Wahnsinn im Alltag


Kroatien Teil 7: Malinska

Bei Winnetou hat’s nie geregnet!
Kroatien/Krk vom 24.07. bis 03.08.2010

TEIL 7 von 8: MALINSKA, STUHLBRUCH, STROMAUSFALL

SAMSTAG, 31.07: MALINSKA
Es regnete noch immer. Für den Fall, dass es je wieder aufhören sollte, beschloss ich am Samstag, über die Promenade nach Malinska zu gehen. 40 Minuten sollte man dafür brauchen. Es sieht eigentlich vom Hotel aus viel näher aus, aber man geht eben nicht Luftlinie, sondern zickzack am Ufer entlang. Gerhard musste passen, er konnte aufgrund der Bodenbeschaffenheit die Strecke nicht bewältigen. Es steckte ihm sowieso noch die Rennerei durch den Naturpark Plitvicer Seen in den Knochen.

O Wunder, im Lauf des Vormittags hörte es tatsächlich zu regnen auf und ich machte mich auf den Weg, im Gepäck die kleine Digitalkamera, Regenschirm, Sonnenbrille und eine Umgebungskarte. Nicht, dass man auf dem Weg etwas falsch machen konnte. Solange das Meer links von einem ist, ist alles in Butter. Aber es könnte ja sein, dass die Karte vor Ort von Nutzen ist, weil man sich außerhalb der Promenadenstrecke etwas anschauen möchte.

Weil ich unterwegs herumtrödelte, hier und da hochkletterte, fotografierte, mich auf Rentnerbänkchen unter Olivenbäume setzte und aufs Meer schaute, brauchte ich deutlich länger als 40 Minuten, um den Jachthafen von Malinska zu erreichen. Bei dem unbeständigen Wetter waren kaum Leute unterwegs, und das nutzte ich für menschenleere Landschaftsfotos.

Im Ort selber war schon sehr viel mehr los als auf der Promenade. Hier gab’s auch jede Menge Kneipen, Lädchen, Buden Stände und Boutiquen. Bei uns im Hotel hat’s nur einen winzigen Kiosk – und in 20 Gehminuten Entfernung gibt es einen nicht viel größeren Supermarkt. Das war’s dann an Einkaufsmöglichkeiten.

Auf der Suche nach interessanten Ansichtskarten für mein gutes altes Fotoalbum durchstöberte ich das Angebot der zahlreichen Souvenirstände. Doch anscheinend sind Postkarten eine ebenso unzeitgemäße Erscheinung wie Fotoalben mit realen, ausgedruckten Bildern. Es gibt überall nur die gleichen paar Motive, und die meisten sind nicht einmal schön. Ansonsten gibt’s an den Ständen das gleiche Gedöns wie auf allen Jahrmärkten: Klamotten aus Pakistan, Schmuck von den Philippinen und Kitsch aus Plastik.

Eine schön angelegte Promenade, bepflanzt mit exotischen Bäumen und Sträuchern haben sie in Malinska. Und jede Menge Jachten und Segelboote. Ich latschte durch den Jachthafen so weit es eben ging, setzte mich eine Weile auf einen Felsbrocken am Ende des Autoparkplatzes und schaute zu unserem Hotel hinüber. Der Versuch, die Anlage über die Bucht hinweg zu fotografieren, gelang mehr schlecht als recht. Ich hatte nur die kleine Digitalkamera dabei, und bei Sonneneinstrahlung und mit Sonnenbrille auf der Nase ahnt man auf dem Display mehr als dass man sieht, was man gerade fotografieren möchte. Aber der Spaß kostet nichts und man kann ja drölfzig Versuche machen, in der Hoffnung, dass wenigstens einer davon ansehnlich wird.

Nach einer Weile spazierte ich gemütlich wieder zurück zum Hotel. Erstaunlich wenig Gäste heute, fiel mir auf. Auch später beim Abendessen. Vermutlich war „Urlauber-Schichtwechsel“ und am späten Abend würden die „Frischlinge“ ankommen, die dann ebenso ratlos durch die Gänge irren müssten wie wir die Woche davor. In diesem Labyrinth sollte man wirklich Lotsen haben, die den Neulingen den Weg zum Restaurant zeigen. Wenn schon eine eindeutige Beschilderung nicht machbar zu sein scheint.

