Wahnsinn im Alltag


Bettsoicher
April 28, 2010, 7:18 am
Filed under: Hausfrauen-Poesie | Schlagwörter: , , , ,

Der Name „Löwenzahn“ klingt nach Gefahr,
nach räuberischem Biest, das brüllt und beißt.
Dass das so ist, war mir als Kind nicht klar,
weil dieses Unkraut hier ganz anders heißt.

„Bettnässer“ würde schriftdeutsch heißen,
wie man im Schwabenland zur Pflanze sagt.
Das klingt nicht so, als würd’ ein Raubtier reißen.
Vielmehr ein bisschen weinerlich-verzagt.

Foto: © alfred-1947 (Alfred Steinhoff) http://www.pixelio.de

Autor: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com
     
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Ursula Geier: Der freche Fritz im Vogelhaus – Tiergeschichten

Ursula Geier: Der freche Fritz im Vogelhaus – Tiergeschichten, Norderstedt 2009, BoD Books on Demand GmbH, ISBN 978-3-83914-447-3, Softcover, 136 Seiten, Format 12 x 19 x 0,9 cm, EUR 9,90.

Für alle Leserinnen und Leser, die die Beiträge von Ursula Geier in unserem Tiergeschichten-Blog http://tiergeschichten.wordpress.com schätzen: Ihre Geschichten gibt es auch als Buch! 26 wahre Erlebnisse rund um Hund, Katze, Meerschweinchen, Schildkröten und Vögel hat sie aufgeschrieben und zu einem unterhaltsamen Band zusammengestellt.

Manche der tierischen Helden sind aufmerksamen Lesern dieser Seite schon vertraut: die Katze Steffi oder der schwatzhafte Beo Negro, zum Beispiel. Und Thai-Kater Momo, der zunächst so schreckhaft ist, dass er sich eine ganze Woche lang nicht unter dem Bauernschrank hervortraut. Das mit dem Freigang kapiert er dann erstaunlich schnell, nur auf sein komfortables Katzenklo im Haus will er partout nicht verzichten.

Kater Cimba, der mit Frauchen nach Spanien auswandern muss, ob er will oder nicht, ist für die Tiergeschichten-Blog-Leser ebenfalls ein guter Bekannter. Im Buch erfahren wir unter anderem, was er gemacht hat, ehe er zu Ursula Geier kam: Er hat eine regelrechte Einbrecherkarriere hinter sich!

Außerdem lernen wir Kater Mikesch kennen, der eines Tages einfach beschließt, dass er jetzt im Haushalt der Autorin wohnt. Wir begegnen einem Rammler, der gar keiner ist sowie der Schäferhund-Collie-Mix-Hündin Asta, die der Unterbringung im Hundezwinger so gar nichts abgewinnen kann. Wir treffen die Bernhardinerdame Lady, die zum Entsetzen der Familie ein höchst „anrüchiges“ Hobby hat, und den Titelhelden des Buchs, den Nachbarskater Fritz, der sich ins Vogelhaus versteigt. Und das ist noch lange nicht alles!

Wir erfahren, dass es auch unter den Katzen wahre Rabenmütter gibt – aber auch fürsorgliche Väter und liebevolle Tanten, die sich verschmähter Katzenkinder annehmen. Und wir werden Zeuge von allerhand Turbulenzen, die entstehen, als die Familie auf der Suche nach einem neuen Hund ist. Den geeigneten vierbeinigen Mitbewohner zu finden, ist nämlich gar nicht so einfach! Der Ratten jagende Pepe hat die Zerstörungskraft eines Tornados, die schöne Afghanin Melanie erweist sich als neurotische Eckenpinklerin, und Findelhund Dingo ist gar nicht so heimat- und herrenlos wie er tut. Muss die Familie nun hundelos durchs Leben gehen?

Berührend ist das Schicksal von Hund Pedro, der durch unglückliche Umstände von seinem Herrchen getrennt wird. Doch das Leben nimmt manchmal unvorhersehbare Wendungen. Mysteriös ist die Geschichte des Entenpärches Paul und Paulinchen und auch das Leben von Georgi, dem notorisch falsch pfeifenden Nymphensittich, gibt Rätsel auf.

