Wahnsinn im Alltag


Ein Never-Come-Back-Ticket …
Mai 29, 2007, 3:03 pm
Filed under: Wahnsinn im Alltag

Ein Never-Come-Back-Ticket …

… hatte ich mir am Wochenende zugelegt. Sprich: einen Lottoschein abgegeben. Zusätzlich zu dem, den ich Woche für Woche mit meinen Kollegen zusammen ausfülle.

Eine Verzweiflungstat. Ich liebe zwar meinen Job, aber ich halte ihn einfach nicht mehr aus. Die Arbeit wird stetig mehr, das Personal weniger, und die Zeit, die man für den Auftrag zur Verfügung hat, wird auch immer knapper. Noch ehe wir überhaupt mit einem Job angefangen haben, sind wir schon mehrere Wochen zu spät dran. Mit noch so viel Hektik und noch so vielen (unbezahlten) Überstunden ist das nicht mehr in den Griff zu kriegen.

Irgendwie hecheln wir ständig mit hängender Zunge unseren Terminen hinterher. Ich hab nachts schon Alpträume von dem geballten Wahnsinn. Und nicht nur ich …

Man müsste vielleicht mal einen Job an die Wand fahren lassen, damit sich endlich an dem Missverhältnis des Arbeitsaufkommens zur personellen Ausstattung etwas zum Vorteil verändert. Irgendwann muss doch einer mal merken, dass das so nicht mehr geht. Wenn sie es schon nicht sehen wollen , wenn man es ihnen vorrechnet.

Termine platzen zu lassen traut sich aber niemand, weil die Konsequenz vermutlich Hartz IV lauten würde – für die Verantwortlichen, die ihren Job nicht rechtzeitig gebacken bekamen. Und noch mehr Arbeit für die, die übrig bleiben. Und so rödelt man und rödelt und rödelt, wird alt und grau darüber und erlangt eine gewisse Vorstellung davon, wie sich der arme alte Sisyphos gefühlt haben muss.

Das Deprimierende daran ist: Was wir auch tun – es wird sich an der Situation nichts ändern. Jedenfalls nicht zum Guten. Verzögerungen, Mehrkosten und Qualitätseinbußen sind für ein Unternehmen wahrscheinlich immer noch günstiger und erstrebenswerter als das Einstellen von angemessen viel Personal. Hab ich schon erwähnt, dass sich die Personalstärke in der Zeit in den letzten Jahren halbiert hat, während sich die Anzahl der zu betreuenden Produktbereiche verdoppelte? Ist also nicht so, dass wir personellen Luxus haben wollten …

Nachvollziehen kann ich ja, wie das läuft und warum sich personell nix tut. Sparen, sparen, sparen! Aber seit Jahren mittendrin zu stecken, ist weniger lustig. Seit den frühen 90-er Jahren des vorigen Jahrhunderts 😉 erzählt man uns, ja, Leute, jetzt isses zwar stressig, aber da ist Licht am Ende des Tunnels. – Ah ja? Bisher waren das immer nur die Scheinwerfer des entgegenkommenden Zugs …

„Lächle, denn es könnte schlimmer kommen“, sagt immer ein Freund der Familie. Ich lächelte – und es kam schlimmer.

Wird die Hektik weiterhin exponentiell ansteigen? Ich wage mir gar nicht vorzustellen, was da noch alles auf uns zukommt. Immerhin hab ich noch 20 Jahre bis zur Rente. Wenn ich es mit 46 schon fast nicht mehr aushalte, wie wird das dann erst mit 66 sein?

Natürlich war’s wieder nix mit dem Lottogewinn, war ja klar. Also werde ich mich weiterhin durchwursteln bis zu dem Tag, an dem sie mich entweder rausschmeißen oder ich selber sagen kann: „Sorry – aber ich gehe jetzt. Ich bin zu alt für den Zirkus hier.“

Wisst ihr, was ich mich manchmal frage? Ist das eigentlich alles nur das gedankenlose Verheizen menschlicher Ressourcen? Oder steckt mehr dahinter? Kostengünstiger Personalabbau durch Kaputtspielen, Krankmachen und Rausmobben? Oder tut man den Oberen zuviel der Ehre an, wenn man ihnen solche vorausschauenden Maßnahmen unterstellt? Stecken sie einfach so tief in den Sachzwängen drin, dass sie nicht anders können? Oder sind wir Fußsoldaten ihnen schlankweg wurscht?

Und ihr Freunde da draußen, die ihr derzeit keinen Job habt: Es wird euch leider nix nützen, wenn ich meinen hinschmeiße. Auch ich werde nicht ersetzt werden. Die Arbeit wird sich im Ernstfall auf die restlichen traurigen Hinterbliebenen verteilen. Die dürfen dann die nächste Strophe des Klagelieds singen.

Und der letzte löscht das Licht. So schaut’s aus. In vielen anderen Betrieben auch. Jede Wette!