Von unserer Rückflugbestätigung war noch nichts zu sehen, wie eine Nachfrage an der Rezeption ergab. Ich bezweifelte, dass hier irgend jemand irgendwas aus eigenem Antrieb machen würde, und wir beschlossen, am folgenden Tag den Reiseleiter abzufangen und ihn kurz nach der Bestätigung zu fragen.

STUHLBRUCH UND STROMAUSFALL
Nach all den Regentagen war es nun wieder heiß. Das ideale Wetter, um ein paar Stunden am und im Wasser zu vertrödeln.

Dass unser Hotel nicht nur ein kleines bisschen chaotisch war sondern regelrecht heimtückisch und gefährlich sein konnte, das merkten wir am Nachmittag. 😉 Ein junger Mann, der vielleicht 75, höchstens 80 kg wog, schnappte sich einen der weißen „Gartenstühle“, die immer um den Pool herumstehen, wohl für den Fall, dass die Liegestühle zu knapp werden. Er setzte sich arglos drauf. Rumms, zack, brachen die Hinterbeine und die Rückenlehne des Stuhls ab, das Möbel kippte hintenüber und der Herr landete unsanft auf dem Rücken. Zum Glück kam er mit dem Schrecken davon und rappelte sich gleich wieder auf. Oder er hat vor lauter Schreck erst später gemerkt, dass er sich irgendwas gezerrt oder geprellt hat. Was wir nicht hoffen wollen.

Ein großes Wunder war diese Bruchlandung des Urlaubers nicht. „Was du hier in die Hand nimmst, ist hin“, grollte mal ein Urlaubsgast. Es gab z.B. keinen einzigen Sonnenschirm am Pool, der in Ordnung war. Alle hatten gebrochene Streben und mancher ließ sich gar nicht erst aufspannen. Ist was kaputt, bleibt es auch kaputt. Das interessiert da keine S@u.

Als wir zum Abendessen gingen, stand unten in den Katakomben eine Tür offen und wir sahen einen Haustechniker in einem riesigen Schaltkasten herumwirschaften.
„Au weia, das geht bestimmt wieder schief“, unkte meine bessere Hälfte.

Wie sagt man im Schwäbischen, wenn einer ein Unglück berufen hat? „Grad mach i ’s Maul zua!“ Gegen 22 Uhr tat’s auf einmal einen Schlag und der Strom war weg. Dieses Mal war nicht nur unser Zimmer betroffen, sondern der ganze „B-Block“ des Hotels, inklusive der Außenbeleuchtung. Es war also drinnen wie draußen stockfinster, und auch der Trick mit dem Bewegungsmelder funktionierte nicht, denn der war ja gleichfalls in Mitleidenschaft gezogen. Und da es auch diesmal zu dunkel war, um das Telefon zu sehen, geschweige denn die Nummer der Rezeption zu wählen, konnte man nicht mal die Rezeption verständigen.

Man sollte ja annehmen, dass den Verantwortlichen der Stromausfall in einem ganzen Gebäudeflügel inzwischen aufgefallen wäre. Aber ganz sicher konnte man da nicht sein. Ich öffnete die Zimmertür um mal zu horchen, was die anderen Hotelgäste zu dem Stromausfall sagten. „Mama, wir haben keinen Strom im Zimmer“, rief eine Stimme. Und wir hörten via Flurfunk, dass die Hotelleitung schon von dem Problem wusste und daran arbeitete. Aha.

Nach einer gefühlten Ewigkeit, die bei Lichte betrachtet maximal 5 Minuten gedauert haben konnte, wurde es wieder hell. Weiß der Geier, was das Hotel hat. Vielleicht ist das Sicherungssystem mit dem ganzen technischen Klimbim, der ein Hotel ausmacht, einfach überfordert. Schließlich hätte die Anlage ja ursprünglich gar kein Hotel werden sollen.

An dem Abend erfuhren wir auch, wie das mit dem Rückflug laufen würde: Am Dienstag Früh um 10:15 Uhr würden wir abgeholt und zum Flughafen gebracht werden. Um 11:55 Uhr sollte unser Flug starten, und dann würden wir unser Chaos wieder selber machen können.

SELBSTBEDIENUNG
Der Montag verging unter anderem mit letzten Einkäufen und dem Kofferpacken. Um Hektik am Abreisemorgen zu vermeiden, beschlossen wir, schon jetzt am Abend auszuchecken und am Dienstag Früh nur noch die Zimmerschlüssel abzugeben. Und weil wir nach dem Auschecken gerade in der Lobby waren, setzten wir uns in die Lobby-Bar.