Wenn die Mutter tierlieb ist, bleibt es nicht aus, dass die Kinder es ihr gleichtun. Sohn Alexander hat eine besonders innige Beziehung zu Kater Mikesch und schleppt sein Meerschweinchen Charly in einem maßgehäkelten „Trage-Strumpf“ mit sich herum. Schon in sehr jungen Jahren setzt der Bub sich in den Kopf, Frösche zu züchten. Noch besser als die Amphibienvermehrung klappt allerdings die Vermehrung bei den Hamstern: Statt zwei Nagern hat er auf einmal über ein Dutzend! Da machen die Landschildkröten, die von seinen großen Schwestern Sabine und Stefanie rührend umsorgt werden, deutlich weniger Ärger.

Lustige, nachdenkliche und traurige Tiergeschichten wechseln einander ab, und in jeder einzelnen spürt man die Liebe der Autorin zur Kreatur.

Wer es, zum Beispiel beruflich, mit der Sprache sehr genau nimmt, wird sicher die eine oder andere Stelle im Buch finden, an der der Eingriff eines Lektors oder Korrektors hilfreich gewesen wäre. Wer jedoch die Geschichtensammlung als das engagierte Hobbyprojekt einer leidenschaftlichen Tierfreundin liest, wird ein Auge zudrücken und die abwechslungsreiche Mischung an „wahren Geschichten mit Herz und Humor“ einfach so genießen.

Die Autorin
„Mit 14 Jahren habe ich meine erste Kurzgeschichte geschrieben. Seitdem nahm die Schreiberei eine zentrale Rolle ein. So veröffentlichte ich im Laufe der Zeit Tiergeschichten in Zeitschriften, verfasste Kolumnen und engagierte mich im Ausland dafür, dass eine deutschsprachige Zeitung herausgebracht wurde. Jetzt, im Alter von 70 Jahren, habe ich endlich die Zeit, mich meinem größten Hobby, der Schreiberei, voll und ganz zu widmen.“

Ursula Geier

Rezensent: Edith Nebel
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Tina Zang: Der Karatehamster taucht ab! (Ab 8)
April 23, 2010, 8:35 am
Filed under: Bücher

Tina Zang: Der Karatehamster taucht ab! Ab 8 Jahren, 6. Band der Karatehamster-Reihe, München 2010. Ars-Edition GmbH, ISBN 978-3-7607-4493-3, Hardcover mit Plüscheinsatz, 151 Seiten, Titelbild und Illustrationen: Claudia Fries, Format: 15,4 x 21,2 x 2,2 cm, EUR 8,95 (D), EUR 9,20 (A).

Karatehamster Neo und seine Artgenossen Chan und Lee leben bei der deutsch-japanischen Patchworkfamilie Yusumi-Putz und gehören der Tochter des Hauses, Kira. Es sind ganz besondere Hamster. Nicht nur, weil sich die drei einzelgängerischen Tiere notgedrungen zu einem Team zusammengerauft haben, das seinen Menschen beim Lösen kriminalistischer Rätsel hilft, sondern auch, weil sie sehr unterschiedliche Persönlichkeiten sind.

Neo ist sportlich und immer auf Abenteuer aus, Chan ist liebenswert, verfressen und ein bisschen trottelig. Lee ist ein sensibler Besserwisser und immer bereit, einem neuen Trend zu folgen, sich eine interessante Krankheit einzubilden oder einen hysterischen Kreischanfall zu bekommen.

Ihr Wissen über die Welt haben sie von ihrer Menschen-Familie und aus dem Fernsehen. Und sie tun einiges, was man Hamstern nicht unbedingt zutrauen würde. So haben sie z.B. bei früheren Abenteuern „den Sinn des Lebens gesucht“ oder probiert, „neuen Rollenbildern zu folgen“, was zu tierisch komischen Verwicklungen führte. In Band 6 nun kommen die drei Hamster mit der schillernden Welt der Esoterik in Berührung. Zum Glück lässt ihnen die Begeisterung für dieses Thema noch genügend Zeit, mit ihren Menschen auf Ganovenjagd zu gehen sowie Freundschaften und Feindschaften zu pflegen.

