Wahnsinn im Alltag


Gran Canaria 99 –Von Schmeißfliegen, Wüstenwuslern und zehntausend Kurven
April 7, 2007, 9:55 pm
Filed under: Kanarische Inseln

So langsam habe ich das Gefühl, wir sind in der Auswahl unserer Reiseziele nicht besonders flexibel. Von ein paar wenigen geographischen Ausrutschern wie Malta und den Bahamas mal abgesehen, landen wir eigentlich immer wieder auf spanischem Territorium. Diesmal war’s Gran Canaria. Schuld daran war der Reiseprospekt mit seinen tollen Fotos der Dünen von Maspalomas. Eine richtige Wüste! Klein-Sahara! Das wollten wir auch sehen. Solche Fotos wollten wir selber machen. Und ruckzuck war gebucht. Und am 3. Juli 1999 ging es los.

RUND UMS HOTEL

Mit unserer bewährten Kombination von TUI-Reisegesellschaft und RIU-Hotel kann man nix falsch machen. Da klappt alles wie am Schnürchen. Von peinlichen Pannen hab ich also diesmal nix zu berichten. Naja, kaum. Das Hotel – *Riu Palace Maspalomas* am *Playa del Ingles* – war schon fast ein bißchen zu vornehm. So übermäßig bedient und betütelt wollen wir gar nicht werden, wir sind doch auch nur einfaches Volk. Nächstes Mal nehmen wir also einen Stern weniger …

Das sogenannte „Gala-Diner“ jeden Donnerstag können sie sich auch gern schenken. Zu spät, zu lang, zu viel. Da wäre ich fast eingeschlafen. Ich bin’s nicht gewöhnt, bis nachts um halb elf zu futtern. Ich brauch auch keinen festlichen Abend, an dem ich mein Sonntagsgewand und den Schmuck ausführen kann. Sowas nehme ich in Urlaub gar nicht erst mit. Dem Personal muß die Veranstaltung doch auch stinken. Wahrscheinlich sagen die genau wie die Bänker: „Verdammt, heut ist wieder Schlado!“ (Für alle Nicht-Bänker: Das bedeutet SCHeiss LAnger DOnnerstag …)

Manches ist erfreulich allein dadurch, daß es fehlt. Positiv zu vermerken ist zum Beispiel, daß es keine Animation gab. Gottseidank. Mich nerven diese aufgeregten Vorturner, die es einfach nicht einsehen wollen, daß manche Leut nix als ihre Ruhe möchten. Nein, ich brauch für mein Wohlbefinden kein Wasserball, kein Aerobic, kein Bogenschießen und keinen Ringelpiez … ich will – um mit Loriot zu sprechen – „einfach nur so sitzen“. Oder durch die Gegend düsen, um mir die Landschaft anzuschauen. Bin selber groß und brauch kein Kindermädchen.

Es gab auch kein „grölendes Volk“. Für krawallierende Teenie-Horden und uniformierte Kegelbrüder ist das Reiseziel wohl zu teuer und weit weg. Oder es war einfach noch keine Saison. Als wir kamen, war das Hotel noch nicht mal zur Hälfte voll.

Es ist dort nicht alles fest in deutscher Hand. Die Hotelgäste – vom Alter her größtenteils von fuffzich an aufwärts – kamen auch aus den Niederlanden und Belgien, aus Frankreich, der Schweiz, UK und Italien. Ein paar Amis haben wir auch gehört. Aber die werden vermutlich irgendwo in Europa leben.

Gegrinst haben wir öfter mal über die Handy-Pest. Ich bin eh kein übermäßig fleißiger Telefonierer und ich kann mir ums Verrecken nicht vorstellen, warum man sein Mobiltelefon mit ins Restaurant, die Bar oder gar an den Strand nehmen sollte um dort ewig mit Kumpels in der Heimat zu quatschen. Das kostet doch alles einen Haufen Geld! Aber es gab Dauerquatscher in Hülle und Fülle. Unsere Zimmernachbarn zum Beispiel. Gesehen haben wir sie nie – da ist eine mannshohe Wand zwischen den Balkonen – aber gehört! Wir konnten auf den Balkon kommen, wann immer wir wollten, entweder klingelte bei denen das normale Hoteltelefon oder es wurde per Handy gequasselt: „Ja, Opa, das Wetter ist schön, wir haben hier 30 Grad“ – „Hast du auch den Mülleimer rausgestellt?“ – „Habt ihr den Rasen gemäht?“ – „Habt ihr schon eure Koffer gepackt?“ — *Gnade*!

Mit anderen Nachbarn gab’s auch eine unheimliche Begegnung der dritten Art. Aus der jene schätzungsweise was fürs Leben gelernt haben. Nämlich tunlichst nicht über Leute zu lästern, die das hören können. Es war so, daß Gerhard und ich unser Zimmer verließen und uns im Hinausgehen unterhielten. Natürlich schwätzen wir untereinander schwäbisch, und ich gebe gerne zu, daß es weitaus klangvollere Sprachen und Dialekte gibt. Trotzdem hat es mir dezent gestunken, daß so ein junger Schnösel aus dem Wilden Westen angewidert aus seinem Zimmer nölte: „Iiiih – wie hört sich denn DAS an? Wo kommen denn DIE her?“ Er mag geglaubt haben, wenn er uns nicht versteht, verstehen wir ihn auch nicht. Hähä! Denkste! Ich beugte mich vor und brüllte zu seiner geschlossenen Tür rein: „Das geht dich einen Scheißdreck an, wo wir her sind!“ Danach kam kein Ton mehr, nicht mal mehr Anton. Wir haben die ganze Woche lang keinen Pieps mehr von denen gehört.

Ich weiß, ich weiß: Man hätte zweifellos auch auf kultiviertere Weise kontern können. So nach dem Motto: „Noch nie Schwäbisch gehört? Mein Gott, wo kommst denn DU her?“ Aber meine spontanen Reaktionen unterliegen nun mal keiner Geschmackszensur. Und gewirkt hat’s ja auch so.

STRANDLEBEN

Wer uns kennt, der weiß, daß das Rumliegen am Strand oder am Pool nix für uns ist. Hier und da mal einen halben Tag lang, okay … aber ansonsten wollen wir was sehen von der Welt. Als erstes haben wir die „Wüste“ hinterm Haus erkundet. Wirklich wahr – Dünen soweit das Auge reicht. Eine kleine Sahara direkt hinter dem Hotel. Ich weiß nicht, wie viele „Sandfotos“ wir gemacht haben. Nächtens aufgestanden und dem Sonnenaufgang aufgelauert um die Sandhügel im Morgenlicht zu erwischen … und mittags und abends … jedes Lichtverhältnis hatte seine Reize. Und nie erwischte man die „Wüste“ menschenleer. Zweibeinige Wüstenwusler mit Rucksack und/oder Luftmatratze gab es zu fast jeder Tages- und Nachtzeit.

Also, an eine kleine Wüste hinterm Haus könnte ich mich gewöhnen. Hier hat’s doch allenfalls wüste Nachbarn …

Marschierte man eine halbe Stunde stramm durch die Dünen, kam man an den Strand. Es gab auch einen bequemeren Weg entlang der Strandpromenade, aber so oder so war das Strandleben kein großer Gäg. Voll, eng und teuer, wenn man Liegen und Sonnenschirm mieten wollte. Wenn man so weit weg ist von der „Zivilisation“ wäre es auch nicht schlecht, wenn es am Strand eine Toilette gäbe, aber da war halt nix.

Außerdem fürchte ich, daß ich ein bißchen altmodisch bin … mir waren die vielen erwachsenen Nackedeis peinlich, die sich da mehr oder weniger zur Schau stellend sonnten und im Wasser planschten. Ich dachte immer, wenn ich jetzt ganz allgemein in eine Richtung gucke und es springt mir so ein Nackerter in die Optik, dann glaubt der vielleicht, ich gucke nach ihm … ach nee, das war nix für mich. Ich wußte nie so recht, wohin ich schauen sollte. Und ich hätte mich auch nicht an diesen Kiosken auf einen Barhocker gesetzt, weil mir die Vorstellung unangenehm war, daß da vorher vielleicht jemand mit blankem Hintern …

Wie auch immer … das Sonnenbaden ist eh nicht das Wichtigste für uns. Wir waren schwimmen und sind ewig weit am Stand entlanggewandert, was will man mehr?

V.I.P.-TOUR

Es mag als spießig gelten, organisierte Ausflüge mit Reiseleiter zu unternehmen, aber wir haben die Erfahrung gemacht, daß man so einfach am meisten mitkriegt. Mit Mietauto, TUI-Tourbeschreibung und Dumont-Reiseführer haben wir?s diesmal auch wieder probiert, aber wir haben lange nicht alles gefunden, was wir sehen wollten und hatten vor lauter Herumirrerei am Ende alle Mühe, noch bei Tageslicht im Hotel einzutreffen.