Der junge Barmann musste anderswo im Hotel Personalvertretung machen, weil eine Kollegin ein paar Tage frei hatte. (Gerhard weiß so was, weil die Leute ihm das erzählen. Manchmal mehr, als er wissen will.) Hat einer frei dort, rotiert das ganze Personal – in mehrfacher Hinsicht. Ich sagte ja schon, dass die krass unterbesetzt sind.

Die Lobbybar schließen wollten sie für die paar Tage wohl nicht, also betreute der Chef des Servicepersonals die Bar nebenher mit … also neben seinen üblichen Aufgaben. Das sah dann so aus, dass er machte, was er sonst immer macht und sich alle dreiviertel Stunde mal in der Lobbybar sehen ließ. Das war natürlich blöd, wenn jemand unterdessen bestellen oder bezahlen wollte.

Gerhard erwog schon, sich selbst hinter die Bar zu stellen. Bier zapfen und mit diesem Raumschiff da Kaffee kochen kann er. Aber muss Personal in Bars und Restaurants nicht irgendwelche aktuellen Gesundheitszeugnisse haben? So etwas hat er nicht. Und ich war mir nicht sicher, ob’s nicht Ärger gibt, wenn sich plötzlich ein Unbefugter hintern Tresen stellt. Also doch lieber keine Selbstbedienung.

Und nun wären wir gerne gegangen. Aber ohne zu bezahlen? Das haben wir uns nicht getraut. Ich habe schließlich eines dieser Mäppchen von der Bar genommen, in dem die Kellner den Gästen die Rechnung präsentieren. Von einem Notizblock, der auf dem Tresen lag, riss ich ein Blatt ab, notierte darauf unsere Zimmernummer und was wir getrunken hatten und legte den abgezählten Geldbetrag samt Zettel in das Rechnungsmäppchen. Das platziere ich neben der Kasse. Und ich hoffe, dass sie das Geld gefunden haben und zuordnen konnten. Beschwerden kamen auf jeden Fall keine.



Kroatien Teil 2: Hotel RIU Blue Waves

Bei Winnetou hat’s nie geregnet!
Kroatien/Krk vom 24.07. bis 03.08.2010

TEIL 2 von 8: HOTEL RIU BLUE WAVES – EIN KAPITEL FÜR SICH!

Auch nach der Landung ging alles ruckzuck: Passkontrolle, Koffer vom Gepäckband klauben und den Fahrer von „Gulliver Travel“ finden, der uns zum Hotel RIU Blue Waves bringen sollte. Im Taxi fiel mir ein: „Sag mal, hast du eigentlich die ‚Kunis’ eingepackt?“ Die Kuna meinte ich, die kroatischen Geldscheine, die wir extra noch von der Bank geholt hatten. Er: „Äh … nö. Wenn du sie nicht hast, dann liegen sie noch in der Küche.“

Ah ja, ganz super! Dort nutzen sie uns viel! Aber das kommt davon, wenn man sich ständig nur im Euro-Raum herumdrückt. Wir vergessen, dass man ausländisches Geld mitnehmen muss, wenn man mal wo anders hin verreist. Dabei hatten wir uns noch intensiv mit der Währung befasst. Irgendwie sehen die „Kunis“ vom Design her der letzten D-Mark ähnlich. Das war nicht nur uns aufgefallen. Bei Wikipedia steht: „Die kroatischen Banknoten werden in Deutschland und Österreich von der deutschen Firma Giesecke & Devrient und der österreichischen Firma OeBS gedruckt. Sie ähneln von ihrem Layout den DM-Scheinen der letzten Serie.“

Quelle: http://gallery.hd.org. FREE to download and use!

Das Einchecken im Hotel lief zügig ab. Man händigte uns einen Plan des Hotelgeländes aus mit dessen Hilfe wir unser Zimmer und das Restaurant finden sollten. Einfach war das nicht, die Anlage ist etwas … äh … komplex. Oder, wie man an verschiedenen Stellen im Internet lesen kann: verbaut.