Vincent ist ein Urlaubsgast,
der den Hamstern gar nicht passt.
Ach, wie werden sie denn bloß
diesen Zotteltrottel los?

Ausgerechnet Familie Stiefelschmitts verwöhnten und eingebildeten Teddyhamster Vincent nimmt Kira als Pflegetier auf. Für eine ganze Woche! Neo verfällt in Schockstarre. Er kann den großmäuligen Plüschdödel am allerwenigsten leiden. Zu allem Übel ist der Kerl auch noch aus gutem Haus und man muss sich in seiner Gegenwart gewählt ausdrücken. Statt „pinkeln“ muss man nun „sich erleichtern“ sagen. Das Hamstertrio ist stinksauer.

Doch viel Zeit bleibt ihnen nicht, sich mit dem ungebetenen Gast in die Wolle zu kriegen. Andere Ereignisse verlangen ihre Aufmerksamkeit: Beim Herumspielen mit einem Teleskop, das Kiras Kumpel Jan mitgebracht hat, entdecken Neo und Kira eine vermummte Gestalt, die sich in verdächtiger Weise in einem Gebüsch zu schaffen macht.

Und dann bricht auch noch Fiffi, der Dackel einer alten Dame, unter dramatischen Umständen beim Gassigehen zusammen. Ausgerechnet jetzt ist Jans Vater, der Tierarzt, nicht zu erreichen! Da fällt Kira die Geistheilerin Fenja Lisander ein, die neu in der Stadt ist. Die Kinder rufen sie an, und tatsächlich kommt sie ins Haus und hilft dem gelähmten Dackel mit heilenden Händen und einem geheimnisvollen japanischen Wunderwasser wieder auf die Beine.

Fenja nennt sich Heilerin,
kriegt kranke Tiere wieder hin.
Ihr „Fuji-Wasser“ sei sehr stark,
sagt sie. Jan hält das für Quark.

Jan, der Tierarztsohn, ist skeptisch. Von dem Wunderheiler-Getue der seltsam gekleideten Fenja hält er gar nichts. Die Hamster dagegen sind von dem Hokuspokus, den die Dame veranstaltet, hingerissen. Lee sieht sich schon selber als Geistheiler und übt fleißig, was er bei ihr gesehen hat, sogar das Pendeln. Jedenfalls so lange, bis Chan das Pendel frisst.

Gegen das Leiden des wuscheligen Vincent hilft Lees Geistheiler-Gehampel leider nicht. Der eitle Teddyhamster hatte einen Zusammenstoß mit einer Kaugummiblase und schaut nun, da Kira ihm die klebrige Masse aus dem Fell geschnitten hat, wie ein geplatztes Sofakissen aus. Was wird nur Frau Stiefelschmitt sagen, wenn sie ihren Liebling in ein paar Tagen wieder abholt?

Kira beschließt, für den gerupften Urlaubsgast etwas von dem heilkräftigen japanischen Fuji-Wasser zu kaufen, das die Geistheilerin vertreibt. Als das Mädchen im Verlauf des Gesprächs zu erkennen gibt, dass es japanisch versteht, wird die Heilerin plötzlich nervös. Hat Kumpel Jan doch Recht mit seinem Verdacht? Stimmt etwas nicht mit der Dame? Kira forscht nach …

Auch Jan ist kriminalistisch tätig. Ihn beschäftigt die mysteriöse Tiergrippe, die derzeit Hunde und Katzen aus heiterem Himmel gelähmt umfallen lässt. Dackel Fiffi war nämlich kein Einzelfall. Jans Vater, der Tierarzt, hat eine Vermutung. Die finstere Gestalt, die Neo und Kira vor kurzem durchs Teleskop beobachtet haben, würde da wunderbar ins Bild passen …

Jan und Kira sind verkracht,
was die Sache schwierig macht.
Wenn sie Fälle lösen wollen,
sollten sie nicht ständig schmollen.