Andrea Röttgen, Doris Minuth: EMMELY UND JEANY – Wenn Hunde online gehen
Mai 25, 2007, 8:28 am
Filed under: Bücher

Andrea Röttgen, Doris Minuth: EMMELY UND JEANY – Wenn Hunde online gehen, Leipzig 2007, Engelsdorfer Verlag, 978-3-86703-334-3, 78 Seiten, mit zahlreichen schwarz-weiß-Fotos flexibler Einband 12 x 19 x 0,6 cm, EUR 7,60

Worüber unterhalten sich wohl zwei Hundebesitzer? Genau: über ihre Hunde. Doch worüber würden sich die Hunde unterhalten? Klatschen sie vielleicht über ihre Menschen? Reden sie vom Wetter und vom Essen, schwärmen sie von ihren Hobbys und lästern über Freunde und Verwandte … so wie wir Zweibeiner auch?

Genau diese Frage haben sich die Autorinnen Andrea Röttgen und Doris Minuth gestellt – und ließen ihre beiden Malteser-Hündinnen Emmely und Jeany in einen regen E-Mail-Austausch treten.

Über ein halbes Jahr hinweg können wir verfolgen, was die beiden Hundemädchen sich so zu erzählen haben. Sie kennen einander nicht persönlich, sondern haben sich – wie viele Menschen heute auch – über das Internet kennengelernt.

Emmely lebt bei Familie Röttgen in Magdeburg. Eine schicke, zarte und etwas ängstliche Hundedame aus der Stadt. Doris Minuths Jeany ist da schon etwas robuster. Ein temperamentvolles Landkind aus Norddeutschland, das schon mal ausgewachsene Schäferhunde verbellt und noch nie im Leben beim Hundefriseur war.

Und siehe da, so sehr unterscheiden sich die Lieblingsthemen von Mensch und Hund gar nicht! Emmely hat ein bisschen Kummer, weil sie sich an eine Veränderung gewöhnen muss: Frauchen ist jetzt wieder außer Haus berufstätig, und die Hundedame muss tagsüber von Oma betreut werden. Warum die Menschen so ein Buhei ums liebe Geld machen, ist Emmely allerdings rätselhaft, wo es doch weder zum Spielen noch zum Fressen taugt.

Eine Situation, die ihrer Hundefreundin Jeany bekannt vorkommt. Ihr Frauchen ist künstlerisch tätig und mit ihren Werken öfter mal auf Ausstellungen unterwegs. Dann heißt es auch für Jeany gelegentlich: Urlaub bei Freunden. Auch wenn die Betreuungspersonen noch so lieb sind – die eigenen Menschen sind doch die besten. Darin sind sich die beiden einig.

Meine Eingangsthese hat sich also bestätigt: Hunde tratschen über ihre Menschen! Sie unterhalten sich aber auch über ihre Freizeiterlebnisse. Beide lieben es, im Schnee herumzutoben … und darin dank ihres weißen Fells fast unsichtbar zu sein. Nur die dunkle Nase, die verrät sie. Jeany planscht und schwimmt auch gern – eine Freizeitaktivität, der Emmely überhaupt nichts abgewinnen kann. Und während Jeany es genießt, bei Veranstaltungen im Mittelpunkt zu stehen und von allen bewundert und gekrault zu werden, ist für Emmely die Vorstellung, von fremden Menschen angefasst zu werden, beängstigend und widerwärtig. Sie sind eben grundverschieden, die beiden weißen Hundedamen.

Jeany geht gern mit ihrer Familie wandern. Und wenn die Strecke zu anstrengend wird, reist sie in Herrchens Rucksack weiter. Emmely staunt. Und könnte es vielleicht gar nicht glauben, hätte Jeany nicht ein Foto des „Hunderucksacks“ beigefügt. Dafür war Emmely schon im Zoo. In Magdeburg geht das. Im Zoo war Jeany noch nie. Tiere gibt es auf dem Land ja auch genug. Kröten sind zwar weniger ihr Fall, aber sie liebt es, im Teich Fische zu beobachten – und liest mit Verwunderung, dass Emmely, die Städterin, Fische nur als Hundefutterzusatz kennt.

Wer hätte gedacht, dass Hunde sich auch Gedanken über ferne Länder machen? Das Gerücht, in Japan würde man Hunde essen, sorgt für einige Aufregung.

Was wären Frauengespräche ohne den Erfahrungsaustausch über Krankheiten und Ärzte – und ohne Styling-Tipps? Emmely schwärmt von ihrem praktischen Sommer-Kurzhaarschnitt. Jeany findet das Foto zwar sehr inspirierend, zögert aber noch. Schließlich hat sie noch nie ein Friseurstudio von innen gesehen. Ob sie sich doch noch entschließen kann …?

So gehen die E-Mails kurzweilig hin und her. Emmely erzählt lieb und treuherzig, Jeany witzig und bildhaft. Und es ist erstaunlich, wie deutlich die unterschiedlichen Charaktere und Lebensumstände der beiden Hundedamen anhand dieser kurzen Nachrichten werden. Was sicher auch der Tatsache geschuldet ist, dass hier ein Autorinnen-Team am Werk war und jede Autorin „ihren“ Hundecharakter herausarbeiten konnte.