Trotz des bescheuerten Namens haben wir also eine sogenannte „V.I.P.-Tour“ gebucht zur *Erkundung der Westküste*. Keine Jeep-Tour, aber das Prinzip ist so ähnlich: Ein halbes Dutzend kleiner Busse fuhr Kolonne, jeder Bus hatte seinen Fahrer und Platz für 7 Passagiere. Über Funk gab der Reiseleiter aus Bus 1 Informationen. Selbstverständlich wurde oft angehalten, was besucht, gezeigt, erklärt, besichtigt.

Reiseleiter und Chef von dieser V.I.P.-Tour war ein Einheimischer, ein älterer Canario im Späthippie-Look, der von sich sagte, er sei seit 33 Jahren in der Touristikbranche. Und er machte das auch alles ganz klasse. Es ist einfach unschlagbar, wenn man einen einheimischen Führer hat, der wirklich weiß, wovon er spricht. Der sagen kann: „Als ich klein war, war das hier noch so und so …“ und „Meine Oma hat erzählt, ganz früher …“. Das ist ein himmelweiter Unterschied zu Führungen, bei denen der Typie da vorne alles nur mehr oder weniger gut auswendig gelernt hat und auch nicht mehr weiß als in seinen Unterlagen steht.

Zimperlich war der Reiseleiter auch nicht gerade. Ein junger Mann kam zu spät zum Treffpunkt, hatte noch den Rausch vom Vorabend im Gesicht und war in einer Tour am Stänkern, Nölen und Meckern. Nach 20 km hielt unser Treck an einer Tankstelle an, der Canario stauchte Stänkerer mal kurz zusammen – und als der Bursche keine Ruhe gab, setzte er ihn kurzerhand aus. Ende der Diskussion. Mit dem Linienbus durfte der besoffene Jung‘ dann wieder ins Hotel zurückfahren. Der Rest der Truppe setzte die Fahrt fort.

Wir kamen durch *Puerto Rico* und *Puerto de Mogan* und staunten über die Hotels und Apartments, die dort in die Felsen hineingebaut waren. Da müßte man ja erstmal fünfhundert Treppen latschen, um runter an den Strand oder in die Stadt selbst zu kommen! Und nachher alles wieder rauf! Dekorativ aber unpraktisch.

In *Acusa* besuchten wir ein Höhlendorf. Ein winziger und ziemlich ärmlicher Ort in dramatischer Gebirgslandschaft. 6 Familien wohnen dort noch, darunter 2 Kinder. Außer Landschaft gibt?s da halt nix. Die jungen Leute flüchten in die Städte, dorthin, wo’s Arbeitsplätze gibt. Kann man ja verstehen.

Als ich im Reiseführer über die Höhlenwohnungen las, hab ich mir irgendwas primitiv Steinzeitliches darunter vorgestellt. Aber in Wahrheit ist das was ganz Cleveres: Die Häuser haben eine ganz normale gemauerte Frontseite, und die hinteren Räume sind in den Fels hineingehauen. Statt gemauerter streng viereckiger Räume hat man hier eben Zimmer, die Gewölbekellern gleichen. Das ist ein bißchen dunkel, aber wunderbar kühl. Im Winter gibt das hoffentlich warm, denn der Reiseleiter sprach von Temperaturen von +40·C im Sommer und -20·C und schlimmer im Winter. Brutal!

Wir kamen durch den *Pinienwald von Tamadaba*. Vor 20 Jahren hat man mit der Wiederaufforstung begonnen. Wir konnten uns gar nicht recht vorstellen, daß die kahle Insel früher einmal voller üppiger Wälder gewesen sein soll. Erst im Mittelalter hätten die Spanier alles abgeholzt, wurde uns erzählt.

Kurvenreiche Bergstraßen führten uns zu einem weiteren Höhlendorf – *Barranco Hondo* -, in dem wir sogar die Gelegenheit hatten, eine solche Wohnung zu besichtigen. Mir war das ziemlich peinlich. Klar, der älter Herr, dem die Wohnung gehört, verdient sich durch die Touristenströme, die er da durchschleust, ein Zubrot zu seiner Rente. Trotzdem … man tapert einfach nicht durch anderer Leute Behausung und gafft neugierig. Das gehört sich nicht. Gott! Wenn das einer bei uns machen würde … vor allem jetzt im Moment, wo ich mitten im Putzen aufgehört habe, um ein paar Takte an meinem Reisebericht zu schreiben, während der Fußboden im Flur trocknet … nicht auszudenken!

Man sagt nicht umsonst, Gran Canaria sei sowas wie ein Mini-Kontinent. Verschiedene Klimazonen gibt’s dort auf jeden Fall. Der Süden ist kahl und trocken, und weiter im Norden ist’s entschieden feuchter, kühler und grüner. Im Lorbeerwald – in der Gegend um *Los Tilos* – haben wir regelrecht gefroren.

Die *Bananenplantagen* im Norden hätte ich mir gerne aus der Nähe angesehen. Bis heute fasziniert es mich, zu sehen wie Orangen und Zitronen auf den Bäumen wachsen. Bananenstauden wären für unsereinen sicher genauso exotisch. Aber leider war da alles fest ummauert und eingezäunt. Klar, Diebstahlssicherung, verstehe. Aber schade war’s trotzdem

PANORAMAFAHRT

Nachdem wir nun den Westen erkundet hatten, wollten wir auch etwas über die *Ostseite der Insel* erfahren und buchten deshalb die „Panoramafahrt“. Die Reiseleiterin war aus Südfrankreich, und bei ihrem Deutsch mußte man schon zweimal hinhören um einmal was zu verstehen. Der Unterschied zu dem einheimischen Reiseleiter der V.I.P-Tour war deutlich. Die Frau leierte ihren Text runter und wußte wirklich nicht mehr als im Reiseführer stand. Diese Fahrt war kein großer Gäg. Na gut: Im Osten gibt’s auch nicht so viel zu sehen wie im Westen. Aber ich hab mir ernsthaft überlegt, künftig vorher zu fragen, wo die Reiseleiter her sind.

Jetzt wissen wir, daß Gran Canaria Tomaten, Bananen, Kartoffeln und Gurken exportiert, und wir haben in *Guayadeque* noch mal ein Höhlendorf angeschaut. War die gleiche Peinlichkeit wie in Barranco Hondo. Ein paar schöne Panoramaaufnahmen von der Tour haben wir immerhin mitgebracht … vom *Berg Los Pechos* (1.950 m) aus und vom *Krater Los Marteles*.

Das Völkerkundemuseum *Casa de Cho Zacarias* in *Vega de San Mateo* wird in den Reiseführern mächtig gelobt. Ja, wenn die doofe Tussi uns was erklärt hätte, statt im Garten stehenzubleiben, hätten wir vielleicht auch was kapiert! Ich find’s in den spanischen Museen immer ein bißchen schade, daß alle Beschriftungen bloß auf Spanisch sind. Auch in Touristenzentren. (Selbst im Prado in Madrid war das so. Und da treibt sich ja wahrlich mehr internationales Publikum rum als Spanier!) Also, in Englisch könnten sie’s schon auch drunterschreiben, sonst ist man bei den Exponaten immer auf Vermutungen angewiesen!

In *Tafira* haben wir noch botanischen Garten besucht, den *Jardin Canario*. Das war jetzt wieder interessant. Bäume, Sträucher, Palmen und Kakteen haben wir in -zig verschiedenen Varianten gesehen Auf Gran Canaria wachsen Pflanzen aus Lateinamerika, Indien, Afrika und weiß-der-Geier-woher. Afrikanische Tulpenbäume, Jakarandabäume aus Chile, Orchideensträucher aus Indien … das irrste Zeugs. Meine Lieblingspflanze im Süden ist trotzdem die Bougainvillea mit ihren violetten und pinkfarbenen Blüten. Und die stammt angeblich aus Brasilien.

Gerne hätte ich als Urlaubsmitbringsel einen der tollen Kakteen gekauft, die in allen Supermärkten angeboten wurden. Aber dummerweise verstößt es gegen das Artenschutzabkommen, wenn man einen Kaktus von der Insel bringt. Auch wenn die Kakteen irgendwo gezüchtet wurden. Was das wohl soll? Bauen die an einem Kaktus-Monopol? Wunder und Rätsel der internationalen Wirtschaft …

FASHION-SHOW IM DAMENKLO

Seit Jahren frage ich mich, was eigentlich Musiker beißt, abends als „Hotelband“ durch die Lande zu tingeln. Sind das Amateure, die tagsüber als Automechaniker und Sekretärinnen arbeiten und sich abends den Traum von der Bühne erfüllen? Indem sie lieblos das immergleiche Repertoire runternudeln? Sind das Musiker, die noch hoffen, entdeckt zu werden? Oder welche, die schon alle Hoffnung haben fahren lassen und hier der Rente entgegendämmern? Bis auf wenige Ausnahmen waren diese Bands immer fürchterlich schlecht. Diese hier hatten 5 Mann Besatzung und mehr Technik als ein Atomkraftwerk um eine absolut stinkfade Musik zu machen. Würde mich wirklich interessieren, was diese Leute umtreibt! Also, wir sind jedenfalls immer mit einer Geschwindigkeit von Warp 9 geflüchtet, sobald diese Jodler ihre Instrumente auspackten … und mit „Macarena“ loslegten.