Die Blue-Waves-Anlage wurde ursprünglich gar nicht als Hotel konzipiert, habe ich gelesen. Es hätten Appartements werden sollen. Und als der Laden unterwegs Pleite ging, hat man ein Hotel daraus gemacht. Seit zwei Jahren ist es jetzt in den Händen von RIU. Mit der typischen RIU-Architektur hat das Gebäude deshalb auch gar nichts zu tun, und uns traf fast der Schlag, als wir unser Zimmer sahen: 18 m2 im Erdgeschoss und weder Terrasse noch Balkon, nur ein Fenster. Das Zimmer war schon mit Schrank und Doppelbett voll. Wenn einer im Zimmer etwas kramte, und der andere von A nach B wollte, musste er entweder warten oder übers Bett klettern, denn aneinander vorbei kam man nicht. Also nee! Da wollte ich nicht bleiben!

Dass es in RIU-Hotels Zimmer ohne Balkon oder Terrasse gibt, hatten wir in den vergangenen 16 Jahren noch nie erlebt. Wir dachten, alles sei wie immer. Im Katalog war ein geschickter Gebäude-Ausschnitt mit Balkongeländer abgebildet, und dass die Angabe „Balkon“ in der Zimmerbeschreibung fehlte, ist uns nicht aufgefallen. Ein Balkon war für uns aufgrund der vergangenen Erfahrungen mit dieser Hotelkette so selbstverständlich wie Bett, Bad und Klo.

Dass es auch Häuser gibt, die von der Standardausstattung der Marke abweichen, auf die Idee sind wir einfach nicht gekommen. Und da waren wir nicht die einzigen. Wenn man mal im Internet nach Hotelbewertungen sucht, wird man eine Menge entsetzter und enttäuschter RIU-Stammkunden finden, die den Daumen senken. Andere Gäste, die ohne diese hohen Erwartungen hingingen, fanden alles halb so schlimm. (Aber „halb so schlimm“ ist auch nix, was ich Verbindung mit meinem Urlaub schreiben, sagen oder hören will.)

Na, vielleicht konnten wir ja noch umziehen! Wir schmissen unser Gepäck in das Zimmerchen und machten uns auf die Suche nach dem Restaurant, das in einer knappen halben Stunde schließen würde, Nach –zig Treppen und einem halben Dutzend mal „push“ und „pull“ an irgendwelchen Feuertüren, führten die Schilder ins Leere und wir mussten so lange durch die Gänge irren, bis wir einen Urlaubsgast trafen, der uns den Weg weisen konnte. (Nach zwei Tagen blickt man das dann locker, aber wenn man am späten Abend ankommt und alles stockdunkel ist, ist man echt überfordert.)

Nun hatten wir noch eine Viertelstunde Zeit zum Abendessen. Erst wollten sie uns nichts mehr geben, aber nach einigem Gezicke und Gebettle und dem Versprechen, uns ganz fürchterlich zu beeilen, konnten wir uns doch noch was von den Buffet-Resten nehmen.

Zurück an der Rezeption erwies sich das mit dem Zimmertausch als Fehlanzeige. Der Mann an der Rezeption konnte uns auch gegen Aufpreis kein besseres Zimmer geben. Er hatte keins. Die allerwenigsten Zimmer hatten einen Balkon – was wir in der Dunkelheit nicht hatten sehen können.

Na, super! Dabei hatten wir daheim im Reisebüro extra noch 100,- Euro mehr für ein besseres Zimmer bezahlt. „Sonst kommen Sie neben den Aufzug oder haben Aussicht auf die Müllcontainer“, hatte der Reisefachmensch unseres Vertrauens gesagt. Tja. Kann schon sein, dass es quartiermäßig noch schlimmer hätte kommen können.

NA, WENN IHR KEINE GESCHÄFTE MACHEN WOLLT …!
An der Lobbybar des Hotels trafen wir ein Ehepaar aus der Gegend von Hannover, das auch in die RIU-Falle getappt war. Von den beiden erfuhren wir, dass es am Sonntag Vormittag um 10 Uhr in eben dieser Lobby eine Informationsveranstaltung für Neuankömmlinge geben würde. Im Ordner unseres Reiseveranstalters, der auf dem Tresen der Rezeption steht, fehlte dieser Hinweis. Jemand hatte daraus Seiten entnommen und niemand hat sie mehr ersetzt. An der Rezeption hatte man uns gesagt, dass wir entsprechende Informationsunterlagen auf unserem Zimmer vorfänden, doch das entsprach nicht den Tatsachen. So groß, dass wir die Unterlagen übersehen haben könnten, war das Zimmer ja nicht.