Es hätte mich gefreut, wenn der schriftliche Austausch von Emmely und Jeany einen krönenden Abschluss in einem persönlichen Treffen gefunden hätte, aber das Buch orientiert sich eben an der Realität, und da liegen zwischen Emmely und Jeany nun mal rund 300 Kilometer. Nun, vielleicht klappt es ja doch noch, und die beiden finden ein andermal Gelegenheit, uns von dieser Begegnung zu berichten.

Sollten die beiden Hundedamen mit Ihrem E-Mail-Buch so richtig berühmt werden, ist übrigens vorgesorgt: Jeany gibt es bereits als Plüschtier: http://www.domi-baer.de Möglicherweise fertigt Doris Minuth ja auch noch Plüsch-Emmelys … vielleicht mit pflegeleichtem Kurzhaarschnitt …?



Ute Maria Seemann: ANHALTEN! FETTHAARKONTROLLE! – Die blonden und die violett getönten Jahre der Ute S. aus D.
Mai 21, 2007, 12:55 pm
Filed under: Bücher

Ute Maria Seemann: ANHALTEN! FETTHAARKONTROLLE! – Die blonden und die violett getönten Jahre der Ute S. aus D. Willebadessen 2006, Zwiebelzwerg-Verlag, ISBN: 978-3-938368-24-4, 100 Seiten, flexibler Einband, Titelbild und Illustrationen von Andrea Halm, Format 14,5 x 20,3 x 0,8 cm, EUR 9,50

Was macht man, um am Wahnsinn des Alltags nicht zu verzweifeln? Um nicht die Vollmeise zu kriegen beim Erwachsenwerden, im Beziehungsdschungel und im Kreise der Familie? Ute Maria Seemann hat die wichtigsten Momente stets schriftlich verarbeitet, in Gedichten und in Prosatexten, auf Hochdeutsch und auf Schwäbisch.

Im Lauf der Jahre und Jahrzehnte ist diese Sammlung an persönlichen Erinnerungen stetig gewachsen, und irgendwann einmal war der Wunsch da, eine Auswahl dieser Texte als Buch herauszubringen.

Was lange gärt, wird endlich Buch. Von der ersten Materialsichtung und Manuskriptbearbeitung bis zum Druck vergingen noch einmal rund 15 Jahre. Die Autorin nahm für dieses Projekt noch die Künstlerin Andrea Halm mit ins Boot, die die Texte mit herrlich spitzer Feder illustrierte. Nun liegt das Werk vor.

GEDICHTE enthält es, so vielseitig wie das Leben selbst. Mit Tiefgang und mit Augenzwinkern. Hier zwei Auszüge als Kostprobe:

SELBSTDIAGNOSE

irgend etwas muss ich haben
(Pocken oder Beulenpest?)
das die Männer von mir fernhält
und sie dort auch bleiben lässt
(…)

oder:

UNGESCHLIFFENER AMETHYST

hier und da
lass ich mir
einen Brocken Gestein dr Unwissenheit abschlagen

viel zu oft
darf die Gewohnheit
mit dem Schmirgelpapier an mir rumfummeln

aber Facettenschliff?
Nö danke!

Da ist die Fassung so verdammt nah …

ERINNERUNGEN findet man in diesem Buch. An die Kindheit, an vergangene Lieben, an eine verratene Freundschaft, an die Unbekümmertheit der Jugend, an die Zeit, als die Kinder noch klein waren – und an eine Phase der HAUSFRAUENDEPRESSIONEN:

„Löffelchenweise verfütterte ich Ewigkeiten, Energie und Lebensjahre an Kindermäulchen, die sie meist wieder respektlos sabbernd von sich rülpsten. (…) Von vergangenen Zeiten träumte ich, in denen ich noch andere Menschen kannte – außer dem eigenen Mann.“

„Mein halbes Leben habe ich gebeugt an einer zu niedrigen Spüle verbracht!“, ist ihr Fazit. Und es gehen einige Jahre ins Land, bis sich die Autorin bewusst wird: „… es gibt mich wirklich noch!“ Das Leben findet also nicht nur in ihren Tagträumen statt.

Wer das egoistische Trampeltier war, das sie in dem Gedicht ENTSCHULDIGUNG so gnadenlos porträtiert, verrät sie uns leider nicht. Ob derjeinige sich beim Lesen wohl wiedererkannt hat? Oder ob er noch immer nichts merkt?

Zum Heulen schön: der Nachruf auf eine gescheiterte Ehe: WILLST DU MIT MIR GEHEN? Ein erfreulicher Beweis dafür, dass man nicht immer Gift und Galle spucken muss, wenn eine langjährige Beziehung nicht mehr lebbar ist, sondern dass man in Anstand und Würde getrennte Wege gehen kann.

BRIEFE UND ABRECHNUNGEN wenden sich direkt an die Personen, die die Autorin ein Stück ihres Weges begleitet haben. Oder eben nicht begleitet haben. Das Gedicht DOCH OHNE MEINEN VATER ist an den abwesenden – und vielleicht auch abweisenden – Elternteil gerichtet. FAN(ATISCH) ist den Künstlern Klaus Hoffmann und Wolfgang Niedecken gewidmet, die Ute Maria Seemann seit ihrer Jugend verehrt – wobei sich natürlich Ausdruck und Intensität der Begeisterung über die Jahre gewandelt haben. Eine augenzwinkernde Hommage an ihre Idole. WEISST DU NOCH? gilt einer ehemals guten Freundin und GEFANGENE DER ZEIT einem ihrer Söhne.