Nett war die Idee mit der *Bademodenschau am Swimmingpool*. Man dachte sich wohl, die Zielgruppe liegt da mittags faul in der Sonne rum und hat nix Besseres zu tun als zu gucken und ließ zwei ganz junge und ein älteres Model eine etwas biedere Bademodenkollektion präsentieren. Fing schon witzig an … als auf einmal im Vorraum der Damentoilette ein sperriger Kleiderständer rumstand und sich mitten im Weg ein Model aus seinen Alltagsklamotten pellte. Naja, wo hätten sie sich auch sonst umkleiden können? Ein bißchen ulkig war’s schon, daß die Modeschau von der Toilette aus startete. Fashion-Show im Damenklo? Und vielleicht hätte man auch die Treppe zum Pool hin sperren sollen, damit nicht Hinz und Kunz in die Präsentation reinlatschte. Das war nämlich so. Der Moderator überschlug sich da vorne vor Begeisterung, und man verrenkte sich den Hals, doch statt des schicken Models tappte irgendein Durchschnittsaugust mit O-Beinen und Badelatschen durchs Bild. Das Model kam erst ‚ne halbe Minute später.

Das Witzigste an dem hoteleigenen Unterhaltungsprogramm war oft *das Publikum*. Ich könnt jetzt noch kreischen über einen kleinen Italiener mit schlecht gefärbten Haaren und einem nadelgestreiften Mafia-Outfit, das er wohl aus einem Kostümfundus der 70er Jahre abgestaubt hat. Der war für uns „Der Pate – in Poly-Color“. Cool war auch eine aufgedonnerte Dame in grünschillernden Leggings. Gerhard schaute sie vollkommen entgeistert an, als sie zur Tür rauskam und meinte: „Oh – heut in dezentem Schmeißfliegen-Grün?“ Natürlich so, daß sie’s nicht hörte. Wir haben da ja zum Glück Übung im Lästern.

MIT DEM AUTO UNTERWEGS

Für zwei Tage hatten wir uns ein Auto gemietet. Nachdem wir zuerst den falschen Autoschlüssel ausgehändigt bekommen hatten, was zu Verzögerungen führte, hat’s dann schlußendlich doch noch geklappt und wir konnten zu unserer eigenen *West-Tour* aufbrechen.

Ich glaub, wir sind in den zwei Tagen zehntausend Haarnadelkurven gefahren … daß die Strecke so brutal war, ist mir bei den Busfahrten gar nicht so aufgefallen. Aber in dem kleinen Nissan Micra … ogottogott! Gestatten, daß ich mich fürchte?

So gut die Tourbeschreibung auch war – wir fanden problemlos die *Oase Fataga*, den *Berg Bentaiga* und all die kleineren und mittelgroßen Orte wie *Tejeda* und *Fontanales*, doch wir kriegten die Krise in *Moya*. Was wir suchten, fanden wir nicht. Und aus dem verflixten Moya schien einfach kein Weg mehr heraus zu führen. Wir haben es mehrmals in unterschiedlich weitem Bogen umkreist. Welche Richtung wir auch einschlugen, wir landeten immer wieder in – Moya. In größeren Städten versagen diese Kurzbeschreibungen einfach. Ich hab keine Ahnung, wie die Canarios sich orientieren – wir fuhren buchstäblich stundenlang durch die Gegend ohne ein einziges Schild zu sehen, gurkten auf gut Verdacht durch die Landschaft, bis wir uns heillos verfahren hatten und nicht mehr wußten, in welcher Stadt wir waren. Wie auch, wenn nirgends nix dransteht? Und mit dem Fragen ist es so eine Sache. Klar kann ich mich nach dem Weg erkundigen – aber in aller Regel verstehe ich die Antworten nicht. Ich weiß, was links und rechts heißt, aber dann ist auch schon Schluß.

Irgendwie schafften wir es bis in den Norden hoch nach *Gáldar* und fuhren dann an der Westküste wieder runter in den Süden. Eindrucksvoll war die Hafenstadt *Agaete* … da pfiff ganz schön der Wind. Ganz anders als im Süden. Gestaunt haben wir, daß die Leute quasi im Hafenbecken gebadet haben. Igitt. Also, wenn man den Dreck schon sieht …!

Am nächsten Tag machten wir noch einmal eine *Tour durch den Osten* der Insel … das war dann mehr „kulturell“ orientiert. Viele Kirchen und ein Museum standen auf dem Programm. Aber siehe oben – wir haben leider nicht alles gefunden, was wir uns ansehen wollten. So irrten wir vergeblich durch Telde. Das, was im Reiseführer stand, war einfach nicht zu finden. Dem Herumreisen in Eigenregie sind einfach Grenzen gesetzt. He – und kalt war’s im Nordosten. Ich war froh an meinem Jeanshemd.

Einiges haben wir dann doch gesehen … vom *Mirador Helechal* herunter genossen wir einen tollen Panoramablick. Wir waren in einem netten Städtchen namens *Tejeda* und besichtigten die Wallfahrtskirche von Teror. (Jaja, da kommen die Ter(r)oristen her…!). Das hat mich deshalb interessiert, weil ich mal gehört hatte, daß man 1975 der anscheinend berühmten Marienstatue, der *Virgen del Pino*, den ganzen Schmuck geklaut haben soll. Die bösen Buben waren der Kirche aufs Dach gestiegen und hatten sich durch ein Oberlicht nach innen abgeseilt – und Gold und Edelsteine geraubt. Schon fies, das zu klauen, was die einfachen Leute spenden. Aber irgendwie war dieses strategisch „günstig“ plazierte Oberlicht eine einzige Einladung an Diebe. Ein Wunder, daß nicht schon viel früher einer auf diese Idee gekommen ist!

In der Hauptstraße von Teror gibt’s noch jede Menge dieser schönen holzgeschnitzten Balkone. Das haben wir gefunden – im Gegensatz zum Heimatmuseum. Tja, Pech gehabt.

Weiter ging’s nach *Arucas*, zu einer wirklich extrem neugotischen (nee, nicht neuRotischen) Kirche! Erbaut von 1909 bis 1990. Meine Güte, ich hatte keine Ahnung, daß man sich mit sowas heut noch abstreßt. Und die ist echt gemauert aus dem Blaubasalt der Gegend … ich hatte nämlich vermutet, die hätten sich da schnell mal was zusammenbetoniert. Kirche aus einem Guß, sozusagen. Ich würde mal annehmen, daß das weniger Streß ist als Meißeln und Mauern. Irgendwie war das Teil schon komisch. Hatte was von „wie wenn als ob“. Überm Mittelgang schwebte ein gigantischer Kronleuchter im Mittelalter-Design. Ich staunte. Wow, echte Kerzen! Aber als sich unsere Augen an die Dunkelheit in dem Gebäude gewöhnt hatten, sahen wir: Von wegen Kerzen! Osram Energiesparlampen. Och nee, Kinder!

Nach einem letzten Panoramablick vom *Montana de Arucas* runter auf Dörfer und Banananplantagen wollten wir in *Las Palmas* auf die Autobahn und so wieder zurück in den Süden. Im Reiseführer stand so einleuchtend: „Folgen Sie in der Stadt den Schildern ‚aeropuerto‘, dann kommen Sie automatisch auf die Autobahn.“ Ja, äh, in der Theorie. In der Praxis sahen wir kein einziges Schild. Ich weiß nicht, wie lange wir ohne jeglichen Anhaltspunkt mit wachsender Verzweiflung durch die Stadt irrten … durch Industriegebiete, die Innenstadt und durch mehr als finstere Viertel … bis wir endlich, endlich am Horizont ein paar knallbunt gestrichene Häuser wiedererkannten, an denen wir bei der V.I.P.-Tour vorbeigekommen waren. Also sowas hab ich noch nicht erlebt … daß man über eine Stunde durch eine Stadt gurken kann, ohne einen einzigen Wegweiser zu sehen. Also ich weiß, was wir ganz bestimmt nie wieder machen: Mit einem Mietauto in eine kanarische Stadt reinfahren!