Wenn Kira und Jan nun die Ergebnisse ihrer Nachforschungen austauschen würden, wären sie bei ihren Ermittlungen einen großen Schritt weiter. Aber sie sind derzeit zerstritten, sehr zum Kummer der drei Hamster. Werden die Freunde trotzdem hinter das Geheimnis von Fenja Lisander kommen? Wird sich aufklären lassen, was hinter der mysteriösen Haustier-Grippe steckt? Können sie dem maskierten nächtlichen Schleicher das Handwerk legen? Und, vor allem: Werden sich Kira und Jan wieder versöhnen? Erst als Karatehamster Neo einen todesmutigen Sprung in einen „Wasserfall“ wagt, kommt Bewegung in die Sache …

Auch der sechste Band der Karatehamsterreihe bietet wieder phantasievolle und hinreißend komische Unterhaltung (nicht nur für Kinder). Gleichzeitig erfährt der Leser etwas über den Wert der Freundschaft, über Eifersucht, Streit und Versöhnung … und dass man jemandem, der einmal einen schweren Fehler begangen hat, auch verzeihen kann. Dass es allen Beteiligten viel Kummer und Ärger erspart, wenn man miteinander redet statt zu schmollen, kann man am Beispiel dieser Geschichte ebenfalls sehr schön sehen. All diese Botschaften kommen nicht mit dem Holzhammer daher, sondern sind geschickt in eine überaus witzige und spannende Handlung verpackt.

Schade, dass diese gelungene Reihe mit Band 6 nun abgeschlossen ist. Die kleinen und großen Fans von Neo und seinen Freunden werden die einfallsreichen Hamster-Abenteuer mit Sicherheit vermissen – was für eine Serie ein schönes Kompliment ist.

Die Autorin
Tina Zang wurde 1960 in Backnang (bei Stuttgart) geboren. In Heidelberg studierte sie Physik und Sprachen, arbeitete für ein Übersetzungsbüro und machte sich schließlich als Autorin selbständig. Sie lebt mit ihrer Familie auf dem Land und schaut beim Schreiben ins Grüne. Unter dem Namen Christine Spindler schreibt sie Krimis für Erwachsene, die zum Teil in den USA erscheinen.

Die Illustratorin
Claudia Fries lebt und arbeitet als Illustratorin und Hundetrainerin im Hunsrück. Im Rahmen Ihrer Tätigkeit als freie Illustratorin und Graphikerin ist sie für verschiedene Verlage und Agenturen tätig. Ihre zauberhaften und unverwechselbaren Zeichnungen sind ein fester Bestandteil der Karate-Hamster-Reihe.

Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com
     
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Wenn früh um sechs das Chaos tobt …
April 21, 2010, 8:00 am
Filed under: Wahnsinn im Alltag | Schlagwörter: , , , , , , , , ,

Werktags stehe ich um 4:50 Uhr auf und werkle dann die nächsten zwei Stunden – bis ich an meinem Arbeitsplatz bin und Kopierer, Jalousien und Computer hochgefahren habe – sozusagen im „Autopilot-Modus“. Jeder Handgriff sitzt und kommt so gut wie nicht am Großhirn vorbei. Tee kochen, Haustiere versorgen, mich fürs Büro fertig machen, Tageszeitung aus dem Briefkasten fummeln und in die Stadtbahn steigen, das geht automatisch und klappt auf die Minute. Um 6:19 Uhr sitze ich im Zug und um 6:51 Uhr am Arbeitsplatz.

Ätzend ist allerdings, wenn irgendwas passiert, das mich aus meiner frühmorgendlichen Routine reißt und mich zwingt, vor der Zeit das Hirn einzuschalten. Das geht gern schief. So wie heute.