Manche Erinnerung ist auch als (VER)STIMMUNGSBILD in die Annalen eingegangen. Die Geschichte SONNTAGVORMITTAGSIMPRESSIONEN, zum Beispiel. Ein Familienausflug steht auf dem Programm, doch schon die Vorbereitungen erweisen sich als erschöpfend und wecken in der Autorin die Sehnsucht nach einem beschaulichen Leben im Kloster. Doch in diesem turbulenten Haushalt hat man kaum Zeit, einen Satz zu Ende zu denken, geschweige denn, irgendwelche Konsequenzen zu ziehen.

Kommen wir zur Kategorie SCHWÄBISCHES:
In keiner Sprache der Welt kann man sich so treffend und nuancenreich ausdrücken wie im heimischen Dialekt. Deshalb enthält dieses Büchlein natürlich auch Schwäbisches. Und unter anderem mein Lieblingsgedicht aus diesem Band: Die QUADROLOGIE DES GEHENS. Das ganze komplexe Beziehungsleben – erste Liebe, Kinder, Trennung, neue Liebe – in vier prägnanten Strophen. Hier ein Auszug:

QUADROLOGIE DES GEHENS
oder; Komm mit, gang weg!

I. komm, mir ganget!
bleib, i komm!
wenn du net goasch, bleib i au …
geh mr jetzt endlich?

MIR ZWOI GANGET ZAMMA

II. goasch da weg!
gang endlich noara!
gang no, i komm au bald!
komm, gang jetzt endlich!

MIR ZWOI KOMMET ZU NIX, MIR HEN KENDER
(…)

Ob die eigene Biographie nun mehr oder weniger Parallelen zu der Lebensgeschichte der Ute Maria Seemann aufweist – vieles ist so universal, dass man sich unwillkürlich darin wiedererkennt. Und man kann gar nicht anders, man muss die Autorin für ihre „Durchwurstel-Qualitäten“ bewundern. Und dafür, dass sie den Humor behält, auch wenn es wieder mal alles andere als rote Rosen regnet …



Arbeitnehmer-Gebet
Mai 21, 2007, 7:13 am
Filed under: Hausfrauen-Poesie

Arbeitnehmer-Gebet

Herr im Himmel, ist das fair?
Die Arbeit wird hier täglich mehr.
Meine Freunde haben keine.
Wir sind alles arme Schweine.

Gibt’s keinen Mittelweg mehr hier
zwischen Herztod und Hartz IV?
Schick den Mächtigen im Land
bitte Herz – und viel Verstand.

Herr, ich preise Deinen Namen.
Auch nach Feierabend. Amen.



Krümel findet nicht mehr heim
Mai 16, 2007, 4:05 pm
Filed under: Tierisches

Die Welt ist voll von guten Ratschlägen, wenn es darum geht, eine entlaufene Katze zu suchen. Aber was alles auf einen zukommt, wenn einem so ein Tierchen zuläuft, davon spricht kein Mensch. Entsprechend ahnungslos waren wir, als es eines Freitag abends plötzlich bei uns an der Wohnungstür klingelte. Ich war nach einem langen Arbeitstag gerade dabei, die Wohnung zu putzen und nicht gerade begeistert von dieser Unterbrechung. Der „Störenfried“ war meine Nachbarin. „Schaut mal, was ich hier habe!“ rief sie und hielt meinem Lebensgefährten und mir ein wunderschönes, grau-weißes Kätzchen entgegen. „Ist der nicht niedlich?“

„Deiner?“, erkundigte ich mich neugierig.
„Nein. Ganz bestimmt nicht! Den hab ich hier nur aufgelesen. Er sitzt garantiert schon eine halbe Stunde vor der Haustür und plärrt. Ich glaube, der findet nicht mehr nach Hause.“

Wir schauten uns den Kleinen etwas genauer an. Er war sicher nicht älter als drei Monate.
„So gesund und gepflegt, wie der aussieht, gehört der bestimmt jemandem“, meinte Gerhard, meine bessere Hälfte. „Wahrscheinlich haben seine Leute eine Sekunde lang nicht aufgepaßt, und da ist er dann abgehauen.“
„Den können wir doch nicht hier draußen rumirren lassen“, fand ich. „Komm, gib her, ich nehme ihn mit rein! Bestimmt hat er Hunger.“
Gerhard verdrehte die Augen. „Wir haben doch schon drei so Biester! Was willst du denn mit noch einem? Bring ihm was zu Essen raus, und dann warten wir ab. Vielleicht fällt ihm ja doch noch ein, wo er wohnt.“