DIES UND DAS

Wir haben die Insel nun mehrfach des Langen und Breiten durchquert – aber auf wilde Hunde und verwilderte Katzenhorden wie auf Lanzarote sind wir dort nicht gestoßen. Schätze, die Canarios haben gründlich „aufgeräumt“ mit den Tieren. Ich kann mir schon vorstellen, wie. Dennoch – wir finden immer Möglichkeiten, Katzenfotos zumachen: Die Katze eines Immobilienmaklers saß uns Modell, desgleichen ein Kneipenkätzchen auf der V.I.P-Tour. Ein kleiner Canario-Kater ist trotzdem nach Deutschland exportiert worden: Ein kränkelndes Junges der Immobilien-Kätzin, die uns Modell gesessen hat. Ein junges Paar hat das Tierchen („Pedro“) in der Tierklinik behandeln lassen und dann mit heim nach Düsseldorf genommen. Zwar war der Vorbesitzer auch schon beim Tierarzt mit dem kleinen Kerl, aber so viel Engagement wie das katzennärrische junge Paar aus Düsseldorf hat er halt nicht aufgebracht.

War nett, wie das Katerchen sich an seinen neuen Menschen geschmiegt hat. Es hat sich dem Mann wie ein Pelzkragen um den Hals gewunden. (Solange das Tier noch so klein ist, geht das noch. Aber was macht der Mann, wenn der Kerle mal 6 Kilo wiegt? Wird ein schwerer lebendiger Pelzkragen!) Manchmal denke ich, die Tiere merken das, wenn man ihnen das Leben gerettet hat, wenn man es gut mit ihnen meint.

Und weil wir’s grad von Tierischem haben: Tierisch genervt haben die Fuzzies mit ihrem Time-Sharing-Angebot. An jeder Ecke lauerten sie einem auf. Wie’s Ungeziefer stürzen die sich auf alles, was zwei Beine hat. Jedem, der vorbeikommt, wollen sie ein Los andrehen und einen für die Gewinneinlösung in ein entlegenes Hotel locken, um die „Opfer“ dann so lange zu beknien, bis sie ein völlig überteuertes Apartment kaufen. Oder, besser gesagt, das Recht, dort einmal im Jahr Urlaub zu machen. Auf diese Weise verkaufen sie jedes Apartment 52 Mal …Was mir einfach nicht in den Kopf geht: Wenn man zu denen energisch sagt: „Nein danke, das möchte ich nicht“, dann belästigen die einen trotzdem gnadenlos weiter. Obwohl doch klar ist, daß da nix geht. Einen hab ich mal angebrüllt: „Lauf jetzt deine Strecke und laß mich in Ruhe, verdammt noch mal!“ Das hat er dann begriffen. Ich war immer versucht, wie die Amis zu fragen: „Welchen Teil von ‚verpiß dich’ verstehst du jetzt nicht?“

Einen wüsten Spruch hab ich auch gelesen, auf so einem Button zum Anstecken. Der wird mich vermutlich bis in die Firma verfolgen, und all die sonnenbankgebräunten Manager werden sich über mein freches Grinsen wundern, wenn wir uns begegnen: „Is this a suntan – or are you just full of shit?“ Gibt schon nette Redewendungen im Englischen. Ich hätte den Button kaufen sollen, verdammich! Aber da unsere Manager eh nicht wissen werden, daß „suntan“ Sonnenbräune heißt und „full of shit“ bedeutet, daß einer ein Lügner und Dummschwätzer ist, wäre die Wirkung ohnehin verpufft.

So. Genug Gift verspritzt. Auch wenn ich das Nichtstun, das üppige Frühstück – bei dem man sich um nix kümmern muß – das Meer, den Sonnenschein und die Wüste hinterm Haus schmerzlich vermissen werde, bin ich doch auch gern wieder heimgeflogen. Zur Familie und Freunden, den Katzen, der Post, dem Internet … und *seufz* auch zur Bügelwäsche. Nach zwei Wochen Abwesenheit bewahrheitet sich einmal mehr die uralte Weisheit: „Die Wäsche kennt keine Gnade“.

See you!
Edith

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Lanzarote 1996: Mondlandschaft und karge Berge
April 7, 2007, 8:10 pm
Filed under: Kanarische Inseln

Am Sonntag, den 13. Juli, ging es morgens kurz nach 10 endlich nach Lanzarote. Zu unserer Überraschung gab’s noch eine Zwischenlandung in Nürnberg, wo wir noch weitere Fluggäste abholten. Auch dann gab’s noch ausreichend freie Plätze. Die Flieger sind einfach nicht ausgelastet. Die Leut haben nicht mehr soviel Geld zum Verreisen. (Es war diesmal auch kein „schreiendes Volk“ auszumachen, weder am Strand noch unterwegs oder im Hotel. So Leute vom Typus „grölende Kegelausflügler“, meine ich. Die traf man ja sonst überall.)

Dadurch, daß wir vor zwei Jahren ja schon mal auf Lanzarote waren, gingen wir das „Sight-seeing-Programm“ diesmal etwas ruhiger an. Gleich am 2. Tag machten wir noch einmal die geführte Tour durch den Timanfaya-Nationalpark mit und staunten wie beim erstenmal über die unheimliche „Mondlandschaft“, die die Vulkanausbrüche vor 250 Jahren dort geschaffen haben. Auf einer Insel, auf der’s so gut wie nie regnet und keinen Frost gibt, gibt’s halt auch kaum Erosion, und so sind die Lava-massen, die Steinbrocken, Asche-Dünen und Vulkankrater dort fast noch so, wie sie gleich nach dem Ausbruch waren. Es wächst nach wie vor nix außer Flechten und ein paar Kameldornbüschen.

Auch sonst wächst auf der Insel ja nicht viel. Jedenfalls nicht freiwillig. Ob Blumen, Gras, Wein, Zwiebeln oder Kartoffeln: Um jede Pflanze muß ein Mords Tamtam gemacht werden, damit sie überhaupt gedeiht. Wenn’s nach der Insel ginge, ließe sie es sicher bei ein paar störrischen Büschen bewenden… Im Norden hat’s Palmen, aber auch die wurden mit Absicht gesetzt und müssen sicher gepflegt werden.

Wir mieteten uns wieder einen Jeep und tourten nochmal die Highlights der Sehenswürdigkeiten ab: Die schwarzen Strände der Playa de Janubio. Den quietschgrünen Kratersee El Golfo. Die maleri-schen Buchten der Papagayo-Strände, die man nur über eine unwegsame Schotterpiste erreichen kann. Da klapperten beim Autofahren nicht nur die Türen, sondern auch die Zähne … Wir fuhren auch noch-mal in den etwas grüneren Norden der Insel, den wir beim letzten Besuch etwas vernachlässigt hatten und guckten uns die Gegenden an, die wir damals verpaßt hatten.

Wir sind einfach begeistert von diesem kargen Steinhaufen! Gerade weil da nix wächst, hat die Insel ganz irrsinnige Farben. Roten Boden, schwarze Vulkanasche, bräunlich-verdörrtes Gras, knall-weiße Häuschen …

Wir hatten nicht immer strahlenden Sonnenschein. Einige Tage war es auch bewölkt. Und im Norden war’s ganz schön frisch. Das haben wir vollkommen unterschätzt. Vor zwei Jahren war’s knallheiß, weil gerade der heiße Wind aus der afrikanischen Wüste rüberwehte, und heuer erlebten wir erstmals das „richtige“ Klima dieser Insel.

Von Aussteigern, Klimpermusikern, Karawanen und „Schauvöglern“

Von einem Kollegen, der öfter schon auf Lanzarote war, hatte ich ein paar Adressen von Galerien und Gaststätten in Teguise bekommen, und die tourten wir auch ab. In einer Galerie wurden wir im Laufe des Gesprächs vom deutschen Inhaber dann gefragt, ob wir denn auch auf der Insel lebten. An dem Tag müssen wir wohl irgendwie ganz besonders nach Aussteiger ausgesehen haben. Liegt sicher an meinen Birkenstockschuhen oder langen weiten Hippie-Röcken, die meine dicken Kompressionsstrümp-fe verbergen sollen. Oder vielleicht haben wir auch nur einen leicht verrückten Eindruck gemacht, weil wir mit den Galeriekater geknuddelt haben und mit ihm sprachen …

Aber ich kann’s mir gut vorstellen, daß manche Leute auf der Insel hängenbleiben. Man könnte sich finanziell sicher irgendwie über Wasser halten. Als Kammerjäger, Teppichreiniger oder Fensterput-zer, als Kellner oder Kneipenwirt. Es gibt kaum Kneipen mit gescheiter Musik … Es würde mich auch mal jucken, den Service in einem Hotel auf die Spitze zu treiben. Als Chefin wäre ich sicher ein Ra-benaas. Bei mir gäb’s kein verschnarchtes „mañana“ ( = morgen). Da müßte alles sofort sein! Ich könnte aber auch meine Werbetexte auf Lanzarote schreiben und dann mit dem Computer per E-Mail an die Firmen in Deutschland schicken …

Eine Künstleragentur, die sich mal um die musikalische Grundversorgung in den Hotelanlagen kümmert, wäre da sicher auch nicht fehl am Platze. Was wir nämlich übel fanden, war, daß in unserem Hotel Abend für Abend, 7 Tage in der Woche, ein und dieselbe Band von Klimpermusikern ein und dasselbe musikalische Repertoire vergewaltigte. Nach drei Tagen kannste es auswendig, nach fünf Tagen nervts. Nach 10 Tagen biste reif für einen Massenmord. Wir flohen dann nach dem Abendessen in die Stadt und landeten im Hardrock-Cafe …

Ein Hotel, so dachte ich mir, muß doch gesteigertes Interesse daran haben, daß die Leute auch abends dort bleiben, an der Bar tüchtig konsumieren und Umsatz machen. Und nicht das Geld in die Stadt tragen. Ergo kann es nicht im Interesse des Hauses sein, daß so eine Klimperlesband die Leute aus dem Hotel hinauslangweilt.