Heut früh nämlich steht der Mann kurz nach mir auf – was er sonst nicht tut –, redet mit den Katzen, pöttert in der Küche herum und ruft mir ins Badezimmer zu: „Sag mal, hast du eine Ahnung, wo unser Busfahrplan ist?“

Hab ich. Jedenfalls so der Spur nach. Glaube ich wenigstens. Hat’s einen Sinn, wenn ihm sage, er solle im Büro im linken Regal oberhalb von den Romanen von Marion Zimmer Bradley gucken? Nee, vermutlich nicht. „Moment. Lass mich erst Zähne putzen, dann such ich das Ding.“

Fahrpläne suchen ist in meinem morgendlichen Zeitplan eigentlich nicht drin. Und dass er heut in die Stadt will, weiß er seit zwei Wochen. Grrrr!

Als ich in unser Büro komme, ist der Rechner an. „Hab ich den vergessen auszumachen?“, frag ich erstaunt. Er: „Nein, ich will die Fotos von den Geburtstagsfeiern brennen.“

Jetzt. Auweh. Ich ziehe den Fahrplan aus dem Regal … oberhalb der Romane von Marion Zimmer Bradley … und lege ihn auf den Küchentisch. Nicht ohne mein Tun laut und deutlich zu kommentieren, sonst sucht er nachher wieder.

Dauert nicht lang, tönt ein Urschrei: „Warum kopiert’s den Scheiß nicht?“ Ich brülle einen Mac-Befehl aus der Küche, mit dem der Mann am Windows-Rechner nicht so rasend viel anfangen kann. Aber er ahnt was ich meine. Und nach einigem Gefluche und Gemaule scheint die Kiste die CDs wirklich zu brennen.

„Sag mal, haben wir irgendwo die E-Mail-Adresse von meinem Vetter?“, ruft’s aus dem Büro.

Das soll ich wissen?

„Keine Ahnung! Brenn ihm doch auch eine CD, auch wenn sich’s für die paar Bilder eigentlich nicht lohnt. Wenn du weißt, wo sein Haus wohnt, kannste ja mit dem Rad schnell vorbeifahren und ihm das Ding in den Briefkasten schmeißen. Die CDs für meine Vettern nehme ich am Samstag zu meinem Vater mit.“

Nee, für zickige CD-Brennprogramme, vetterliche E-Mail-Adressen und die Distribution diverser Foto-CDs hab ich morgens um 6 keine Zeit. Und keinen Kopf.

Jetzt ist’s auch schon reichlich spät geworden. „Tschüss, meine Herren“, sag ich zu Mann und Katern und sause aus dem Haus. Und hoffe, dass wenigstens im Büro morgens um sieben die Welt noch in Ordnung ist, was gern auch bis neune so bleiben kann. Danach vertut sich’s eh meist schlagartig, weil meine Kollegen eintrudeln, der Betrieb brummt und alle möglichen Leute was von mir wollen. Das ist auch in Ordnung so, denn das ist mein Job.

Aber morgens zwischen fünf und sieben hätte ich bitte gern meine Ruhe.

Uhr-sechs

Foto: Edith Nebel



Deadly Virus ;-)
April 20, 2010, 3:12 pm
Filed under: Wahnsinn im Alltag

Diesen netten Unfug hat mir eine Kollegin geschickt. Wir ham’s ja sonst gar nicht mit den Kettenbriefen und dem ganzen Gedöns, aber dem hier konnten wir nicht widerstehen. Ist halt doch was Wahres dran:

Foto: © knipseline / http://www.pixelio.de

There is a dangerous virus being passed around electronically, orally, and by hand. This virus is called Worm-Overload-Recreational-Killer (WORK).

If you receive WORK from any of your colleagues, your boss, or anyone else via any means DO NOT TOUCH IT. This virus will wipe out your private life completely.

If you should come into contact with WORK put your jacket on and take two good friends to the nearest grocery store. Purchase the antidote known as Work-Isolating-Neutralizer-Extract (WINE) or Bothersome-Employer-Elimination-Rebooter (BEER). Take the antidote repeatedly until WORK has been completely eliminated from your system.