Unsere Nachbarin setzte den Kater also wieder in den Garten. Ich holte ihm ein Schüsselchen Dosenfutter und stellte es vor ihn hin. Aber er schnupperte nur kurz daran, setzte sich dann wieder vor die Haustür und stimmte sein herzzerreißendes Klagelied an. Länger als dreißig Sekunden hielt ich das nicht aus. Ich schnappte mir den kleinen Krümel und trug ihn die Wohnung. Die Nachbarin grinste. Ich glaube, sie wußte ganz genau, warum sie gerade bei uns geklingelt hatte …

Kaum hatte ich den Kater auf den Teppich gesetzt, war er auch schon von unseren drei Monstern umringt. Sie wurden lang und länger und beschnupperten den Eindringling mißtrauisch. Er dagegen blieb ungerührt sitzen. Selbst dann noch, als unsere dienstälteste Hauskatze zu jaulen und zu knurren anfing und die beiden Kater in den Chor mit einstimmten.

Nun, die würden sich schon einigen. Ich zeigte unserem vierbeinigen Gast, wo bei uns die Futternäpfe stehen und wo er die Toilette findet. Er war kein bißchen schüchtern und fand sich im Handumdrehen zurecht. Und als er sich nach einem ausgiebigen Erkundungsgang dann schließlich bei Gerhard auf dem Schoß zum Schlafen zusammenrollte, waren wir uns ganz sicher: Der Kleine kannte sich aus in einem Menschenhaushalt. Irgendwo wurde er bestimmt verzweifelt gesucht und schmerzlich vermißt. Nur wo?

Unsere drei Katzen liefen derweil herum wie Falschgeld. Noch ein vierbeiniger Hausgenosse, der mit ihnen um unsere Aufmerksamkeit konkurrierte, das war ihnen gar nicht recht. „Macht euch keine Sorgen“, sagte ich, „der geht ja bald wieder heim zu seinen Menschen!“
„Wollen wir’s hoffen!“ meinte Gerhard düster.

Irgendwie mussten wir ja nun publik machen, daß wir den kleinen Kater bei uns aufgenommen hatten. Ich setzte mich an den Computer und entwarf ein Plakat: „Grau-weißes Katerchen zugelaufen. Ca. 3 Monate alt. Kopf, Rücken, Schwanz grau. Gesichtszeichnung, Bauch und Pfoten weiß. Sehr gepflegt und menschenbezogen.“

Ich schrieb Name, Adresse und Telefonnummer darunter und illustrierte den Text mit einem Katzenbild aus meiner Stempelsammlung, das eine gewisse Ähnlichkeit mit unserem Findling hatte. Und dann machten wir uns daran, diese Information gezielt zu verbreiten. Das Tierheim und die örtlichen Tierärzte wurden angefaxt, und am nächsten Tag überzogen wir unseren Wohnort systematisch mit den Plakaten. Eins kam ans Gartentor und eins an die Haustür – damit der Postbote informiert war. Der kam ja überall herum und würde vielleicht auch wissen, wo ein entsprechendes Tier vermißt wurde. In den Banken, im Supermarkt und im Café wurde ebenfalls plakatiert. Und eine Anzeige im örtlichen Gemeindeblättchen geschaltet. Jetzt konnte es ja wirklich nicht mehr lange dauern, bis Krümels Mensch sich bei uns melden würde. Dachten wir.

Unterdessen war unser Hausgast damit beschäftigt, die Wohnung zu erobern. Egal, ob Dusty, Rocky und Blacky fauchten oder spuckten, der kleine Krümel hatte die Ruhe weg. Er thronte hoch oben auf dem Kratzbaum, schlief in meinem Bett und sprang beim Sonntagsfrühstück beherzt auf den Tisch, um ein Stück von der begehrten Schinkenwurst zu ergattern. Eine Unsitte, die wir natürlich auch bei einem Gast nicht unwidersprochen hinnehmen konnten … Jeden Morgen spielte sich ein bestimmtes Ritual ab: Krümel fraß erst seinen „Kinderteller“ leer und machte sich dann noch über das Futter seiner drei Gastgeberkatzen her. Und wenn er sonst nichts besseres zu tun fand, jagte er unsere drei unerbittlich durch die Wohnung. Eins war gewiß: Die würden froh sein, wenn er wieder ging!

Mittlerweile war es Montag geworden und noch immer hatte sich niemand bei uns gemeldet und Krümel für sich beansprucht. „Den hat bestimmt einer ausgesetzt“, meinte Gerhard. „Den haben die ganz gezielt bei uns in den Garten gesetzt, weil sie wußten, daß wir uns schon um ihn kümmern würden. Eine bodenlose Schweinerei ist das! Was machen wir jetzt bloß mit ihm? Hierbleiben kann er nicht. Vier Katzen sind entschieden zu viel.“

„Ach“, sagte ich, „warten wir diese Woche einfach mal ab. Wenn sich bis zum Wochenende keiner gemeldet hat, dann suchen wir dem Kleinen ein neues Zuhause. Hast du nicht mal gesagt, die Krügers würden vielleicht noch eine Katze nehmen? Krümel Krüger, das wäre doch ein toller Name für den Kleinen!“