Den Leuten in anderen Hotels muß es doch mit ihrer immergleichen Hausband haargenauso gehen. Also wäre mein Vorschlag, daß man eine Reihe von Hotels zu einer Gruppe zusammenfaßt und dort ver-schiedene Bands reihum „rotieren“ läßt. Wenn jeden Abend andere Musiker ins Hotel kommen, dann haben die Gäste täglich ein neues Programm, werden nicht von dem ewiggleichen Sound aus dem Hotel gegrault – und alle sind zufrieden. Wenn nach zwei oder drei Wochen das Rotationsprogramm mit Band 1 wieder von vorne anfinge, wäre das auch kein Drama. Denn länger als 2 Wochen sind eh die wenigsten Gäste da.

Schon furchtbar, oder? Da fang ich sogar schon im Urlaub zum Organisieren an! Wo ich geh und steh wittere ich Geschäftsideen!

Wir haben ja wieder im selben Hotel gewohnt wir vor 2 Jahren. Seit vorigem Jahr sind 2 neue Geschäftsführer da. Die haben einiges umgebaut in dem Laden. Das schaut jetzt besser aus – aber dafür hat der Service etwas nachgelassen. Vielleicht lag’s aber auch nur daran, daß wir diesmal nicht mit TUI dort waren, sondern mit Airconti ( = Neckermann). Als TUI-Kunde genoß man schon voriges Mal vom Service her einige Privilegien, die dem gewöhnliche Feld-Wald-und Wiesen-Touri verwehrt waren.

Wie ich schon sagte: Diesmal gab’s gar kein grölendes Volk. Mithin auch nicht so viel zu lästern … Was unsere Tischnachbarin und mich nur neugierhalber bewegte: War das Paar vom Nebentisch nun Vater und Tochter oder Freund und Freundin? Er war sicher schon um die 40, und wenn sie 16 war, dann war’s viel … Gerhard sagte, er hätte sie irgendwo mit einem jüngeren Hotelgast rumknut-schen sehen. Und er dachte, er hätte gehört, wie sie ihn Papa nannte. Sonja, unsere Tischnachbarin, dagegen schwor, sie hätte das Mädel und ihren älteren Reisebegleiter Hand in Hand zum Frühstück marschieren sehen und auch herumknutschenderweise am Pool. „Irgendwas stimmt da nicht“, meinte sie vieldeutig. Tja … das hätt mich jetzt wirklich interessiert. Und ich werd’s nie erfahren!

Sonst gab’s nicht viel interessante Gäste. Drei auffallend häßliche und aufgedonnerte Kohlen-pott-Damen fallen mir da noch ein. Zwei klapperdürr und blondgefärbt und offensichtlich schon fa-cegliftet. Und die dritte … ja, man stelle sich die Politikerin Jutta Dithfurth grell gekleidet und ge-schminkt mit schwarzgefärbten Haaren vor. Das kommt dann so ungefähr hin. Gerhard nannte die drei Grazien immer „Die Hexen von Eastwick“. Nach dem Hollywoodfilm mit Jack Nicholson. Dabei waren die drei Kino-Hexen ja durchaus attraktiv. Gespielt von Cher, Michelle Pfeiffer und Susan Sarandon, glaube ich.

Einen Hotelgast nannten wir nur den „Schleicher“. Ein chronisch schwarzgekleideter Mensch, der abends immer leicht irren Blicks durch das Hotelgelände streifte wie der Würger von Soho auf der Suche nach seinem nächsten Opfer. Manchmal redete der auch noch mit sich selber. Hätte mir einer erzählt, das wäre der Kettensägenmörder, ich hätte es geglaubt. Eine unheimliche Figur!

Dann gab’s noch den „Knittermaxe“. Der war jeden Tag anders gekleidet, aber alle seine Klamotten waren hoffnungslos zerknittert. Das sah aus, als hätte er das Zeug aus dem Trockner gezerrt und in seine Reisetasche geknüllt – und dann genau so wieder angezogen. Diese Klamotten hatten garantiert weder ein Bügeleisen noch einen Kleiderbügel gesehen!

Am Strand haben wir ein eigenartiges Schauspiel bewundert: Eine Gruppe von 7 Erwachsenen und einer unüberschaubaren Anzahl Kinder fiel dort ein und schlug ihr Lager auf. War interessant, was die da alles mit hatten: 3 Sonnenschirme, 2 Regiestühle, diverse Liegestühle, ein paar Luftmatratzen, Kühltaschen ohne Ende, Klamotten, Decken, Badetücher, Schwimmhilfen und Spielkram für die Kinder, mehrere Sandschippen und zwei große Gießkannen … ach, Furz und Feuerstein eben! Irgendwie hatte man dabei immer das Gefühl, der Krempel würde sich stündlich vermehren. Fehlte eigentlich nur noch ein Lagerfeuer, das Notstromaggregat mit Radio und Fernseher – und ein Zelt.

Mich hätte immer interessiert, wie die den ganzen Hausrat an den Strand runterschleifen. Das ist ja doch eine ganz nette Strecke! Und vor allem: Den Schmonzes müssen die ja irgendwie nach Lanza-rote eingeflogen haben!

Eines Abends haben wir dann neugierhalber die Auflösung des Lagers ausgesessen: Irgendwann blies der Karawanenführer zum geordneten Rückzug. Jeder stand auf und griff sich zielsicher und mit sichtlich routinierten Handgriffen seinen Anteil an dem Krempel. Nach 10 Minuten war das Lager ratzekahl abgeschlagen und die Karawane wankte schwerbepackt in Richtung Hotel. Ich hätte brüllen können!

Den letzten Begriff aus der Überschrift muß ich jetzt aber auch noch rasch erklären. Also: An einem Abend, als wir uns ins Hardrock-Cafe verkrümelt hatten, fiel uns da ein Pärchen auf, das sich an exponierter Stelle an die Bar setzte. Niemand in dem ganzen Laden konnte an ihnen vorbeigucken. Da hätte man sich schon vorsätzlich mit dem Rücken zur Tanzfläche setzen müssen.

Sie war der Prototyp der blonden Friseuse aus den Manta-Witzen – in einem schwarzen Minikleid mit dem sie sich bestimmt nicht bücken konnte, so kurz war das. Und er war so der Typ „rasierter Gorilla“ mit Muscle-Shirt. Die zwei zogen eine Show ab, das war schon mega-peinlich. Und so schnell ist mir nix peinlich!

Die kamen zusammen in die Bar und knutschten und fummelten dann drei Stunden lang miteinander rum, daß man nicht wußte, ob man lachen oder weggucken sollte. Ich dachte, der packt die jetzt gleich auf offener Szene auf’m Barhocker. Naja, den Rock hätte man ja dazu wenigstens nicht mehr hochschieben müssen … Das war wirklich schon „Schauvögeln“. Mann kann’s nicht anders nennen. Als sie dann endlich miteinander abzogen, gab’s vereinzelten Applaus im unfreiwilligen Publikum.

Ich hab’s, ehrlich gesagt, nicht ganz begriffen. Wozu der Zirkus? Die haben sich ja nicht erst an der Bar kennengelernt. Also hätten sie doch gleich in die Federn hüpfen können, wenn sie das eh vorhatten! Was mußten die sich erst drei Stunden lang an der Bar zur Schau stellen? Der Öffentlichkeit die Beute präsentierten? Seht her, was ich Tolles abgeschleppt hab? Weia!

In so einem Fall juckt’s mich immer, hinzugehen und zu fragen: „He, Mann, kannste deine Alte nicht zu Hause f…..?“ Aber wahrscheinlich würde man da eine aufs Maul kriegen.