You should forward this warning to 5 friends. If you do not have 5 friends, you have already been infected and WORK is controlling your life.



Kinder, wie die Zeit vergeht!
April 18, 2010, 7:04 pm
Filed under: Wahnsinn im Alltag

Am Karfreitag waren die Kastanienbäume in der Allee im Scharnhauser Park noch recht kahl. Jetzt sind sie schon beblättert.

Und solche Blütenträume kann man auf dem Wochenend-Spaziergang auch wieder bewundern.

Ist das nicht toll? Endlich Frühling mit schönem Wetter – und nicht nur dann, wenn wir im Büro sitzen, sondern auch mal an einem Sonntag. Das war der erste Sonntag in diesem Jahr, an dem ich auf dem Balkon sitzen und lesen konnte. Meine Lektüre, die ich sogar mit auf den Spaziergang genommen habe, weil sie gar so spannend war: Arno Strobels Thriller DER TRAKT. Im Park hab ich mich dann auf eine Bank gesetzt weitergelesen. Ich werde in Kürze berichten!

Eine Familienfeier war am Wochenende. Eine meiner Tanten wurde 80. Manche Verwandten waren leider aufgrund der derzeitigen Flughafensperrungen verhindert. Die Sektion Berlin blieb zu Hause, die Sektion Mozambique strandete schon in Johannesburg und ist jetzt vermutlich wieder nach Hause zurückgekehrt. Was machen wir, wenn das noch Wochen, Monate oder Jahre so weitergeht mit dieser Vulkanwolke? Hat sich’s dann ausgeflogen? Hm … das hieße, ich muss im Juli auf keinen Workshop. Aber den Urlaub in Kroatien könnten wir dann auch knicken.

Ungewohnt philosophisch gab sich auf dem Fest eine für ihr überschäumendes Temperament bekannte Tante. „Weißt du“, sagte sie, „im Alter wird man doch etwas gelassener. Wir schreien nicht mehr so viel. Man sagt sich halt, wer weiß, wie lange wir einander noch haben. Ich werde 80, mein Mann 81 … ist das zu fassen?“ Nein, eigentlich nicht. Sie kommen mir nicht vor wie ein Paar in den Achtzigern, so fit, rege und reiselustig wie sie sind. Trotzdem ist es so. Ja, Leut’, die Zeit vergeht. Werden/sind ja meine bessere Hälfte und ich schon 50!

Die Cousinen hatten die Tische liebevoll dekoriert und einen Wahnsinnsaufwand betrieben mit Servietten, Murmeln und gläsernen Tischkarten. Mir hat’s sehr gut gefallen.

Die Zeiten, als die Familie bis in tiefe Nacht hinein gefeiert und gesungen hat, sind wohl auch vorbei. Als die jüngeren Verwandten ihre übermüdeten Kinder nach Hause brachten, brach auch die ältere Generation auf, und ab 22 Uhr begann sich die Versammlung aufzulösen.

Neue Katzenporträts gibt’s auch wieder. Indie schaut mit großen Augen in die Kamera und Yannick legt sich freiwillig in den Transportkennel. Aber nur, solange das Türchen vorne offen bleibt! Wenn man das nur scharf anschaut, flitzt er.

Und weil ich weiß, dass das manche interessiert: Das Indie-Porträt hat Gerhard gemacht, die anderen Fotos sind von mir.



Charlaine Harris: Ein eiskaltes Grab – Roman
April 13, 2010, 8:28 am
Filed under: Bücher

Charlaine Harris: Ein eiskaltes Grab – Roman, OT: An Ice Cold Grave, Deutsch von Christiane Burkhardt, München 2010, dtv Deutscher Taschenbuch Verlag, ISBN 978-3-423-21196-3, 300 Seiten, Format: 12 x 19 x 1,7 cm, EUR 8,95 (D), EUR 9,20 (A)

Harper Conelly, 23, ist wieder mit ihrem Stiefbruder und Manager Tolliver Lang geschäftlich unterwegs. Seit sie als Teenager vom Blitz getroffen wurde, kann sie Leichen aufspüren und in den allermeisten Fällen auch die Todesursache benennen. Daraus haben die beiden Stiefgeschwister einen Beruf gemacht.