Am Dienstag trat ich schweren Herzens meine lang geplante Geschäftsreise an und ließ Mann und Katzen daheim wursteln. Immer wieder dachte ich an unseren Krümel und was wohl aus ihm werden würde. Am Mittwoch abend kam dann der erlösende Anruf. „Stell dir vor, Krümel ist wieder bei seinen Menschen“, erzählte mir Gerhard am Telefon. „Er wohnt praktisch nur um die Ecke. Seine Leute lassen ihn in den Garten, und bis jetzt hat das auch alles immer tadellos geklappt. Aber am Freitag hat er sich wohl verlaufen. Fritzchen heißt er übrigens. Seine „Chefin“ war vorhin hier. Eine nette Frau. Sie hat sogar ein Foto von ihm dabeigehabt, damit wir ihr auch glauben, daß es ihr Kater ist. Mensch, die war vielleicht froh, ihren Kleinen wiederzusehen! Denk dir nur, die haben die ganze Zeit über in der falschen Richtung nach ihm gesucht! Und erst heute haben sie eins unserer Plakate gesehen. Eine Flasche Sekt haben wir übrigens bekommen – als Dankeschön fürs Katerhüten.“
„Ha! Wenn das so ist, kann er natürlich öfter kommen!“

So ging die Geschichte doch noch gut aus. Krümel – der Fritzchen heißt – ist wieder glücklich bei seiner Familie. Wir sehen ihn öfter durch die Gärten stromern. Er scheint uns noch zu kennen. Denn er bleibt immer stehen und läßt sich ein bißchen von uns knuddeln. Ganz stolz trägt er jetzt ein blaues Halsband mit seiner Adresse drauf – damit er sicher nach Hause kommt, falls er wieder mal vergessen sollte, wo er wohnt.



Rocky: Model, Held und Frauenfeind
Mai 16, 2007, 3:48 pm
Filed under: Tierisches

Eigentlich schon komisch … über jedes Findeltier, das sich ein paar Tage bei uns im Haus aufgehalten hat, gibt’s eine eigene Geschichte. Aber über Rocky, den langjährigen Oberboss in unserem Katzenhaushalt, gab’s bislang keine. Das liegt vielleicht daran, dass er so ein braver, unauffälliger Kater ist … von seiner Model-Karriere mal abgesehen.

Aber fangen wir ganz von vorne an, wie sich das bei einer vernünftigen Geschichte gehört: Nach dem Unfalltod unseres Katers Smokey entschlossen wir uns, möglichst rasch wieder eine Zweitkatze anzuschaffen, damit unsere Dusty sich nicht allein zu Hause langweilte, wenn wir bei der Arbeit waren. „Dann hat Smokeys Tod wenigstens etwas Positives“, sagte meine Kollegin Petra. „Ein anderes Katzenkind bekommt ein gutes Zuhause.“

Eine Kollegin meines Mannes hatte prompt einen Tipp für uns: Bei unserem Tierarzt am Ort hing gerade ein Zettel aus, dass 5 Hauskätzchen zu vergeben seien. Wir besorgten uns Name und Adresse, vereinbarten einen Termin und fuhren hin. Eine junge, pechschwarze Katzenmutti namens Alice hatte ein schwarz-weißes Mädchen und vier Tigerkaterchen geworfen. Die ganze Katzenbande wuselte mitsamt den Kindern des Hauses auf einem Matratzenlager in der Firma der Familie herum. Das schwarz-weiße Mädchen war schon vergeben, genauso wie einer der kleinen Tiger, den man zum Zweck der Unterscheidbarkeit mit einem roten Nagellackpunkt an seinem Schwänzchen markiert hatte.

Einen der Tiger, den Charly, wollte die Familie selbst behalten, und wir konnten uns zwischen den verbleibenden beiden nicht entscheiden. Alle wirkten sie gesund, quirlig und aufgeweckt. Sollten also andere Interessenten eindeutige Präferenzen haben, bitte. Wir würden dann eben den anderen Kleinen nehmen. Sein Name jedenfalls stand jetzt schon fest: Rocky sollte er heißen, wie der Boxer in dem Spielfilm, der am Vorabend im Fernsehen gekommen war.

Zwei Wochen später konnten wir unseren Rocky in Empfang nehmen. Mein Mann und mein Schwiegervater fuhren hin, um ihn abzuholen. Das Timing war nicht schlecht: Nach einem Sportunfall war mein Mann krank geschrieben und auf Krücken unterwegs. Er würde zwar nicht schnell genug sein, um einem wuseligen Katzenkind auf Schritt und Tritt hinterherzuhechten, aber zumindest war er zu Hause und hatte Zeit für den Kleinen.