Genug abgelästert. Katzen hab ich diesmal keine mitgebracht. Nur zwei T-Shirts mit Katzen drauf. Die haben dort alle streunenden Tiere ausgerottet. Ich hab nur vereinzelt Katzen und Hunde gese-hen, aber die trugen alle Halsbänder und gehörten jemandem. Da hat unser Blacky nochmal Glück gehabt, daß wir ihn damals mit nach Hause genommen haben! Sonst wäre er heut schon im Katzenhimmel!

Ich hab jede Menge Bücher gelesen, am Strand und am Pool. Dabei lag ich völlig neben dem Trend. Ich gucke immer, was die anderen Urlauber lesen. Und heuer hatte fast jeder ein Buch von Barbara Wood oder Stephen King. Wirklich, das war auffallend! Ich hab aber unverdrossen meine histori-schen Romane, meine Fantasy-Stories und Krimis gelesen, Trend hin oder her. Und die Bildzeitung!

Ich war tatsächlich so meschugge, vor meiner Abreise nach London mit meinem Kollegen zusammen einen Dauerlottoschein auszufüllen. Von dem Schein habe ich eine verkleinerte Kopie gemacht und die in meinen Geldbeutel getan. Und der Geldbeutel kam natürlich mit nach Lanzarote. Montags verglich ich immer die Lottozahlen in der BILD mit den Zahlen auf meiner Kopie. Wir bleiben aber weiterhin arme Schweine. Einen Dreier haben wir. Gibt leider nur ein paar Mark fuffzich … Aber man soll die Hoffnung nicht aufgeben!

Ich denke, wir werden vermutlich nicht zum letzten Mal auf Lanzarote gewesen sein. Einer meiner Onkels, auch ein Lanzarote-Fan, meinte, wir sollten mal im Frühjahr hinfahren, da wäre die Insel wenigstens ein bißchen grün. Das hätte auch was. Mal sehen … Kommt ja immer auch drauf an, ob und wie lange wir noch Arbeit haben. Das weiß man ja nie.



Lanzarote 1994 – mit höchst lebendigem Souvenir
April 7, 2007, 6:15 pm
Filed under: Kanarische Inseln

Lanzarote, 03. Juli 1994 bis 17. Juli 1994 Mit dem Besuch der schönsten Nationalparks Nordamerikas ist eine Begegnung mit der Vulkaninsel Lanzarote sicher nicht zu vergleichen. Aber allen, die noch nicht dort waren, können wir nur sagen: Es lohnt sich! Was wir außer schönem Wetter und atemberaubender Landschaft noch alles gesehen und erlebt haben und wie unser Reiseandenken ausschaut, das zeigt der folgende Bericht.

Anreise

Sonntag, 3. Juli. Es fängt schon gut an: Abflug mit einer halben Stunde Verspätung. Wir schwitzen im nicht klimatisierten Stuttgarter Flughafengebäude bei 330C im Schatten. Die dreistündige Verspätung des Mallorca-Flugs nebenan läßt ja hoffen! Außerplanmäßige Zwischenlandung in Toulouse. Auch das noch! Und das alles wegen der Hitze: Weil die Maschine nicht mit voller Kraft starten kann, da sonst bei diesen Temperaturen die Abgastemperaturen zu hoch würden (und der Maschine dann vielleicht der Hintern brennt…) kann man auch nicht die volle Ladung Sprit mitnehmen. Folge: Nachtanken in Toulouse. Und nochmal 20 Minuten Verspätung. Ich weiß schon, warum ich den Vorgang des Reisens an sich hasse. Ach, wäre doch bloß das Beamen schon erfunden, damit man streßfrei von A nach B käme!

Die ersten Eindrücke

Liebe Kollegen, die ihr uns Lanzarote so warm ans Herz gelegt habt, euch werde ich was erzählen! Von wegen gemäßigtes Klima, 25 Grad und Wind! Der Sciorocco tobt, der heiße Wind aus Afrikas Wüste, und wir haben 42 Grad! Na, wann bittschön ist denn auch von den Arabern schon mal was Gescheites rübergekommen? Das ist doch immer höchstens heiße Luft! Am Montag Abend pfeift noch um 10 Uhr abends ein heißer Wind. Es ist, als hätte jemand den Umluftherd angelassen und die Klappe aufgemacht Hinterher reden sie was von 45 Grad und mehr… Allerdings war dieser Wind staubtrocken. Man schwitzte nicht. Kunststück: Wir wurden ja auch faktisch trockengefönt!

Eine Bande von Profis

Das Hotel ist schwer nobel. Geniestreich eins Architekten. Drei Stockwerke, weitläufig angelegt, und es hat im Groben eine VForm. Die Zimmer liegen an den ,,Schenkeln“ dieses V, eine Brücke führt zur Rezeption. Diese eigenwillige Konstruktion schafft nach jedem 2. Zimmer Raum für einen Innenhof, in dem jeweils ein Baum wächst. Palmen, Ficcus, Gummibäume. Man tritt also aus dem Zimmer und steht im Freien. Der Wind bläst durch die Gänge. Morgens und abends quietschen die Vögel in den Bäumen (und kacken alles voll…). Da hat sich echt einer was dabei gedacht!

Beim Zimmer kann man auch nicht meckern. Teppichboden, TV, Telefon, Klimaanlage (ohne die man es auch nicht aushalten würde) und ein größeres Bad als daheim. Was auch kein Kunststück ist. Am liebsten würde ich den Dekostoff abschleppen, aus dem hier Bettüberwürfe und Vorhänge sind: Der hat nämlich ein Fächermuster, was mir als Sammler natürlich gefällt. Das erste halbwegs gemütlich aussehende Hotelzimmer, das ich bewohne. Auch da hatte jemand eine Ahnung von dem, was er macht.

Der obligatorische Informations-Empfang für die Neuankömmlinge verstärkt den Profi-Eindruck noch. Da stellt sich tatsächlich der Direktor vom Hotel hin, spielt den Conferencier und läßt seine Damen und Herren aufmarschieren: Das ist mein Stellvertreter, das ist der Chefkoch, der Oberkellner, der Barchef, das die Rezeptions-Leiterin und jenes die Chefin der Putzkolonne. Und wenn Sie Fragen haben, dann kommen Sie zu mir… Ein wirklich professionell durchorganisierter Laden. Die Chefs wuseln auch ständig irgendwo rum und verkriechen sich nicht anonym in ihren Büros. Da sehen sie 1. ob der Laden läuft und ihre Mitarbeiter spuren. Schlampern und muffeln ist da nicht drin, man weiß ja nie, ob nicht der Chef hinter der nächsten Topfpflanze auftaucht (arg groß war er nämlich nicht…). Und 2. sind die Bosse als Ansprechpartner für die Gäste stets präsent. Das sollte noch wichtig werden für uns. Und auf jeden Fall werden wir uns den Namen der Hotelkette für die Zunkunft merken: RIU bzw. Iberotel. Arrogantem oder gleichgültigem Personal sind wir dort nämlich nicht begegnet, und alles klappte wie am Schnürchen.

Erste Unternehmungen

In den ersten Tagen ist es viel zu heiß, um irgendwelche Fahrten in die Gegend zu unternehmen. Wir hängen also am Strand rum bzw. erkunden die nähere Gegend mal zu Fuß. Kilometerweises Strandlaufen ist allerdings nur ein eine Richtung möglich. Auf der anderen Seite wird der Sandstrand immer wieder durch unpassierbare Lava-Gesteinsbrocken unterbrochen. Immer wieder muß man vom Strand hoch auf die Straße und dort weiterlatschen, wenn man in Richtung Alter Hafen will. Und das wollen wir. Am Abend sitzen wir meist einige Zeit auf unserem Balkon – Blickrichtung Swimming Pool – und lästern über das, was sich dort unten abspielt. Wie die beiden alten Herren in der Loge der Muppet-Show. Da ich auch im Urlaub früh aufwache, kann ich schon um 7 Uhr die ersten ,,Reservierer“ pirschen sehen. Klammheimlich knoten sie ihre Handtücher an den Hotelliegen fest, damit sich dann, nach dem Frühstück, den besten Platz am Pool haben. Mann, müßte mich da was beißen! Warum sollte ich mich um einen gechlorten Pool käsen wollen, wenn ich den Atlantik vor der Haustür habe? Da kann ich auch ins Denkendorfer Freibad gehen. Wir gehen runter an den Strand.

Tierisches

Mindestens 20 Katzen leben in dieser Hotelanlage. Direkt in der Nähe des Restaurants ist eine Katzenfamille. Mutter mit drei Kleinen, höchstens 4 Wochen alt. Die hausen da im Grünzeug rund um den Pool. Und werden von einer Familie aus Köln liebevoll versorgt. Leider haben die Kleinen Katzenschnupfen. Dem Kleinsten geht’s besonders schlecht. Die Kölner waschen 3 x täglich die Katzenaugen mit einer Kamillosanlösung aus. Die Pflicht übernimmt zunächst ein Mutter-/Tochter~espann aus Hannover, als die Kölner abreisen. Die Frau kauft eine Augensalbe. Gerhard und ich kümmern uns auch, kaufen Futter im Supermarkt. Und ruckzuck sind wir zwei die Katzendoktoren Nr. 1. Was einem eine Menge Ärger bescheren kann.