Dieses Mal ist es ein „Polizeijob“, der sie anreisen lässt. Sandra Rockwell, der neue Sheriff von Doraville, North Carolina, hat die beiden gerufen, wenn auch nicht aus innerer Überzeugung, sondern mehr aus Gründen des Erfolgsdrucks. “In den letzten fünf Jahren sind in diesem Bezirk immer wieder Jungen verschwunden“, erklärt sie den beiden. „Wenn ich ‚Jungen’ sage, meine ich Jungen zwischen vierzehn und achtzehn“. (S. 18) Keiner von ihnen hatte Grund zum Weglaufen, und wenn sie verunglückt wären, hätte man inzwischen die eine oder andere Leiche finden müssen. Für Sheriff Rockwell liegt es auf der Hand, dass die Jungs einem Serienmörder zum Opfer gefallen sind und irgendwo verscharrt wurden.

Twyla Cotton, die Großmutter eines der verschwundenen Jungen, finanziert diesen Einsatz des übersinnlichen Bergungsunternehmens. Mit ihr fahren Harper und Tolliver die Gegend ab. Auf dem verlassenen Grundstück, auf dem das Handy von Twylas Enkel gefunden wurde, spürt Harper die Signale gleich mehrerer Toter. Acht Jungs liegen hier, und alle wurden gefoltert und zum Sterben liegen gelassen. Die Polizei lässt die Leichen ausgraben und kann Harpers Aussagen samt und sonders bestätigen.

Wenn es nach den beiden Stiefgeschwistern ginge, würden sie nun ihr Honorar kassieren, und schnellstmöglich verschwinden. Aber das klappt selten. Normalerweise ist es die Polizei, die Harper und Tolliver an der Abreise hindert, weil sie die Gabe der jungen Frau für Täterwissen hält. Aber hier leuchtet selbst dem Dorfsheriff und dem State Bureau of Investigation ein, dass die beiden ortsfremden Dienstleister nichts mit einer seit Jahren andauernden Mordserie zu tun haben können. Der Täter muss ein Einheimischer sein.

Dieses Mal ist es der Mörder selbst, der Harpers und Tollivers schnelle Abreise vereitelt. Als Harper ihr Gepäck ins Auto bringt, wird sie hinterrücks angegriffen und krankenhausreif geschlagen. Damit hat der Täter ein sauberes Eigentor geschossen. Denn jetzt haben die beiden nicht nur ein persönliches Interesse an der Lösung des Falls, sondern auch hinreichend Zeit und Gelegenheit, sich damit zu befassen. Und sie bekommen sogar noch Verstärkung: Xylda Bernardo und ihr Enkel Manfred haben erfahren, dass ihre Freunde Connelly und Lang in Schwierigkeiten sind und reisen an um ihnen zu helfen. Die Bernardos sind als Hellseher unterwegs. Wo ihre übersinnlichen Fähigkeiten nicht ausreichen, füllen sie die Lücken großzügig mit Phantasie und Betrügereien.

Bei der Suche nach weiteren Leichen begegnen sie dem 13-jährigen Chuck. Harper und den Bernardos gruselt es vor dem Jungen, der offensichtlich schwerwiegende psychische Probleme hat. Und nicht nur das: Er scheint etwas über den Serienmörder zu wissen …

Die übersinnliche Krimihandlung ist nur ein Aspekt der Serie. Der andere ist die Beziehung der Personen untereinander. Die Harper und Tolliver sind mit einer Handvoll weiterer Stief- und Halbgeschwister in katastrophalen Verhältnissen aufgewachsen – im Wohnwagen mit drogensüchtigen und kriminellen Eltern, die zwischen Rausch und Knast hin- und herpendelten und zuließen, dass ihre Kinder verwahrlosten. Wahrscheinlich haben sie das nicht einmal bemerkt. Einigen Andeutungen kann man entnehmen, dass auch sexueller Missbrauch im Spiel war. Wären die Kinder nicht so früh erwachsen geworden, hätten sie diese desolaten Zustände vermutlich gar nicht überlebt.