Auch andere Gäste erfuhren nur durch Zufall von dem Infotreffen. Genau wie bei dem Treffen, an dem die Hannoveraner teilgenommen hatten, waren auch wir nur zu viert. Es waren deutlich mehr Gäste erwartet worden, das sah man an den vorbereiteten Getränken. Wir haben dem Reiseleiter gesagt, dass wir nur zufällig und durch Mundpropaganda von der Veranstaltung gehört hatten – und das auch nur, weil wir das Prozedere kannten und gezielt danach gefragt hatten. Das gleiche hatten ihm die Hannoveraner vor zwei Wochen auch schon gesagt, und passiert ist nichts. Also nehme ich an, dass sich an dem Vorgehen nichts ändern wird. Selber schuld, Jungs! Wenn die Gäste nichts von der Veranstaltung wissen, können sie auch keinerlei Ausflüge buchen und dem Veranstalter entgeht Umsatz.

JUGEND FORSCHT
Freundlich ist das Personal, aber ein bisschen überfordert wirkten die Leute auch, nicht zuletzt deshalb, weil sie dramatisch unterbesetzt sind. Das ist alles so ein bisschen „Jugend forscht“: Schüler und Studenten spielen in den Semesterferien Servicepersonal. Der Verdienst sei ihnen von Herzen gegönnt. Und solange alles glatt geht, ist das auch wunderprächtig. Doch sobald etwas Unvorhergesehenes eintritt, sind sie ratlos. Und im Urlaub habe ich wenig Lust, unerfahrenes Jungpersonal and die Hand zu nehmen und zu sagen: „Schau mal, das machen wir jetzt so …!“ Bei technischen und organisatorischen Problemen in einem Hotel sollen sich ausgebildete Profis ihren Kopf zerbrechen – und nicht Schulbuben oder zahlende Gäste.

Stil hatten die RIU-Hotels mal. Und Professionalität. Jetzt wurstelt sich – zumindest in diesem Hotel – angelerntes Personal durch den Alltag und gekleidet ist es nach dem Motto: „Ist der Kellner zu kurz, ist die Hose zu lang.“ Und der Saum wird dann nicht etwa hochgenäht, damit die Uniform passt, sondern ist aufgrund der Überlänge abgelatscht, dreckig und eingerissen. Ich glaube, ich möchte nicht hören, was der Firmengründer, Don Juan Riu und sein Sohn, Luis Riu senior, zu so einem verratzten Auftritt gesagt hätten. Sie kriegen es zum Glück nicht mehr mit.

Nachdem uns Reiseleiter Wilfried über das Land, die Insel und die nähere Umgebung informiert hatte, machten wir uns auf den Weg, die Gegend zu erkunden. Über die Promenade war es vom Hotel aus ein 40-minütiger Fußweg bis zur Ortschaft Malinska. Nach der halben Strecke musste Gerhard, meine bessere Hälfte, wegen Kniebeschwerden aufgeben. Auf dem unebenen Kiesweg hatte er große Probleme. Ein mehrfach operiertes Knie ist eben nicht mehr „wie neu“. Malinska würde ich wohl alleine besuchen müssen.

METEORITENHAGEL?
Auch was das Mitbringen von Handtüchern und Duschgel angeht, bin ich in die RIU-Falle getappt. Duschgel gab’s immer in den Hotels. Gehört zum Standard ab 4 Sternen, hab ich mal gehört. Aber hier wurde das Duschgel nach Ausgabe der ersten Einmalportion nicht mehr aufgefüllt. Und Handtücher habe ich natürlich auch keine von zu Hause mitgebracht. Hätte ich vielleicht tun sollen, denn wir bekamen immer nur eines für zwei Personen. Dass jeder eins kriegt, das klappte erst kurz vor unserer Abreise. Mit den Handtüchern musste es halt irgendwie gehen. Duschgel haben wir uns im örtlichen Supermarkt beschafft.

Im Vergleich zu den spottbilligen Hotels im damaligen Ostblock, in denen wir vor rund 30 Jahren abzusteigen pflegten, ist das RIU Blue Waves natürlich ein Paradies. Aber damals wussten wir: wenig Geld, wenig Musik. Hier hatten wir für einen 4-Sterne-RIU-Service bezahlt und nur einen faden Abklatsch davon bekommen. Die 4 Sterne, die dieses Hotel hat, verdankt es allein seiner Ausstattung, nicht dem Service. Oder einem Meteoritenhagel.