Es gibt zwar eine Unmenge netter Leute und Katzenfreunde, die man auf diese Weise kennenlernt. Vor allen die Kinder im Hotel waren rührend um die Kätzchen besorgt. Doch man lernt schier die gleiche Menge Armleuchter. kennen. Einer, so ein Dicker, war besonders gehässig und hat übel gestänkert, als er uns da doktern sah. Er meinte, die Katzen seien doch alle blind. Ich sagte, er solle keinen Scheiß rausschwätzen. ,,Die Katz sieht besser als Sie. Sehen Sie, die braucht nicht mal ,ne Brille.“ Davon sei er nicht überzeugt, meinte er. Ich sagte, wovon er überzeugt sei oder nicht, das ginge mir satte zwei Meter am Arsch vorbei. Er goschte noch was zurück, und ich empfahl ihm, doch zur Hölle zu fahren. Naja, es gipfelte darin, daß ich vor lauter Wut in meine österreichische Ur-Sprache zurückfiel und ihn in voller Lautstärke eine ,,ausgefressene Sau“ (fettes Schwein) hieß. Alles drumrum gröhlte. Die Kinder fanden das Vorkommnis äußerst unterhaltsam. Mir war’s dann eher peinlich. Und ich hatte für den Rest des Tages Angst, daß mich die spanische Polizei verhaftet. Passiert ist aber garnix, die ausgefressene Sau hat mich nur nicht mehr angeschaut. Was mir sehr recht war. Ich hab noch ein paar anderen Stänkerern eine „Rasur“ verpaßt und muß sagen, daß mich keiner zweimal angelabert hat. Die hatten schon alle beim ersten Mal genug.

Essen

Da kann man wirklich nicht meckern … Frühstücksbuffet mit allem, was das Herz begehrt, und abends mit den Vorspeisen und dem Nachtisch genau dasselbe. Das Buffet war da so üppig, daß ich auf das Menü selbst oft genug verzichtet hab und nur Vorspeisen und Nachtisch gegessen habe. Der Chefkoch ist ein Deutscher und war, als wir ankamen, gerade selber noch in Urlaub. Nach Ablauf unserer ersten Urlaubswoche kehrte er zurück – und schlagartig sank der Knoblauchverbrauch in der Küche um 50%. War eigentlich schade. Wir sind Knoblauch gewöhnt. Aber ich kann mir gut vorstellen, daß er zu seinem spanischen Vize gesagt hat: ,,Mey, biste wahnsinnig? Das fressen doch die Deutschen und die Holländer nie und nimmer!“

Die Gäste

Das Hotel war fast ganz in deutscher Hand. Es gab auch einige Schweizer, Holländer, Franzosen und Italiener. Die englische ,,Kolonie“ war weiter im Osten der Stadt. Es gab auch wieder mal Gründe, sich für seine Landsleute zu schämen: Zwei befreundete Familien hausten dermaßen beim Essen und aasten mit den Lebensmitteln, daß ich um ein Haar drum gebeten hätte, man möge denen den Trog doch ins Freie stellen… Der Oberkellner sprach dann mal ein paar strenge Worte, und von da ab ging’s. Allerdings hatte die Truppe bei uns ihren Namen weg: Wir sagten immer, da kommt der Ober-Eber mit seinen Säuen …

Die Animation

Oh, daß Gott erbarm! Die Gute-Laune-Vorturner sind eh nicht mein Geschmack. Jene welche in dem Hotel waren sehr gut darin, Kinder zu beschäftigen, spielten Wasserball mit denen und so. Aber wenn sie sich dann abends anschickten, ein Unterhaltungsprogramm für die Erwachsenen auf die Beine zu kriegen, kam immer nur Schlüpfrig-Peinliches dabei raus. Eine Miß-Wahl, bei der sie erstmal Kandidatinnen aus dem Publikum quasi an den Haaren auf die Bühne schleifen mußten – und gegipfelt hat das ganze dann in einer Art Striptease … Ne, da war Flucht angesagt. Wir sind dann nur noch hingegangen, wenn auswärtige Künstler da waren. Afrikanische Tänzer, ein spanisches Ballett oder eine Travestie-Truppe aus Stuttgart (Crazy Follies. Ich kenne die aus dem Fernsehen). Dem Ober-Animateur hätte ich eh in die Waden beißen können der sprach immer sechs Sprachen nacheinander weg. Und zwar wortweise. Also so nach dem Motto: ,,Guten Abend, Good evening, goden avond …,, und das so schnell und so ineinander verschliff en, daß man gar nicht mehr merkte, wann eine Sprache aufhörte und die nächste anfing. So moderierte er seine Shows. Ohne auch nur einmal dabei die Zähne auseinanderzukriegen. Zum Auswachsen! Hätte er versucht, mich auf die Bühne zu ziehen, hätte ich versucht, mich mit den gleichen Mitteln zu wehren: ,,Steig mir doch auf’s Dach, go to hell, valle al inferno ….!,,

Live-Musik …

gab’s auch. Jeden Abend dieselbe Truppe, die zwar ganz gut war, aber ihre Sängerin konnte nicht singen. Sah zwar tierisch gut aus, die Tante, und hatte auch wenig an, aber ihre Stimme war immer in Hall gebadet, damit man die Fehler nicht so hörte. Und wenn ich das Repertoire von denen – auch Abend für Abend dasselbe – hätte noch einmal hören müssen, hätte ich einen Schreikrampf gekriegt. Alte Weisheit: Je weniger eine Sängerin kann, desto weniger hat sie an. Das war ja schon immer so. Frag mich nur, was passiert, wenn eine auftritt, die gar nicht singen kann …

Nepper, Schlepper, Bauernfänger …

gab es auch an jeder Ecke. Wir wurden weiß-der-Herr wie oft angequatscht von halbseidenen Elementen, die uns irgendwelche Immobilien andrehen wollten. Ich wurde immer gleich sauer und hab sie plattgemacht: ,,No interest in Timesharing or real estate business, no discos, no gambling or stuff like that!“ Sehen wir denn so reich oder so naiv aus, daß jeder Depp meint, uns ausnehmen zu können? Gerhard hatte zweifellos die bessere, streßfreiere Taktik, die Ganoven loszuwerden. Wenn die fragten: ,,Sind sie deutsch“, schaute er sie an wie ein Omnibus, als verstünde er sie nicht, und ging weiter. Aber ich kann meine Klappe ja nicht halten! Ich meine immer, jeder, der mir den Buckel runterrutschen kann, müsse das auch unverzüglich mitgeteilt kriegen.

Unsere ,,Touren“

Wie soll ich diese atemberaubende Landschaft mit Worten beschreiben? Das muß man gesehen haben. Weder ein Foto noch ein Video bringt das in voller Schönheit rüber. Wir haben uns einen Jeep gemietet und haben damit die schönsten und markantesten Punkte abgetourt. Einen Tourenplan hatten wir vom Reiseveranstalter. Am beeindruckendsten war für mich der Kratersee ,,El Golfo“ ein grüner See von schwarz-gelb-roten Felsen und schwarzem Sand, daneben das blaue Meer mit weißer Gischt – es ist unglaublich!

Auch der Timanfaya-Nationalpark mit seinen Lava-Feldern und Vulkanen (letzte Ausbrüche: 1730-36), ungeheuer faszinierend. Eine Landschaft, die so unwirklich ist, daß man meint, es sei künstlich oder man wurde auf einem fremden Planeten ausgesetzt. Man kann sich vorstellen, wie das war, als sich in fruchtbaren Ebenen Erdspalten auf taten und Berge sich erhoben, als Lavamassen ganze Dörfer unter sich begruben und die Leute nur ihr Leben und einen Teil der beweglichen Habe retten konnten. Gruselig!

Und wer die TV-Mini-Serie ,,Tim Thaler“ noch kennt: Wir haben auch die Residenz des Teufels besucht: Die ausgebaute Höhle Jameos del Agua. Das war damals in der Serie der Wohnsitz des Satans, des ,,Barons Lefuet“ (Horst Frank). Und seit damals wollte ich Lanzarote mal in Wirklichkeit sehen.

Mit dem Jeep fuhren wir dann auch noch via Schotterpisten (mit mannsgroßen Schlaglöchern) an die Papagayo-Strände. Die sind zwar sehr schön, aber auf dem Weg dorthin dachte ich, mein letztes Stündlein hat geschlagen. Ich wäre kein Typ für eine Jeep-Safari. Diese Knochenschüttler sind nicht mein Geschmack. Bei der Hitze war das zwar das optimale Gefährt, doch was extrem lästig war, war das dauernde Anschnallen, Umschnallen, Abschnallen des ganzen Gepäcks. Im Jeep mußte ja bei jedem Mal Aussteigen alles mitnehmen, man kann ja nix im offenen Auto lassen.