Es war vermutlich noch ein bisschen früh für Rocky und seine Geschwister, von der Mutter getrennt zu werden. Ein bis zwei Wochen elterliche Aufsicht hätte ihnen sicher noch gut getan. Na gut, es musste auch so gehen. Dusty, unsere Erstkatze schied als Mutterersatz aus. Sie war, wie immer, von einem Neuzugang zunächst wenig begeistert und knurrte, fauchte und röhrte in den abartigsten Tönen. „Schalt‘ dein Nebelhorn ab, Dusty“, sagte ich. „Der Kleine bleibt.“

Am ersten Tag in seinem neuen Heim erkundete Rocky jeden Winkel der Wohnung und verkrümelte sich dann erschöpft hinter den Schlafzimmervorhang. (Dort sitzt er heute noch gern.) Am nächsten Morgen weckte uns ein fürchterliches Geplärr. „Ach je, mein Kleiner, weinst du nach deiner Mama?“, fragte ich und streichelte ihn ein bisschen. Zum Dank dafür biss er mich mit seinen Milchzähnchen in die Hand. Na, das konnte ja heiter werden!

Das Geplärr wollte einfach nicht verstummen, und so schnappte ich das Katerchen und setzte es zu meinem Mann aufs Kopfkissen, wo es sich umgehend in die Locken kuschelte und alsbald Ruhe gab. Ich ging ins Büro und überließ Dusty und „die Jungs“ ihrem Schicksal. Von da ab war die Sache für Klein-Rocky klar: Gerhard war sein neues Bezugslebewesen, sein Mensch, sein Dosenöffnungsberechtigter. Und ihm wich er nicht mehr von der Seite.

Der kleine Kater wuchs und gedieh. Noch heute habe ich die Tabelle mit seiner Gewichtszunahme in den ersten Monaten, denn Gerhard setzte ihn jede Woche einmal auf die Küchenwaage und führte penibel über die Daten Buch. Gedanken machte ich mir über die Fellzeichnung des Kleinen. Er hatte nur die minimalste Andeutung einer Tigerzeichnung. Sein Fell sah irgendwie eher nach Feldhase aus. „Meinst du, das bleibt so?“ fragte ich Gerhard. „Keine Ahnung. Vielleicht wird das Muster größer, wenn der Kater größer wird. Aber meinetwegen kann er sein Feldhasenfell auch behalten. Er ist okay so, wie er ist.“

Gerhard sollte Recht behalten: Mit Rocky wuchsen auch die Tigerstreifen, und er bekam eine wunderschöne, feine Fellzeichnung, die ihn äußerst fotogen machte. Schon als kleiner Welpe tauchte er in diversen Tierzeitschriften und Kalendern auf – und verdiente sich sein Whiskas und sein Kitekat mit dem Model-Honorar quasi selber.

Eigentlich hat Rocky nie was angestellt. Spontane Hirnfurzideen, wie seine Katzenkumpels sie hatten, waren ihm fremd. Er schmiss nichts aus den Regalen, grub keine Pflanzen aus, wickelte keine Klorollen ab und rannte auch nicht wie ein Bekloppter durch die Bude. Alles, was er tat, tat er langsam, gründlich und mit Bedacht. Er war von klein auf sozusagen der Beamte unter unseren Katzen. Sogar in Sachen Zerstörung ging er planvoll vor. Er war als Welpe der große Tapetenpeller. Wildes Kratzen lag ihm nicht. Er setzte sich lieber unter den Schreibtisch, suchte sich eine Stelle an der Wand, an der zwei Tapetenbahnen ineinander übergingen, hakte dort eine Kralle ein, und begann, mit Hingabe die Tapete von der Wand zu schälen … still, ruhig und sorgfältig. Das Ergebnis kriegte man erst mit, wenn es zu spät war: Eine kahle Wandfläche und ein Häufchen abgepellter Papierschnitzel.

Mit Frauen hat er’s nicht so, unser Rocky. Er schmust zwar auch mit mir, aber hauptsächlich dann, wenn Gerhard nicht in der Nähe ist. Aber eigentlich bin ich mehr so die Reserve-Bezugsperson, Dosenöffner und Klofrau. Personal, eben.

So gründlich wie Rocky in allem ist, ist er auch im Beleidigtsein, im Nachtragen und darin, jemanden zu verabscheuen. Als kleiner Welpe ist er mir mal voll gegen das Katzenklo gerannt, als ich es gerade nach dem Auswaschen im Hausflur etwas trocken wedelte. Er muss einen ordentlichen Brummschädel gehabt haben, denn er saß danach stundenlang völlig bedröppelt unter dem Sofa. Bis heute … 12 Jahre nach dem Ereignis … nimmt er mir das noch übel. Sobald ich etwas Großformatiges in den Händen halte – und wenn’s nur eine Jacke oder eine Decke ist -, wirft er mir einen vorwurfsvollen Blick zu und rennt wie die wilde Jagd davon.

Auch meine Mutter hat sich vor vielen Jahren in seinen Augen Unverzeihliches geleistet: Sie hat ihn mit einem Staubwedel von seinem Lieblingsplatz oben auf dem Wohnzimmerschrank aufgescheucht. Seit jenem Tag tauchte Rocky sofort in der Wohnung unter, sobald er meine Mutter auch nur reden hörte. Und er verließ sein Versteck erst wieder, nachdem sie nachweislich das Haus verlassen hatte. Sie hat ihn praktisch nie wieder gesehen … nur auf Fotos.