Solche „wir-gegen-den-Rest-der-Welt“-Erlebnisse schweißen zusammen. Doch seit Harper und Tolliver gemeinsam durch die Lande ziehen, hat sich ihre Beziehung verändert. Aus geschwisterlicher Zuneigung ist Liebe und Begehren geworden, doch keiner von beiden wagt es, das vor sich selbst oder gar vor dem anderen zuzugeben. Zu groß ist die Angst, die vertrauensvolle freundschaftliche Beziehung zu zerstören – und sich damit auch noch die berufliche Existenz zu ruinieren.

Tolliver ist eifersüchtig auf Manfred Bernardo, den punkigen Schmalspur-Hellseher, der Harper nach allen Regeln der Kunst umwirbt. Ihm ist klar: Wenn aus den beiden ein Paar wird, ist er als Harpers Vertrauter Manager überflüssig. Als er auf Manfreds Auftauchen in Doraville stark überreagiert, wird Harper hellhörig. Das ist mehr als brüderliches Gezicke! Sollte Tolliver am Ende genauso empfinden wie sie? Schließlich hatte Xylda ihr prophezeit, sie würde „in der Eiszeit glücklich werden“. Und, bei Gott, eiszeitlich kalt ist es derzeit in North Carolina!

Und noch etwas hat Xylda in ihrer kryptischen Art vorausgesagt: „Du wirst auf alle deine Fragen eine Antwort bekommen“ und „Du wirst Cameron finden“. (S. 140). Cameron ist Harpers ältere Schwester, die vor acht Jahren spurlos verschwunden ist. Nur ihren Rucksack hat die Polizei gefunden. Das ungelöste Rätsel um Camerons Schicksal belastet seither die Familie. Ob sie die Schwester lebend oder tot finden würde, darüber weiß Xylda allerdings nichts. Es ist immerhin denkbar, dass Cameron die Nase voll gehabt hat von den chaotischen Familienverhältnissen und einfach nicht mehr nach Hause zurückgekehrt ist. In irgendeinem der Folgebände der Reihe wird das Geheimnis hoffentlich gelüftet werden.

Durch die Liebesbeziehung ist ein neuer Aspekt in die düstere Krimi-Atmosphäre gekommen. Nicht nur die Erotik … wobei man darüber streiten kann, ob man als LeserIn immer alles so genau wissen will. Aber nun gibt es plötzlich einen Hauch von Hoffnung, dass Harper und Tolliver eines Tages tatsächlich zu dem ruhigen, spießigen Leben in einem Vorstadthäuschen kommen könnten, von dem sie oft reden und träumen. Bislang konnte man sich nie so recht vorstellen, wie das aussehen soll. Bruder und Schwester mit jeweiligem Partner unter einem Dach? Schwierig … Und man sah die beiden im Geist schon bis ans Ende Ihrer Tage ruhelos über Land reisen.

Bis es so weit ist und sich die zwei sich vielleicht wirklich ins bürgerliche Leben zurückziehen, sollen sie ruhig noch ein paar düster-übersinnliche Kriminalfälle lösen. Sie machen das sehr spannend und unterhaltsam. Und was aus der einen oder anderen Nebenfigur wurde oder wird, möchten wir bitte auch noch geklärt haben. Ohne dass der Verbleib von Cameron enthüllt wird, sollten die beiden möglichst nicht in ein idyllisches Vorstadtleben entschwinden!

Die Autorin
Charlaine Harris lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern. Ihre Romane wurden u. a. mit dem begehrten Anthony Award und dem Grand Prix Les Romantiques für die beste Heldin ausgezeichnet sowie für den Agatha Award und den Compton Crook Award nominiert.

Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com
     
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