Von dem Weinbaugebiet La Geria schwärme ich immer noch. Es ist schon erstaunlich, was die für einen Zirkus mit ihren Weinreben veranstalten müssen, damit überhaupt was wächst: Trichter in diese schwarzen Vulkanaschen-Kügelchen (wie Hydrokultur) graben und kreisrunde Stein-Mäuerchen drumrum aufschichten, damit die Pflanze vor dem Nordost-Wind geschützt ist. Bewässert wird nichts. Es gibt ja auch auf der ganzen1nseI keinen einzigen Wasserlauf oder See. Nur Meerwasserentsalzungs-Anlagen und Tauwasser, gelegentlich mal Regenwasser. Nachts sammelt sich der Tau in den Mäuerchen und in der vulkanischen Hydrokultur, und tagsüber wird das Wasser dann an die Pflanzen abgegeben. Durch die Hitze in der ersten Woche unseres Urlaubs verdarb leider rund 70% der Weinernte auf der Insel. Die Steine wurden auch nachts ,,trockengefönt“ und konnten tagsüber keine Feuchtigkeit abgeben. Der 94er Wein wird also rar werden. Und teuer.

Wir haben festgestellt, daß es durchaus seine Vorteile hat, eine Besichtigungstour auf eigene Faust zu unternehmen: Man kann sich aussuchen, was man anschaut, wo man bleibt und wo man weiterfährt und wird nicht wie Vieh durch die Sehenswürdigkeiten getrieben. Nachteil: Diejenigen Gäste, die geführte, vom Reiseveranstalter Organisierte Touren mitmachten, wußten mehr als wir. Wir wußten nur das, was in unseren Reiseführern stand.

Alles für die Katz

In der letzten Woche ging plötzlich das Gerücht um, die Hotelkatzen sollten alle eingeschläfert werden. Die Frau aus Hannover und ich sind wie die wilde Jagd zum Hoteldirektor und fragten, was es damit auf sich hat. Nach einigem Hin- und Her gab er dann zu, daß die Katzen (und wilden Hunde ) so alle zwei bis drei Monate durch Gift-Auslegen dezimiert würden. Auf die Idee, sie zu kastrieren, daß sie sich nicht uferlos vermehren, kam niemand. ,,Wenn das so ist“, sagte meine Mitstreiterin, ,,dann nehme ich die kleinste Katze mit nach Deutschland. Dann rette ich wenigstens eine.

Der Direktor versprach uns, bis zu unserer Abreise nichts zu unternehmen, um die Tiere vergiften zu lassen. Die Neuigkeit sprach sich schnell rum, und es hieß auf einmal, eine andere Familie nehme vier Katzen mit nach Hause. Ich kämpfte schwer mit mir. Zu gerne hätte ich einen kleinen schwarzen Kater aus dem Wurf ,,unserer“ Katzenmami mit nach Hause genommen. Einen von denen, die wir gegen Katzenschnupfen behandelt hatten und die wir dadurch ,,persönlich“ kannten. Gerhard hielt sich raus. Schließlich hatte ich mich durchgerungen, den Kleinen hierzulassen. Ich kann nicht alles retten, was da kreucht und fleucht und mir leid tut. Aber als dann am nächsten Morgen die Frau aus Hannover uns beim Katzenfüttern traf und meinte, sie bringe jetzt die Kleinste zum Tierarzt, schnappte ich mir doch ,,meinen“ Kater und sagte, ,,ich geh mit“!

Ich war gerade auf dem Weg zum Strand gewesen, nur in Bikini, Badekleid und Schlappen, ohne Tasche, Geld oder Papiere. Wir stopften die beiden Kätzchen in eine Badetasche und fuhren zur Tierklinik. Von der Reiseleiterin wußten wir, was wir an Formalitäten brauchten: Ein Gesundheitszeugnis der Katze, einen Impfpaß und eine Genehmigung der Fluggesellschaft. Bis das alles im Kasten war, gab’s eine uferlose Telefoniererei und Heckmeck ohne Ende. Ich dachte, ich bin schon verrückt, mir so einen Streß über den Hals zu ziehen. Aber ich hätte es nicht übers Herz gebracht, den anhänglichen kleinen Kerl seinem sicheren Tod auszuliefern. (Der dritte Bruder aus dem Wurf blieb noch bei der Mutter. Für den interessierte sich ein italienisches Paar, unsere Nachfolger als ,,Katzen-doktor“. Und womöglich noch tiernärrischer als wir… Wenn alles geklappt hat, haben sie ihren ,,Piccolino“ jetzt auch schon auf dem Weg in die Heimat.)

Wir kauften noch eigens einen Katzen-Kennel (Transportkäfig), und am Sonntag holten wir unseren ,,Blacky“ und sein Schwesterchen aus der Klinik. Mit sehr eindrucksvollen Papieren versehen ging’s dann nach Deutschland. Black nach Stuttgart und Conchita nach Hannover. Blöderweise gerieten wir auf dem Rückflug in den Fluglotsenstreik der Franzosen und hatten ohne Ende Verspätung, so daß das arme Tierchen fast 15 Stunden lang in seiner Kiste verbringen mußte. Sie ist zwar recht groß für den Winzling, rumlaufen kann er also drin, aber es war doch eine ziemliche Zumutung.

Im Flugzeug hat er eine Stunde lang gebrüllt Ich hab mit ihm gespielt, ihn dann mit meinem Abendessen gefüttert und ihn mittels Dreieckskäse auf der Fingerspitze regelrecht in den Schlaf ,,geschnullert“. Man muß die Biester bei Laune halten fast wie die kleinen Kinder. Durch das Chaos mit den Verspätungen hat sich kein Aas für Blackys eindrucksvolle Papiere interessiert. War der ganze Zirkus also für. die Katz! Wir hätten ihn ebensogut schwarz ausfliegen können. So. Und damit ist auch das Geheimnis unseres Langzeit-Souvenirs gelüftet …

Wieder zu Hause

Dusty und Rocky waren über unsere lange Abwesenheit sowieso nicht besonders entzückt. Rocky ist regelrecht beleidigt, und daß wir ihm den kleinen Kerl da angeschleppt haben, trägt nicht unbedingt zur Verbesserung seiner Laune bei. Ich hoffe, er gewöhnt sich noch daran. Im Moment jagen sie sich noch durch die Bude. Blacky rennt Rocky nach – und Rocky rennt Blacky davon. Und röhrt und knurrt wie ein Nebelhorn. Der Kleine als ,,Trimmgerät“ für unseren Rocky ist gar nicht so verkehrt. Ich glaube, Rocky hat in den 14 Tagen unserer Abwesenheit aus Langeweile gefuttert und ganz nett zugelegt. Das fällt uns jetzt erst so richtig auf, weil wie die dürren Lanzarote-Katzen gewöhnt sind.

Dusty hat ein paarmal geknurrt, und jetzt schnuppern sie und Blacky sich Nase an Nase an, wenn sie sich wo treffen. Ich glaube, sie hat sich schon an den Neuen gewöhnt. Auch wenn sie im Stillen denken mag: ,,Au Backe, schon wieder so ein Depp!“ Der Kleine ist lieb und anhänglich, aber er würde immer noch gerne bei seiner Mama trinken. Ein Fläschchen nimmt er nicht, aber er ,,sucht“ immer nach einer Milchquelle. Gestern hat er fortwährend versucht, bei Gerhard am Hals zu nuckeln. Er hat wohl den Bart für ein Fell gehalten. Nur das kitzelt doch wie die Sau, wenn so ein Pelztierchen einem den Hals abschlabbert. Bei mir hat er versucht, am Ohrläppchen zu saugen. Das kann ich auch nicht haben, weil’s so kitzelt … Da müssen wir uns irgendwas einfallen lassen.

Milch aus dem Schüsselchen scheint er nicht als gleichwertigen Ersatz zu akzeptieren. Er schlabbert sie zwar, aber er knatscht und schreit weiter. Ihm geht’s nicht um die Milch, ihm geht’s ums Nuckeln. Er ist mit seinen 6 Wochen doch noch ein bißchen sehr jung. Aber auch den kriegen wir groß. Ein weiteres ,,Reisemitbringsel“ erweist sich als weniger erfreulich: 5 Maschinen voller Wäsche. Ätzend! Gewaschen ist alles, jetzt geht’s nur noch“ ums Bügeln. Und das ist bekanntlich reine Strafarbeit! Doch was hilft’s? Ich muß die Bügelwäsche ja machen. Also komme ich hier zum Schluß und dann: auf sie mit Gebrüll!

20.07.1994 Edith Nebel