Selbst wenn sie während unserer Sommerurlaube 2 Wochen lang täglich zum Katzenversorgen und Blumengießen kam, blieb unser „Held“ und Frauenfeind unsichtbar. Ab und zu ruckelte sie probeweise an den Büchern im Wohnzimmer. Wenn es dahinter schlecht gelaunt vorfauchte, wusste sie: Aha, alles in Ordnung, Rocky lebt und ist im Hause. Ich bin nur mal gespannt, wie er sich aufführt, wenn er künftig im Urlaub von einer Catsitterin oder in einer Katzenpension betreut werden muss, weil die Familie das aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr kann. Bei den beiden anderen mache ich mir da keine Sorgen – aber wie wird unser Macho-Kater das wohl wegstecken? Bei allem grantigen Boss-Gehabe ist er doch unser Sensibelchen.

So sind sie eben verschieden, die Katzen. Wo unsere Dusty verschmust und anhänglich ist, Blacky verspielt, frech und aufdringlich, ist Rocky eben zickig und eigenwillig. Aber wir mögen jedes Tier so, wie es ist. Und wir hoffen, dass wir noch viele schöne Jahre mit unserem Model, Held und Frauenfeind Rocky haben werden – und mit dem Rest der Katzenbande.



Das feuerrote Impfmobil
Mai 16, 2007, 3:14 pm
Filed under: Tierisches

Die Tierarztpraxis unseres Vertrauens hat einen kleinen Nachteil: Es gibt dort kaum Parkmöglichkeiten. Wenn nur eine unserer Katzen zum Arzt muss, setzen wir sie in den Transportkennel und tragen sie in die Praxis – wir wohnen nur drei bis vier Gehminuten davon entfernt. Aber wenn im Sommer die große Impf-Arie für alle drei Tiere angesagt ist, dann wird das schwierig. Entweder tragen wir die Tiere einzeln hin, oder wir nehmen doch das Auto und haben den Stress mit der Parkplatzsuche. Manchmal haben wir das Auto schon so weit von der Parxis weg parken müssen, dass wir die Tiere gleich von zu Hause hätten hintragen können.

Mir schwebte immer ein Leiterwägelchen als Transportfahrzeug vor, aber so etwas ist sperrig. Man braucht es einmal im Jahr, und dann steht es 364 Tage irgendwo im Weg herum. Der Geistesblitz kam mir, als ich meine Nachbarin eines Morgens mit einer Transportkarre – auch „Sackkarre“ genannt – Getränkekisten nach Hause fahren sah. Wo man Getränkekisten draufschnallen kann, kann man auch Katzenkennels draufschnallen. Ich sah die Konstruktion schon vor mir. So ein Ding musste für den nächsten Impftermin unbedingt her!

Ich lieh mir also von meinem Vater eine Sackkarre und band die Katzenkennels mit einem 4,5 m langen Zurrgurt darauf fest. Das sah zwar ein bisschen nach „Hausfrauenmechanik“ aus, aber es hielt. Und damit man gleich sieht, wozu diese Konstruktion dient, habe ich mit weißem Kopierpapier und roten Klebeetiketten noch ein „Rotkreuz-Logo“ gebastelt und auf den obersten Kennel geklebt.

Am Tag des Arztbesuchs fingen wir unsere drei Pelzmonster ein – den Zickigsten zuerst, den Gutmütigsten zuletzt -, setzten sie in ihr neues „Impfmobil“ und rumpelten damit durch den Ort in Richtung Tierarztpraxis. Eigentlich hatte ich ein fürchterliches Heulkonzert erwartet, weil ich aus Erfahrung weiß, dass unsere Katzen beim Autofahren immer wüst plärren. Sie schauten aber nur verdutzt aus ihren Kennels und waren ganz friedlich.

Die Passanten schauten, staunten und grinsten, wenn sie unser Impfmobil sahen, und mein Mann meinte: „Wir machen uns ja lächerlich mit den Geschoss.“ – „Stört dich das?“ Er grinste: „Nö. Nicht wirklich.“

Auch in der Praxis sorgte das Impfmobil für einige Lacher. Und es erwies sich als im wahrsten Sinne des Wortes „praxistauglich“. Wir mussten es nicht einmal auseinandernehmen, um die Katzen auf den Behandlungstisch zu transferieren. Das Mobil blieb in der Ecke stehen, die Ärztin nahm die Katzen der Reihe nach aus den Kennels heraus, untersuchte und impfte sie. Zurück in ihre Kennels gingen sie dann blitzschnell und freiwillig. Wenn sie das nur einmal zu Hause täten! Da ist es immer ein „tierischer“ Kampf, bis endlich jeder in seiner Kiste sitzt.

Nach der Behandlung rumpelten wir mit unserem selbstgemachten Katzen-Krankenwagen wieder nach Hause. In der Wohnung angekommen, öffneten wir die Kenneltüren, und die Katzen sprangen in hohem Bogen heraus. Sie waren offensichtlich froh und erleichtert, dass der Ausflug vorbei war und erholten sich erst einmal von dem Reisestress.

Im nächsten Jahr geht’s aber definitiv wieder mit unserem Impfmobil auf Tour. Ich habe mir schon eine zusammenklappbare Sackkarre mit einer größeren Auflagefläche zugelegt …