Wenn ich nicht das Schild am Eingang gesehen hätte, hätte ich vehement bestritten, in einem RIU-Hotel zu sein. Denn diesen Standard hat der Laden nicht. Es sei denn, die Marke hätte ihren Qualitätsstandard in den letzten zwei Jahren rasant gesenkt. Dann macht’s freilich auch nichts mehr aus, wenn jeden Tag andersfarbige Papierservietten auf den Tisch kommen, je nachdem, was der Supermarkt gerade hergibt. Und dass fünferlei Mobiliar im Speisesaal herumsteht, der von der Größe her gar nicht alle Gäste fassen kann. Wenn das Wetter mal zu schlecht sein sollte, um im Freien zu essen, möchte ich sehen, wie die Herrschaften 150 bis 200 Leute in dieser Garage abfüttern.

Wenn eh schon alles Wurscht ist, dann ist’s auch vollends egal, dass die Restaurant-Türen verschmiert sind, die Türen der Restaurant-Toiletten nicht schließen und man sich auf dem Weg zum oder vom Abendessen entweder durchs eng bestuhlte Lokal an den anderen Gästen vorbeischlängeln muss – oder an den Restaurantmüllcontainern im Außenbereich. Aber wenn allen alles egal ist, dann gibt’s für die Kunden auch keinen Grund mehr, speziell RIU zu buchen. Dann tut’s jeder Billigschuppen.

A propos Restaurant: Während die einen Gäste schön angezogen bei Tisch sitzen und ihr Abendessen genießen, latschen wenige Zentimeter neben ihnen andere Hotelgäste mit nassen Badeklamotten, aufgeblasenen Luftmatratzen und Schwimmviechern vom Strand ins Hotel. Es gibt keinen anderen Weg vom Meer ins Haus als durch den Terrassenbereich des Hotelrestaurants. Das ist schon ein bisschen skurril. Da sind Loriot-würdige Szenen geradezu vorprogrammiert. Ich hab die ganze Zeit darauf gewartet, dass mal Herrn Müller-Lüdenscheidts Quietscheentchen in Herrn Hoppenstedts Kosakenzipfel fällt.

Im Internet liest man auch immer wieder, dass das Essen nix sei. In den Chor kann ich jetzt nicht einstimmen, was aber daran liegt, dass ich diesbezüglich recht genügsam bin. Es ist jetzt nicht gerade eine Offenbarung, aber das Vorspeisenbuffet und die Nachspeisen waren immer lecker. Besser als in der Kantine ;-). Der Mann meint, die Hauptgerichte hätten besser gewürzt sein können, aber ich denke, in so einem Fall muss die Küche eben „mehrheitsfähig“ kochen und kann auf die Liebhaber von Chili & Co. nicht so viel Rücksicht nehmen.

Gut, vergessen wir das Hotel. Aber die Bucht, in der es liegt, ist sehr schön. Das Wasser ist sauber und die Promenade wunderbar zum Spazierengehen und Joggen geeignet, ja sogar zum Radfahren, auch wenn man für den Fußgängerslalom vermutlich starke Nerven braucht. Für den Strand empfehlen sich dringend Badeschuhe. Nicht nur so Gummilatschen, sondern „Stiefel“ mit Reißverschluss, die man auch im Wasser anbehalten kann.

Geht man vom Hotel aus rechts die Promenade entlang, kommt man innerhalb von rund 40 Minuten nach Malinska. Geht man links herum, ist man in ca. 5 Minuten in Porat. Auf dem Weg nach Porat grenzt der Wald direkt ans Meer. Man kann sich unter die Bäume setzen und ins Wasser schauen. Wir haben uns den kleinen Hafen in Porat angesehen und sind dann wieder zurückspaziert. Ein Kloster gibt’s dort auch: Das Kloster und die Kirche des 3. Franziskanerordens Hl. Maria Magdalena in Porat stammen aus dem Jahr 1480. Das Atrium des Klosters ist für sein glagolitisches Lapidarium bekannt, das der Akademiker Branko Fučić gestaltet hat und beinhaltet Kopien der ältesten und bedeutendsten kroatischen glagolitischen Inschriften. Das schöne Altarbild „Maria Magdalena mit Heiligen“ (16. Jh.) malte Girolamo da Santacroces Sohn Francesco.