laderaum findet er tatsächlich Hinweise auf dessen Identität. Als er den beiden Indios erzählt, wer ihn angegriffen und wahrscheinlich auch die drei Morde in Madrid begangen hat, sind sie starr vor Entsetzen. Dieser Mann ist für entsetzliche Greueltaten verantwortlich. Weder als Geschäftsmann noch politisch kann man ihm etwas Gutes nachsagen. Er schürt die Kämpfe um die Inka-Erbfolge und unterstützt abwechselnd die konkurrierenden Anwärter: den Mestizen Jose Gabriel Condorcanqui und Prinzessin Umina. Welche Interessen er damit verfolgt? Schwer zu sagen.

Wettlauf nach Vilcabamba
Der einflussreiche Geschäftsmann Don Luis, ein Freund von Uminas Familie, hilft ihr, eine Expedition nach Cuzco auszurüsten. Sie müssen unbedingt dem Mörder und dem Marques zuvorkommen, die in der Krypta des Klosters Santo Domingo wertvolle Hinweise für ihr Vorhaben vermuten.

Dank Onkel Alvaros internationaler Kontakte bekommt Sebastian Dokumente aus dem Jesuitenarchiv zugespielt, die ihnen noch einen weiteren Grund liefern, schneller in der Krypta zu sein als die Gegner: Denn dort sollen auch die Geheimnisse verborgen sein, die Prinzessin Sirax ihrem Land hatte zurückgeben wollen.

Was sie in der Krypta finden, entpuppt sich als Wegbeschreibung. Führt sie nach Vilcabamba, in die verlorene Stadt und damit zum legendären Schatz? Umina, Sebastian und Diener Qaytu brechen auf, dicht gefolgt von ihren Feinden. Der Wettlauf geht durch unheimliche Höhlen und durch ein Tal feindlich gesonnener Indios, über Berge und Gletscher, durch Eis und durch Schnee. Wird am Ende jeder finden, was er sucht? Wer bekommt, was ihm zusteht? Und wer bekommt, was er verdient?

Schnitzeljagd vor exotisch-historischer Kulisse
Der Autor Augstin Sanchez Vidal, 1948 in Salamanca geboren, ist Professor für Film- und Medienwissenschaften an der Universität Zaragoza. Er hat Drehbücher für Film und Fernsehen verfasst und mehrere Monografien zur Literatur-, Kunst und Filmgeschichte geschrieben. Und diese Drehbucherfahrung merkt man dem Buch an. Die Abenteuer von Sebastian und Umina schreien geradezu: „Verfilme mich!“ Allein die Rückblicke auf die Geschichte des Landes stünden diesem Vorhaben entgegen – oder würden es zumindest erschweren.

QUIPU ist ein spannender, gut recherchierter Abenteuerroman vor einer exotischen historischen Kulisse. Wer bislang noch keine Veranlassung sah, sich mit der Geschichte der Indios, der Inkas und des kolonialen Peru zu befassen, wird viel Interessantes und Faszinierendes erfahren. Nicht nur Diego de Acunas flammende Abrechnung mit der Eroberungs- und Kolonialpolitik der Spanier erfüllt einen mit Respekt vor der untergegangenen Inka-Kultur – und mit Bedauern über deren Verlust.

Was bei dieser komplexen Geschichte ein wenig auf der Strecke bleibt, ist die Motivation der Figuren. Im Grunde ist nur die Inka-Prinzessin Umina unbeirrbar zielstrebig. Sie setzt Himmel und Hölle in Bewegung, um ihren Anspruch auf den Inka-Thron zu belegen und lässt sich davon weder ablenken noch abbringen.

Sebastian ist ursprünglich losgezogen, um den Mörder seines Vaters zur Verantwortung zu ziehen. Doch dieses Ziel tritt in den Hintergrund, sobald er Umina kennen lernt. Als sei es damit getan, den Namen des Mörders zu kennen, geht er jetzt mit der Prinzessin auf Beweisjagd und unterstützt sie mit Informationen, die er aus spanischen Quellen bekommt. Als sich als Nebenprodukt ihrer Recherchen ein Wegweiser zum Inkaschatz ergibt, sucht er auch nach diesem. Fände er ihn, wäre immerhin das Lebenswerk seines Vaters vollendet.

Vor der Kulisse der peruanischen Bergwelt bleiben die handelnden Personen bedauerlich flach. Was treibt eigentlich die Schurken in dieser Geschichte an, außer vielleicht Habgier? Warum sind die Montillas und Fonsecas bis aufs Blut verfeindet? Dass der Marquese sich von der Aussicht auf einen sagenhaften Schatz dazu verlocken lässt, mit dem skrupellosen Peruaner gemeinsame Sache zu machen, ist noch nachvollziehbar. Aber was sind die Beweggründe dieses peruanischen Fieslings? Wenn er nur hinter dem Schatz her ist, sind einige seiner Aktionen deutlich überdimensioniert bis komplett unnötig. Wollte er eigene Ansprüche auf den Thron anmelden, ergäbe sein Tun mehr Sinn.

Es drängt sich der Verdacht auf, dass die beiden Figuren als durch und durch miese Gestalten angelegt sind, weil die Helden einer solchen Geschichte eben irgendwelche Gegenspieler brauchen. Das ist schade. Denn so bleibt der Roman eine atemlose Schnitzeljagd über Stock und Stein, ein Wettrennen zwischen Gut und Böse, wenngleich auch vor eindrucksvollem Hintergrund. Das Thema ist faszinierend, die Umsetzung partiell vergeigt.

Ein Glossar wäre bei diesem Buch hilfreich gewesen. So ist man öfter mal am Grübeln und Blättern: Wurde schon erklärt, was ein Kazike ist? Habe ich das in der Fülle des Materials überlesen oder wird diese Kenntnis vorausgesetzt? Gewohnheitsmäßige Druckfehlerzähler werden im übrigen auch fündig werden. Die Rezensentin ist da nicht so penibel: je dicker der Roman, umso größer ist eben auch die Gefahr, ein paar Fehler zu machen.



Zuckerfrei – sinnfrei
Dezember 16, 2009, 9:22 am
Filed under: Wahnsinn im Alltag

Die „zuckerfrei“-Headline habe ich vor kurzem in unserer Tageszeitung entdeckt. Ich las sie einmal, zweimal, dreimal, las den Artikel und dachte: ‚Komisch … irgendwie stimmt da was nicht mit der Überschrift’. Um sicherzugehen, dass es nicht an mir liegt und ich einfach nur nicht verstehe, was der Verfasser uns sagen will, habe ich noch drei andere Leser der Zeitung befragt. Alle drei fanden die Überschrift seltsam. Also habe ich die Seite herausgerissen und an den SPIEGEL geschickt – für die Rubrik „Hohlspiegel“.

Und da steht sie nun, die zuckerfrei-sinnfreie Überschrift, in der Ausgabe Nr. 51/09.

Ob’s dafür noch „Finderlohn“ gibt? Zu DM-Zeiten hab ich schon mal einen Beitrag eingereicht und durchgekriegt, damals gab es dafür DM 80,–. Na ja, selbst wenn sie den Finderlohn mittlerweile eingespart haben sollten, ist das auch nicht schlimm. Ich habe Unfug in den ehrwürdigen SPIEGEL gebracht, das allein freut mich schon.



Von Beeren, Katzen und unfotogenen Menschen
Dezember 13, 2009, 1:54 pm
Filed under: Wahnsinn im Alltag

Keine Ahnung, was das für ein Gewächs ist. Ich glaube, der Strauch stand schon im Garten, als ich noch ein Kind war und unsere Wohnung noch meinem Großvater gehörte. Auf jeden Fall sind die sind Beeren wunderschön rot. Und so viele!

Wenn’s klingelt, ziehen sich Cooniebert und Yannick sofort via Kratzbaum auf die oberste Plattform des Wohnzimmerschranks zurück und machen sich hinter den Büchern unsichtbar. Aber gucken, wer da ist, muss man schon. Ätsch, es war der Pizzabote, und der ist schon wieder weg!

Reine Katzenfotos haben als Illustration für einen meiner Texte nicht genügt. Die Redaktion wollte Fotos von Katze mit Mensch. Dass die Katze schön schaut, ist ja nicht das Problem. Das Problem bin ich. Wenn der Text also gar nicht erscheint oder doch nur die Katzen abgebildet sind, wissen wir wenigstens warum … Ende Januar weiß ich mehr und werde berichten.